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Autographen Auktion 114, Mi., 16. Okt., 14.00 Uhr


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Kapitel Autographen Geschichte / Autographs History / Autografi storia (Lose 2736 - 2819) » Kapitelwahl

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Hauptbild Beschreibung Status
Karl Friedrich, Kurfürst von Baden
Urkunde 1804

Los 2736

Baden. - Karl Friedrich, Markgraf von Baden, Großherzog und Kurfürst (1728-1811). Urkunde m. U. "CF Kurfürst" und papiergedecktem Siegel. 1 S. Doppelblatt. Folio. Karlsruhe 3.VIII.1804.

Der erst 1803 zum Kurfürsten erhobene Markgraf habe sich bewogen gefunden, "dem Freyherrlich von Helmstädtischen Amtmann zu Bischoffsheim, Johann Martin Picot, gebürtig aus Langenbandel, das Indigenat in Unseren Landen zu bewilligen, auch demselben den Character eines kurfürstlichen Raths beyzulegen ...". - Mit einer Amtszeit von 73 Jahren gehört Karl Friedrich zu den am längsten regierenden Fürsten der Geschichte. - Das große Siegel angebrochen; sonst ordentlich erhalten.

Schätzpreis
€ 150   (US$ 165)


Zuschlag
€ 100 (US$ 110)


Ludwig I., Großherzog von Baden
Eigenhänd. Brief 1806 an Kaiserin Joséphine

Los 2737

Eigenhändig an Kaiserin Joséphine
- Ludwig I., Großherzog von Baden, hier noch als Markgraf und Kronprinz (1763-1830). Eigh. Brief m. U. "le très humble, très obéissant et très soumis serviteur Louis Margrave de Baden". 2 S. Doppelblatt. Folio. Karlsruhe 15.VII.1806.

Eigenhändig an die Kaiserin Joséphine, Gemahlin Napoleons, anläßlich der Errichtung des Rheinbundes durch Napoleon unter Badens Beteiligung und Verleihung des "Grand-Cordon de la Légion d'Honneur" an den Prinzen. "... La gracieuse bienveillance, dont Votre Majesté Imperiale et Royale a daigné me donner des marques si flatteuses, toutes les fois que j'ai eu l'honneur de Lui faire ma cour, m'est un bien si précieux, que j'en nourrissois le souvenir en moi-même par le sentiment de ma vive gratitude. Mais aujourd'hui profondément touché de l'intérêt avec lequel Elle a bien voulu parler de moi à Mr de Geusau, j'ose prendre la lieberté [!] d'en mettre à Ses pieds l'hommage de toute ma reconnoissance. Votre Majesté Impériale et Royale est si bonne et si juste, qu'Elle me fera la grace d'accueillir ce tribut de mes sentimens les plus respectueux avec Sa clémence accoutumée. Elle voudra bien se persuader qu'ils ne s'effaceront jamais de mon coeur, non plus que ceux que j'ai voues à Sa Majesté L'Empereur et Roi, dont la marque d'estime, qu'il ma fait la grace de me donner, en me décorant du Grand-Cordon de Sa Légion d'honneur, m'a pénétré de la plus profonde gratitude ...". - Ludwig trat erst 1818 als Großherzog die Regierung in Baden an.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 330)


Nachverkaufspreis
€ 200   (US$ 220)


Friedrich I., Großherzog von Baden
Brief 1857

Los 2738

- Friedrich I., Großherzog von Baden (1826-1907). Brief m. U. "Friedrich Großherzog v Baden". 2/3 S. 4to. Karlsruhe 6.II.1857.

An den bedeutenden Staatsrechtler Hermann von Schulze-Gävernitz (1824-1888). "... Mit Ihrem Schreiben ... habe ich die von Ihnen auf Veranlassung der Königlich Preussischen Regierung verfaßte Beleuchtung der Schweizerischen Denkschrift in der Neuenburger Frage, sowie Ihr Buch über die national-ökonomischen Zustände Englands erhalten. Von dem Inhalt dieser Werke habe ich mit Interesse Kenntniß genommen und sage Ihnen für deren Einsendung Meinen freundlichen Dank ...". - Schulzes Schrift "Neuenburg: Eine geschichtlich-staatsrechtliche Skizze nebst einer Beleuchtung der neuesten schweizerischen Denkschrift vom 7. December 1856" war Anfang 1857 in Berlin erschienen.


