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Hauptbild Beschreibung Status
Sartre, Jean-Paul
Marginalien zu Husserl aus den Jahren 1933/34

Los 2117

Sartres Arbeitsexemplare zweier Husserl-Schriften
Sartre, Jean-Paul, französischer Philosoph und Schriftsteller, vor allem Dramatiker, Hauptvertreter des Existentialismus (1905-1980). Eigh. Marginalien zu Edmund Husserl aus den Jahren 1933/34, notiert während seines Stipendiats am Institut Français in Berlin. Notate von seiner Hand auf über einhundert Seiten der beiden Schriften: a) Ed­mund Husserl. Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie.
Erstes Buch: Allgemeine Einführung in die reine Phänomenologie.
3. unveränderter Abdruck. Halle, M. Niemeyer 1928 (= Sonderdruck aus: "Jahrbuch für Philosophie und phänomenologi­sche Forschung", Band 1/1913). VIII, 358 S. 23,5 x 17,6 cm. OLeinen. - b) Derselbe. Vorlesungen zur Phänomeno­logie des inneren Zeitbewußtseins. Hg. v. Martin Heidegger. Halle, M. Niemeyer 1928 (Sonderdruck aus: "Jahrbuch für Philosophie und phänomenologische Forschung", Band IX/1928). V, 130 S. (S. 367-496 der Jb.-Paginierung). 23,5 x 17,6 cm. OLeinen. Beide Bände zusammen in moderner schwar­zer Maroquinkassette (oberer Deckel lose) mit goldgeprägtem RTitel. Berlin 1933-1934.

Zwei Bände der philosophischen Schriften Husserls aus dem Besitz Jean-Paul Sartres mit dessen eigenhändigen Randbemerkungen. Meist in violetter Tinte, teils auch in Schwarz, ferner auch einige Bleistiftmarkierungen, die zusammen eine Ideenskizze des Existentialisten ergeben, ein „Brouillon“ zu einem später ausformulierten Essay. Die ausführlichen, hier unten zitierten Auswertungen des Jahres 1986 sind inzwischen von dem belgischen Philosophen und Politologen Vincent de Coorebyter revidiert, korrigiert und ergänzt worden, wobei er den Begriff „Präreflexives Cogito“ bei Sartre in den Mittelpunkt seiner Studie stellt und untersucht, inwiefern das philosophische Brouillon, also die ersten Ideenskizzen Sartres zu den beiden Husserl-Büchern, den Schluss erlauben, dass dort schon die berühmten Thesen Sartres in Anklängen zu finden sind. Tatsächlich hat sich Sartre zu seinen Anmerkungen selbst einmal in einem Interview geäußert, woraus deutlich wird, welche fundamental wichtige Bedeutung die Husserl-Studien für sein philosophisches Werk sind: „So war ich denn in Berlin, und las Husserl und machte mir Aufzeichnungen. Bei meiner Ankunft wußte ich noch nichts ... Zunächst einmal mußte ich also die ,Ideen‘ lesen... Die ,Ideen‘, nichts anderes als die ,Ideen‘. Sie müssen wissen, daß für mich, der ich langsam bin, ein Jahr für die Lektüre der ,Ideen‘ gerade ausgereicht hat“ (Sartre. Ein Film. 1978, S.30).

„Um die Entstehung des Begriffs ‚präreflexives Cogito‘ bei Sartre zu untersuchen,“, so Vincent de Coorebyter „muß man das Konzept des philosophischen Brouillons erweitern. Präreflexif taucht schon in ‚La Transcendance de l’Ego‘ auf, während mehrere spätere Essays mit dem Begriff ungeschickter umgehen, als wären sie Brouillons eines älteren Textes. Somit muß das Herausreifen des Begriffs anders erforscht und, nach Sartres eigener Ausgabe, im Werk von Husserl gesucht werden. Sartres Randbemerkungen in seinen Exemplaren von ‚Ideen‘ und ‚Zeitbewußtsein‘ zeigen, daß in den beiden Hauptwerken von Husserl, wenn auch fast unabsichtlich und nicht eindeutig, der Sartresche Begriff antizipiert wird. Kann also Husserls ‚Zeitbewußtsein‘ als ein Brouillon von Sartres ‚Transcendance de l’Ego‘ angesehen werden?“ (dt. Abstract des in Fotokopie beiliegenden ausführlichen Aufsatzes: „Qu’est-ce que’un brouillon philosophique? Le temps et le préréflexif dans les notes de Sartre en marge de Husserl“, in: Genesis, Philosophie, Manuscrits, recherches, invention. Revue internationale de critique génétique, S. 107-124, Abstract S. 124).

