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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Hauptbild Beschreibung Status
Antoninus Florentinus
Chronicon. Nürnberg: Anton Koberger, 31.VII.1484.

Los 1012

Antoninus Florentinus. Chronicon. 3 Bände. 234 (statt 236); 260, 276 Bl. 2 Spalten. 68-69 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 28,6 x 18,3-5 cm. Format: 38,5 x 26 cm. Mit Hunderten von roten Lombarden und durchgehender Rubrizierung. Überaus reich blindgeprägtes Schweinsleder um 1680-1720 (drei Kapitale minimal lädiert, Rücken etwas wurmstichig, leicht angestaubt, ohne die Schließen) über besonders schweren, abgefasten Holzdeckeln, mit goldgeprägtem (teils stärker beriebenem) RSchild und mit schwarzgrünem Schnitt (weiteres altes Klebeschild). Nürnberg, Anton Koberger, 31. VII. 1484.

Hain-Copinger 1159. GW 2072. Goff A-778. Proctor 2040. Pellechet 813. Bodleian A-313. Borm 167. Collijn 68. Ernst I,1 30. Günther 2041. Hubay 134. Kind 761. Lökkös 30. Madsen 226. Mendes 99. Nentwig 23. Oates 1003 Ohly-Sack 189. Rhodes 105. Riedl 53. Sack 211. Voulliéme 1041. Walsh 701. Wilhelmi 38. Zdanevyc 31. CBB 234. CIH 225. IBE 430. IBP 385. IDL 327. IGI 608. BMC II, 426. BSB-Ink A-563. ÖNB-Ink A-322. CIBN A-450. ISTC ia00778000. – Erste Ausgabe des "Chronicon" als separater Druck. Der Dominikaner Antonius war Prior des Klosters von San Marco und wurde Erzbischof von Florenz. 1523 erfolgte seine Heiligsprechung. Hauptwerk seiner Feder ist das "Chronicon partibus tribus distincta ab initio mundi ad MCCCLX", das "Historiarum opus", eine Erzählung der gesamten Weltgeschichte von der Schöpfung bis ins Jahr 1360.
Die Kollation wie folgt: Band I: 236 Bl. mit den Lagensignaturen ab6c-f8g-zA-P6, Blatt 14-229 sind römisch foliiert I-CCXV (ohne die weißen Blätter a1 und P6). Band II: 260 Bl. mit den Lagensignaturen ab6c8d-zA-V6, Blatt 14-253 sind römisch foliiert I-CCXLI (mit Fehlern; ohne die weißen am Anfang und Schluss das vorletzte a1 und V1). Band III: 276 Bl. mit der Signatur ab6c8d-zA-V6X10Y6, Blatt 14-270 foliiert I-CCLVI. – In allen drei Bänden sind zwei weiße Blätter jeweils am Anfang und Ende wohl schon vom Buchbinder herausgenommen worden, sonst sind alle weißen Blätter im Block vorhanden. Wenige, winzige Wurmgänge in weißen Rändern, Vorsatzpapier teils leicht gelöst, wenige, vereinzelte zeitgenössische Marginalien, eine große Initiale ist in Band I phantasievoll modern ausgemalt ("D" als Zickzackfaltband in Beige und Rosé mit 2 Blumen). Band II mit großer, ebenfalls 20-zeiliger Initiale "C" in Grün mit hübschen Akanthuswerk, ganz im Stil des 15. Jahrhunderts. In Band III findet sich ein großes Initialspatium. Durchgehend sauber, außergewöhnlich frisch und schön erhalten, gedruckt auf bemerkenswert breitrandigem, sehr starken Papier.
Bemerkenswert schön gebundenes Exemplar aus dem einstigen Besitz der Bibliothek der Kartause Gaming mit hs. Besitzvermerk jeweils auf dem ersten Blatt "Carthusiae Gemnicensis", noch vor der Säkularisierung und der Verbringung der Bücher in die Österreichisches Nationalbibliothek ausgeschieden und offenbar verkauft worden (auch die virtuelle Bibliothek der Kartause Gaming nennt diesen Titel nicht). Weitere Besitzer im 19. und 20. Jahrhundert waren der österreichische Politiker und Statthalter von Böhmen Franz Graf von Thun und Hohenstein (1847-1916), der am 1. November 1916 auf seinem Schloss Tetschen an der Elbe starb. Mit dessen Wappenexlibris "Ex libris Franc. com. A. Thun-Hohenstein Tetschen", ferner ein weiteres, späteres Wappenexlibris "Gaebelein" mit dem Motto "In Deo est salus mea et gloria mea".
Der Einband mit reicher floral-ornamentaler Blindprägung und dem großen Wappensupralibros der Kartause Gaming in der Mandorla, eingefasst von einem Lorbeerkranz.

Schätzpreis
€ 16.000   (US$ 18.240)


Nachverkaufspreis
€ 10.000   (US$ 11.399)



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Antoninus Florentinus
Summa theologica.

Los 1013

Antoninus Florentinus. Summa theologica. Mit Tabula von Johannes Molitoris. 5 Teile in 4 Bänden. 185; 239; 319; 255; 97 nn. Bl. (jeweils ohne die zus. 7 w. Bl.), 2 Spalten. 71 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 29,5 x 18,5 cm. Format: ca. 41 x 28 cm. Band III mit einer großen 20-zeiligen belebten Initiale sowie vier 5-8-zeiligen Initialen, in Rot, Blau, Grün und Violett, jeweils mit über die Kolumne ausgreifendem Federwerk, sonst leere Kapitalspatien. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (Teil III) über schweren Holzdeckeln mit 8 (von 10) Messingbuckeln und 2 jeweils dreiteiligen Messingschließen, teils im Stil d. Z. (1 Schließband erneuert; Kapital eingerissen, unteres abgeschürft, beschabt und bestoßen, jedoch nur geringe Bezugsfehlstellen) sowie Pergament (Teile I-II und IV mit der "Tabula") mit Pergamentbezug unter Verwendung einer liturgischen Notenhandschrift um 1450 mit Federwerkinitialen in Rot und Blau sowie romanischer Quadratnotation, mit spanischen Kanten und älterem RSchild des 18. Jahrhunderts. Nürnberg, Anton Koberger, 1486-1487.