Schätzpreis
€ 90   (US$ 99)


Nachverkaufspreis
€ 60   (US$ 66)


Siegfried, C.
Manuskript "Erinnerungen aus meinem Leben"

Los 2739

"hierher nach dem schönen Berlin"
Berlin. - Siegfried, C., zunächst Student in Berlin. Eigh. Manuskript seiner Lebenserinnerungen. 4 Bände. 1 Bl., 174 S.; 1 Bl., 202 S., 1 Bl.; 233 S.; 164 S., in winziger Schrift sehr eng beschrieben. Mit einigen (1 lose eingelegten) Federzeichnungen. 4to. Marmor. Halblederbände d. Z. (etwas berieben) mit Rückenvergoldung und Rückenschildern. (Berlin) 1832-1841.

Bände 3-5 eines enorm umfangreichen Manuskripts von ursprünglich 5 Bänden, das in Bd III betitelt ist: "Erinnerungen aus meinem Leben. 3ter Theil". 2 Titelblätter sind mit dem Namen "C. Siegfried" versehen. Der offenbar aus dem thüringischen Zollbrück bei Schleusingen stammende Verfasser war im April 1832, aus Halle kommend, in Berlin eingetroffen, um hier sein Studium fortzusetzen (welches, ist nicht ganz klar und wohl nur bei vollständiger Lektüre der Bände zu ermitteln). Die Einleitung zu Band III ist datiert "Berlin den 25ten Mai 1832". Einen großen Teil der flüssig und fast ohne Verbesserungen niedergeschriebenen Memoiren Siegfrieds nehmen Betrachtungen über die Welt, die Menschen und sich selbst ein, doch die Passagen, in denen er seine Berliner Erlebnisse und Erfahrungen berichtet, zeichnen sich durch überaus genaue Beobachtung und lebendige, wertvolle Beschreibung aus. Als Beispiel für Stil und penible Detaildarstellung in seinen Texten seien Auszüge aus den Schilderungen seiner Universitätslehrer zitiert, nachdem Siegfried erstmals an den Vorlesungen von Carl Wilhelm Heyse, Leopold von Henning und Friedrich Heinrich von der Hagen teilgenommen hat: "Donnerstag den 10ten Mai fingen meine Collegien an, aber nur zum Theil, nämlich die Einleitung zu Horaz bei Heyse und Logik bei Henning. Die Geschichte der Litteratur der Griechen begann erst am Montag als den 14ten Mai und deutsche Grammatik bei von der Hagen erst am Mittwoch ... Mit dem Letztern und dem geringsten unter ihnen, dem Professor und Dr. der Philosophie v. d. Hagen beginne ich; um so mehr, da er der einzige ist, in dem ich mich in der ersten Stunde einigermaßen täuschte, aus dem einfachen Grunde vielleicht, weil er sich da präparirt hatte. In bezug aufs Äußere hat er wenig oder nichts Imposantes, es ist eine ziemlich lange hagere Figur mit braunem ordinärem Gesicht und einem glänzend schwarzen, lockigen Haar. Er geht einher wie ein Stiefelwichser; ein weißes Halstuch, von dem die beiden Zipfel schuhlange vorne heraushängen, ähnlich den Dorfschulmeistern von 1780, gelbe Weste, braunen altmodischen Rock, schwarze nicht weit über die Knöchel gehende Hosen und größtentheils Schuh und weiße Strümpfe ... Kommt er auf den Katheter [!], so thut er gewaltig geschäftig, legt seinen Schlüssel - zu was, weiß ich nicht - auf die rechte Ecke, blättert emsig in seinen halben Schock Papieren und Zetteln, räuspert sich 4mal und beginnt nun 'Meine Herren (geräuspert) wir sind stehen geblieben (geräuspert) bei Telphilas u. s. w., so daß zwischen jeden größern oder kleinern Satz ein Räuspern fällt. Wie lieblich das klingt, kann man sich denken, vorzüglich wenn beides Sprache und Räuspern gerade lautet als wie aus einer leeren Bierkanne. Dabei geht Alles in kurzen, polternden Sätzen, die oft in keinem Zusammenhang stehen, und mit einer Aussprache, die einem zum Eckel bald wird, bald wieder durch die tollen Faxen, die er dabei schnitzt, zum Todtlachen ist [usw.] ...
[August] Böckh, Prof. und Dr. der Philosophie, ist schon ein ganz anderer Mann. Schon sein würdevolles Äußere, wenn er auf den Katheter tritt, imponirt mehr; er ist mittelmäßiger, kraftvoller Statur, hat ein ausdrucksvolles, sehr bockennarbiges [!] Gesicht, ein feuriges Auge und blonde schon ins Graue spielende Haare, die er vorne gescheitelt trägt. Außer dem Katheter geht er etwas gebückt, und außer dem Band des Rothen-Adler-Ordens (3. Classe) erscheint er mit nichten wie der weltberühmte Böckh, sondern wie ein ganz schlichter anspruchsloser und freundlicher Mann. Letztes ist er auf dem Katheter auch, aber nicht so als Ersterer, denn er tritt da mehr als der Gelehrte, sich fühlende Mann auf, der gegen alles irgend Verkehrte mit einem lächelnden Spott loszieht, wozu seine lispelnde Sprache trefflich paßt. Seine Gelehrsamkeit ist hinlänglich bekannt und daher füge ich nichts darüber hinzu. Wohl aber über den Charakter derselben, ich vermisse nämlich auch bei ihr, im Vergleich mit meinem guten Hallenser [Friedrich] Ritschl und mit Heyse, die Gründlichkeit und die Tiefe, wenigstens in seiner jetzigen Vorlesung, der daher das ächt Wissenschaftliche, das Systematische oft mangelt. Er geht mit zu viel Autorität zu Werke, und man soll ihm aufs Wort oft glauben, was aber die Wissenschaft mit nichten dulden noch weniger verlangen kann ...". (Dieses Urteil revidiert Siegfried allerdings später in einer Anmerkung). Es folgen ebenso ausführliche Charakteristiken der Professoren Heyse und v. Henning, mit dem Fazit: "... Fasse ich also Alles zusammen, so habe ich hier gefunden, was ich suchte, ein ächt wissenschaftliches Leben und schon tausendmal habe ich bereut, daß ich in dem todten Halle so manche kostbare Zeit verloren habe, verschwendet habe; daß ich nicht gleich von Anfang hierherzog nach dem schönen Berlin ...".

