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Autographen Auktion 112, Do., 18. Okt., 16.00 Uhr


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Los 2105 Alemannen-Laterne
oder Repertoir für Mißgeburten kranker Phantasieen
Im Nachverkauf
2105) » größer

Kneipjournal der Leipziger Burschenschaft Alemannia
"Alemannen-Laterne oder Repertoir für Mißgeburten kranker Phantasieen". Deutsche Handschrift auf Papier. 112 Bl. Mit ca. 80 Orig.-Skizzen in Feder und Bleistift. 34,5 x 22 cm. HLeinen d. Z. (stärker berieben, Kanten und Ecken etwas beschabt, Rücken erneuert) mit den Farben Schwarz-Rot-Gold auf den Einbanddeckeln. Leipzig 1862-1864.

Nicht im Druck erschienenes humoristisch-satirisches Kneipjournal, verfasst und illustriert von Studenten der Leipziger Burschenschaft Alemannia. Vorhanden sind 52 römisch durchnummerierte "Ausgaben" teils auf unterschiedlichem Papier, die in variierender Titelaufmachung in der Zeit von Juni 1861 bis April 1864 von zahlreichen Händen niedergeschrieben wurden. Die Sammlung beginnt mit der Probenummer "Null" Ende Juni 1862, rund eineinhalb Jahre nach der offiziellen Gründung der Burschenschaft am 3. Februar 1861. In chronologische Folge schließen sich an - mit teils größeren zeitlichen Lücken - 14 Ausgaben für die Zeit Juni bis August 1862, 8 Ausgaben für die Zeit Dezember 1862 bis Januar 1863, 27 Ausgaben für November 1863 bis März 1864 und 3 Ausgaben aus dem Monat April 1864.
Das Journal imitiert die typische Form einer Tageszeitung aus der Mitte des 19. Jahrhundert, mit zumeist vier Seiten pro Nummer und zahlreichen Textbeiträgen aus allen Bereichen des studentischen Lebens. In geselliger Runde und unter Vorsitz wechselnder Redakteure waren die Burschenschaftler dazu eingeladen, literarisch-satirische Beiträge jeglicher Art beizusteuern und - das nötige Talent vorausgesetzt - auch zu illustrieren. Viele der häufig gereimten Texte sind von Mitgliedern der Burschenschaft unterzeichnet (auch einige Gastbeiträge befreundeter Studenten aus Gießen oder Marburg) und geben manch intimen Einblick in das feuchtfröhliche Treiben der Leipziger Studentenschaft, wobei die bekannten Stereotypen durchweg bedient werden. So zeigt gleich die erste Textseite der Nummer "Null" einen Studenten mit Degen, der an einem Pfahl gelehnt sich vom übermäßigen Alkoholkonsum erleichtert, daneben demoliertes Mobiliar.

Enthalten sind eine Fülle verschiedener Anekdoten, Anzeigen, Lieder, Gedichte, Dialoge, Singspiele, Berichte, Rätsel, Anfragen, Bekenntnisse, Danksagungen und Grüße. Ferner auch Theaterkritiken, eine "Kapuzinerpredigt", eine (teils geschwärzte) Verlobungsanzeige, zwischendurch mal ein eingestreutes Heine-Zitat oder sporadische Einsprengsel wie "Der Wein, das Spiel & die verdammte Liebe die haben mich zu Grunde gerichtet" (unterstrichen). Vorhanden sind aber auch einige längere Geschichten, die sich als Fortsetzungsteile über mehrere Nummern erstrecken wie z. B. eine "Ceteriade" in drei Teilen, "Bericht über eine Turnfahrt", die mehrere Seiten umfassende Schilderung einer studentischen "Reise nach Darmstadt" mit der Lokomotive "Lahn" (mit Federskizze derselben), "Scenen aus dem Heldenleben. Wahrheit und Dichtung", ein Gedicht mit dem Titel "Reimst Du ihn wohl?? (frei nach Goethe)" usw.

Besonders die frühen Nummern aus dem Sommer 1862 unter dem Vorsitz der drei Gründungsredakteure erheitern durch amüsante und phantasievolle Beiträge, darunter z. B. die Ankündigung zu einer letztmaligen öffentlichen Vorführung vermutlich wagemutiger "gymnastischer Übungen auf der Fahnenstange im Promenade-Haus" des Studenten "Cujano, Indischer Gaukler a. D.", "Schlimme Folgen der Trunkenboldenhaftigkeit oder Kader & Klossek auf Geschäftsreisen", "Gerichtsszene am Provincial-Strafgericht", ein ärztliches Gutachten für den Studenten Atz mit der Diagnose "heitere Verrücktheit", unterzeichnet vom "Oberarzt der Irrenanstalt Dr. Balsam" und seinem "Assistenten Dr. Giftmichel", Werbeanzeige für eine studenteneigene Schnapsbrennerei mit hervorragendem Kirschwasser, eine illustrierte Szene mit dem Titel "Rekrutierungscomission", der kuriose Fund eines "Gesellschaftsaffen" in studentischer Tracht, der "gerne mit blinkenden Sachen spielt" und "Frauenzimmern nachjagt" (mit Illustration) etc. Am Schluss noch zwei Ausgaben einer weiteren Kneipzeitung einer nicht namentlich genannten Verbindung aus Gießen mit dem Titel "Zam Lache. Deutsche Vierteljahrschrift zur Verbreitung schlechter Witze" vom Juni/Juli 1863. – Fingerfleckig und teils mit kleineren Randläsuren, die ersten beiden Nummern aus der Bindung gelöst. In Anbetracht des Verwendungszwecks insgesamt von guter Erhaltung und durchgehend in gut lesbarer Schreibschrift. Seltenes Studenticum aus der Frühphase der seit 2009 wieder neu gegründeten Leipziger Burschenschaft, die bereits kurz nach ihrer Gründung im Jahr 1861 als erste Verbindung in Sachsen offiziell die bisdato verbotenen Nationalfarben Schwarz-Rot-Gold tragen durfte. Die Einbanddecke zeigt die drei Farben korrekt in umgekehrter Reihenfolge, um Verwechslungen mit der aus dem gleichen Gründungsakt hervorgegangenen Bamberger Burschenschaft gleichen Namens zu vermeiden.

Schätzpreis
€ 1.500   (US$ 1.739)


Nachverkaufspreis
€ 1.000

(US$ 1.160)
(GBP 900)
(CHF 1.140)


Los 2105 Alemannen-Laterne
oder Repertoir für Mißgeburten kranker Phantasieen
Im Nachverkauf

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