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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Nesch, Rolf
Winterlandschaft

Los 8236

"Winterlandschaft"
Radierung mit Kaltnadel auf glattem, weichem Umdruckpapier. 1930/32.
44,9 x 32,8 cm (54,2 x 38,7 cm).
Signiert "Nesch", betitelt und bezeichnet "Probedruck".
Helliesen/Sørensen 380.

Bedeutendes Blatt aus Neschs Hamburger Zeit, in deren charakteristischer Gestaltungsweise hergestellt. Abstrahierend vereinfacht er die Naturformen, und stellenweise ätzt er die Linien so tief, dass sie im Zentrum keine Farbe mehr halten und freibleibende, strahlend weiß erscheinende Partien entstehen. Die einmalige Qualität der druckgraphischen Arbeiten Neschs "macht sich besonders in Radierungen bemerkbar, weil sie zur Entfaltung ihrer vollen, vom Künstler gemeinten Wirkung auf gute Druckabzüge angewiesen sind, denn nur bei guten Drucken kommen auch jene Gestaltungskomponenten zur Geltung, die in einer Zeichnung nicht zu verwirklichen sind. Die Druckgrafik Rolf Neschs zeichnet sich durch eine neue optische Andringlichkeit aus, welche die dem druckgraphischen Blatt bis dahin zugebilligte Erscheinungsintensität weit überbietet. Wenn Nesch in einer kurzen Selbstbiographie berichtet, er habe seit 1925 versucht, die Grafik zu beleben, so lässt sich die Wirkung dieses Versuches an seinen in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre entstandenen Radierungen unschwer feststellen: Sie erweitern den Ausdrucksbereich der Grafik sehr merklich." (Wolf Stubbe, in: Rolf Nesch, Sammlung Reinhard des Arts, Verst.-Kat. Hauswedell & Nolte, Hamburg 1985, S. 9).
Druck von einer geätzten, mit Kaltnadel und Schmirgel bearbeiteten Zinkplatte. Vor dem Abdruck der Radierplatte auf das Papier wurde vermutlich mit Hilfe eines grau eingefärbten Filzes eine Tonfläche auf das Papier gedruckt, die die Platte auf allen Seite um 1-2 cm überragt (48,2 x 35,5 cm). Hervorragend schöner, durch das Drucken der grauen Tonplatte besonders malerisch wirkender Probedruck einer nuanciert eingefärbten Platte mit viel Plattenschmutz an den Rändern und in den Außenkanten mit Atelierschmutz und Fingerabdrücken des Künstlers, mit kleinem Rand. Rarissimum, eines von mindestens fünf bekannten Exemplaren.

Provenienz: Sammlung Dr. Reinhard des Arts, mit dessen Stempel unten rechts, dort numeriert. Er und seine Frau waren leidenschaftliche Sammler der Arbeiten Rolf Neschs "und bewiesen Verständnis für seine Kunst auch, als diese eine sehr ungewöhnliche und unerwartete gestalterische Wandlung erfuhr (...) Leicht vorstellbar, dass der Künstler solchen Freunden nur beste Arbeiten überließ, Werke, von deren Wert der an sich oft Zweifelnde überzeugt war. Das erklärt die hohe Qualität der in dieser Sammlung zusammengekommenen Arbeiten." (Wolf Stubbe, in: Rolf Nesch, Sammlung Reinhard des Arts, Verst.-Kat. Hauswedell & Nolte, Hamburg 1985, S. 9).
Hauswedell & Nolte, Auktion 260, Hamburg 1985, Losnr. 96

Schätzpreis
€ 7.500   (US$ 8.475)


Zuschlag
€ 12.500 (US$ 14.124)



» Meistergraphik deutscher Klassiker
Barlach, Ernst
Lesender Klosterschüler

Los 8310

Lesender Klosterschüler
Bronze mit goldbrauner Patina. 1930/nach 1938.
31 x 20 x 12 cm.
Seitlich rechts am Sockel signiert "E. Barlach", verso mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin". Auflage 7 num. Ex.
Laur II 462.