Hain 1246. Copinger 518. GW 2189. Goff A-875. Proctor 2052. Pellechet 883. Borm 182. Collijn 740. Collijn. Finger 67-69. Hubay 146. Hummel-Wilhelmi 60. Jaspers 23. Krüger A. 41. AAA. 4. Madsen 2809. Ohly-Sack 213. Sack 231. 232. Schlechter-Ries 97. Sheehan A-369. Wilhelmi 631. Zedler 53. BMC II, 430. BSB-Ink A-598. ÖNB-Ink A-359. CBB 269. CIH 253. IBE 437. IBP 421. IDL 357. IGI 693. ISTC ia00875000. – Monumentalausgabe der gesamten theologischen Werke, der Sittenlehre des Antonius Florentinus (1389-1459). Die zweite von Anton Koberger gedruckte Ausgabe, insgesamt die fünfte Gesamtausgabe. Antoninus Pierozzi, genannt Florentinus (1389-1459), wurde in Florenz geboren und trat mit 16 Jahren in den Dominikanerorden ein. Er wirkte als Ordensmann in Cortona, Fiesole, Neapel und Rom. 1436 gründete er das berühmte Kloster San Marco in Florenz und wenig später die noch heute bestehende Gesellschaft "Buonomini di San Martino", die "guten Männer vom heiligen Martin". Ab 1446 war er als Erzbischof von Florenz tätig.
Antoninus wurde vor allem für seine Güte und Aufopferungsbereitschaft geschätzt. Insbesondere als Florenz in kurzer Periode zunächst von einer Pestepidemie, dann von einer Hungersnot und schließlich von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, wurde Antoninus als Wohltäter der Armen bekannt. 1523 sprach Papst Hadrian VI. Antoninus heilig.

Insgesamt erschienen innerhalb dieser Ausgabe vier Teile und die "Tabula" des Frühhumanisten Johannes Molitoris (gest. 1491). Diese Bände gelten als eines der monumentalsten Druckwerke des Nürnbergers Anton Koberger (1440-1513). Anhand der Datierungen der Bände erschließt sich, welchen Aufwand ein derartiger umfangreicher Druck für den Drucker bedeutete. Hiernach hat dieses Projekt bis zur kompletten Fertigstellung über ein Jahr gedauert. Die fünf Teile datieren im Einzelnen: Teil I: 17. Juli 1486. Teil II: 28. August 1486. Teil III: 18. November 1486. Teil IV: 12. Februar 1487. Teil V: 23. Juli 1486 (Tabula). Die erste Koberger-Ausgabe war zwischen dem 10. Oktober 1477 und dem 29. April 1479 erschienen. – Es fehlen jeweils in den Teilein I-IIV ein das erste weiße Blatt sowie in der "Tabula" das erste und die beiden letzten weißen, der Text ist überall vollständig erhalten. Es ergibt sich die Kollation der Einzelbände und Lagensignaturen:
Teil I:
185 (von 186) nn. Blätter (ohne das e. w. Blatt) Lagen [a2-8 b-g8; h6; i8; k-z A-D4; E1-7]. - Teil II: 239 (von 240) nn. Blätter (ohne das e. w. Blatt) Lagen [a2-8; b-z A-M6; N8; O-P6; Q8]. - Teil III: 319 nn. Blätter (ohne das le. w. Bl., d. e. w. vorhanden). Lagen: [a-z A-Zaa-ff6; gg1-7]. - Teil IV: 255 (von 256) nn. Blätter (ohne d. e. w. Blatt). Lagen [a8; b-z A-S6; T8]. - Teil V: 97 (von 100) nn. Blätter(ohne das erste und die letzten beiden weißen Blätter). Lagen: [a8; b-p6; q8].
Insgesamt in sehr gutem Zustand, kraftvoller Druck auf festem Papier, breitrandig und weiß sowie meist sehr sauber und frisch. Vereinzelte Wurmlöchlein und Feuchtränder (die letzten Lagen in den ersten beiden Teilen etwas feuchtrandig, im dritten Teil auch am Anfang), einige Wurmstiche, Ränder teils etwas angestaubt und fleckig, hier und da wenige ältere Marginalien. Erstes Blatt des ersten Teils etwas fingerfleckig, der zweite Teil mit sehr guten kleinen Randansetzungen (erstes und letzte acht Blätter), dritter Teil dito (die ersten 6 und letzten 10 Blätter mit Läsuren). In Teil IV ist das erste Blatt fingerfleckig, kleine Wurmlöchlein im Block, die "Tabula" ebenso mit Wurmlöchlein, die letzten beiden Blätter mit professionell reparierten Fehlstellen am rechten Rand (ohne Textverlust). Fast ohne Risse oder Fehlstellen, sehr schönes Exemplar.

Besonders bemerkenswert ist die hübsche Illumination der großen Eingangsinitiale von Band III. "B" für "Beatus es et bene tibi erit", die ein wild verschlungenes Groteskenstilleben mit drei Profilköpfen, darunter einem Teufelchen und einen exotischen Vogel (wohl Flamingo) darstellt. Eine weitere Initiale in Grün läuft in roséfarbenem und roten sowie grünen Federwerk über ein Drittel der Kolumne aus, zeigt wiederum eine Profilmaske, und oben sitzt ein Vögelchen. Die Exaktheit und der Farbauftrag lässt die Illumination als einiges später als der Druck erscheinen, auch wurde der dritte Teil nicht durchgehend rubriziert. Der Einband des dritten Teils ist ein zeitgenössischer gotischer Inkunabeleinband, möglicherweise aus Mainz. Das reich blindgeprägte Schweinsleder ist über massive Holzdeckeln gezogen, Stempel mit dem Schriftband "Maria" sowie diverse Rollen und weitere Stempel finden sich, die bei Schunke 365a verzeichnet sind (Adler, Blüten, Rautengerank u.a.). Zwei wohl spätere, im Stil der Zeit gefertigte Schließen mit sechs punzierten Beschlägen sowie acht (statt zehn) später aufgebrachten Messingbuckeln (Nägel alle erneuert). Auf den ersten weißen Blatt ein hs. Bleistift-Eintrag des Sammlers Detlef Mauss mit dessen selbstkritischen Fluchvers "Si quis ... anathema sit! Meine Foliierung ist leider falsch" und seinem Blindstempel. Mit allen fünf Teilen und Text vollständige Exemplare sind sowohl in Bibliotheken, als auch im Handel äußerst selten anzutreffen.