Mit gleicher Genauigkeit beschreibt Siegfried in den weiteren drei Bänden seine Berliner Jahre, kommentiert jedes Erlebnis, schildert jeden Eindruck, berichtet über Theaterbesuche (z. B. ausführlichst am 26. Juni 1834 über eine Aufführung von Webers "Euryanthe"), die Berliner Gesellschaft, seine Mädchen- und Studentenbekanntschaften, seinen Militärdienst, seine Ehe und vieles mehr, wobei eine Vielzahl prominenter Namen zur Sprache kommen. Werden die dichten Mitteilungen schon gelegentlich durch tabellarische Chroniken unterbrochen, so endet die fortlaufende Erzählung mit einer Art Schlußwort am 16. April 1837. Dennoch setzt er die Chronik in der zweiten Hälfte des dritten (hier: ersten) Bandes in knapperer, teils tabellarischer Form fort und berichtet unter der Überschrift "Adieu Berlin!" auch über einen Besuch in seiner Heimat Zollbrück, aber dann wieder über Berliner Ereignisse bis zum "Schlußstein" (Berlin 15.September 1841), wo er sechs Zeilen aus Friedrich Rückerts "Weisheit des Brahmanen" zitiert: "Schon wieder hat der Baum der Hoffnung fehlgetragen / Und abermals das Reis des Wunsches fehlgeschlagen. / Was ist zu thun? Geschwind, bevor der Tag vergeht / Schlag auf das Tagebuch, worin so viel schon steht. / Trag ein den Fehlertrag, er fehle nicht darin / Und schlag dir dann das Fehlgeschlagne aus dem Sinn." - Die vorliegende Berliner Chronik des C. Siegfried ist in ihrer phänomenalen Gedankenfülle und Detailfreudigkeit nicht nur eine lohnende Lektüre, sondern ein Kulturdenkmal der Stadt von hohem Wert und sollte zumindest in Teilen durch eine Veröffentlichung bekannt gemacht werden.

