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Lot 2075 Jünger, Ernst
Vollständige Korrekturfahnen zu "Gärten und Str...
Sold
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Jünger, Ernst, Schriftsteller (1895-1998). Die vollständigen Original-Korrekturfahnen zur Erstausgabe von "Gärten und Straßen". Mit zahlreichen Korrekturen, Streichungen und Zusätzen von der Hand des Autors. 218 nummer. Bl. (eigentlich 217, das erste nummeriert 1-2), einseitig bedruckt. Festes, Bütten-ähnliches Papier. 25 x 20 cm. Lose Bl. in grün marmor. Halbleder-Decke d. Z. (Rücken ausgeblichen und etwas berieben) mit vergold. Rückentitel, in passendem marmor. Papp-Schuber. (Oktober 1941).

Korrekturfahnen der 1942 bei E. S. Mittler in Berlin erschienenen Erstausgabe von Ernst Jüngers "Gärten und Straßen" mit dem Untertitel "Aus den Tagebüchern von 1939 und 1940". Mit hellblauer Tinte und großer Sorgfalt vom Autor durchkorrigiert. Satzfehler-Korrekturen finden sich phasenweise fast auf jeder Seite; Text-Änderungen und Streichungen kommen weniger, aber immer noch sehr reichlich vor. Einige Beispiele: Auf Seite 37 ("15. Juni 1939") heißt es: "Beendet: Spengler, 'Zur Weltgeschichte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends', eine seiner letzten Schriften, in der die Drähte recht derb gezogen sind. Die Wirkung dieses Autors liegt in der Sprache, und deren Geheimnis liegt darin, daß sie Herz besitzt. In seiner Prosa steckt ein Zug, der an die Hürden geht." Dieser Passus ist komplett gestrichen. - Auf Seite 40 kommentiert er einen Roman von Léon Bloy und schreibt: "Auf Seite 169 ein Bild, das ich als schief empfinde." Diese subjektive Wendung ersetzt Jünger durch eine sehr viel objektivere Feststellung: "ein Beispiel für ein Bild, wie man es vermeiden soll". - Seite 79 heißt es: "Lektüre: Hasper, 'Über die Krankheiten der Tropenländer', Leipzig 1831, der seit langem unter meinen Büchern seht." Jünger fügt handschriftlich hinzu: "Derartiges kaufte ich damals gern". - Seite 81 wird eine Zugfahrt nach Rastatt erwähnt: "In den Nichtraucherabteilen ist es immer ein wenig leerer - so schafft schon eine Askese niederen Ranges den Menschen Raum". Diese Erhöhung der Beobachtung ins Philosophische erfährt durch einen handschriftlichen Zusatz eine weitere Steigerung: "Wenn wir als Heilige leben, ordnet sich uns das Unendliche zu." - Bei der Lektüre von Georg Altmans Ludwig-Devrient-Biographie (Seite 85) beschäftigt er sich mit der Kunst des Sprechens und dem Wort im Moment der höchsten Leidenschaft: "... es löst sich im reinen Äther auf. So schmilzt es gleichermaßen an den extremen Graden des Sinnlichen und Geistigen dahin." Hier fügt er handschriftlich hinzu: "Wir erfassen mit ihm nur die mittlere Lage; es ist Münze, die unter Menschen gilt." - Unter verschiedenen Aphorismen aud Seite 99 heißt es: "Der Glaube ist gleich dem Sauerstoff ein Hinzutretendes. Daher geschehen Wunder nicht jedem und nicht überall." Jünger fügt ein biblisches Beispiel hinzu: "Der flammende Busch". - Ein andermal (S. 137) erscheint ihm eine Mitteilung zu prahlerisch: "In meinem Zimmer trank ich noch die Flasche Châteauneuf-du-Pape und dachte dabei an Burckhardt, dessen Lieblingswein das war." Hier schiebt er ein: "die mir ein Mann in Sedan geschenkt hatte". - In Laon erregt die Kathedrale seine höchste Bewunderung. "Heute ergriff mich eine Ahnung von den Kathedralen als Werken, als Lebenswerken, fern von den toten Maßen der musealen Welt." Jünger fügt handschriftlich hinzu: "Auch wirkte der Gedanke mit, dass diese Kirche meinem Schutze unterstand; ich drückte sie, als ob sie ganz klein geworden wäre, an meine Brust." Oft sind einzelne Wörter durch treffendere Versionen oder Begriffe ersetzt. Noch aufschlußreicher, weil nicht im Buch erschienen, sind zuweilen jedoch die Streichungen. Eine sei noch zitiert: Seite 174 berichtet er seine Erlebnisse mit einem Gutsbesitzer Sp., von dem er schreibt: "Gute Bemerkungen in bezug auf alles Konkrete, so etwa: 'Habe immer bemerkt, daß Frauen, die gut gewachsen sind, sich im gegebenen Augenblicke weniger sträuben als die häßlichen, wenn man ihnen den Büstenhalter abnehmen will.'" Diese Beobachtung erschien Jünger offenbar im Nachhinein doch zu vulgär, um sie öffentlich als "gute Bemerkung" hervorzuheben: sie ist komplett gestrichen. - Über die Provenienz der Korrekturfahnen gibt ein Aufkleber auf der Innenseite der Einbanddecke Aufschluss: "Geschenk von Ernst Jünger an mich gelegentlich seines Wochenendbesuches in meinem Haus in Fontainebleau. Siehe Tagebuchaufzeichnung in den 'Strahlungen' vom 24.I.42. - Edgar Röhricht."
Der Infanterie-General und Ritterkreuzträger Röhricht gehörte zum Hitler-kritischen Teil des Offizierskorps. Er hielt Verbindung zu Carl Friedrich Goerdeler und wurde mehrmals aufgefordert, sich aktiv am Widerstand zu beteiligen, lehnte dies jedoch schließlich als aussichtslos ab. Vom Oktober 1940 bis zum Juni 1942 war Edgar Röhricht Generalstabschef beim Oberkommando der 1. Armee im besetzten Frankreich. In dieser Zeit entstand seine Freundschaft zu Ernst Jünger. Im "Ersten Pariser Tagebuch" erzählt Jünger unter dem Datum des 24. Januar 1942 von seinem Besuch bei Röhricht in Fontainebleau, wo er auch übernachtete. - Die Anfangs- und Schlussblätter mit leichten Läsuren; sonst gut erhalten. - Wertvolle Quelle zur Entstehung eines Schlüsselwerkes im Verhältnis Ernst Jüngers zu Erlebnis und Katastrophe des Krieges.


Estimate
€ 9.000   (US$ 10.260)


Hammer Price
€ 13.000
(US$ 14.819)
(GBP 11.440)
(CHF 14.819)



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