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Los 2605 Hiller, Kurt
5 Briefe an Hermann Heym
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2605) » größer

Der Konflikt um den "Kondor"
- 5 eigh. Briefe m. U. "Dr Kurt Hiller". Zus. ca. 121/2 S. Mit einem integrierten Gedichtmanuskript nach Georg Heym. 4to. Berlin 16.II - 31. III.1912.

An Georg Heyms Vater, Geheimrat Dr. Hermann Heym. Teils sehr umfangreiche Briefe, mit denen Hiller den Juristen innerhalb weniger Tage geradezu "bombardiert", um sein "Kondor"-Projekt in der vorgesehenen Form zu retten. Aus ihnen wird auch ersichtlich ist, dass bereits kurz nach des Dichters Tod der notorisch streitlustige Hiller mit fast allen Personen des Umkreises um Georg Heym verfeindet ist. Zunächst führt er aus, dass er den mit derben antibürgerlichen Beschimpfungen gefüllten Gedichtzyklus "Das Grundbuchamt" nicht an Hermann Heym herausgeben könne, "da es einerseits zu etwa einem Viertel kein abgerundetes Manuskript, vielmehr Bestandteil von Briefen ist - und andererseits ich die mir daran zustehenden Urheberrechte bereits an Herrn Ernst Rowohlt (selbstverständlich unentgeltlich!) übertragen habe ... Jedenfalls versichere ich Ihnen, dass ich selber 'Das Grundbuchamt' keinesfalls, weder öffentlich noch privatim, drucken lassen werde. - Ferner besitze ich von Ihrem Sohne mehrere Einzelgedichte; sie sind alle im 'Ewigen Tag' erschienen, bis auf ein einziges, 'Träumerei in Hellblau', das er in eines meiner Notizbücher eingetragen hat. Sie begreifen, dass ich auch dieses nicht weggeben kann; aber ich werde mir erlauben, es Ihnen am Ende dieses Briefes abzuschreiben. 'Zur Prüfung' hat Ihr von mir verehrter Sohn mir nur einmal eine Arbeit geliehen, das Drama 'Atalanta'; und dieses entsinne ich mich ihm vor sehr langer Zeit bereits zurückgegeben zu haben ...". Erbittet dann seine Briefe und Postkarten an Georg Heym zurück, besonders einen unfreundlichen, kurz vor Heyms Tod abgeschickten Brief: "... Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht verfehlen, zu bemerken, dass ich Ihrem Sohne das Vorgehen, das mich ein paar Wochen vor seinem furchtbaren Ende zu einem gewiss sehr feindlichen Schreiben an ihn veranlasst hatte, selbstverständlich nicht im entfernstesten mehr nachtrage - umso weniger, als Georg Anfang Januar, wie ich durch Dr. Kronfeld erfuhr, den ersten Schritt zu einer Versöhnung getan hat ... Sie wissen vielleicht, dass Herr Rowohlt, zu dem ich bis dahin keine irgendwie geartete Beziehung hatte, mich spontan ersucht hat, Georg Heym's litterarischen Nachlass herauszugeben. Ich habe dieses Ersuchen abgelehnt - weil gewisse Herrchen, mit denen ich weder überhaupt noch insbesondre an der Bahre eines von mir stets verehrten Künstlers mich publizistisch herumzuschlagen gewillt bin, einer Annahme jenes Vorschlags falsche Motive untergeschoben hätten [16.II.1912] ... wie ich überhaupt gewillt bin, Ihnen, verehrter Herr Gehimrat, bezüglich der Angelegenheiten, die mit dem Namen Ihres Sohnes verknüpft sind, jeden Wunsch zu erfüllen; jeden - soweit nicht Überzeugungen bei mir dadurch tangiert werden. Dies freilich wäre der Fall, wenn ich aus der Gedichtsammlung 'Der Kondor', die ich nächster Tage herausgebe, die Verse Georg Heym's ausmerzte. Ich plane nämlich mit jenem Werke ein Bild der jüngsten lyrischen Produktion in Deutschland zu geben; plane, alle zwischen 1875 und 1890 Geborenen, die sich als Dichter durch Ursprünglichkeit, Kraft, Neuheit auszeichnen, (mit charakteritischen Proben) zu vereinigen. Da nun Ihr Sohn, meiner Auffassung nach, eine der markantesten Persönlichkeiten innerhalb der letzten lyrischen Litteratur ist, wäre es geradezu ein Fehler, ihn im 'Kondor' nicht zu bringen ... Nun besteht bei Ihnen ein Zweifel darüber, ob Georg selber mit dieser Publikation einverstanden gewesen wäre. Dieser Zweifel ist, wie ich Ihnen zu erklären nicht anstehe, beerechtigt. Denn Herr Guttmann wird Ihnen erzählt haben, dass Georg sich über die Mitarbeiter der Anthologie sehr abfällig geäussert und seine eigne Mitarbeit abgelehnt habe ... Am 6. Juni 1911 teilte mir Georg, auf meine Aufforderung, sich an der Anthologie zu beteiligen, mit: '... Mit einer Anthologie bin ich einverstanden. Sie könnten weiteres veranlassen. Ich gebe Ihnen freie Hand, Nur, ich möchte nicht an Rowohlt schreiben. Tun Sie das ...'