Wir zitieren hier eine Aufnahme des Jahres 1986: „In einem biographischen Abriß zu Sartres Leben und Werk lautet die Eintragung für die Jahre 1933/34 knapp: „Studium Husserls und Heideggers in Berlin“. Etwas ausführlicher liest man in einer Zeittafel: „Stipendiat am Institut Français in Berlin. Studium der zeitgenössischen deutschen Philosophie, besonders Husserls und Heideggers." Die hier vorliegenden Arbeitsexemplare zweier Husserl-Texte aus der Bibliothek des großen französischen Philosophen stellen nicht nur hochbedeutende biographische Zeugnisse für dieses Studium, sondern zugleich die Dokumente dieser intensiven Auseinandersetzung mit deutscher Philosophie während des einjährigen Berliner Studienaufenthaltes dar: Randbemerkungen als schriftlicher Niederschlag philosophischer Lektüre und selbst ein Stück Philosophie des jungen Philosophen, der noch vor seinen ersten bedeutenden Veröffentlichungen steht. Diese erfolgen nur wenige Jahre später in direktem Bezug auf die Berliner Studienjahre.

Rückblickend hat Sartre selbst über diese Zeit geschrieben: „1933 habe ich zum ersten Mal Husserl, Scheler, Heidegger und Jaspers, während eines einjährigen Aufenthaltes in der Maison Française in Berlin gelesen.“ Diese Ausführungen finden sich in der Untersuchung „Marxismus und Existentialismus“ aus dem Jahr 1960 (dt. Ausg., S. 34), in der sich nur wenige Sätze weiter auch ein Hinweis findet, wie denn philosophische Lektüre auszusehen habe, wenn sie nicht nur oberflächlich bleiben will (ein Vorwurf, den Sartre gegenüber Lukacs und dessen Heidegger-Verständnis erhebt): man müsse den in Frage stehenden Text wirklich „lesen (Hervorhebung bei Sartre) und Satz für Satz den Sinn erfassen.“ Ebendiese Lektüreintensität („Satz für Satz“) belegen die vorliegenden Handexemplare: Sartre hat ,seinen' Husserl nach dieser strengen Regel studiert (Sartres Deutsch­kenntnisse waren nicht nur ausreichend, sondern sehr gut). Die überaus zahlreichen Marginalien und Anstreichungen der vorliegenden Bände bezeugen den Intensitätsgrad der Lektüre, wobei der Füllfederhalter die Stationen der stärksten Beschäftigung markiert (und überliefert hat).

Wie zentral und epochemachend die Husserl-Lektüre neben der des Husserl-Schülers und Nachfolgers auf dem Freiburger Lehrstuhl, Martin Heidegger, für Sartre gewesen ist, davon sprechen die beiden ersten philosophischen Veröffentlichungen, die im Jahr 1936 erschienen: „La Transcendance de l’ego, esquisse d’une des- cription phenomenologique“ (zuerst in der „RecherchesPhilosophiques“, 6, 1936/37, S. 85-123; dt. unter dem Titel „Transzendenz des Ego. Versuch einer phänomenologischen Beschreibung“, 1964) sowie „L’imagination, étude critique“ (Paris 1936; dt. unter dem Titel „Über die Einbildungskraft“, 1964). In dem zuletzt ge­nannten Essay, dessen vierter Abschnitt „Husserl“ überschrieben ist, liest man einleitend: „Das wichtigste Ereignis in der Philosophie vor dem Ersten Weltkrieg war zweifellos das Erscheinen des ersten Bandes des Jahrbuchs für Philosophie und phänomenologische Forschung', das Husserls Hauptwerk enthielt: ,Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie'. Dieses Buch sollte die gesamte bisherige Philosophie wie Psychologie zum Einsturz bringen.“ (dt. Ausgabe, S. 137). Im selben Kapitel, einige Absätze später, werden dann ähnlich auch die „Vorlesungen zur Phänomenologie des inneren Zeitbewußtseins“ gewürdigt, die, herausgegeben von Martin Heidegger, zum ersten Mal im Jahr 1928 erschienen sind und Sartre in der vorliegenden Erstausgabe auch zur Verfügung standen.