Schätzpreis
€ 14.000   (US$ 15.959)


Nachverkaufspreis
€ 10.000   (US$ 11.399)



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Biblia latina
Köln, Nikolaus Götz, um 1478/80.

Los 1054

Das vollständige Alte Testament in einem Kölner Einband
Biblia latina. (Vetus testamentum). "Incipit epistola sancti Ieronomi ad paulinum presbiterum [bis] Explicit psalterium". Teil I (von 2) in 1 Band. 335 (statt 336; ohne d. e. w.) nn. Bl. 2 Spalten. 42 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 20,8 x 14 cm. Format: 28,7 x 21,5 cm. Mit mehreren, bis zu 7-zeiligen roten Schmuckinitialen mit reichem Federwerk über die Kolumne, Hunderten von roten Lombarden und durchgehender Rubrizierung. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Gelenke leicht brüchig, leicht beschabt und berieben, nur unwesentliche, minimale Fehlstellen im Bezug, vereinzelte kleine Kratzer) über schweren rundgeschliffenen Holzdeckeln mit 2 intakten Messingschließen und Fore-edge Schnitttitel: "Pars vet: test:". Köln, Nikolaus Götz, um 1478/80.

Hain-Copinger 3042. GW 4235. Goff B-560. Proctor 1117. Pellechet 2272. Bodleian B-269. Finger 182. Oates 600. Sheppard 857-58. Zedler 145. BMC I, 239. BSB-Ink B-432. CIBN B-390. ISTC ib00560000. – Das vollständige Alte Testament aus dem frühen lateinischen Bibeldruck der Kölner Offizin des Nikolaus Götz. "Gotz matriculated in the University of Cologne in 1470, and at Erfurt in summer, 1456, and produced his first signed and dated book, the Vita Christi of Ludolphus, in 1474. The Latin Bible of 'vij id' maij' 1480 was printed in Gotz's type, but does not bear his name". Die vorliegende Bibel ist wahrscheinlich noch vor 1480 gedruckt worden, vermutlich sogar schon im Jahr 1478, sie ist weder datiert noch nennt sich der Drucker. Die Type kann jedoch eindeutig der Offizin des Nikolaus Götz zugewiesen werden (Type I:98G).
Der Druck ist von größter Seltenheit, so sind weltweit nur 19 Exemplare in 17 öffentlichen Einrichtungen nachweisbar, davon viele nur als Fragment oder inkomplett oder nur Teil: Kein vollständiges Exemplar in Frankreich, keines in Washington, Huntington etc., in ganz Amerika lediglich eines in New York. – Es fehlt das erste weiße Blatt (a1). Das erste vorhandene Blatt (a2) mit teils etwas radiertem hs. Besitzvermerk und ersetztem Randausriss (kaum Buchstabenverlust), gegen Anfang leicht, zu Ende etwas stärker feuchtrandig, wasserfleckig, mit geringen Sporfleckchen, die letzten beiden Blätter mit alt hinterlegten Randausrissen (ohne Textverlust), sonst kaum Papierläsuren, gedruckt auf hervorragendem, festen, teils leicht welligem Inkunabelpapier, durchgehend sorgfältig rubriziert und mit bemerkenswert hübschen Federwerk-Initialen geschmückt.

Der außergewöhnlich gut erhaltene zeitgenössische Einband stammt wahrscheinlich aus einer Kölner Werkstatt, er ist auf beiden Deckeln mit einer Bordüre aus doppelten Blindfileten geziert, die mit Rechteck-, Rund- und auf dem Kopf stehenden Quadratstempeln gefüllt sind sowie mit dem Schriftband "Maria" im Kasten mit zwei Sternen. Der Mittelspiegel ist mit Doppelfileten zum Rautenmuster gebildet, in den Rauten wiederum jeweils ein Stempel. Die Stempel zeigen Rosen, ein Fabeltier und einen kleinen Christus Salvator (einer der selteneren, auf Köln verweisenden Stempel), stehend mit Kreuz im Längsrechteck (vgl. etwa den bei Schunke beschriebenen Stempel der Benediktinerinnen zu Köln; Schunke 82, 30).

Schätzpreis
€ 8.000   (US$ 9.120)


Nachverkaufspreis
€ 5.000   (US$ 5.699)



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Biblia latina
cum postilis Nicolai de Lyra

Los 1056

Biblia latina. - Biblia cum postilis Nicolai de Lyra et expositionibus Guillelmi Britonis in omnes prologos S. Hieronymi. 5 Bände. 1210 (statt 1361) nn. Bl. 2 Spalten. 60 bzw. 73 Zeilen. Got. Type. Mit zahlreichen 5-15zeiligen Fleuronné-Initialen, mehreren Hundert Initialen sowie Kapitalstrichelung in Rot und Blau. Schriftraum: 23,8 x 15,1 cm. Format: 29,9 x 20,5 cm. Leder des 18. Jahrhunderts (schwache Schabspuren) mit ornamentaler RVergoldung, goldgeprägtem schwarzen RSchild und dreifacher Deckelfilte. Venedig, Franz Renner, 1482.

Hain-Copinger 3165. Copinger 1037. GW 4287. Goff B-612. Proktor 4180. Pellechet 2344. Bodleian B-318. Borm 464. Dubowik 12. Ernst II,2 74. Finger 188-190. Günther 3631. Hubay 380. Hummel-Wilhelmi 115-119. Kind 678. Lökkös 315. Madsen 698. Mendes 237. Oates 1675-1677. Ohly-Sack 554. 555. Sack 660-662. Sallander 1628. Zdanevyč 79. Zedler 160. BMC V, 197. BSB-Ink B-447. ÖNB-Ink B-394. CIBN B-429. IDL 837. IBE 1043. IGI 1685. ISTC ib00612000. – Vierter Bibeldruck mit den Postillen des Nicolaus de Lyra, im Anhang mit seiner Schrift Contra perfidiam Iudaeorum. 1483 erschienen noch die Additiones des spätmittelalterlichen Theologen Paulus von Burgos mit der dazugehörigen Replik von Matthias Döring, die unserem Exemplar fehlen. – Es fehlen das erste weiße Blatt sowie im Anhang die 120 Blatt Additiones. Die ersten beiden Blatt mit kleiner Wurmspur im unteren weißen Rand, das erste Blatt auch etwas fingerfleckig. Band I anfangs mit kleinem Wasserrand, die ersten Lagen in Band V ebenfalls mit schwachem Feuchtigsfleck im unteren Rand. Nur vereinzelte Blatt etwas fleckig und insgesamt sehr sauber und frisch. Mit einigen wenigen Annotationen und Anstreichungen. Ausgesprochen schönes und wohlerhaltenes Exemplar des ansprechenden Drucks mit umfließendem Kommentar.