Laur erwähnt sieben unnumerierte Abgüsse der Bronze, entstanden nach 1938; dieses Exemplar, anders als bei Laur angegeben, mit Numerierung. Im Staatlichen Museum Schwerin befindet sich ein weiterer Abguss. Vorbild für diese bedeutende und äußerst seltene Bronze war Barlachs knapp unterlebensgroße Holzplastik von 1930, entstanden für den Güstrower Fabrikanten Richard van Tongel, ursprünglich gedacht als figürlicher Aufsatz für einen Graphikschrank, heute in der Gertrudenkapelle, Güstrow, sowie ein Gipsmodell dieser Plastik (Schult 366, Laur II 459).
Die gotische Holzfigur des Apostel Johannes im Güstrower Dom, entstanden um 1430, die Barlach sicher bekannt war, zeigt kompositorisch einen engen ikonographischen Bezug zum "Klosterschüler".
Barlachs Skulpturenmotiv stellt ein zentrales Element in Alfred Anderschs 1957 erschienenem Roman "Sansibar oder der letzte Grund" dar. Die Existenz der in der Kirche ausgestellten Plastik ist durch die nationalsozialistischen Machthaber bedroht, ist sie doch in der Liste von Kunstwerken verzeichnet, die nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen. Der "Lesende Klosterschüler" fasziniert die fünf Protagonisten des Romans aus unterschiedlichen Gründen. Andersch beschreibt die fiktive Rettungsaktion der Skulptur, die sie von Rerik an der mecklenburgischen Ostseeküste mit einem Fischkutter nach Schweden führt. Die Plastik dient im Roman als Reflexionsfläche der Protagonisten und steht als Sinnbild für Wahrhaftigkeit und Freiheit des Geistes. Der Autor lässt Gregor, den KPD-Funktionär, im Angesicht der Figur sinnieren: "Was tat er eigentlich? Er las ganz einfach. Er las aufmerksam. Er las genau. Er las sogar in höchster Konzentration. Aber er las kritisch. Er sah aus, als wisse er in jedem Moment, was er da lese. Seine Arme hingen herab, aber sie schienen bereit, jeden Augenblick einen Finger auf den Text zu führen, der zeigen würde: das ist nicht wahr. Das glaube ich nicht." (Der Bildhauer Ernst Barlach. Skulpturen und Plastiken im Ernst Barlach Haus - Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg 2007, S. 164, zit. nach ernst-barlach-stiftung.de, 23.4.2019).
Ausgezeichneter Guss mit schön differenzierter, schimmernder Patina. Sehr selten.

Schätzpreis
€ 15.000   (US$ 16.950)


Zuschlag
€ 24.000 (US$ 27.119)



» Moderne Kunst Teil I
Ernst, Max
Chéri Bibi

Los 8343

Chéri Bibi
Bronze mit grünlicher Patina auf Bronzeplinthe. 1973.
33,2 x 18,5 x 17 cm.
Hinten seitlich an der Bronzeplinthe signiert "max ernst" und mit dem Gießerstempel "Valsuani" (schwer leserlich). Auflage 175 num. Ex.

