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Autographen Auktion 113, Mi., 17. Apr., 10.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Ibsen, Henrik
Signiertes Porträt

Los 2071

Ibsen, Henrik, norweg. Dramatiker von epochaler Wirkung und Bedeutung(1828-1906). Auf Karton gewalzte Porträt-Photographie mit eigh. Signatur "Henrik Ibsen" auf dem Untersatzkarton. 16,7 x 11 cm. O. O. (ca. 1896).

Die Aufnahme aus der "Portrait-Gallerie" des Münchener Kunstverlags Joseph Albert zeigt den Dichter in Dreiviertelfigur, stehend und mit Mantel bekleidet. Während im Bild die Jahreszahl 1893 eingeprägt ist, enthält die Rückseite von unbekannter Hand außer Ibsens Lebensdaten das Jahr 1896. - An 2 Rändern etwas beschnitten.

Schätzpreis
€ 1.600   (US$ 1.807)


Zuschlag
€ 1.400 (US$ 1.581)


Jacobs, Monty
2 Brief-Fragmente

Los 2072

Jacobs, Monty, Berliner Schriftsteller, Theaterkritiker beim „Berliner Tageblatt" und bei der „Vossischen Zeitung", emigrierte 1938 nach England (1875-1945). 2 masch. Brief-Fragmente, davon eines mit eigh. Gruß und Unterschrift "Monty Jacobs". Zus. 4 S. Quer-4to und gr. 4to. London o. J bzw. 11.X.1940.

Aus London an den Schriftsteller und Politikwissenschaftler Hans Meisel, früher Lokalredakteur der Vossischen Zeitung in Berlin, Kleist-Preisträger, nach der Emigration 1934 Lektor für den S. Fischer Verlag, 1938-1940 Sekretär Thomas Manns in Princeton, schließlich Dozent an mehreren Lehranstalten in den USA (1900-1991). Die beiden Briefe Jacobs' sind nur fragmentarisch erhalten, aber immer noch interessant genug. Meisel hatte sich offenbar seufzend über seine Sekretärs-Stellung geäußert, die ihn an eigener literarischer Tätigkeit hindere. "... Was Sie über Ihren boss [d. i. Thomas Mann] schreiben, hat mich sehr interessiert und amüsiert. Besonders darüber, dass er umgeben ist. Aber ist mit der Umgebung nicht auszukommen? Und was haben Sie eigentlich als Riemer zu leisten? [wohl Anspielung auf Friedrich Wilhelm Riemers Tätigkeit als Sekretär Goethes] Nur die Bittsteller abzuwimmeln? Broch ist mir als Person unbekannt, als Autor war er mir sehr interessant und ich freue mich, dass Sie einen Alfred-Neumann Ersatz gefunden haben. Natürlich sollen Sie schreiben und nicht Ackerbau und Viehzuch treiben, dafür sind genug andere Leute da ... besorgen Sie mir, bitte, die Adresse Zuckmayers. Seine Frau schrieb mir letzten Sommer und gab mir eine Adresse, die nur für einen Landaufenthalt nahe Dorothy Thompson galt. Ich war so unfreundschaftlich, nicht zu antworten. Da ich aber beide liebe Leute, wohl die letzten Menschen, mit denen ich in diesem Leben Brüderschaft getrunken habe, sehr gern habe, so möchte ich die Fühlung nicht verlieren ... Willy Meisl, Eyck, Wachtel, Grete Fischer, so heissen die Ullsteingespenster, die ich hier im Museum treffe, dazu ein paar Mitglieder der regierenden Familie, ganz besonders die Wittwe und Tochter U's - Sie sehen, dass ich hier nicht ganz aus unserer alten Luft herauskomme ... Kürzlich schrieb mir Joachim Schwarz aus dem allzu gelobten Lande. Was haben Sie diesem Radaumacher denn getan? ... Und was macht denn Professor Pinthus mit dem heissen Salat? [London, wohl Sommer 1940] ... Also schönen Dank für Zuckmayers Adresse, die bald benutzt werden soll. - Ihr Schreiben lässt es an Nachrichten, sozusagen an primeurs nicht fehlen und Sie kennen meine professionelle Leidenschaft dafür. Dass Sie den Dienst des Meisters verlassen haben, mag keinen Verlust bedeuten, trotzdem auch diese Zeit Ihnen sicherlich allerlei gegeben hat ... Das Schicksal Ihrer Ehe überrascht mich, wie Sie richtig vermuten, nicht. Ich bin Ihnen für Ihr Vertrauen sehr dankbar und ich hoffe, dass Sie mir später einmal mehr als die recht dunklen Andeutungen Ihres Briefs verraten werden ... Weniger fröhlich stimmt mich die Kühle, mit der Sie von Ihrem Roman schreiben. An das gleefully resigned-sein vermag ich nicht zu glauben, auch wenn Sie seit der Amerikanisierung eine andere Haut angezogen haben wollen ..." [London 11.X.1940]. - Dieser zweite Brief durch Feuchtigkeitsschaden an der vertikalen Mittelfalte durchgetrennt.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 225)