Schätzpreis
€ 15.000   (US$ 17.100)


Zuschlag
€ 13.000 (US$ 14.819)



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Biblia latina
Mit Glosse von Strabo und Lyra. Basel, Froben u...

Los 1058

Biblia latina. Mit Glosse des Walafridus Strabo und Interlinearglosse des Anselmus Laudunensis und mit der Postilla des Nicolaus de Lyra. Hrsg. von Sebastian Brant. 6 Bände. 2-3 Spalten und 56-78 Zeilen (jeweils Text und Kommentar). Got. Typ. Schriftraum: 24,8 x 16 cm. Format: 26,6 x 21 cm. Mit 9 eingemaltten 14-zeiligen Initialen in Farben auf punziertem Goldgrund, zahlreichen großen zweifarbigen Initialen in Rot und Blau, Hunderten von roten und blauen Lombarden. Blindgeprägtes Schweinsleder um 1680 (nur leicht angestaubt, kaum fleckig, minimal berieben und bestoßen) über schweren abgefasten Holzdeckeln (ohne die Schließen, Band IV exakt im Stil d. Z. nachgebunden) mit goldgeprägtem roten Lederrückenschild und dunkelgrünem Schnitt. Basel, Johann Froben und Johann Petri, 1. XII. 1498.

Hain-Copinger 3172. GW 4284. Goff B-609. Schreiber 3477. Schramm XXI, 649-675, XXII, 1085-1105. Proctor 7763. Pellechet 2351. Altés-Olivar 41. 42. Beasecker L9. Bodleian B-316. Borm 488. Collijn 212. Dubowik 4. Ernst I/2 35 und II/3 29. Feigelmanas 90. Finger 206-207. Gspan-Badalic 116. Günther 313. Hartig 130. Hubay 379. Juntke 98. Kaufmann-Nabholz 874. Kind 695. Madsen 697 und T 14. Mendes 232. 233. Oates 2842. Ohly-Sack 549-550. Raffel 81. Rhodes 361. Riedl 169-173. Sack 658. Sallander 1627, 2099. Sebastiani, Froben, 10. Voulliéme 270. Wierda 17-22. Wilhelmi: 147. Zdanevyc 84. BMC III, 791. BSB-Ink B-480. ÖNB-Ink B-390. CIBN B-435. IBE 1052. IBP 1040. IBPort 332. IBS 252. IDL 865. IGI 1693. CBB 681. CIH 662. ISTC ib00609000. – Die erste große sechsbändige, überaus reich kommentierte und mit zahlreichen Zusätzen herausgegebene Bibel aus der Offizin des Basler Druckers Johann Froben zusammen mit Johann Petri. Bis dato hatte Froben nur zwei Bibeldrucke veröffentlicht, am 27. Juni 1491 und am 27. Oktober 1495 (Hain 3107 und 3118), jeweils als (meist einbändige) Kompaktausgaben. Hier nun legte er erstmalig eine überaus reich kommentierte Bibelausgabe vor, die den beiden vorangehenden Drucken von Anton Koberger von 1480 und dem venezianischen Druck von Paganinus de Paganinis am 18. April 1495 folgt. Hier wie dort wurden erstmals die Anmerkungen des Benediktiners Walahfrid von der Reichenau (auch Walafried Strabo oder latinisiert Strabus; 808-849) als Klammerglossen hinzugefügt. Ferner enthält die Ausgabe auch die umfangreichen Kommentare und Glossen, die "Postillen" des berühmten scholastischen Theologen, des "Doctor planus et utilis", Nikolaus de Lyra (1270-1349), der - nicht zuletzt auch aus der jüdischen Tradition der Talmut-Exegese kommend - den Bibeltext Wort für Wort und oft wörtlich im Wortsinn neu interpretiert hat - und damit die vorbildliche Exegese bis in die Neuzeit lieferte. Nicht zuletzt folgt auch Martin Luther den "Postillae perpetuae" des Nikolaus von Lyra bei seiner Bibelübersetzung: "Si Lyra non lyrasset, Lutherus non saltasset".
"Wissenschaftliche Bibelausgabe mit der Glosse Walahfried Strabos und den Postillen Nikolaus de Lyras durch Sebastian Brant. Der einzige reich illustrierte Druck Frobens, die Holzschnitte nach er lateinischen kommentierten Bibel Kobergers von 1485" (Hieronymus 79).
Enthalten sind ferner auch die Expositio des Guillelmus Brito "in omnes prologos S. Hieronymi" und die Addenda des Paulus Burgensis sowie die Replik des Matthias Doering. Ferner mit einer Marginalkonkordanz zu Gratians "Decretum" sowie auch ein eigener Text des Nicolaus de Lyra: "Contra perfidiam Iudaeorum". – Es fehlen die weißen Blätter. Stellenweise leicht stock-, braun- und fingerfleckig, hin und wieder alte Anmerkungen, die Bände I, II und Band VI jeweils zu Beginn mit Wasserrand und Wurmgängen, im ersten Band sind einige Blätter etwas braunrandig, a8 im Bund mit restaurierten Einrissen. Eine der Goldinitialen etwas beschabt bzw. abgeplatzt. Band IV stammt auch einem anderen Exemplar, hier Titel und das letzte Blatt gestempelt, Bände I-III und V-VI mit einem alten farbig augemalten Exlibris-Wappen mit dem Monogram "JC" auf der ersten Seite (Band I, sonst auf dem unteren Rand jeweils des zweiten Blatts).

