Please enter search terms:

BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

Sprache / Lingua / Language


Highlights

Highlights of the Current Auction » Browse Printed Catalogues

... 32 33 34 35 36 37 38 39 40   first pagerewindprevious pagenext pagefast forwardlast page

Lot 3430 Hartwig, Josef
Bauhaus-Schachspiel 'XVI',
» Absentee bids welcome
3430) » enlarge

Bauhaus - Hartwig, Josef. Bauhaus-Schachspiel Modell XVI Ahorn. 32 Spielsteine, davon je 16 naturlackiert und 16 in schwarzem Lack, Größen im Kubus: 2 x2 x 2 cm (16 Figuren), 2,7 x 2,7 x 2,7 cm (12 Figuren) bzw. 5 x 2,7 x 2,7 cm (4 Figuren). In OAhornholz-Kassette mit Deckel an 2 Messingscharnieren und 3-teiliger Pendelschließe. 6,2 x 13,6 x 13,3 cm. Bezeichnet mit Holzprägestempel im Innendeckel "HARTWIG GES.GESCH." Weimar, Bauhaus, 1924.

Bobzin-Weber, Das Bauhaus-Schachspiel von Josef Hartwig, S. 19. Hahn, Experiment Bauhaus, Dessau 1988, S. 401; Bauhaus-Archiv, Sammlungskatalog, Berlin 1987, S. 149-50, Kat.-Nr. 288; Ausst.-Kat. Bauhaus 7, Galerie am Sachsenplatz, Leipzig 1991, Abb. S. 43, Kat.-Nr. 134. – Das Bauhaus-Schachspiel des Bildhauers Josef Hartwig (1880-1955), der zwischen 1921 und 1925 als Werkmeister in der Stein- und Holzbildhauerei am Staatlichen Bauhaus in Weimar lehrte. Von den beiden Modellreihen ist vor allem die Nummer VIII und XVI in jeweils kleinen Auflagen mit der Hand gefertigt worden, ganz nach der ursprünglichen Maxime der Gründerjahre "Kunst und Handwerk", die dann später durch "Kunst und Industrie" ersetzt werden sollte. Tatsächlich wurde das Bauhaus-Schachspiel dann in Serie hergestellt, wovon das vorliegende Exemplar allerdings weit entfernt ist.

Nur bei den wenigen Prototypen brachte die handwerkliche Bearbeitung des Holzes dabei höchst individuelle Anfertigungen zustande, wodurch sich jedes der wenigen heute noch vorhandenen Spiele dieser Reihe voneinander unterscheidet. Das vorliegende Schachspiel gehört wohl zu den allerersten Anfertigungen der Modellreihe XVI, bei dem der Künstler die Steine per Hand aus dem Holz sägte, drechselte und verleimte sowie zunächst nur mit seinem eigenen Namen zeichnete und mit "Hartwig ges. gesch." in Versalien den Innendeckel beprägte (vgl. Bobzin-Weber S. 24, nennt alle Stempel). Später wurde dann ein neuer Stempel "Hartwig Bauhaus Weimar ges. gesch." geprägt. Die farbige Luxusversion in Weiß-Grün bekam dann noch auf den Mittelsteg, der die Klötzchen der Bauern-Figuren trennt, ein aufgeschraubtes Messingschild mit dem Bauhaus-Signet, dem Silhouettenkopf Oskar Schlemmer und der runden Umschrift "Staatliches Bauhaus Weimar".

Ferner sind die aus Ahornholz gefertigten Figuren allesamt leicht abweichend in Größe und Form (teils Abweichungen bis zu einem knappen Millimeter). "Während die hausinterne Produktion für Verpackungen und Schachbretter dokumentiert ist, fehlen entsprechende Belege für die Anfertigung der Spielfiguren am Bauhaus. Mit Sicherheit stellte Hartwig selbst die frühen Fassungen und wohl auch weiterhin Einzelanfertigungen oder 'Luxusspiele' in der von ihm als Werkmeister geleiteten Werkstatt für Holzbildhauerei her". Erst 1924 wurde die Produktion dann ausgelagert an die Weimarer Tischlerei Robert Toll. Die Beschaffenheit der hier enthaltenen Steine sprechen in allem für eine handarbeitliche, recht uneinheitliche Fertigung, die auf die individuelle Bauhausproduktion schließen lassen.