Beide Arbeiten Sartres nehmen ihren Ausgang bei der Philosophie der deutschen phänomenologischen Schule, deren Begründer Husserl (1859-1938) ist. Sartres Existenzphilosophie, die einige Jahre später in seinem Hauptwerk „L’être et le néant. Essai d’ontologie phénomenologique.“ (Paris, 1943; dt. unter dem Titel „Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie“, Hamburg 1952) zu voller Geltung kommen wird, geht ihren philosophischen Weg von Husserl aus, aber ohne ihn deswegen auch zu Ende zu verfolgen, oder wie Theodor W. Adorno, der etwa zur selben Zeit wie Sartre, in den ersten Jahren des englischen Exils (1934-1937), sich intensiv mit Husserl beschäftigt hatte, für sich in diesem Zusammenhang angemerkt hat: „Husserls Philosophie ist Anlaß, nicht Ziel“ (Adorno in der Vorrede zu „Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Studien über Husserl und die phänomenologischen Antinomien.“) Oder nochmals in Sartres Worten: „Allerdings ... sind wir nicht in allen Punkten mit ihm einig. Auch verlangen seine Bemerkungen Vertiefung und Ergänzung. Aber die Hinweise, die er gibt, sind von unschätzbarer Bedeutung.“ (Über die Einbildungskraft, S. 139)

Es ist hier nicht der Platz, Sartres Existenzphilosophie, ein Ergebnis auch des französisch-deutschen Dialogs und französisch-deutscher Vermittlungsarbeit, die selbst wieder auf das Deutschland der Nachkriegsjahre nachhaltig zurückgewirkt hat, ausführlich zu würdigen. Wir belassen es bei einem Zitat von François Châtelet, das zusammenfassend den Einfluß und die außerordentliche Fruchtbarkeit Sartres beschreibt: „Zunächst bewegt sich das Werk Jean Paul Sartres noch in dem theoretischen Rahmen, der durch die Phänomenologie Husserls abgesteckt wurde: ein strenges Wissen aufzubauen durch die Methode der minuziösen Beschreibung des erkennenden, wissenden, denkenden, fühlenden Subjekts, insofern dieses im Zentrum jeglicher Fragestellung und jeglicher Antwort steht. Doch Sartres Einordnung in ein festes Lehrgebäude findet bereits unter dem Zeichen der Rebellion statt. Wenn er als Philosoph die Notwendigkeit einer neuen Theorie des Subjekts - ge­gen die verschiedenen Reduktionen' - erkennt, so versteht er das Subjekt wesentlich als ,Liberté en Situation', als Existenz.

Das ist der eigentliche Sinn seines Aufsatzes über „La Trancendance de l’Ego“ und von „Esquisse d’une theorie des emotions“ (1939) sowie von „L‘Imaginaire“ (1940): die Ablehnung aller psychologischen und soziologischen Erklärungen bzw., ganz allgemein, aller Konzeptionen, die auf irgendeinen Determinismus hinauslaufen. Diese Ablehnung gründet nicht etwa auf dem Begriff des reinen Subjekts, sondern auf einer Existenz, deren Eigenart es ist, das Nichts ,im‘ Sein anzudeuten. 1943 erscheint „L’être et le néant“, das philosophische Manifest dieser Ontologie der Freiheit.“ (François Châtelet”, 1937-1957: Ideen gegen Doktrinen“, in: Katalog „Paris-Paris. 1937-1957“, dt. Ausgabe, München 1981, S.23). Neu an der Phänomenologie Husserls ist der Anspruch, in allem anschaulich-beschreibend zu verfahren, neu auch die Einsicht, wie sehr der leibliche Organismus, in dem und als der wir leben, an der Begründung und Erfahrung unserer Wirklichkeit beteiligt ist. An diese neue Philosophie haben, jeder auf seine Weise kritisch tin Heidegger, Jean-Paul Sartre, Maurice Merleau-Ponty und viele andere angeknüpft - bis hin zu Michel Fou' cault und Jacques Derrida; die letzteren nicht, ohne den Weg über Sartre zu gehen.
Zurück zu der vorliegenden „Handschrift“ (eine Handschrift wird man diese annotierten Exemplare angesichts der Fülle der Eintragungen und im Hinblick auf den Stellenwert der Lektüre der beiden Bände in Sartres philosophischem Schaffen ohne übermäßige Übertreibung nennen können): Wie man aus den Memoiren Simone de Beauvoirs erfährt, erfolgte die erste Berührung Sartres mit Heidegger in den dreißiger Jahren über einen japanischen Schüler des Freiburger Philosophen, der Sartre dessen Hauptwerk „Sein und Zeit“ (1927) schenkt hatte; offenbar, so legt die Widmung im „Ideen“-Band hier nahe, war Sartre auch im Fall Husserl über ein Geschenk in näheren Kontakt zu der dann so wirksam sich gestaltenden Philosophie Husserls gelangt: Auf dem Vorsatzblatt liest man die handschriftliche Eintragung: „En Souvenir de vos bonnes leçons, / votre élève reconnaissant / Maxim Chentany (Name nur schwer zu entziffern) / le 28 aout 1933.“ Leider haben wir über diesen Schüler Sartres keine Auskunft, so daß der biographische Hintergrund vorerst unaufgeklärt bleiben muß.