English: Complete copy without the blanc leaves. Here and there some light brownstains or foxing, minimal fingerstainy. Occasionally some few old manuscript notes to margins, volumes I, II and VI each at beginning with some minor waterstains and few worm traces. The first volume some leaves slightly browned to margins, leaf a8 with few restored tears to inner joint. One of the gold initials little rubbed resp. scratched, volume IV from another copy with stamped title and last page. Volumes I-III and V-VI contain a beautiful coloured bookmark with coat of arms and monogram "JC" at the first page (volume I, otherwise at lower margin of the second leaf).
Beautiful complete and homogeneously bound copy in blind-tooled pigskin around 1680 over massive wooden boards (only minimally dusty, scuffed or rubbed, clasps missing, binding of volume IV is an almost perfect newer replication), all with gilt spine labels and dark green edges.

Schätzpreis
€ 28.000   (US$ 31.919)


Nachverkaufspreis
€ 16.000   (US$ 18.240)



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Gerson, Johannes
Opera. Hrsg. von Peter Schott und Johann Geiler...

Los 1130

Gerson, Johannes. Opera. Hrsg. von Peter Schott und Johann Geiler von Kaysersberg. 50 (Index, 230; 286 (le. w.); 359 (statt 360; ohne das le. w.); 306 (statt 308; ohne f3 und f6) nn. Bl. 2 Spalten. 53 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 21,2 x 13,5 cm. Format: ca. 29,8 x 20,6 cm. Mit Initialspatien, 5 (4 wdhl. ganzseitige, 1 von Albrecht Dürer) Textholzschnitte verso Titel, Band I mit einer 10-zeiligen Initiale in Gold und Farben sowie zahlreichen Lombarden in Rot und Blau sowie durchgehender Rubrizierung. Bände I und IV: Blindgeprägtes dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. aus verschiedenen Werkstätten (mit Läsuren und Fehlstellen, Bezug teils brüchig und mit Schäden an Kapitalen, stark beschabt und bestoßen, ein älteres Klebeschild) über schweren Holzdeckeln mit 7 (statt 8) ziselierten Schließbeschlägen (ohne die Schließen). Band II-III: Katzentatzen-marmoriertes flexibles Pergament des 18. Jahrhunderts (wellig, leicht abgegriffen, beschabt) mit alt aufkaschierten Kalbslederrücken mit rotem goldgeprägten RSchild und reicher RVergoldung (Rücken teils stärker beschabt, Kapitale abgeschürft, bestoßen und berieben, kleine Lederfehlstellen) mit rotem Schnitt und kalligraphischen Schnitt-Titeln. Straßburg, Johann Grüninger, 3. VII. bis 10. IX. 1488 (Bände I-III) und ebenda, Martin Flach und Matthias Schürer, 1502 (Band IV).

Hain-Copinger 7622. GW 10714. Goff G-186. Proctor 534-536. Pellechet 5125. Schreiber 4101. Schramm XX, 25, 1232. Bodleian G-086. Borm 1114. Collijn 442. Deckert 321. 322. Finger 438. 439. Günther 2905. Hubay 872. Hummel-Wilhelmi 240. 241. Lökkös 202. Madsen 1698. Ohly-Sack 1205-1207. Schlechter-Ries 724. 725. Sheehan G-62. Walsh 164. 165. Zedler 281. BSB-Ink G-183. BMC I, 170.CBB 1590. CIH 1401. IBE 2642. IGI 4238. ISTC ig00186000 (für Teile I-III; Teil IV:) Ritter 1003. Schmidt, Flach 7. VD16 J 559. – Zweite vollständige Ausgabe der gesammten Werke des französischen Theologen, Mystikers, der ab 1395 als Kanzler und Nachfolger Pierre d’Aillys an der Pariser Universität Sorbonne lehrte, gleichzeitig die erste bei Grüninger ab 1484 gedruckten und von Schott und Geiler von Kaisersberg edierten Auflage. So vollständig wie hier äußerst selten. In den meisten Bibliotheken sind nur Einzelbände nachweisbar. Das vorliegende Exemplar mit dem erstmals 1502 gedruckten vierten Teil, der auch anderen Ausgaben beigegeben wurde.

Der schöne, in allen vier Bänden abgedruckte Holzschnitt zeigt Johannes Gerson als alten Pilger mit dem ihn kennzeichnenden mystischen Wappen, von seinem Hund gefolgt. Im Hintergrund bergige Landschaft mit einer Burg, wahrscheinlich der Rattenburg im Unterinntal, auf der sich Gerson wie oben beschreiben nach seiner Flucht aus Konstanz verborgen hatte. Bemerkenswert ist die Titelillustration zum vierten Teil, der bisher noch nicht gedruckte Werke Gersons enthält. In diesem vierten Band ist erstmalig der ganzseitige Holzschnitt von Albrecht Dürers "Gerson als wandernder Pilger" abgedruckt; einer der drei großen Holzschnitte aus Basel und Straßburg aus den Jahren 1492-94, die Friedrich Winkler als "Einschaltblätter, sozusagen Einblattholzschnitte, mit allen Merkmalen einer sehr persönlichen Ausgestaltung" bezeichnet. – Erste Lage von Band I lose. Lage a sowie einige wenige Blätter in Band I am rechten Rand stärker wasserfleckig. Band II partiell mit Stockflecken im rechten Rand. In allen Bänden stellenweise einige Wurmlöcher im Randbereich. Band IV anfänglich und am Ende auch mit einigen Wurmlöchern im Textbereich (auch der Dürer-Holzschnitt stärker betroffen), 2 Holzschnitte minimal alt ankoloriert, teils stärker gebräunt, feucht- und braunfleckig. In allen Bänden finden sich einige zeitgenössische, handgeschriebene Marginalien. So vollständig äußerst selten.

Die beiden gotischen Einbände in dunkelbraunem Kalbsleder entstammen süddeutschen Werkstätten, der etwas frühere mit Rautenranken, Blüten- und Rollenstempeln zwischen diagonalen und rechteckigen Streicheisenlinien, der etwas spätere mit Gouillocheranken in mehrfachen Fileten-Registern, beide mit Resten von geprägtem Titelnamen auf dem Vorderdeckel. Auf dem Vorsatzblatt vom ersten Band ein zeitgenössischer Besitzereintrag eines von uns nicht näher identifizierbaren Benediktinerklosters. Auf dem Vorsatz von Band IV Besitzerstempel „AD CONVE:F:F:MIN:GRAECENSIUM“ sowie ebenso ein zeitgenössischer handschriftlicher Eintrag des Grazer Franziskanerkloster. "Pro Conventu Graecensium Fratrum Misericordiae".