Schätzpreis
€ 2.000   (US$ 2.200)


Zuschlag
€ 3.000 (US$ 3.300)


Revolution 1848
8 Schriftstücke aus dem Nachlaß Carl August Milde

Los 2740

- Revolution 1848 in Berlin. Schriftwechsel aus dem Nachlaß des schlesischen Fabrikanten und liberalen preuß. Politikers Carl August Milde, Präsident der preußischen Nationalversammlung und erster Handelsminister Preußens (1805-1861). 6 Briefe, 1 Brief-Konzept und 1 signiertes Manuskript. Zus. ca. 15 S. 4to und Folio. 8.VII. - 19. XI.1848.

Bedeutende Dokumente, mit diversen gedruckten Beilagen. Vorhanden: I.
Wilhelm I., König von Preußen, hier noch als Kronprinz (1798-1888). Eigh. Manuskript m. U. "Prinz v Preußen". 31/2 S. Goldschnitt. 4to. Zehlendorf bei Berlin 8.VI.1848. - Original-Manuskript der Ansprache des Prinzen von Preußen an die Nationalversammlung, hier offenbar für den Druck bestimmt: "Durch die auf mich gefallene Wahl bin ich berufen, in Ihrer Mitte zu erscheinen. Ich würde schon den gestrigen Tag als den meiner Rückkehr ins Vaterland benutzt haben, um hierher zu eilen, wenn es nicht der Jahrestag unauslöschlicher Trauer zugleich gewesen wäre, der mich im Schoß meiner Familie zurückhalten mußte ... Nicht nur die Blicke Preußens, die Blicke der Welt sind auf unsere Versammlung gerichtet, da durch sie eine Vereinbarung mit unserm König u. Herrn herbeigeführt werden soll, welche die Zukunft Preußens u. seiner Könige feststellen soll ... Die Constitutionelle Monarchie ist die Regierungs Form, welche unser König uns zu gehen vorgezeichnet hat. Ich werde ihr mit der Treue u. Gewissenhaftigkeit meine Kräfte weihen, wie das Vaterland sie von meinem, ihm offen vorliegenden Karakter zu erwarten berechtigt ist ... Uns alle leite aber der vielbewährte Wahlspruch der Preußen: Mit Gott für König u. Vaterland! - Wie vorstehend steht, wollte ich sprechen; ich habe aber, glaube ich, etwas gesprochen, ungefähr wie es die übergeschriebenen Zeilen zeigen. Dagegen würde die parenthesirte Stelle fortbleiben. Ich stelle anheim, dies als aide mémoire für die Stenographen." - 1 Faltenriss mit Transparentpapier repariert. - Beiliegend eine nicht ganz zuverlässige Abschrift aus späterer Zeit. - II. Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen (1795-1861). Brief m. U. "Friedrich Wilhelm". 1/2 S. Doppelblatt. 4to. Potsdam, Schloß Sanssouci, 25.VI.1848. - An den Abgeordneten Carl August Milde, Präsidenten der Nationalversammlung. "Nachdem Ich den Wirklichen Geheimen Legations-Rath Freiherrn von Patow auf seinen Wunsch von der Leitung des Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten entbunden und denselben zur Disposition gestellt habe, will Ich Sie, im Vertrauen auf Ihre Mir bekannte Vaterlandsliebe hierdurch zum Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ernennen ...". - III. Derselbe. Brief m. U. "Friedrich Wilhelm". 1/4 S. Doppelblatt. 4to. (Berlin), Schloß Bellevue 21.IX.1848. - An den Staatsminister Carl August Milde. "Indem Ich Sie, auf Ihren Antrag, von Ihrer bisherigen Stellung als Minister für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten entbinde, behalte Ich Mir vor, Ihren Rath über wichtigere Staats-Angelegenheiten auch ferner in geeigneten Fällen einzuholen und will Sie deshalb zur Disposition stellen." - Angeheftet ein Zeitungsausschnitt mit dem königlichen Bericht über die Entlassung des Ministerpräsidenten v. Auerswald und 6 weiterer Minister, darunter auch Milde.