. Schliesslich realisierte sich mein Plan ... Freilich war Georg suggestibel, und kurze Zeit nach der Übersendung der [Druck-] Bogen hatten seine 'Freunde' (welche zugleich meine Neider und 'Feinde' waren; wohl auch noch sind) ihn dazu gebracht, mir zu schreiben: 'Ich trete von der Anthologie zurück, da auch Guttmann nicht mitmacht'. (Nb: Ich hatte Herrn G. natürlich garnicht aufgefordert!) ... aber ich stellte mich damals keineswegs auf den juristischen Standpunkt, sondern suchte Georg von der Unzweckmäßigkeit seines Schrittes, insbesondere von der Haltlosigkeit der Argumente seiner Ratgeber gütlich zu überzeugen; ich machte damals auch aus andern Gründen starke Anstrengungen, ihn von den schädlichen Suggestionen jener Herren zu befreien ... Schliesslich kam, Ende November oder Anfang Dezember, die - Ihnen in meinem vorigen Brief angedeutete - persönliche Entzweiung zwischen uns; deren Ursachen hatten mit der Anthologiefrage nichts zu tun, aber die Wirkung war selbstverständlich für diese Frage ungünstig ... Nun wandte sich Georg, einen Tag ... vor seinem entsetzlichen Ende, an meinen Freund Dr. Kronfeld mit der Bitte, ihm den ganzen Konflikt mit mir vortragen und sein eigenes Verhalten ausführlich rechtfertigen zu dürfen. Dieser Schritt konnte, nach Dr. Kronfeld's und auch meiner Meinung, nichts anderes bedeuten als der Versuch, sich mit mir wieder zu versöhnen. Georg hätte bei diesem Versuch Erfolg gehabt ... Ihres Sohnes Name aber wird im Vorwort nicht verschwiegen werden können. Schon deshalb nicht, weil der Verlag Rowohl seine Zustimmung zum Abdruck der Gedichte von der Nennung der Verlagsfirma abhängig gemacht hat. Zweitens wünsche ich, dem von mir hochverehrten Dichter öffentlich das Meinige nachzurufen. Und drittens ist die Umänderung des Vorworts technisch kaum mehr möglich. - Der Name des Herrn Jentzsch kommt in dem Buch nirgends vor. Ich zitiere lediglich ein Versbruchstück von ihm, als (ausgezeichnetes) Beispiel dafür, wie ein Dichter es nicht machen soll. Wenn die Herren Jentzsch oder Guttmann (oder sonstige) sich an mir in der Weise 'rächen' wollen, dass sie meine Anthologie dazu benutzen, den Namen Ihres Sohnes in den Mittelpunkt einer hässlichen Presspolemik zu stellen, so trage nicht ich die Verantwortung dafür, sondern jene tragen sie ... Im 'Kondor' sind Autoren vertreten, die (nicht bloss nach meiner - vielleicht unmassgeblichen - Meinung, sondern auch nach der Meinung unserer massgeblichen Kunstrichter) die Blüte der gegenwärtigen Gedichtlitteratur repräsentieren. Das ganze Werk ist, in jedem Sinne, vornehm ... feststeht, dass sein [Georg Heyms] Dabeisein seinem Nachruhm nur nützen kann. Für Sie als Vater ist die Publikation nur erfreulich. Dagegen spricht wahrhaftig bloss: das Rachegelüst einiger Kläfferchen. Ich bin sehr entschlossen, es zu ignorieren [15.III.1912] ... anbei die Ihnen gestern in Aussicht gestellten Korrekturbogen vom 'Ewigen Tag', die mir Georg am 1. September vorigen Jahres zur Verfügung gestellt hatte. Seine Notiz auf Seite 1 dürfte beweiskräftig sein [16.III.1912] ... Ihre Ansicht über Herrn Jentzsch teile ich durchaus; und wenn in der ganzen Angelegenheit eine Taktlosigkeit zu befürchten ist, so ist sie es gewiss nicht von seiner Seite. Übrigens habe ich Herrn Jentzsch, noch zu Lebzeiten Ihres lieben Sohnes, brieflich zu verstehen gegeben, dass ich ihn, trotz allen sachlichen Gegensätzen, als Persönlichkeit durchaus respektiere und sehr gern in guten Beziehungen zu ihm stünde [21.III.1912] ... leider habe ich Ursache anzunehmen, dass Mittwoch, am dritten April, innerhalb seines Cabarets Herr W. S. Guttmann persönliche Angriffe gegen mich wagen wird ... Jedenfalls bin ich für etwaige peinliche Konsequenzen der Sache nicht verantwortlich; und vielleicht gelingt es Ihnen ... den jungen Mann von seinem Vorhaben abzubringen ..." [31.III.1912]. - Georg Heym blieb in Hillers Band vertreten, ferner Ernst Blass, Max Brod, S. Friedlaender, Ferd. Hardekopf, Kurt Hiller selbst, Else Lasker-Schüler, René Schickele, Franz Werfel, Paul Zech und andere, so dass Hiller bezüglich der Qualität der Anthologie nicht zu viel versprochen hatte. - Mit zahlreichen Bleistift-Kommentaren am Rand sowie Anstreichungen von der Hand Erwin Loewensons.

Schätzpreis
€ 2.000  

(US$ 2.300)
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(CHF 2.120)


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