Schätzpreis
€ 8.000   (US$ 9.120)


Nachverkaufspreis
€ 5.500   (US$ 6.269)



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Gesner, Conrad
Historiae animalium

Los 1132

Gesner, Conrad. Historiae animalium. 4 Teile in 3 Bänden. Mit Holzschnitt-Portrait, Wappenholzschnitt, 5 teils wiederholten Holzschnitt-Druckermarken und über 800 teils ganzseitigen Textholzschnitten. 39 x 24 cm. Blindgeprägte Lederbände d. Z. (etwas disparat gebunden und im Format minimal abweichend; fleckig und berieben, teils mit Schabspuren, Kapitale teils restauriert) mit goldgeprägten Eckfleurons und Deckelvignette bzw. blindgeprägter Mittelarabaske im Oval. Zürich, Froschauer, 1551-1558.

VD 16 G 1723, 1724, 1730 und 1738. Nissen ZBI 1549, 1550, 1553 und IVB 349. Wellisch A 23.1, 24.1, 25.1 und 26.1. PMM 77. – Erste Ausgabe der ersten vier Teile der fünfbändigen Historia animalium, die 1551 bis 1587 bei Froschauer erschien. Band I: De quadrupedibus viviparis. Band II: De quadrupedibus oviparis. Band III: De avium natura. Band IV: De piscium et aquatilium animantium natura. Es fehlt lediglich der abschließende Teil V über die Schlangen, der erst 1587 erschien und nur 85 Druckseiten umfasste. "His History of animals, is an encyclopedia of contemporary knowledge, intended to replace not only medieval compilations but even Aristotele's work of the same title. Like any modern encyclopaedist Gesner drew upon the best sources of information available to him, and also borrowing a great deal from his predecesors ... Gesner's encyclopedia was enriched by crude but often lively woodcuts. Most were prepared specially for this work" (PMM). Der Teil II ist diesem Exemplar irrig hinter Teil III gebunden. – Titel von Teil I etwas gelockert, im unteren Rand gestempelt, mit Randläsuren und komplett aufgezogen. Vereinzelte schmale Wasserränder. Titel von Teil III im unteren weißen Rand mit größerer ergänzter Fehlstelle, das erste Blatt dort im unteren Rand gestempelt. Wenige vereinzelte Annotationen. Alle drei Bände mit Griffregister. Schönes und kaum fleckiges Exemplar.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.679)


Zuschlag
€ 12.000 (US$ 13.679)



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Rainerius de Pisis
Pantheologia. Augsburg, Günther Zainer, 1474

Los 1240

Rainerius de Pisis. Pantheologia. Mit Praefatio von Jacobus Florentinus. 2 Bände. 507 (statt 509; ohne die beiden w. Bl.); 483 (statt 484, ohne das e. w.) Bl. 2 Spalten. 59-60 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 28 x 18,2cm. Format: 41 x 29 cm. Mit zahlreichen 8-12-zeiligen Maiblumen-Initialen und Kapitalspatien. Hellbraunes Kalbsleder d. Z. (Leder brüchig mit größeren Fehlstellen, Rücken erneuert und Blöcke neu aufgebunden, Rücken- und Deckelleder aufkaschiert, stärker beschabt und berieben sowie mit Kratzern, fachmännisch restauriert) über schweren Holzdeckeln mit reicher Rautenblindprägung und Stempelzier, kleinem Deckelschild und größeren hs. Rückenschildern des 19. Jahrhunderts sowie mit jeweils 2 neueren Schließen und zus. 20 ebenfalls neueren Messing-Tellerbuckeln. Augsburg, Günther Zainer, 1474.

Hain 13016. GW 36921. Goff R-6. Proctor 1543. Bodleian R-002. Collijn 1298. Hubay 1743. Sack 3007. Schlechter-Ries 1541. Sheehan R-3. BMC II, 321. BSB-Ink R-2. CIH 2895. IBP 4659. IDL 3864. IGI 8268. ISTC ir00006000. – Zweite Ausgabe der dem Rainer von Pisa (1100-1160) zugeschriebenen "Pantheologia", der ältesten theologischen Enzyklopädie überhaupt. Es handelt sich um eine umfangreiche Kompilation des gesamten theologischen Wissens der Zeit in lexikalischer Form. So enthält der erste Band die Buchstaben A-M und er zweite L-Z, jeweils mit den prächtigen, charakteristischen Maiblumen-Initialen ausgestattet. Das monumentale Werk war erstmalig von Johann Sensenschmidt und Heinrich Kefer in Nürnberg am 8. IV. 1473 im Druck vollendet worden (GW 36929).
"The oldest theological encyclopedia ... represents the practical inheritance of scholasticism. It brings together the main themes of theology, drawing most heavily on Alexander von Hales, Bonaventura and, of course, Thomas Aquinas. The thoroughness of the 'Pantheologia' is demonstrated in the number of little known authors and texts it cites" (BPH 164). – Es fehlen drei der vier weißen Blätter (Band I, Blätter 37 und 38, Band II Blatt 1). Der erste Band ist leicht feuchfleckig, wassserrandig und zu Anfang etwas fleckig, das erste Blatt mit kleiner Randhinterlegung, die Blätter 4-5 angeschmutzt, das erste und letzte Blatt in beiden Bänden ist leicht wurmstichig (Band I jedoch kaum betroffen). Sonst im Block jeweils sehr frisch und außergewöhnlich sauber, gedruckt auf ausgezeichnet festem und besonders starken Büttenpapier, hier in bemerkenswerter Breitrandigkeit von originalen Beschnitt der Zeit.