Bedeutende Skulptur aus dem Spätwerk von Max Ernst. Abstrahiert, dennoch deutlich erkennbar setzt sich der kreisrunde scheibenförmige Kopf - die Augen und der Schnabel - eines Kükens von der hochrechteckigen Platte ab. Das Vögelchen scheint in dieser strengen Form wie in einem Vogelkäfig gefangen. Die Füße der abstrakt-geometrischen, ausgewogenen Figur verschwimmen ihrerseits mit dem massiven Sockel. Das Motiv des Vogels taucht in dem Werk von Max Ernst immer wieder auf. Mit dem Titel "Chéri Bibi" greift Ernst den gleichnamigen dreiteiligen Kriminalroman von Gaston Leroux von 1913 auf. Darin bricht der Titelheld Chéri Bibi, der namentlich bereits in dem weltberühmten Roman "Das Phantom der Oper" auftrat, immer wieder aus einem Gefängnis aus.
"In der Bronze von Max Ernst ist der Standort der Figur nicht sicher. Der Sockel besteht aus zwei verschieden großen und gegeneinander gesetzten Halbkugeln, wodurch die fatale Situation des Helden abstrakt, aber eindeutig umgesetzt ist. Das Rechteck des Körpers hinterfängt die kreisrunde Silhouette des Kopfes so massiv und vollständig, daß der Eindruck einer wuchtigen Körperlichkeit entsteht. Das Gesicht selbst ist nicht plastisch ausgebildet, sondern in die tellerförmige Fläche des Kopfes eingeprägt. Gleichzeitig wird mit der herausgestreckten Zunge aber auch die unbekümmerte Gelassenheit des Helden zum Ausdruck gebracht. Max Ernst vereint in der Plastik den spannungsreichen Gegensatz der literarischen Vorlage, die unsicheren Lebensumstände und die trotzdem selbstbewußte Haltung der fiktiven Figur." (Jürgen Pech, Lieber Bibi, in: Max Ernst - Plastische Werke, Köln 2005, S. 206).
Die Bronze entstand 1973 nach einem Gipsmodell von 1964. Es wurde eine Auflage von 175 Exemplaren, 15 Künstlerexemplaren und einigen Probegüssen in grüner, brauner und schwarzer Patinierung bei Valsuani, Paris, gegossen. Schöner Guss mit glatter, grünlich patinierter Oberfläche.

Provenienz: Privatsammlung Norddeutschland

Literatur: Jürgen Pech, Lieber Bibi, in: Max Ernst - Plastische Werke, Köln 2005, S. 206 (Abb. S. 207)

Schätzpreis
€ 13.000   (US$ 14.689)


Zuschlag
€ 20.000 (US$ 22.599)



» Moderne Kunst Teil I
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Grützke, Johannes
Die Erinnerung

Los 8363

"Die Erinnerung"
Öl auf Leinwand. 1975.
50 x 65 cm.
Oben links mit Pinsel in Grau monogrammiert "J. G." und datiert, verso signiert "Johannes Grützke", datiert und betitelt.

Die Erinnerung. Das Porträt eines abstrakten Begriffes, die Personifikation der emotionalen Bewegung malt Grützke. Aus der Untersicht zeigt Grützke den Mann mit geschlossenen Augen, ganz versunken in die Erinnerung, das Gesicht der tief stehenden Sonne zugewandt. Halt suchend tastet die rechte Hand nach einem Geländer. "'Meine Bilder sind Ausdruck meiner persönlichen Erfahrungen (...) Gleichzeitig behaupte ich, dass meine Erfahrungen allgemeine Erfahrungen sind (...) Mit Hilfe eines Ausschnitts aus der Realität male ich die gesamte Realität'. Wichtig ist (...) die Konsequenz für den Bildausdruck. Der Bildgegenstand wird als gestellt qualifiziert und veranschaulicht so seine exemplarische Bedeutung." (E. Schenk zu Schweinsberg, Versuch zur Bildsprache von Johannes Grützke, in: Holeczek, S. 9). Zugleich wird die emotionale Bewegung, vorgeführt in einem übersteigerten Gefühlsausdruck, zu einer Inszenierung. Beigegeben: Eine signierte Schabradierung von Johannes Grützke, "Triumph", 1969.

Errata: Die Arbeit ist auf 1975 statt auf 1973 datiert, entgegen der Angabe im Printkatalog.

Schätzpreis
€ 3.000   (US$ 3.389)


Zuschlag
€ 13.000 (US$ 14.689)



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Hofer, Karl
Mädchen en face

Los 8387

Mädchen en face
Öl auf Leinwand. 1954.
57 x 42 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Weiß monogrammiert "CH" und datiert, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet "Birnen im Korb" und auf Klebeetikett "250".
Wohlert 2698 B.