Die Widmung jedenfalls datiert vom Spätsommer 1933, zur Zeit also, als das Berliner Studienjahr Sartres eben lief. Und für die dann folgenden Monate wird Sartre sich in die Lektüre dieser und der zweiten - und wie ein Literaturhinweis Sartres bezeugt, auch einer dritten Schrift, der „Meditations Cartesiennes“ (Paris 1931 nach Vorlesungen Husserls an der Sorbonne 1929) bezeugt, vertieft haben. Darüber hinaus hat er eine Arbeit des Husserl-Assistenten Eugen Fink herangezogen, wie wiederum Literaturangaben bzw. Zitate dokumentieren (E. Fink, Die phänomenologische Philosophie Edmund Husserls in der gegenwärtigen Kritik. Kantstudien 38 (1933), S. 319-383); schließlich noch eine Arbeit des Philosophen A. Gurwitsch (Gurvitch), wie eine Notiz (Ideen, S. 207) ausweist. Nach dem Zeugnis von Simone de Beauvoir („In den besten Jahren“) hatte Sartre sich zu dem Berlin-Aufenthalt eigens deswegen entschlossen, um Husserl zu studieren; wie sie berichtet (dt. Ausgabe der Memoiren S. 118f.) hatte Raymond Aron, Soziologe und Freund Sartres, diesen als erster auf Husserl aufmerksam gemacht; Aron, Vorgänger Sartres als Stipendiat in Berlin, hat ihm nahegelegt, selbst auch diesen Studienweg zu wählen.
Die Mehrzahl der Randnotizen Sartres sind in violetter Tinte niedergeschrieben, einige auch in schwarzer Tinte, bisweilen hat Sartre mit Bleistift markiert. Immer hat er sich einer fein säuberlichen Handschrift befleißigt, die es uns erlaubt, die Marginalien zu entziffern. Die äußeren Formen dieser Lektüre mit dem Füllhalter reichen von einfachen Randanstreichungen über ein- oder mehrzeilige Unterstreichungen hin zu Verweisen innerhalb des Textes selbst, zu Verweisen auf die Parallellektüre (etwa Fink, Gurvitch, die Husserl-Schrift „Meditations Cartesiennes“ - diese zit. als „M. C.“ - u. a.), zu knappen Wortübersetzungen oder Wiederholungen im Rand, zu kürzeren oder längeren Zitaten, die hinzugefügt werden (etwa aus Fink), bis hin zu längeren erläuternden Passagen in deutscher und französischer Sprache; diese letzteren Notizen gehen über mehrere Randzeilen und stellen jeweils Kommentare vor: Verständnisschwierigkeiten, fragende Anmerkungen, Erläuterungen und Stellungnahmen. Auf derart vielfältige Weise wird der Text für den eigenen Gebrauch eingerichtet und die Lek­türe vertieft, ganz nach der eingangs zitierten Forderung einer Lektüre „Satz für Satz“. Verweise und längere wie kürzere Marginalien (Randanstreichungen und Unterstreichungen nicht gerechnet) finden sich an insgesamt 68 Stellen der beiden Bände. Noch nicht erwähnt wurde bislang die Übertragung der im Druckfehlerverzeichnis der „Vorlesungen“ angemerkten Satzfehler in den laufenden Text, so daß der Leser Sartre eine gereinigte Fassung vor Augen hatte - dies nur, um auch die Penibilität und Sorgfalt der Lektüre anzumerken.