Die hübschen Einbände entstammen einer süddeutschen Werkstatt, sie wurden in den großen, durch vierfache, gestaffelte Fileten begrenzte Rauten mit verschiedenen Stempeln verziert, die Ilse Schunke dem Franziskanerkloster in Amberg in der Oberpfalz zuweisen kann, darunter ein Blattornament (Schunke 98), ein Hund (54), eine Palmette (33) und eine Rosette (145a). "Es muss offen bleiben, ob es sich hier um die Klosterwerkstatt oder um den Auftraggeber - die Klosterbibliothek - handelt" (EDBD w002312).
Innendeckel beider Bände mit Besitzvermerken des Theologen Conrad Schwäger aus Tirschenreuth in der Oberpfalz: "S. Theologiae D. Conradus Schwägerius Thürsenreutinus 1567". Das Exemplar ging danach in die Bibliothek des Augustinereremitenordens in Ramsau (mit entsprechendem Besitzvermerk in Band I) und von da nach München, wo es als Dublette dann ausgeschieden und dem Handel übergeben wurde. Mit gestochenem Exlibris "Ad Bibliothecam conventus Monacensis Ord:Erem: S.P.Aug" und Vermerk im 2. Band, datiert 1606 sowie der Bayerischen Staatsbibliothek, einst mit der Signatur "Inc. Typ. Nr. 740"). Beide Bände mit dem Vermerk "Duplum". Blindstempel der Bibliothek Detlev Maus.

Schätzpreis
€ 14.000   (US$ 15.959)


Nachverkaufspreis
€ 8.000   (US$ 9.120)



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Thomas von Aquin
Catena aurea. Basel, Michael Wenssler, 1476

Los 1262

Thomas de Aquino. Catena aurea. 437 (von 438; ohne das letzte weiße) nn. Bl. 2 Spalten. 62 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 28,1 x 19,5 cm. Format: 38,9 x 28,2 cm. Mit einigen roten Lombarden und Initialspatien. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (Gelenke unauffällig restauriert, allenthalben mit Wurmlöchern gesprenkelt, fleckig, beschabt und berieben) über schweren Holzdeckeln mit 1 intakten Lederschließe mit 5 (statt 6) teils punzierten Messingbeschlägen. Basel, Michael Wenssler, 1476.

Hain 1332. GW 46089. Goff T-229. Proctor 7481. Pellechet 936. Borm 2589. Collijn 1025. Feigelmanas 409. Finger 910. Günther 394. Hartig 628. Kaufmann-Nabholz 168. Madsen 3886. Nentwig 29. Ohly-Sack 2669-2671. Rhodes 1705. Sack 3395. 3396. Schüling 798. BMC III, 723. BSB-Ink T-200. CIBN T-128. T-200. CIH 3231. IBE 5564. IBP 5243. IDL 4352. IGI 9516. ISTC it00229000. – Frühe Ausgabe, die vierte seit dem Erstdruck von Sweynheym und Pannartz in Rom aus dem Jahre 1470 (Hain-Copinger 1330. GW 46094. Goff T-225) von Thomas' Hauptwerk. Die Catena aurea ist eines der zentralen Werk des Thomas von Aquin (1225-1274), mit dem er einen außergewöhnlichen Kommentar zu den vier Evangelien zusammenstellt: "die Werke von als Autoritäten anerkannten Kirchenvätern und Kirchenschriftstellern durchforstete er mit Hilfe einer Anzahl von Sekretären auf markante Aussagen zum biblischen Text. Das gefundene Material verband er so geschickt, daß es - hätte er nicht stets seine Quelle offengelegt - wie die fortlaufende Auslegung eines einzigen Autors wirken konnte. Schon seine Zeitgenossen erkannten den Wert dieses Werkes, mit dem zu jedem Satz aus den Evangelien das Urteil der wichtigsten Kirchenväter eingeholt werden konnte; später erhielt es deswegen den Titel 'Goldene Kette' (Catena aurea)" (Marianne Schlosser im Online-Projekt "Catena aurea").
Der Druck des Baslers Michael Wenssler gehört zu den wichtigsten seiner Werkstatt, zusammen mit Berthold Ruppel und Bernhard Richel gehörte Wenssler zu den frühesten Druckern in Basel. Er kam aus Straßburg und hatte an der Basler Universität studiert, wo er 1462 matrikulierte, erste Druckwerke stammen aus dem Jahre 1472 (vgl. BMC III, S. 717, nicht bei Benzig, Drucker). – Erstes weißes Blatt mit Besitzvermerken (vgl. die unten erwähnte Provenienz, kleiner blauer Buntstiftnummer, ebenso wie die ersten Blätter etwas wurmstichig und mit kleinen Löchlein, angestaubt und angeschmutzt, radierter Stempel, letztes Blatt mit restauriertem Einriss, sonst nur unbedeutende Papierschäden und nur ganz vereinzelt Wurmgänge, gedruckt auf besonders festem, schweren Papier, bemerkenswert breitrandig.
Es fehlt lediglich das letzte weiße Blatt (&6), das erste weiße (a1) mit einer interessanten handschriftlichen Titelei („Apiarium patrium in quatuor evangelistas. Hoc est explicatio quatuor S. Evangelistarum ex patribus à D. Thoma theologo et scholastico acutissimo singulari judicio & diligentia collecta etcetera" und Besitzvermerk in weißer Schrift über einer schwarzen Tabula mit Beschlagwerkornament. Demnach gehörte der Band einer Veronica Sturm, die es am 3. Januar 1566 Elias Kyber von Gengenbach überreichte: „Ex liberalitate et munificentia nobilissimae ac vicentissimae matronae Veronicae Sturmiae sum Elias Kyberj Gengenbacensis 1566 3. Januarij". Auf dem vorderen Innendeckel das runde, bis auf den Lorbeerkranz ausgeschnittene Holzschnitt-Exlibris „Elias Kyberus Gengenbacensis", der es an einen Samuel Ammianus von Schaffhausen verkaufte. Dieser wiederum schenkte das kostbare Buch einem Johann Heinrich Kohlmann ("Johannes Henricus Colmannus"), dem Pastor von Oberhochstadt bei Strassburg, datiert in den April 1574 in der genannten weißen Schrift auf schwarzer Kartusche. Innenspiegel zudem mit Exlibris der Amsterdamer Ritman Library (Bibliotheca Philosophica Hermetica). Der überaus mächtige zeitgenössische Einband ist sehr individuell blindgeprägt: mit alternierenden einfachen, doppelten und breiten Rillen-Fileten und kleinen Lilienstempeln im Quadrat sowie Schriftbandstempelchen (wohl mit Marienmonogramm), wobei die Fileten zu spitzeckigen Rautenornamenten auf den Mittelspiegeln in rechteckigen Filetenkästen zusammengesetzt sind.