Nachverkaufspreis
€ 140   (US$ 158)

(Verfügbarkeit erfragen!)
Jacobsohn, Siegfried
Postkarte an Maxim. Harden

Los 2073

[*] Jacobsohn, Siegfried, Theaterkritiker und Publizist, Gründer und Herausgeber der "Schaubühne", später: "Weltbühne" (1881-1926). Eigh. Postkarte m. U. "Siegfried Jacobsohn". 1 S. Sielbeck bei Kiel 12.VII.1916.

An den Publizisten Maximilian Harden, Herausgeber der "Zukunft", über dessen beide Kritikenbände "Apostata", die er auf der Reise gelesen habe: "... Es scheint mir so erstaunlich, daß Sie das anno 1891 gesehen und gesagt haben! Und ich finde, man sollte daran erinnern. Vielleicht werden Sie selbst nicht einmal durch eine kommentarlose Zitierung sich Ihres Weitblicks rühmen wollen. Aber Sie hätten wahrhaft die Berechtigung dazu. Verzichten Sie trotz der Berechtigung darauf, so möchte ich um die Erlaubnis bitten, den Artikel in meinem [Schaubühne-] Heft vom neunten August, also auf den Tag fünfundzwanzig Jahre nach der ersten Veröffentlichung, mit einer entsprechenden kleinen Vornotiz abzudrucken ...". - Hardens Aufsatz "Franco-Russe" von 1891 erschien als erster Beitrag von Heft 32 der "Schaubühne" am 10. August 1916. - Etwas wasserfleckig.

Schätzpreis
€ 150   (US$ 169)


Zuschlag
€ 150 (US$ 169)


Jandl, Ernst
Signiertes Foto

Los 2074

Jandl, Ernst, österr. experimenteller Lyriker, Büchner-Preisträger (1925-2000).
Porträt-Fotografie mit eigh. Beschriftung u. U. "Ernst Jandl" unter dem Bild. Postkarten-Format. O. O. 21.V.1997.

Die privat wirkende Aufnahme zeigt den Dichter bei einer Lesung. Darunter eigenhändig mit Tinte: "was lebt ihr so dumm - Ernst Jandl 21.5.97". - Selten.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 338)


Zuschlag
€ 320 (US$ 361)


Jünger, Ernst
Vollständige Korrekturfahnen zu "Gärten und Str...

Los 2075

Jünger, Ernst, Schriftsteller (1895-1998). Die vollständigen Original-Korrekturfahnen zur Erstausgabe von "Gärten und Straßen". Mit zahlreichen Korrekturen, Streichungen und Zusätzen von der Hand des Autors. 218 nummer. Bl. (eigentlich 217, das erste nummeriert 1-2), einseitig bedruckt. Festes, Bütten-ähnliches Papier. 25 x 20 cm. Lose Bl. in grün marmor. Halbleder-Decke d. Z. (Rücken ausgeblichen und etwas berieben) mit vergold. Rückentitel, in passendem marmor. Papp-Schuber. (Oktober 1941).