Vorhanden sind wie stets jeweils acht kleinere Würfel in Schwarz und Holzfarbe als die "Bauern" des Schachspiels, es folgen in der Hierarchie jeweils zwei derselben Farbe: Springer, Läufer, Türme sowie jeweils Dame und König. Die ebenso in ihrer Reduktion sowie der augenscheinlichen Funktionalität überzeugend gestalteten Figuren entsprechen damit wie kaum ein anderes Objekt den Maximen des von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründeten Bauhauses. So ist es Josef Hartwig meisterhaft gelungen, die Figuren rein aus ihrer Funktion heraus zu entwickeln, wobei sich die Unterscheidungsmerkmale der sechs verschiedenen Steine auf das Minimalste beschränken.

Die Bauern sind kleine Würfel, sie bewegen sich - ebenso wie die Türme, die Hartwig als größere Würfel gestaltete - ausschließlich orthogonal über das Brett. Die Läufer dürfen nur diagonal gezogen werden, also schuf Hartwig Figuren auf dem Grundriss eines Kreuzes mit abgeschrägten (immer in denselben Würfel passenden) Kanten. Sie geben die Richtung vor, die Diagonale ist der Figur inhaerent ist. Ebenso intuitiv wird der Springer dem Spieler die Richtung weisen: Sie sind als Würfel mit je zwei ausgeschnittenen kleineren Achtelwürfel gestaltet, wodurch sich - wie man sie auch immer dreht und wendet, von allen Seiten ein Winkel ergibt. So "springt" die Figur auch optisch: erst geradeaus und dann links oder rechts.

König und Königin sind noch um eine (Modul-)Stufe größer. Auf einen Würfel ist ein weiterer kleinerer, 45 Grad gedrehter Würfel gesetzt - auch hier steht das Würfelsymbol wieder für die Orthogonale, also die beiden Richtungen, in die der König laufen darf. Die versatile Dame hingegen hat auf ihren Würfelleib eine Kugel wie einen Kopf montiert bekommen - sie kann in alle Richtungen schauen und gehen.

"Während sich die Gestaltung von König, Turm oder Springer seit der Verbreitung im Mittelalter mehr oder weniger an der Realität orientiert, ging Hartwig 1923 einen originellen anderen Weg: Der Bildhauer aus München reduzierte die Spielsteine auf die stereometrischen Grundkörper Kubus und Kugel, die je nach Größe und Wert und - das war der eigentliche Clou - durch ihre Ausformung die Spielzüge veranschaulichen ... Das Spiel kam hervorragend an und wurde von der Bauhaus GmbH in einer luxuriösen und in einer preisgünstigen Gebrauchsvariante in Serie hergestellt" (Christa Sigg, Bayerns frühe Schwäche fürs Bauhaus, in Arsprototo 1-2019, S. 54f.). – Gelenkstifte der Scharniere fehlen, Messingschließen und Scharniere etwas locker, die Kassette etwas fleckig und leicht angestaubt, Verzapfung teils leicht gelöst. Die Figuren vereinzelt leicht angestaubt oder minimal fleckig, mit wenigen Gebrauchsspuren, leichten Bereibungen, wenigen Kratzern oder Flecken, der schwarze Lack immer noch sehr kontraststark, insgesamt von sehr guter Gesamterhaltung, vollständig und überaus selten (ein Spielbrett war meist nicht mitgegeben worden, bei den Prototypen ohnehin nicht).

Estimate
€ 9.000  

(US$ 9.900)
(GBP 8.010)
(CHF 9.900)



» Modern Literature
Lot 3430 Hartwig, Josef
Bauhaus-Schachspiel 'XVI',
» Absentee bids welcome

... 32 33 34 35 36 37 38 39 40   first pagerewindprevious pagenext pagefast forwardlast page