Schätzpreis
€ 9.000   (US$ 10.260)


Nachverkaufspreis
€ 6.000   (US$ 6.839)



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Vincentius Bellovacensis
Speculum historiale

Los 1280

Vincentius Bellovacensis. Speculum historiale. 3 Bände. 336 (statt 338); 331; 372 nn. Bl. 2 Spalten. 52 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 26,8 x 18,9-19,1 cm. Format: ca. 40 x 28,5 cm. Mit Hunderten von roten Lombarden, Alinea und durchgehend rubriziert. Reich blindgeprägte braune Kalbslederbände (einer leicht abweichend, Leder brüchig, zwei Bände mit ausgerissenen Kapitalen, Fehlstellen, Kratzern und Bestoßungen, sorgfältig alt restauriert) über abgefasten, schweren Holzdeckeln, mit 1 (von 3) RSchildern des 18. Jahrhunderts und 2 (statt 3) geweißten unteren Kapitalen mit alter Signatur (ohne die Schließen, teils Ecken- und Lederbezug ergänzt). Augsburg, Sankt Ulrich und Afra, 1474.

Copinger 6247. GW 50570. Goff V-284. Proctor 1639. Pellechet 11558. Bodleian V-134. Collijn 1099. Ernst II/3 116. Hubay 2112. Madsen 4159. Oates 904-907. Ohly-Sack 2964. 2965. Raffel 500. 501. Rhodes 1814. Sack 3673. Sallander 2000. Schlechter-Ries 1797. Walsh 553. Wilhelmi 614. BMC II, 339. BSB-Ink V-203. CIBN V-188. CBB 3942. CIH 3492. IBP 5648. IDL 4649. IGI 10314. iv00284000. – Dritter Inkunabeldruck des "Speculum historiale", des "Großen Historienspiegels", der ersten historischen Enzyklopädie des Mittelalters. Autor ist der französische Dominikaner, Historiker, Gelehrte und Scholast Vinzenz von Beauvais (latinisiert Vincentius Bellovacensis; 1184-1264), der unter König Ludwig IX. die Stelle des Kaplans und Bibliothekars inne hatte und zu den fruchtbarsten Kirchenschriftstellern seiner Zeit gehörte.

"Cet écrivain, si souvent cité, a été longtemps célèbre; cependant on ne sait presque rien de sa vie. C'est par fausse conjecture qu'on l'a fait évêque de Beauvais: il n'a jamais quitté son ordre, et n'a jamais été évêque, ni de Beauvais ni d'aucun autre lieu ... Le principal ouvrage de Vincent, intitulé, dans les manuscrits, 'Bibliotheca mundi, Speculum majus, Speculum triplex' a été souvent imprimé ... Des trois parties qui le composent, une seule, le 'Speculum historiale' a été traduite en français par Jean du Vignay" (Hoefer XL, 236f.).

Der Druck stammt auf der Offizin des Augsburger Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra, deren erste Drucke aus dem Jahr 1472/73 datieren: "Information as to the printing done at this monastery largely depends on a contemporary chronicle written by one of the monks, Wilhelm Wittwer ... The making of presses occupied about a year, and the Abbot seems then to have caused to be printed the Speculum humanae salvationis (completed before the end of 1473), in Günther Zainer's type 2 ... and the Speculum Historiale of S. Vincent de Beauvais in Anton Sorg's type 1. This last is dated 1474, and on the other hand we know from Wittwer that it was unfinished at the time of the Abbot's death on 30 January of that year" (BMC II, 338).

Interessant sind auch in dem - mit allen drei Bänden selten so kompletten - Werk des "Speculum historiale" die zahlreichen Exkurse in die Wissenschaft, vor allem in die Alchemie, für die Vincentius über 350 Autoren als Quellen heranzog, die er teilweise zitiert, angefangen bei den antiken griechischen wie Platus und Plinius bis hin zu den großen Kirchenvätern und den Scholastikern des Hochmittelalters. Geoffrey Chaucer diente das Werk als reichhaltige Quelle zu seinen "Canterbury Tales". Sein Gesamtwerk des "Speculum maius" unterzog Vincentius mehrfachen Überarbeitungen in den Jahren 1240 bis zu seinem Tode, woraus die gültige Endfassung hervorging, in drei Teile gegliedert: "Speculum naturale", "Speculum doctrinale" und "Speculum historiale" (vorliegend). – Dem ersten Band fehlen zwei Blätter (Doppelblatt E7-8), sonst mit allen weißen Blättern vollständig. Der erste Band gegen Schluss etwas feuchtrandig zum Schnitt hin, sonst fast durchgehend sauber und fleckenfrei. Der zweite Band etwas wurmstichig, die ersten und letzten Lagen gebräunt und mit Eckausbesserungen, älteren Marginalien und vereinzelnten Feuchtflecken, zwei Blätter (i9-10) am Längsrand beschnitten, Blatt p3r mit einer kleinen Zeichnung des heiligen Hieronymus am oberen Rand. Blatt a1r gestempelt, der vordere Spiegel mit Besitzvermerk und gestochenem Exlibris "Fundationis Baldavficae" der Stiftung des Florian Waldauf Ritter von Waldenstein (ca. 1450-1510).

Zur Provenienzgeschichte vergleiche die Online-Einträge der Bibliothek Göttingen (fabian.sub.uni-goettingen.de). Der dritte Band ist in nahezu tadelloser, fleckenfreier und frischer Erhaltung. Blatt a1r oben links mit leicher Rasur (winzigem Buchstabenverlust); eine ebendort eingemalte größere Initiale "T" wurde nicht vollendet. In allen drei Bänden wurde das Register ans Ende gebunden. Bände I und III stammen aus einer anderen Provenienz als Band II, was auch die Bindung zeigt, die minimal voneinander abweicht. Alle drei Bände wurden jedoch in der Werkstatt des Klosters St. Ulrich und Afra angefertigt - mit den entsprechenden bei Ilse Schunke beschriebenen und abgebildeten Präge Stempeln: Adler (Schunke 404), Basiliks (14), Blattornament (64), Granatapfel (16) etc.).

Prächtiges Exemplar auf bemerkenswert breitrandigem, überaus festem und starkem Papier in den "originalen" Einbänden des Klosters und der Buchdruckerei von St. Ulrich und Afra in Augsburg.

Schätzpreis
€ 10.000   (US$ 11.399)


Zuschlag
€ 8.000 (US$ 9.120)



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