Korrekturfahnen der 1942 bei E. S. Mittler in Berlin erschienenen Erstausgabe von Ernst Jüngers "Gärten und Straßen" mit dem Untertitel "Aus den Tagebüchern von 1939 und 1940". Mit hellblauer Tinte und großer Sorgfalt vom Autor durchkorrigiert. Satzfehler-Korrekturen finden sich phasenweise fast auf jeder Seite; Text-Änderungen und Streichungen kommen weniger, aber immer noch sehr reichlich vor. Einige Beispiele: Auf Seite 37 ("15. Juni 1939") heißt es: "Beendet: Spengler, 'Zur Weltgeschichte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends', eine seiner letzten Schriften, in der die Drähte recht derb gezogen sind. Die Wirkung dieses Autors liegt in der Sprache, und deren Geheimnis liegt darin, daß sie Herz besitzt. In seiner Prosa steckt ein Zug, der an die Hürden geht." Dieser Passus ist komplett gestrichen. - Auf Seite 40 kommentiert er einen Roman von Léon Bloy und schreibt: "Auf Seite 169 ein Bild, das ich als schief empfinde." Diese subjektive Wendung ersetzt Jünger durch eine sehr viel objektivere Feststellung: "ein Beispiel für ein Bild, wie man es vermeiden soll". - Seite 79 heißt es: "Lektüre: Hasper, 'Über die Krankheiten der Tropenländer', Leipzig 1831, der seit langem unter meinen Büchern seht." Jünger fügt handschriftlich hinzu: "Derartiges kaufte ich damals gern". - Seite 81 wird eine Zugfahrt nach Rastatt erwähnt: "In den Nichtraucherabteilen ist es immer ein wenig leerer - so schafft schon eine Askese niederen Ranges den Menschen Raum". Diese Erhöhung der Beobachtung ins Philosophische erfährt durch einen handschriftlichen Zusatz eine weitere Steigerung: "Wenn wir als Heilige leben, ordnet sich uns das Unendliche zu." - Bei der Lektüre von Georg Altmans Ludwig-Devrient-Biographie (Seite 85) beschäftigt er sich mit der Kunst des Sprechens und dem Wort im Moment der höchsten Leidenschaft: "... es löst sich im reinen Äther auf. So schmilzt es gleichermaßen an den extremen Graden des Sinnlichen und Geistigen dahin." Hier fügt er handschriftlich hinzu: "Wir erfassen mit ihm nur die mittlere Lage; es ist Münze, die unter Menschen gilt." - Unter verschiedenen Aphorismen aud Seite 99 heißt es: "Der Glaube ist gleich dem Sauerstoff ein Hinzutretendes. Daher geschehen Wunder nicht jedem und nicht überall." Jünger fügt ein biblisches Beispiel hinzu: "Der flammende Busch". - Ein andermal (S. 137) erscheint ihm eine Mitteilung zu prahlerisch: "In meinem Zimmer trank ich noch die Flasche Châteauneuf-du-Pape und dachte dabei an Burckhardt, dessen Lieblingswein das war." Hier schiebt er ein: "die mir ein Mann in Sedan geschenkt hatte". - In Laon erregt die Kathedrale seine höchste Bewunderung. "Heute ergriff mich eine Ahnung von den Kathedralen als Werken, als Lebenswerken, fern von den toten Maßen der musealen Welt." Jünger fügt handschriftlich hinzu: "Auch wirkte der Gedanke mit, dass diese Kirche meinem Schutze unterstand; ich drückte sie, als ob sie ganz klein geworden wäre, an meine Brust." Oft sind einzelne Wörter durch treffendere Versionen oder Begriffe ersetzt. Noch aufschlußreicher, weil nicht im Buch erschienen, sind zuweilen jedoch die Streichungen. Eine sei noch zitiert: Seite 174 berichtet er seine Erlebnisse mit einem Gutsbesitzer Sp., von dem er schreibt: "Gute Bemerkungen in bezug auf alles Konkrete, so etwa: 'Habe immer bemerkt, daß Frauen, die gut gewachsen sind, sich im gegebenen Augenblicke weniger sträuben als die häßlichen, wenn man ihnen den Büstenhalter abnehmen will.'" Diese Beobachtung erschien Jünger offenbar im Nachhinein doch zu vulgär, um sie öffentlich als "gute Bemerkung" hervorzuheben: sie ist komplett gestrichen. - Über die Provenienz der Korrekturfahnen gibt ein Aufkleber auf der Innenseite der Einbanddecke Aufschluss: "Geschenk von Ernst Jünger an mich gelegentlich seines Wochenendbesuches in meinem Haus in Fontainebleau. Siehe Tagebuchaufzeichnung in den 'Strahlungen' vom 24.I.42. - Edgar Röhricht."
Der Infanterie-General und Ritterkreuzträger Röhricht gehörte zum Hitler-kritischen Teil des Offizierskorps. Er hielt Verbindung zu Carl Friedrich Goerdeler und wurde mehrmals aufgefordert, sich aktiv am Widerstand zu beteiligen, lehnte dies jedoch schließlich als aussichtslos ab. Vom Oktober 1940 bis zum Juni 1942 war Edgar Röhricht Generalstabschef beim Oberkommando der 1. Armee im besetzten Frankreich. In dieser Zeit entstand seine Freundschaft zu Ernst Jünger. Im "Ersten Pariser Tagebuch" erzählt Jünger unter dem Datum des 24. Januar 1942 von seinem Besuch bei Röhricht in Fontainebleau, wo er auch übernachtete. - Die Anfangs- und Schlussblätter mit leichten Läsuren; sonst gut erhalten. - Wertvolle Quelle zur Entstehung eines Schlüsselwerkes im Verhältnis Ernst Jüngers zu Erlebnis und Katastrophe des Krieges.