Es folgen 5 Schriftstücke, veranlaßt durch die Verhängung des Belagerungszustandes über Berlin und die selbstständige Einberufung der Nationalversammlung durch den Präsidenten v. Unruh: IV. Einladung zur Teilnahme an der Nationalversammlung im Schützenhaus. 1/2 S. Mit Lacksiegel der Nationalversammlung. Folio. Berlin 12.XI.1848. - An den Abgeordneten Milde. "Die nächste Sitzung der National-Versammlung findet, laut gestrigem Beschluß, im Schützenhause, Linienstraße No 5 heut Nachmittag um 2 Uhr statt ...". - V. Friedrich Wilhelm, Graf von Brandenburg, Sohn König Friedrich Wilhelms II. aus dessen morganatischer Ehe mit der Gräfin Dönhoff, General der Kavallerie und Unterstützer Friedrich Wilhelms IV. (1792-1850). Brief m. U. "Gr von Brandenburg". 11/2 S. Gr. 4to. Berlin 16.XI.1848. - An den Abgeordneten und Staatsminister Carl August Milde ("Excellenz"). Bedauert, dass Milde im Widerspruch zur Verordnung des Königs an der Nationalversammlung teilgenommen habe. "... In § 8 des Gesetzes zum Schutze der persönlichen Freiheit vom 24. September d. J. ist die sofortige Einberufung der Volksvertretung nur für den Fall vorgeschrieben, daß die §§ 1. und 6. dieses Gesetzes von dem Staats-Ministerium unter eigener Verantwortlichkeit provisorisch suspendirt werden. - Diese Suspension ist jedoch nicht erfolgt, wenn auch die Stadt Berlin von dem Staats-Ministerium auf Grund der ihm nach der bestehenden Gesetzgebung unzweifelhaft zukommenden Befugniß in Belagerungszustand erklärt worden ist. - Ungeachtet dieser Maaßregel bleiben die erwähnten Bestimmungen ... in Kraft und werden auch von dem eingesetzten Kriegsgericht streng befolgt werden ...". - VI. Hans Victor von Unruh, Bauingenieur, Gutsbesitzer und Präsident der preußischen Nationalversammlung (1806-1886). Brief m. U. "v Unruh". 1 S. Folio. Berlin 18.XI.1848. - An den Minister und Abgeordneten Carl August Milde. Infolge der herrschenden Militärgewalt können Plenarsitzungen der Nationalversammlung zur Zeit nicht stattfinden, doch kommen die noch übrigen 241 Abgeordneten in bestimmten Fraktionslokalen (mehrere Hotels werden genannt) zum Meinungsaustausch zusammen. - VII. Carl August von Milde. Eigh. Konzepte zu zwei Antwort-Schreiben. 41/2 S. Folio und gr. 8vo. (Berlin) 16.-19.XI.1848. - An den Grafen Brandenburg und an den Präsidenten von Unruh. Erklärung, daß er zwar die Verlegung der Nationalversammlung nach Brandenburg und ihre Vertagung als als vollkommen rechtsbeständig verfügt anerkannt habe, dass aber nach der Verhängung des Belagerungszustandes nach gesetzlicher Vorschrift sofort die Versammlung vom Ministerium hätte einberufen werden sollen. Er werde übrigens an keiner Parteiversammlung, sondern nur an einer "in den gesetzlichen Formen zusammenberufenen Sitzung" teilnehmen. - Angeheftet ein Zeitungsausschnitt mit diesen Texten. - VIII. Derselbe. Eigh. Konzept eines Briefes an den König. 5 S. Folio. (Berlin, ca. 20.XI.1848). - Umfangreiches Rechtfertigungsschreiben an König Friedrich Wilhelm IV., nachdem Milde nicht zu einer Audienz zugelassen worden war, mit der Begründung, er habe sich der am 16. November tagenden Fraktion Unruh angeschlossen. Milde schreibt u. a.: "... Ich bin mir aber bewußt, daß ich mehr wie vielleicht kein anderer dazu beigetragen habe, die von mir angedeuteten Gefahren von der Krone abzuwenden u. wenn Gottes Fügung zum Heile des Königs u. seines Hauses die Feinde mit Blindheit geschlagen, so war es doch immer an den Menschen, nicht die Hände in den Schooß zu legen, sondern zu handeln. Dieß habe ich gethan, werde es auch immer thun als ehrlicher Mann und werde, wenn mich auch der König verläßt, das Constitutionelle Königthum nun und nimmer verlaßen." - Beiliegend 7 Flugblätter, davon 6 in Breslau, 1 in Berlin gedruckt (März 1848 - Jan. 1849). - Ferner beiliegend eine maschinenschriftliche Abschrift (nach stenographischen Protokollen) eines Vortrags von Carl August Milde über Bankwesen, gehalten in der 66. Sitzung der II. Preußischen Kammer vom 7. Mai 1852 (7 S., gr. 4to). - Mit 8 politischen Original-Schreiben von maßgeblich Beteiligten am Berliner Revolutionsgeschehen eine Sammlung wertvoller Quellen für das Verständnis der Ereignisse. - Einige Büroklammer-Rostspuren und vereinzelte Randläsuren; sonst ordentlich erhalten.