Hofers ganz eigenartig entrückte Mädchenbildnisse gehören zu seinen eindringlichsten Werken. Die Beseeltheit des Menschen ist der immer wiederkehrende Ausdruck, den Hofer in seinen Bildnissen einzufangen versucht. Seine Figuren sind keine Individuen; über seine Modelle gibt der Künstler kaum verbindliche Auskunft. Durch den melancholisch-entrückten Ausdruck gelingt es Hofer, Distanz zu schaffen und doch den Blick ins Innere zu öffnen. 1931 schrieb der Dichter Alfred Mombert in einem Brief an Hans Reinhart: "Er ist selbstverständlich kein 'Portrait'-Maler. Es kommt ihm ja nicht darauf an, ein Stück Welt (in diesem Falle einen bestimmten homo) festzulegen, sondern Alles ist ihm Ausdrucksmittel zur Erkenntnis seiner Psyche. Es ist ein dämonischer Ringkampf; für mich höchst verehrungswürdig." (zit. nach: Jürgen Schilling, Karl Hofer, Unna 1991, S. 23). Etwas summarisch behandelt Hofer die Figur, aus den abstrahierten Formen und Farbflächen artikuliert sich ein überzeugend plastisch-räumlich erscheinendes Bildnis, und zugleich konzentriert sich der Blick auf das Wesentliche der Darstellung. Unser "Mädchen en face" besticht mit dem feinsinnig abgestimmten, in delikaten Kontrasten gestalteten Kolorit von Antlitz, Kleidung und Hintergrund. Es ist in seiner flächenhaften Gestaltung und der verhaltenen Präsenz der Dargestellten, diesem beinahe meditativen Innehalten, charakteristisch für Hofers Werkgruppe zartfühlend gemalter, ins Allgemeingültige gehobener Mädchenbildnisse.

Provenienz: Nachlass des Künstlers
Galerie Schüler Berlin 1957/58 (mit deren Fotodokumentation)
Privatbesitz Berlin

Schätzpreis
€ 30.000   (US$ 33.900)


Zuschlag
€ 25.000 (US$ 28.249)



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Klein, Yves
Monochrome und Feuer

Los 8405

Monochrome und Feuer
3 Doppelbl. Text, Ausstellungsverzeichnis und Abbildungen. Lose in Orig.-Kartonumschlag sowie 2 Farbserigraphien auf Karton und 1 goldfarbener, partiell mit Blattgold belegter Karton. 1961.
Jeweils 32 x 23,5 cm.

Die Arbeiten erschienen mit der Herausgabe des Ausstellungskataloges vom Kaiser Wilhelm Museum Krefeld anlässlich der ersten deutschen Gesamtausstellung Yves Kleins 1961 im Museum Lange in Krefeld. Diese Ausstellung war für Yves Klein die erste institutionelle Auslandspräsentation, die gleichzeitig auch die einzige öffentlich museale Ausstellung zu Lebzeiten des Künstlers war. Der goldfarbene Karton wurde vom Künstler mit Blattgold belegt. Yves Klein arbeitete mit sehr unterschiedlichen alltäglichen bzw. elementaren Mitteln: Er verwendete unbehandelte Farbpigmente und Blattgold; statt eines Pinsels nutzte er Malerrollen, Spachtel und Frauenkörper zum Fertigen seiner Bilder; Schwämme werden bei ihm zu Farbobjekten; mit Feuer, Wasser und Luft entstanden Aktionen, Bilder und Skulpturen. Auf diese Weise negierte der Künstler seine eigene Handschrift und stemmte sich gegen die romantische Vorstellung vom Künstlergenie. Dennoch wurden gerade seine farbigen Monochrome zu Ikonen der Malerei des 20. Jahrhunderts. Beigegeben: Orig.-Versandumschlag des Kunstmuseums Krefeld.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.559)


Zuschlag
€ 13.000 (US$ 14.689)



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Kollwitz, Käthe
Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit...

Los 8424

Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit herabhängender Hand
Feder in Schwarz, teils laviert, auf festem Velin. 1890.
26,5 x 23,6 cm.
Unten links mit Bleistift datiert.