Schätzpreis
€ 9.000   (US$ 10.169)


Zuschlag
€ 13.000 (US$ 14.689)


Jünger, Ernst
Korrektur-Exemplar von "Afrikanische Spiele"

Los 2076

- Korrektur-Exemplar seines Buches "Afrikanische Spiele" (1936) für die "durchgesehene und erweiterte" Neuausgabe (1951). Ausgebundenes Exemplar der Erstausgabe aus der Hanseatischen Verlagsanstalt. 220 S. Mit sehr zahlreichen handschriftlichen Korrekturen, Änderungen, Streichungen und Einschüben in roter und dunkelblauer Tinte sowie Kugelschreiber im gedruckten Text und auf 12 eingelegten Zetteln. Lose Bl. in der Orig.-Einbanddecke. (Wilfingen 1951).

Außerordentlich interessantes Dokument der akribischen Arbeit Jüngers an seinem Text, das durch den krassen Gegensatz der politischen und geistigen Epochen (Vorkriegs-, Nachkriegszeit) in ihrer Einwirkung auf das Buch noch an Bedeutung gewinnt. Für die Neuausgabe seines Werkes hatte Jünger den jungen Verleger Günther Neske in Pfullingen gewonnen. Eine Umarbeitung erschien jedoch unerläßlich, und so hatte sich der Autor 1951 ein Exemplar der Original-Ausgabe von 1936 vorgenommen, um es einer gründlichen Revision zu unterziehen. Dies geschah offenbar nicht kontinuierlich in einem Zuge, denn es kamen drei verschiedene Schreibwerkzeuge zur Verwendung: Feder mit roter Tinte, Feder mit dunkelblauer Tinte und (wohl zuletzt) blauer Kugelschreiber. Der Kugelschreiber-Duktus wirkt zuweilen etwas runder, leicht abweichend von Jüngers üblichem Schriftbild. Da jedoch die mit Kugelschreiber ausgeführten schwerwiegenden Text-Änderungen und Einschübe durchweg die gleiche Qualität aufweisen wie die mit Tinte geschriebenen, so ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass nur die mehr Druck erfordernde Handhabung des Kugelschreibers das zuweilen etwas abweichende Schriftbild verursachte. Der Erbe des Neske Verlags versichert, dass weder seine Eltern, noch andere Personen irgendwelche Änderungen an Jüngers Texten vorgenommen haben.
Jüngers Eintragungen in unserem Exemplar beginnen auf dem Vortitel mit dem gewünschten Text für die Titelrückseite der Neuausgabe, mit Kugelschreiber, aber in Jüngers typischem Schriftduktus: "Erschienen ... Auflage, ... Tausend. Durchgesehen im Mai 1951 in Wilfingen. Eine französische Übersetzung erschien unter dem Titel 'Jeux Africains' bei Gallimard". Fast jede der nun folgenden Seiten weist mehrere Änderungen auf, und zwar nicht, wie bei Korrekturfahnen üblich, Fehler-Korrekturen, sondern Textänderungen in kleinem und großem Maße. Stilistische Glättungen und Verbesserungen vieler Art wechseln mit teils umfangreichen Einschüben, die nicht nur an den Rändern, sondern auch auf beiliegenden Zetteln notiert sind. Ein solcher Zettel, ausnahmsweise maschinenschriftlich, erweitert auf S. 6 Jüngers Schülerträume von