Schätzpreis
€ 1.800   (US$ 1.980)


Zuschlag
€ 2.600 (US$ 2.860)


Bismarck, Otto Fürst von
Billet 1872 an Forckenbeck

Los 2741

Bismarck, Otto Fürst von, Reichskanzler, Schöpfer eines vereinigten Deutschen Reiches (1815-1898). Eigh. Billet m. U. „v. Bismarck“. ¾ S. Mit eigenhändigem, gesiegeltem Umschlag. Gr. 8vo. Berlin 22.I.1872, „Abends 111/2 Uhr“.

An Max von Forckenbeck, Berliner Oberbürgermeister und Reichstagspräsident (1821-1892). „Soeben erhalte ich von Sr. Maj. vollzogen Ernennung des Geh. Rath Falk zum Cultusminister. Amtliche Mittheilung erfolgt morgen.“ - Der Schlesier Adalbert Falk (1827-1900) geriet mit seiner Ernennung in den "Kulturkampf", den Bismarck gegen den römischen Einfluß auf die deutschen Katholiken führte. Von katholischer Seite heftig angefeindet, sah sich der liberale, verdienstvolle Minister schließlich 1879 genötigt, um seine Entlassung zu bitten.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 330)


Zuschlag
€ 420 (US$ 462)


Poschinger, Heinrich von
4 Briefe, 1 Postkarte

Los 2742

- Poschinger, Heinrich von, Politiker und Historiker, enger Mitarbeiter und Biograph Bismarcks (1845-1911). Konvolut von 4 eigh. Briefen und 1 eigh. Postkarte m. U. "v. Poschinger". Zus. 8 S. 8vo. Mit 3 Umschlägen. Berlin und Nizza 1888-1904.


