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Lot 2076 Jünger, Ernst
Korrektur-Exemplar von "Afrikanische Spiele"
Sold
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- Korrektur-Exemplar seines Buches "Afrikanische Spiele" (1936) für die "durchgesehene und erweiterte" Neuausgabe (1951). Ausgebundenes Exemplar der Erstausgabe aus der Hanseatischen Verlagsanstalt. 220 S. Mit sehr zahlreichen handschriftlichen Korrekturen, Änderungen, Streichungen und Einschüben in roter und dunkelblauer Tinte sowie Kugelschreiber im gedruckten Text und auf 12 eingelegten Zetteln. Lose Bl. in der Orig.-Einbanddecke. (Wilfingen 1951).

Außerordentlich interessantes Dokument der akribischen Arbeit Jüngers an seinem Text, das durch den krassen Gegensatz der politischen und geistigen Epochen (Vorkriegs-, Nachkriegszeit) in ihrer Einwirkung auf das Buch noch an Bedeutung gewinnt. Für die Neuausgabe seines Werkes hatte Jünger den jungen Verleger Günther Neske in Pfullingen gewonnen. Eine Umarbeitung erschien jedoch unerläßlich, und so hatte sich der Autor 1951 ein Exemplar der Original-Ausgabe von 1936 vorgenommen, um es einer gründlichen Revision zu unterziehen. Dies geschah offenbar nicht kontinuierlich in einem Zuge, denn es kamen drei verschiedene Schreibwerkzeuge zur Verwendung: Feder mit roter Tinte, Feder mit dunkelblauer Tinte und (wohl zuletzt) blauer Kugelschreiber. Der Kugelschreiber-Duktus wirkt zuweilen etwas runder, leicht abweichend von Jüngers üblichem Schriftbild. Da jedoch die mit Kugelschreiber ausgeführten schwerwiegenden Text-Änderungen und Einschübe durchweg die gleiche Qualität aufweisen wie die mit Tinte geschriebenen, so ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass nur die mehr Druck erfordernde Handhabung des Kugelschreibers das zuweilen etwas abweichende Schriftbild verursachte. Der Erbe des Neske Verlags versichert, dass weder seine Eltern, noch andere Personen irgendwelche Änderungen an Jüngers Texten vorgenommen haben.
Jüngers Eintragungen in unserem Exemplar beginnen auf dem Vortitel mit dem gewünschten Text für die Titelrückseite der Neuausgabe, mit Kugelschreiber, aber in Jüngers typischem Schriftduktus: "Erschienen ... Auflage, ... Tausend. Durchgesehen im Mai 1951 in Wilfingen. Eine französische Übersetzung erschien unter dem Titel 'Jeux Africains' bei Gallimard". Fast jede der nun folgenden Seiten weist mehrere Änderungen auf, und zwar nicht, wie bei Korrekturfahnen üblich, Fehler-Korrekturen, sondern Textänderungen in kleinem und großem Maße. Stilistische Glättungen und Verbesserungen vieler Art wechseln mit teils umfangreichen Einschüben, die nicht nur an den Rändern, sondern auch auf beiliegenden Zetteln notiert sind. Ein solcher Zettel, ausnahmsweise maschinenschriftlich, erweitert auf S. 6 Jüngers Schülerträume von Afrika. Jünger schreibt ursprünglich: "So war ich bereits dazu übergegangen, mich am Unterricht nicht mehr zu beteiligen und mich statt dessen in afrikanische Reisebeschreibungen zu vertiefen, die ich unter den Pulten [verbessert: unter dem Pult] durchblätterte". Hier fügt er die schöne Verdeutlichung ein: "Wenn eine Frage an mich gerichtet wurde, mußte ich erst all jene Wüsten und Meere überwinden, bevor ich ein Lebenszeichen gab. Ich war im Grunde nur als Stellvertreter eines fernen Reisenden anwesend." Wie weit eine solche Umarbeitung zuweilen geht, mag eine Passage auf S. 32 zeigen, wo Jüngers Traum-Begegnung mit der rätselhaften Dorothea geschildert wird. Der ursprüngliche Text lautet:
"Das Gefühl der Erheiterung, mit dem ich erwachte, war außerordentlich. Während der erste Besucher immer tiefer in den Traum zurückgewichen war, trat Dorothea immer deutlicher aus ihm hervor. Dennoch blieben ihre Züge unbestimmt, aber dies erhöhte ihre Anziehung. Es ging ein Hauch der unbedingen Jugend und der wälderhaften Frische von ihr aus, und es kam mir vor, als ob sie zum Bernstein eine besondere Beziehung besaß. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kobold war sie von einer knisternden Intelligenz. Ich hatte ein Gefühl des Zutrauens zu ihr, das sich schwer beschreiben läßt; es war, als ob man eine gefährliche Landschaft mit einem Gefährten durchwanderte, der über eine solche Sicherheit verfügte, daß man die Bedrohung vergaß. Allmählich gelang mir immer dichtere Annäherung ...".
Der neue Text lautet: "Das Gefühl der Erheiterung, mit dem ich erwachte, war außerordentlich. Es gibt ja in diesen Jahren eine Art der Trunkenheit, als ob die Luft berauschend sei. Während der erste Besucher immer tiefer in den Traum zurückgewichen war, trat Dorothea immer deutlicher aus ihm hervor. Zwar blieben ihre Züge unbestimmt, doch das erhöhte ihre Anziehung. Es ging ein Hauch der grossen Jugend und der wälderhaften Frische von ihr aus, und es schien mir, als ginge ein Knistern wie von Bernstein von ihr aus. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kobold war sie von sprühender Intelligenz. Ich hatte ein starkes Zutrauen zu ihr. Es war, als ob man auf gefährlicher Wanderschaft von einem Kameraden begleitet würde, der über eine Sicherheit verfügte, vor der man die Bedrohung ganz vergass. Allmählich gelang mir eine immer dichtere Annäherung ...". - Zur Schmetterlingsjagd heißt es ursprünglich: "Diese kleinen Wesen spielten also wohl die Rolle des Talismans. Aber nicht sie allein, sondern das Schöne überhaupt, gleichviel, ob es sich als Landschaft darstellte, oder als Gegenstand, rief diese anziehende Wirkung hervor". Jünger ändert dieses Bekenntnis in: "Die Falter spielten also die Rolle des Talismans. Aber nicht sie allein, sondern das Schöne überhaupt, gleichviel in welche Formen und Gegenstände es sich kleidete, rief diese Anziehung hervor." Hier wie an vielen anderen Stellen scheint es, als sollte der ursprünglich poetische Ausdruck einer kühleren, klareren und knapperen Sprache weichen. Andernorts färbt er eine wenig spannende Passage durch eine kleine Anekdote bunter: Auf Seite 58 beschreibt er einen Artisten, der seine Muskeln spielen läßt, "wie man es zuweilen vor den Zirkusbuden sieht. Dann führte er uns einige seiner Glanznummen vor ...". Hier fügt Jünger eine kleine Pikanterie hinzu: "Besonders imponierte mir, dass dabei eine auf den Bizeps tätowierte ganz nackte Dame sich so sinnreich mitbewegte, dass sie den Bauchtanz zu zeigen schien. Paul führte uns dann einige seiner Glanznummern vor ...". - Seite 105-112 sind komplett gestrichen und mit dem Hinweis versehen: "Hier folgt Einschub S. 1-11". Die Handschrift dieses Textes ist hier jedoch nicht mehr vorhanden. - Auch der Beginn des Nachwortes auf der letzten hier vorhandenen Seite (220) ist komplett gestrichen, mit dem Vermerk: "Fällt aus! Folgt Verzeichnis der Bücher : 'Von E. J. erschienen ...". - Der Band, den der Autor für die "Durchsicht" aus seiner Bibliothek entnahm, trug und trägt noch seinen alten Stempel "E. Jünger. Archiv" auf dem (beschnittenen) Vorsatzblatt, doch Jünger, ein enger Freund und Förderer des jungen Verlegers Neske und seiner Familie (auch sein Hochzeitsgast), überließ diesem das Exemplar nach Erscheinen der neuen Ausgabe, so dass es nach Auflösung des Neske Verlags im Familienbesitz verblieb und schließlich an die Erben überging. - Der vorliegende Band bietet faszinierende Einblicke in den Prozeß der gründlichen Umarbeitung eines autobiographischen Werkes, den einer der führenden Schriftsteller des 20. Jahrhunderts nach 15 Jahren der Diktatur, des Krieges und Nachkriegs auf sich genommen hat.

Estimate
€ 9.000   (US$ 10.260)


Hammer Price
€ 10.000
(US$ 11.399)
(GBP 8.800)
(CHF 11.399)



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