Es war das zeichnerische Talent, das Käthe Kollwitz' Vater dazu bewog, seiner Tochter 1881 eine Ausbildung bei dem Kupferstecher Rudolf Mauer zu ermöglichen. Indem sich Kollwitz um 1890 immer mehr der Radierung zuwandte, nahm die Zeichnung zwangsläufig eine zentrale Stelle in ihrem Schaffen ein. In den frühen Studien, wie auch in unserer, wählte die Künstlerin oftmals sich selbst zum Modell. Ganz der akademischen Tradition gegen Ende des 19. Jahrhunderts verpflichtet, zeichnet sie - wie ihre Künstlerkollegen Menzel, Leibl, Feuerbach und Klinger - sorgfältig jedes einzelne Detail, jede einzelne Bewegung und Gebärde durch. Dass Kollwitz sich um 1890/91 mit der Figur einer Sitzenden intensiv auseinandersetzt, zeigen zwei weitere Zeichnungen (Nagel/Timm 35 und 36). Die Detailstudien zur Haltung der Hand heben die Eleganz und Anmut, mit der unsere Hand gezeigt wird, hervor. In vorliegender Arbeit erkennt man deutlich Käthe Kollwitz' Blick als Radiererin: delikat und dicht werden einzelne Flächen durch parallele Schraffuren voneinander abgesetzt, diagonale Liniengeflechte erzeugen Lebendigkeit, Schatten und Tiefe. Ein Meisterwerk der Zeichenkunst!


Provenienz: Auktion Ketterer, Sammlung Tremmel, Nr. 282, 06. Mai 2003, Losnr. 503

Schätzpreis
€ 30.000   (US$ 33.900)


Zuschlag
€ 25.000 (US$ 28.249)



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Pechstein, Hermann Max
Mühle und Ruderboot

Los 8492

Mühle und Ruderboot
Aquarell und Gouache auf Aquarellpapier. 1931.
49,3 x 61,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "HMPechstein" und datiert.

In sommerlich frischen und dichten Farben gibt Max Pechstein die idyllische Ansicht einer Mühle mit kleinem Ruderboot im Vordergrund wieder. Die nahezu ornamentale, delikate Gestaltung der Sträucher links im Bild, die parallel verlaufenden, blauen Horizontallinien des Himmels und die kurzen runden Formen des Laubes rechts schaffen eine spritzige Lebendigkeit. Nach einer mehrmonatigen Reise nach Südfrankreich und ins Baskenland hielt sich Pechstein im August 1931 wieder in Rowe auf, zeitweise auch in Leba. Während dieser Zeit ist vermutlich unser Aquarell entstanden. Pechstein, der bereits 1921 in Leba war und zwei Jahre später die Tochter des Gastwirtes Konrad Möller geheiratet hatte, kam oft in die hinterpommersche Region. Er lebte und arbeitete mit den dort ansässigen Fischern und fertigte bis 1945 viele Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde mit lokalen Motiven an. Pechstein liebte die Ruhe des Fischerdorfs Rowe, das er George Grosz gegenüber als "ganz abgelegen, wie vergessen von der Zeit" beschrieb (Max Pechstein auf Reisen. Utopie und Wirklichkeit. Kunsthaus Stade, Kunstsammlungen Zwickau, Museum im Kulturspeicher Würzburg, München 2012, S. 31.).

Schätzpreis
€ 15.000   (US$ 16.950)


Zuschlag
€ 14.000 (US$ 15.819)



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Purrmann, Hans
Kamelienstilleben

Los 8509

Kamelienstilleben
Öl auf Leinwand. 1949.
32 x 24 cm.
Unten links mit Pinsel in Weinrot signiert "H. Purrmann".
Lenz/Billeter 1949/13.