Eine Auswertung der in diesen Bänden dokumentierten Husserl-Lektüre kann hier nicht erfolgen. Verwiesen sei als Beispiel nur auf den Status der Lektüre als Vorbereitung der Niederschrift etwa des Aufsatzes „Über die Einbildungskraft“: wenn sich im Band der „Vorlesungen“ auf den Seiten 390 und 472 zahlreiche Marginalien zum Begriff der „Retention“ finden, so ist man nicht überrascht, diesen Begriff auch in dem Essay diskutiert zu finden (dort S. 144f). Insofern stellt die Lektüre gleichsam das erste Manuskript, ein „Brouillon“ oder die Ideenskizze zum später ausformulierten Essay dar. Die Erinnerungen Simone de Beauvoirs datieren sogar die Niederschrift des Aufsatzes „La Transcendance de l’Ego“ ins Jahr 1934 selbst (ebd., S. 157f.), d.h. der Essay entsteht demnach parallel zur Berliner Husserl-Lektüre.

Mit Hilfe der Randbemerkungen sieht der heutige Leser dem Autor während der Arbeit über die Schulter: wo dieser Halt gemacht hat, hält auch er inne, und da der Leser dies rückblickend und in Kenntnis der publizierten Essays tut, weiß er immer schon mehr als der Autor selbst. Zur Frage der Erhaltung, die sich im Antiquariat so oft dringend stellt, ist hier nur soviel zu sagen, daß Sartre den „Ideen“-Band stärker durchgearbeitet und daher auch intensiver benutzt hat, wie die Gebrauchsspuren - hier nun kein bloß äußeres Merkmal - bezeugen. „Sartre“, heißt es bei Hans Heinz Holz, einem der zahlreichen deutschen Philosophen, die sich grundlegend mit Sartre und auch mit dessen Wurzeln in der Phänomenologie befaßt haben, „Sartre gründet in der Phänomenologie und geht aus von der phänomenologischen Methode.“ Die vorliegenden Bände zeugen davon in einer auch ganz materiellen Hinsicht und Gestalt: als Bücher mit Marginalien" (zit. Kat. Doerling 117/3215 - 1986).

Schätzpreis
€ 30.000   (US$ 36.900)


Nachverkaufspreis
€ 25.000   (US$ 30.750)


Schefer, Leopold
Brief 1838

Los 2118

Schefer, Leopold, Schriftsteller und Komponist, Generalverwalter der Güter des Fürsten Pückler (1784-1862). Eigh. Brief m. U. "Leopold Schefer" und Adresse. 1 S. 4to. Muskau 15.VIII.1838.

An den 24jährigen Schriftsteller und Publizisten Robert Heller (1814-1871) in Leipzig, der Schefer seinen Entschluß mitgeteilt hatte, eine literarische Zeitschrift "Rosen" herauszugeben. Schefer rät ab: "... Ich habe jetzt vor 2 Jahren Ihr Manuscript der Eroberung von Jerusalem ... besprochen - und nach solchen Erwartungen und seit der Zeit noch gelungneren Leistungen werden Sie Redacteur? Lieber, geehrter junger Deutscher Lebensgenosse - thun Sie nicht Sünde damit? Denn das kostet das Leben und Leben ist die junge Kraft, die Schöpferlust, ja die Heiterkeit und den fernern guten Muth. Der Entschlossene aber muß nichts. Wie gern gönnte ich oder verschaffte Ihnen Musse. Ich bitte Sie, erhalte[n] Sie Ihr inneres Leben, die Kraft zu eignen, mit ganzem Wollen vollbrachten Werken ...". - Das Periodicum "Rosen. Eine Zeitschrift für die gebildete Welt" erreichte, später von George Hesekiel redigiert, immerhin 11 Jahrgänge. Hellers Novelle "Die Eroberung von Jerusalem" war 1837 bei Arnold in Dresden erschienen. Der dem Jungen Deutschland nahestehende Autor wurde durchaus ein erfolgreicher Journalist: zuletzt war er zwanzig Jahre lang Feuilleton-Redakteur der "Hamburger Nachrichten". - Kleine Randschäden, teils durch Öffnen der Versiegelung.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 307)


Nachverkaufspreis
€ 170   (US$ 209)


Stammbuch
des J. W. Brüggemann in Holzminden

Los 2124

Stammbuch des J. W. Brüggemann in Holzminden (Weser). Ca. 150 Bl., davon 47 S. beschrtieben oder illustriert. Mit 1 Titelillustration in Grisaille-Manier und 7 Aquarellen. Quer-gr. 8vo. Brauner Lederband d. Z. (berieben; Ecken bestoßen, Rückenschild fehlt) mit Rücken-, Deckel- und Stehkantenvergoldung, Goldschnitt und marmor. Vorsätzen. 1803-1808.