An Richard Fleischer, den Herausgeber der "Deutschen Revue", in Dresden. Austausch von Informationen über Publikationen, meist im Zusammenhang mit Otto von Bismarck. Fleischer war vor allem an unveröffentlichten Manuskripten von und über Bismarck interessiert, mit denen Poschinger sich jedoch, im Bewußtsein der Attraktivität solcher Mitteilungen, zurückhält und im Gegenteil sich immer wieder nach den Quellen von Fleischers Bismarck-Artikeln erkundigt. "... Sie nehmen fest an, daß ich unveröffentlichten Bismarck-Text besitze. Das ist aber augenblicklich nicht der Fall, wenn auch manches Material, das ich publiciren möchte, dem Kanzler augenblicklich vorliegt ...". Fragt nach der Quelle für den Abdruck eines angeblich fiktiven Gesprächs zwischen Bismarck und v. Gerlach, das offenbar einen realen Hintergrund habe, und weiteren Artikeln Fleischers: "... Ist das Datum des Abends, da Sie der parlamentarischen Soiree bei Bismarck beiwohnten, noch festzustellen ... Sind von Unruh's 'Erinnerungen aus meinem Leben' keine Fortsetzungen Ihres interessanten Revue-Artikels erschienen. Er spricht doch z. Eingang, daß er jetzt nur einen Theil der Memoiren veröffentlichen wolle. Würde es sich nicht empfehlen, bei den Erben des Parlamentariers sich nach dem Reste des Manuscripts zu erkundigen ... Ich füge als Dank für zahlreiche Zusendungen Ihrer Revue ein kleines Büchlein bei, Lassalle's Leiden, das Sie vielleicht zu lesen würdigen, bitte aber, meine Anonymität strengstens wahren zu wollen [3.XII.1888] ... Einen Auszug aus dem II Bande von Bismarck als Volkswirth möchte ich Ihnen noch nicht übersenden; es ist zweifelhaft, ob ich das Manuscript zum Drucke geben werde. Es hängt das ganz von der Beurtheilung des ersten Bandes ab, der in 14 Tagen erscheint. Wenn dieser Band Anlaß zu gereizten Erörterungen gegen Bismarck Anlaß geben sollte ... dann schließe ich die Publikation. Ich hatte die Absicht, dem Werke die anliegende, bereits gesetzte Übersicht der volkswirthsch. Literatur über Bismarck beizufügen. Der erste Band ist aber so angeschwollen, daß ich die kleine Bücherstudie herausgenommen habe, u. dieselbe besonders erscheinen lassen will ... [25.III.1889]. - Die Schrift "Ferdinand Lassalle's Leiden" erlebte 4 Auflagen, und Poschinger wurde bereits 1890 in Kürschners Literaturkalender als Verfasser genannt. - Alle Schriftstücke vom Empfänger am oberen Rand handschriftlich nummeriert.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 220)


Nachverkaufspreis
€ 140   (US$ 154)


Borodin, Mikhail von
Brief an König Ferdinand I. von Neapel

Los 2743

Borodin, Mikhail von, russ. General in Diensten Ferdinands I., Königs beider Sizilien. Eigh. Brief m. U. "Michel de Borodin". In franz. Sprache. 3 S. Doppelblatt mit gesiegeltem Umschlag. Folio. Neapel 24.V.1802.

Untertänigstes, ausführliches Dankschreiben an Ferdinand I., König beider Sizilien, der ihm für seine militärischen Verdienste einen huldvollen Brief und ein Kästchen mit seinem Bildnis hatte übersenden lassen. Borodin ist fair genug, auch die Leistungen seiner Offiziere ins rechte Licht zu rücken. "... j'ai reçu égallement par la voye de notre Ministre la boite ornée de Votre Auguste portrait que Votre Majesté a eu la bonté de m'accordér. je n'avois pas besoin de cette nouvelle grace pour sentir tout ce que je Vous dois Sire, Votre lettre seule me suffisoit, c'est elle que je porterais toujours sur mon coeur, elle fera a jamais ma plus chère recompense. mais puisque Votre Auguste Majesté ne daigne me permettre de tomber a Ses pieds avant mon départ, qu'il me soit du moins permis Sire d'implorér Vos bontés pour les officiers Russes qui sous mes ordres ont eu la gloire de servir Votre Auguste Majesté. je veux parlér des deux chefs de mes battaillons de grenadiers, du Collonel Szepanoff qui pendant deux années a commendé de F.Elme, et de mon aide de camp Carpoff dont l'exactitude et l'intelligence m'a infiniment servi a meritér Votre Auguste approbation. Ces officiers distingués devroient en tout partagér mon sort, et si Votre Majesté daignait leur accorder des marques de Sa bienveillance a l'instar de Mrs. les officiers de notre marine, mon bonheur seroit parfait, et nos voix en corüs ne cesseroient de prôner les graces d'un Souverain que nous avons eu l'avantage de servir, et que nos coeurs ne cesseront d'adorér ...". Nennt dann noch mehrere Offiziere der königlichen Grenadier-Batallione, die sich unter seiner Ausbildung durch besondere Leistungen ausgezeichnet hätten.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 220)


