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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Lot 2830 Feininger, Lyonel
Brief 1918 mit 2 Holzschnitten
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Feininger, Lyonel, Maler und Graphiker, Lehrer am Bauhaus (1871-1956). Eigh. Brief m. U. "Lyonel Feininger" und 2 Orig.-Holzschnitten. 2 S. auf 2 Bl. Gr. 4to. Unter Passepartout gerahmt. Braunlage (Harz) 13.VIII.1918.

An den Kunstsammler Dr. Wilhelm Mayer. Sehr schöner, gehaltvoller und mit zwei Holzschnitten illustrierter Brief aus Feiningers bester druckgraphischer Periode. "... Als Ihr lieber Brief und das schöne Buch des französischen Maler-Soldaten ankamen, lag ich zu Bette an der berühmten 'spanischen' Krankheit, und hatte rechte Zeit und Musse an beiden Sendungen mich zu erfreuen. Sonst aber, waren meine Gedanken recht trübe; es liegt so viel Schweres, Catastrophales in der Luft, und das Wenige, was wir überhaupt von der Lage, draussen wie drinnen, erfahren, ist recht beklemmend ... ich habe mich Tagelang nicht getraut, Feder zu Papier zu setzen, aus Sorge, rechten Unsinn zu schreiben. Heute ... geht es mir viel besser, und ich blicke freier um mich. Politischen Gedanken nachzuhängen, hat gar keinen Zweck; und ich grüble nur darüber nach, ob 'Politic' nicht überhaupt ungefähr der Gipfel menschlichen Unsinns ist; die Ursache panischer Furchtsamkeit und Argwohn unter den Menschen; etwas, was in unser Jahrhundert längst nicht mehr hineingehörte. Also - ich denke jetzt nur noch an meine Lieben und an meine Arbeit, die mein Leben ist und ohne das ich nicht bin. Ich wünsche, im Übrigen, sehnlichst das Ende herbei, von diesem Wahnsinn und Morden ... Aus meiner Reise wird nichts werden ... ich bin sehr tief in der Arbeit drin, und kann mich nicht losreissen. Das Jahr habe ich zu viel versäumt, und bin richtig besessen von dem Gedanken des Schaffens und des Erfüllens ... ich denke mit heisser Sehnsucht an mein stilles Atelier und die Rückkehr nach Zehlendorf ...".
Klagt dann über die vergeblichen Bemühungen um ein Dienst- bzw. Kindermädchen und fährt fort: "... Von Goltz hörte ich neulich, dass Dr. Coellen 'nicht mehr für ihn tätig' sei. Sonst weiss ich nur, dass zwei meiner Bilder schon jetzt im Salon hängen, Gelmeroda VII und Niedergrunstedt IV. Für den Katalog habe ich einen kleinen Holzschnitt geschickt - sollte auf den Umschlag gedruckt werden, wird aber innen im Katalog als 'vom Stock gedruckt' prangen. Einen Abzug davon sende ich Ihnen, auf dem anderen Bogen aufgeheftet! - Es hätte mir grosse Freude gemacht, mit Ihnen während Ihres Urlaubs herumzugehen! Mit übermässig viel Geschwätz hätte ich Sie nicht belästigt! Ich schweige so gerne! es liegt ein höchster Genuss im Schweigen; im Gedankenvollen versteht sich! Das haben mich diese Jahre gelehrt ...". - Der Holzschnitt auf Bl. 1 (Prasse W 59: "Three proofs known on tissue paper", Blattgr. 13,5 x 11 cm) auf bräunlichem Papier ist aufmontiert; der Holzschnitt auf Bl. 2 (Prasse W 18, 8,5 x 11,5 cm) ist auf das Blatt gedruckt. - Mit der "berühmten spanischen Krankheit" meint Feininger die gefürchtete "spanische Grippe", an der im Herbst/Winter 1918/19 weltweit zwischen 25 und 50 Millionen Menschen starben. Mit "Goltz" ist der Münchener Kunsthändler Hans Goltz (1873-1927) gemeint, der eine der bedeutendsten deutschen Galerien für moderne Kunst betrieb. "Coellen" war der Kunsthistoriker Ludwig Coellen (1875-1945). - Prachtvoller, illustrierter Künstlerbrief.

Estimate
€ 12.000  

(US$ 13.200)
(GBP 10.680)
(CHF 13.200)



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