Hans Purrmann begann bei seinem Vater eine Lehre als Stubenmaler. Er wechselte jedoch bald zur Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und studierte ab 1897 an der Akademie der Bildenden Künste München, zunächst in der Zeichenklasse Gabriel von Hackls, dann in der Malklasse Franz von Stucks. Dort lernte er Paul Klee, Wassily Kandinsky, Rudolf Levy und Albert Weisgerber kennen. Purrmann wurde 1905 durch Vermittlung Max Liebermanns in die Berliner Secession aufgenommen und seitdem von der Galerie Paul Cassirer vertreten. Er ging 1906 nach Paris, wo er in dem Künstlertreffpunkt des Café du Dôme seine alten Künstlerfreunde Weisgerber und Levy wiedertraf. Bei Gertrude Stein lernte er Pablo Picasso und Henri Matisse kennen, mit denen er in der Folge die "Académie Matisse" aufbaute. Von Matisse erhielt er seine abschließende Ausbildung und entwickelte seinen ganz eigenen Stil, beeinflusst durch die Werke von diesem und zudem von Cézanne und Renoir. 1912 heiratete er die Malerin Mathilde Vollmoeller. Das Paar, ansässig in Paris, musste durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Deutschland zurückkehren und lebte von 1914-1916 im Unteren Schloss von Robert Vollmoeller in Beilstein. Von 1916 bis 1935 wohnte Purrmann überwiegend in Berlin, ab 1921 verbrachte er die Sommermonate in Langenargen am Bodensee, von 1923 bis 1928 zeitweilig in Rom. Durch die NS-Kunstpolitik wurde das Werk Purrmanns 1937 als "entartet" deklariert und 36 Bilder aus deutschen Museen beschlagnahmt. Zudem wurde er mit Lehr- und Ausstellungsverbot belegt. Dies geschah während Purrmanns Abwesenheit in Florenz, wo er von 1935 bis 1943 als ehrenamtlicher Leiter der deutschen Stiftung "Villa Romana" eingesetzt war. 1943 wurde seine Berliner Wohnung zerstört. Nach dem Sturz Mussolinis floh Purrmann in die Schweiz und ließ sich im Tessiner Montagnola nieder. Dort entstand eine enge Freundschaft mit Hermann Hesse. Er starb 1966 in Basel und wurde in Langenargen am Bodensee beigesetzt.
"Seine Malerei ist der Ausdruck einer besonderen zeichnerischen und farblichen Geistigkeit. Wenn diese auch in fast jedem Bilde in Erscheinung tritt, die künstlerische Wirkung entscheidend mitbestimmt, so ist sie doch schwer mit Worten und Begriffen zu erfassen." (Gotthard Jedlicka, in: Der Maler Hans Purrmann. Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik von 1898-1960, Ausst.-Kat. Kunstverein Hannover, 1960, S.16).
Unser kleines Blumenstilleben entstand in Montagnola und strahlt die sonnendurchflutete Atmosphäre des Südens aus. Purrmann wählte für den blühenden Kamelienzweig in einer Glasvase eine ausgewogene warme Farbpalette aus verschiedenen Rosa- und Violetttönen, die sehr schön mit den Grüntönen der Blätter und des Hintergrundes kontrastieren.

Provenienz: Sammlung H. M.
Privatbesitz Norddeutschland

Schätzpreis
€ 25.000   (US$ 28.249)


Zuschlag
€ 24.000 (US$ 27.119)



» Moderne Kunst Teil I
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Tobey, Mark
Ohne Titel (White Writing)

Los 8546

Ohne Titel (White Writing)
Aquarell und Tempera auf Velin. 1960.
17,8 x 11 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Tobey" und datiert.

Mark Tobey gilt als Vorläufer des amerikanischen "abstract expressionism". Er unternahm zahlreiche Reisen nach China, Japan und den Vorderen Orient. Beeinflusst durch die fernöstliche Kunst spiegeln seine Arbeiten Elemente von Kalligraphie und ostasiatischer Kunst wider. Seine berühmten "White Writings", abstrakte helle Kompositionen bestehend aus flirrenden netzartigen Strukturen, strahlen eine Harmonie von Malerei und Meditation aus. Unsere Arbeit zeigt mit ihren zarten weiß-schwarz-roten Zeichen über grauem Aquarellgrund deutliche Ankläge an fernöstliche Kalligraphie.

Schätzpreis
€ 4.000   (US$ 4.520)


Zuschlag
€ 16.000 (US$ 18.080)



» Moderne Kunst Teil I

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