Die Beiträge von Verwandten und Freunden in Holzminden, Heinsen, Weentzen, Fürstenberg und Hameln. Unter den Illustrationen ein reizvolles Quodlibet, zierlich und kunstreich gemalt von dem angehenden Chirurgen A. Berger in Heinsen, einem Vetter Brüggemanns. Ferner Vasen, Blumen und ein stürmisches Seestück. In Fürstenberg trägt sich 1803 eine Henriette Sontag ein - wohl nur eine zufällige Namensvetterin der berühmten Sängerin, die bekanntlich 1806 in Koblenz geboren wurde. - 3 späte biographische Nachträge (1867-1868).

Schätzpreis
€ 450   (US$ 553)


Nachverkaufspreis
€ 300   (US$ 369)


Stern, Gerson
Gedichtmanuskript 1946

Los 2125

Stern, Gerson, dt.-israel. Schriftsteller, geboren in Holzminden (Weser), emigrierte er 1939 nach Palästina (1874-1956). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "G St." 4 S. 4to. Jerusalem 7.VII.1946.

"Ein Zuspruch - ich beschenke mich zu meinem 73. Geburtstage". 12 Strophen zu je 5 Zeilen: "Ich möchte heute mich besingen. / Ich weiß, es ist ein seltner Brauch. / Doch was man übt an fernen Dingen, / Sollt es der Nähe nicht gelingen? / Nun, ich versuch' es einmal auch ... Nun, da die Jahre Dich umschließen / wie eine Frucht, die balde fällt, / spürst Du, wie Deine Quellen fließen / und sich als stille Kündung gießen / in eine unverstandne Welt. - Mein Freund, es wird die Keime nähren, / was aus Dir und was zu Dir strebt. / Denn das Erleiden wird Gewähren. / Und ewiglich ist das Gebähren. / Und niemand hat umsonst gelebt." - Bewegende, weise Selbstbetrachtung und Bilanz eines zeitweilig gefahrvollen Lebens. Gerson Stern, Verfasser des erfolgreichen Romans "Weg ohne Ende" (1934), war mit Else Lasker-Schüler befreundet. Zusammen mit Schalom Ben-Chorin hat er die Anthologie "Menorah" (Tel Aviv 1941) herausgegeben, in der auch erstmals die Gedichte "Herbst" und "Mein blaues Klavier" von Else Lasker-Schüler abgedruckt wurden. - Schöne Dichterhandschrift. - Selten.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 430)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 307)


Wieland, Amalie
Brief 1803

Los 2128

Wieland, Amalie (verh. Liebeskind, dann verh. Erler), Christoph Martin Wielands Tochter (1773-1858). Eigh. Brief m. U. "Amalie E." 4 S., eng beschrieben. 8vo. (Eckersdorf, Schlesien, Ende 1803).

An ihre Schwestern Karoline und Luise in Oßmannstedt, über die Geburt ihres Sohnes Louis sowie über die Familie des Grafen Anton Alexander von Magnis (1751-1817) und seiner Frau Louise (1763-1848), in deren Diensten Amalies zweiter Ehemann Gottlieb Friedrich Erler (1773-1857) als Beamter (Rendant) stand und die Amalies Kind aus der Taufe gehoben hatten. Ferner über ihren Vater, ihren Schwager Stichling und andere. Herr Müller aus Breslau habe sie zu ihrer aller Freude besucht: "... Er versicherte uns daß unser theuerster Vater und alle Geschwister Sich vollkommen wohl befänden was mir von allem was Er mir sagen konte daß liebste war. Von der Standeserhöhung unsres Hr Bruders Stichling hat uns Hr P Müller auch benachrichtigt ... Die traurige begebenheit daß der gute H Herder gestorben ist war mir leider schon aus den Zeitungen bekant: Wie findet sie sich in ihr trauriges Schicksal ...". Ausführlich über die Familie der Magnis mit Charakteristik der Eltern und ihrer acht Töchter, bis sie wieder auf die eigenen Angehörigen zu sprechen kommt. "... Ist unser lieber Vater dies jahr wieder in Tiefurth? ... Unserm besten Vater meine kindlichste Ehrerbietung und Liebe ... Grüßt die Hanne schön und alle Bekannten aus Oßmannstedt und Guthmanshausen die etwa ins Haus kommen." - Leicht braunfleckig. - Aus der Sammlung Wilhelm Spemann.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 430)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 307)