Nachverkaufspreis
€ 150   (US$ 165)


Deneken, Arnold Gerhard
Albumblatt 1780

Los 2744

Bremen. - Deneken, Arnold Gerhard, Jurist und Bremer Senator (1759-1836). Eigh. Albumblatt mit U. 1 S. Quer-gr. 8vo. Göttingen 28.IX.1780.

Aus dem Album von Daniel Schütte mit einem weiteren Eintrag auf der Rückseite und einem Blatt mit Aquarell, das wohl ebenfalls von Deneken stammt. - Deneken veröffentlichte Bücher zur Bremischen Geschichte, etwa 1828 über den Bremer Roland und 1831 über das Bremer Rathaus.

Schätzpreis
€ 150   (US$ 165)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 110)


Carl Albrecht von Habsburg-Altenburg
Sein Gästebuch 1910-1921

Los 2745

Carl Albrecht von Habsburg, Erzherzog, ab 1919 polnischer Staatsangehöriger und später Generalmajor der polnischen Armee (1888-1951). Sein Gästebuch 1910-1921. 87 Bl., davon 170 S. beschrieben. Mit dem eigh. Besitzvermerk "Erzherzog Carl Albrecht" auf dem Vorsatz mehr als 1500 Namenseintragungen von Gästen. 30 x 24 cm. Grüner Halblederband d. Z. (etwas berieben und bestoßen) mit Rücken-Blindprägung und Leder-Ecken. (Wien und wahrscheinlich auch andere Orte) 1910-1921.

Reich gefülltes Gästebuch des interessanten Offiziers aus dem österreichischen Hochadel. Bis auf wenige Ausnahmen setzen sich die Beiträger nur aus Aristokraten aus ganz Europa zusammen, ganz überwiegend hohe Militärs, aber auch Minister, Botschafter und andere Diplomaten, selten einmal begleitende Ehefrauen. Vertreten sind die Fürsten, Grafen, Freiherren, Barone und Ritter von Pálffy, Esterhazy, Nostitz, Windisch-Graetz, Liechtenstein, Pallavicini, Thun, Üxküll, Auersperg, Pappenheim, Hohenzollern, Stolberg, Salm, Wurmbrand, Hoyos, Hohenlohe, Lobkowitz, Hatzfeldt, Schönaich und sehr viele andere. Neben unzähligen Generälen aller Waffengattungen (auch Admirälen der österr. Marine) treten als Zivilpersonen vor allem Minister und Diplomaten aus wohl allen europäischen Ländern sowie der Türkei, Persien, Japan, China, Mexiko, Argentinien in Erscheinung, wobei der Kreis der Nationalitäten naturgemäß bei Beginn des Weltkriegs enger wird. Nicht alle der mehr als 1500 Signaturen sind eigenhändig, weil bei Eintreffen größerer Delegationen oft nur ein Schreiber die Namen auflistet, doch dürften mehr als 1000 Eintragungen eigenhändig sein. - Carl Albrecht, der 1919 die polnische Staatsbürgerschaft annahm und fortan in der polnischen Armee diente, galt lange, auch noch in den 1920er Jahren, als Thron-Aspirant für ein Königreich Polen, doch zerschlugen sich solche Pläne, und seit 1949 nannte sich der Familienzweig nur noch Prinzen und Prinzessinnen von Habsburg-Altenburg. - Einzigartige Versammlung des internationalen Adels und der hohen Militärs aus einer untergegangenen Welt.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.320)


Zuschlag
€ 600 (US$ 660)



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