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Autographen Auktion 114, Mi., 16. Okt., 14.00 Uhr


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Los 2661 Zweig, Stefan
Brief und Postkarte 1936
Verkauft


"eine Art Staatsstreich"
- 1 masch. Brief und 1 masch. Postkarte m. U. "Stefan Zweig", der Brief auch mit eigh. Zusätzen. Zus. 3 S. Gr. 4to und quer-8vo. Salzburg 28.VI.1936 bzw. Ostende 19.VII.1936.

An den Musikwissenschaftler und Feuilletonisten Viktor Zuckerkandl in Österreich, der ihm zwei Probe-Exemplare seines Buches "Die Weltgemeinschaft der Juden" gesandt hatte, das angesichts der wachsenden Judenverfolgung eine übernationale Repräsentanz aller Juden anregte. Zweig antwortet, wie er mit Bleistift anmerkt, "eiligst auf der Durchreise", geht aber dennoch näher auf Zuckerkandls Vorschläge ein und entwickelt seinen Gedanken einer Weltvertretung für alle Juden. "... Auf der Reise von Wien her habe ich Ihr Buch gelesen und finde es hervorragend mit seiner klaren und geistigen Form. Insbesondere ist der genetische Teil des Problems mit ungewöhnlicher Klarheit und Intensität erfasst - im andern, im positiven Teil ist bloss die geistige Lösung und nicht die tausendmal schwierigere materielle zur praktischen Form erhoben. Im Wesentlichen gehen wir aber ganz konform. Was Sie da vorschlagen, eine Weltrepräsentation, hat in London ein engerer Kreis immer und immer wieder durchgesprochen. Nur sind wir schon wieder weiter gegangen, indem wir die Einsetzung dieser Repräsentation nicht durch Wahl wünschen, denn damit wären alle Formen der Zwietracht erweckt und es würden Politiker und Streber als Repräsentanten gewählt. Wir dachten sogar kühnerweise an eine Art Staatsstreich, an eine Einsetzung eines obersten Rates von vierzig oder fünfzig Menschen als fait accompli, der sich dann nur bestätigen liesse und aus seiner Mitte die wirklichen Repräsentanten oder den wirklichen Repräsentanten wählte, ohne auf die einzelnen Gruppen der Orthodoxen, der Revisionisten und Gegen-Revisionisten Rücksicht zu nehmen. Es müssten nur einfach für die Weltrepräsentation diejenigen gewählt werden, die durch irgend eine Art der Leistung heute schon Weltgeltung haben (nicht solche, die sie durch die Machtstellung erst bekommen) ... Das eine Exemplar lasse ich Herrn Joseph Leftwich senden, [der] der beste Übersetzer wäre und durch den Einfluss, den er besitzt, auch eine Uebersetzung wahrschenlich durchsetzen kann ... Das andere Exemplar leihe ich zunächst einem Freunde in London, der in dem Kreise um eine zu schaffende Repräsentation tätig ist. Was ich dafür vor meiner Abreise nach Südamerika tun kann, wird freudigst geschehen ...". - Der Brief ist mit Bleistift unterzeichnet, wie auch etliche Text-Korrekturen und eine Nachschrift mit Bleistift ausgeführt sind: "Verzeigen Sie die confuse Hast, ich dictiere zwischen zwei Zügen, wollte Ihnen aber doch ... sagen, wie stark Ihr Buch auf mich gewirkt hat." - Auf der Postkarte aus Ostende nennt Zweig die Adresse seines erwähnten Londoner Freundes und fügt an: "... Entschuldigen, dass ich so knapp schreibe, aber ich reise bald und muss noch vorher eine grössere Arbeit fertigstellen ...". - Auf der Rückseite eine Aufzählung von 8 Namen (darunter Klemperer und Warburg) in einer Handschrift, die stark an die charakteristischen Schriftzüge Wassily Kandinskys erinnert. - Wertvolle Zeugnisse der noch immer idealistischen Vorstellung Zweigs von einer machtvollen und würdigen Gesamt-Repräsentation des jüdischen Volkes angesichts einer überall gewachsenen Bedrohung.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.320)


Zuschlag
€ 1.600
(US$ 1.760)
(GBP 1.424)
(CHF 1.760)



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