Zola, Émile
Brief 1883

Los 2129

"si ma morale n'y est plus la vôtre"
Zola, Emile, franz. Schriftsteller, führende Persönlichkeit des franz. Naturalismus (1840-1902). Eigh. Brief m. U. "Emile Zola". 12/3 S. Gr. 8vo. Paris 15.IV.1883.

An den Journalisten Sylvin von der Zeitschrift "Le Siècle", Autor eines kritischen Artikels über Zola. Dieser antwortet in ruhig-liebenswürdiger Gegenwehr. "Je suis bien heureux, mon cher Sylvin, de pouvoir vous envoyer une poignée de main amicale, en remerciement de votre article du Siècle. Vous m'avez maltraité deux ou trois fois, je crois, et il m'était bien difficile de vous envoyer mes amitiés en reponse de vos duretés, quoique je sois absolument sans rancune. J'attendais simplement une occasion pour vous dire que j'étais encore votre ami, et voici cette occcasion venue, votre article m'a fait doublement plaisir. Merci donc et si mes prochains livres vous fâchent, si ma morale n'y est plus la vôtre, croyez que je suis un fidèle et que je me souviens du passé, même quand les anciens camarades se tournent contre moi ...".

Schätzpreis
€ 600   (US$ 738)


Nachverkaufspreis
€ 400   (US$ 492)


Berthelot, Marcelin-Pierre-Eugene
Postkarte 1903.

Los 2137

Berthelot, Marcelin-Pierre-Eugène, französischer Chemiker und Staatsmann, Mitbegründer der synthetischen organischen Chemie, 1901 in die Academie Française aufgenommen (1827-1907). Eigh. Postkarte m. U. (Paris) 27.IX.1903.

An Felix Marie Hemon (1848-1916), den Vater des Romanciers Louis Hemon (1880-1913), in Quimper, der ihn um einen Beitrag über Ernest Renan gebeten hatte. Er habe nur wenig mehr zu sagen, als was bereits in dessen Erinne­rungen bzw. der Korrespondenz enthalten sei: "... C'est seulement le 26 que je trouve, à mon retour à Paris, votre lettre datée du 12: j'étais parti le 10. Je vous prie de m'excuser de ne pas vous avoir repondu. J'aurais (?) d'ailleurs peu de chose à vous dire, qui ne soit dejà dans les Souvenirs de jeunesse de R. et dans notre correspondance ... ". – Postalisch gelaufen und recto wie verso gestempelt; minimal angestaubt; auf bläulichem Karton.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 246)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 123)


Bossut, Charles
Brief 1796 + Beigabe

Los 2140

Bossut, Charles, berühmter französischer Mathematiker, Mitarbeiter d' Alemberts an der Ency­clopédie, königlicher Hydrodynamiker am Louvre, (1730-1814). Eigh. Brief m. U. 1 S. und Adresse auf Doppelblatt. 4°. Paris "20. Nivôse an 4" (d. i. 10.I.1796).

An die "Citoyens composant le comité central des fortifications" in Paris, die Aspiranten für die Ingenieurschule in Metz be­treffend: "Vous savez que l'examen des aspirants à l'école de Metz a dû être fermé le 15 de ce mois. Le dernier des candidats, qui se sont fait inscrire avant cette epoque, a été examiné le 17, faute de tems pour l'examiner plustot. Depuis le 15 il ne s'est pre­sente aucun aspirant; et s'il s'en presentoit, je ne crois pas qu'on peut l'admettre à l'examen, sans un ordre formel du ministre..." – Mit Siegelrest und kleinem Ausriß bei der Siegelstelle. Stockfleckig. – Beilage: Quittung mit Unterschrift, 2 Floréal an 6 (d. i. 21.IV. 1797), für den Pariser Verleger Henri Agasse für die Liefe­rungen 62 bis 64 der "Encyclopédie Méthodique".

Schätzpreis
€ 200   (US$ 246)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 123)


Broglie, Louis de
Eigenh. Brief m. U., 2 Briefe m. U. und 1 eigen...

Los 2141

"Sa disparition laisse un grand vide parmi nous"
Broglie, Louis de, Physiker, Nobelpreisträger 1929 und ab 1933 Mitglied der Académie des Sciences sowie 1944 der Académie Française, Begründer der Theorie der "Materialwellen" (1892-1987). 1 eigh. Brief m. U., 2 Briefe m. U. und 1 eigh. beschriftete Visitenkarte. Zus. 4 S. Verschiedene 8°-Formate und Kärtchen. Die beiden Briefe mit Briefkopf des "Institut de France Academie des Sciences". Paris 1.VII.1942 bis 10.XI.1948.

An den Pathologen Maurice Chevassu (1877-1957) in Paris. Am 21. März 1948 schreibt Broglie anlässlich des Todes des Mineralogen Alfred Lacroix und seiner Promotion zum Offizier der Lé­gion d'Honneur "Je suis touche des félicitations que vous m'adressez à l'occasion de ma promotion dans la légion d'honneur et je vous exprime bien vif remerciements. La Mort de M. Lacroix est un grand deuil pour l'Académie des Sciences. C'était un grand Savant et un homme très droit qui a rendu à l'Academie pendant de longues années des Services éminents. Sa disparition laisse un grand vide parmi nous ...". Und am 10. November 1948: "Je m'empresse de vous exprimer les remerciements de la Société de secours des amis des Sciences pour le don de cinq mille francs que vous avez eu la générosité de nous adresser et dont vous trouverez, ci-joint, la quittance ...". – Klebestreifenspuren auf den Rückseiten aller Schriftstücke.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 984)


Nachverkaufspreis
€ 500   (US$ 615)


Campan, Jeanne Louise Henriette
2 Briefe

Los 2143

Campan, Jeanne Louise Henriette, geb. Genet, berühmte französische Erzieherin (1752-1822) 1 eigh. Brief m. U. "Genet Campan" und 1 Brief m. U. Zus. 8 S. auf 3 Doppelblättern. 4°. 2 Briefe mit gedrucktem Briefkopf "Légion d'Honneur Maison Impériale Napoléon". Ecouen 26.I.1808 bis 15.VII.1813.

Herzliche Briefe an Louise Cochelet, die Vorleserin der Königin Hortense, eine ehemalige Schülerin ihres Instituts in St. Germain. Auf Grund der Fürsprache von Hortense erhielt Madame Campan 1807 die Stelle der Leiterin der von Napoleon gegründeten Akademie von Ecouen, die den Töchtern von Mitgliedern der "Legion d'honneur" vorbehal­ten war. Am 28. April 1810 erbittet sie dringlich Nachrichten von der Königin: "... voici ma seconde lettre, restera t'elle sans réponse? Cela n'est pas bien, vous devez me savoir très occupée de Sa Majeste, songez à St. Germain à ma tendresse pour cette chère Reine lors-qu'elle était l'aimable Hortense, songez à celle que J'avois pour toutes mes élèves, a cette maison dont Elle est protectrice, où tout le monde me demande de ses nouvelles, c'est la séparer de tous ces Jeunes âmes qui lui sont dévoués de ne pas leur donner de Ses nouvelles, Elles prient Dieu tout les jours pour Elle ... Mandez moi si le buste est près. Je desire le placer dans le Sallon Impérial, ne me croyez pas fachée mais seulement affligée, et croyez toujours à ma bien sincère et tendre amitié...". - Der Brief vom 15. Juli1813 mit der Empfehlung einer Kammerfrau; mit prächtigem Wasserzeichen: in einem Blatt das Portrait des Kaisers im Rund, auf dem anderen der kaiserliche Adler.
Madame Campan hatte als erste Kammerfrau von Marie Antoinette gewirkt; wegen ihrer späteren Beziehungen zu Na­poleons Familie verlor sie ihre Stellung während der Restauration. Sie hinterließ interessante "Mémoires sur la vie privée de Marie-Antoinette". – Mit Siegelresten und Ausriß bei der Siegelstelle.

Schätzpreis
€ 500   (US$ 615)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 307)



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