Afrika. Jünger schreibt ursprünglich: "So war ich bereits dazu übergegangen, mich am Unterricht nicht mehr zu beteiligen und mich statt dessen in afrikanische Reisebeschreibungen zu vertiefen, die ich unter den Pulten [verbessert: unter dem Pult] durchblätterte". Hier fügt er die schöne Verdeutlichung ein: "Wenn eine Frage an mich gerichtet wurde, mußte ich erst all jene Wüsten und Meere überwinden, bevor ich ein Lebenszeichen gab. Ich war im Grunde nur als Stellvertreter eines fernen Reisenden anwesend." Wie weit eine solche Umarbeitung zuweilen geht, mag eine Passage auf S. 32 zeigen, wo Jüngers Traum-Begegnung mit der rätselhaften Dorothea geschildert wird. Der ursprüngliche Text lautet:
"Das Gefühl der Erheiterung, mit dem ich erwachte, war außerordentlich. Während der erste Besucher immer tiefer in den Traum zurückgewichen war, trat Dorothea immer deutlicher aus ihm hervor. Dennoch blieben ihre Züge unbestimmt, aber dies erhöhte ihre Anziehung. Es ging ein Hauch der unbedingen Jugend und der wälderhaften Frische von ihr aus, und es kam mir vor, als ob sie zum Bernstein eine besondere Beziehung besaß. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kobold war sie von einer knisternden Intelligenz. Ich hatte ein Gefühl des Zutrauens zu ihr, das sich schwer beschreiben läßt; es war, als ob man eine gefährliche Landschaft mit einem Gefährten durchwanderte, der über eine solche Sicherheit verfügte, daß man die Bedrohung vergaß. Allmählich gelang mir immer dichtere Annäherung ...".
Der neue Text lautet: "Das Gefühl der Erheiterung, mit dem ich erwachte, war außerordentlich. Es gibt ja in diesen Jahren eine Art der Trunkenheit, als ob die Luft berauschend sei. Während der erste Besucher immer tiefer in den Traum zurückgewichen war, trat Dorothea immer deutlicher aus ihm hervor. Zwar blieben ihre Züge unbestimmt, doch das erhöhte ihre Anziehung. Es ging ein Hauch der grossen Jugend und der wälderhaften Frische von ihr aus, und es schien mir, als ginge ein Knistern wie von Bernstein von ihr aus. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kobold war sie von sprühender Intelligenz. Ich hatte ein starkes Zutrauen zu ihr. Es war, als ob man auf gefährlicher Wanderschaft von einem Kameraden begleitet würde, der über eine Sicherheit verfügte, vor der man die Bedrohung ganz vergass. Allmählich gelang mir eine immer dichtere Annäherung ...". - Zur Schmetterlingsjagd heißt es ursprünglich: "Diese kleinen Wesen spielten also wohl die Rolle des Talismans. Aber nicht sie allein, sondern das Schöne überhaupt, gleichviel, ob es sich als Landschaft darstellte, oder als Gegenstand, rief diese anziehende Wirkung hervor". Jünger ändert dieses Bekenntnis in: "Die Falter spielten also die Rolle des Talismans. Aber nicht sie allein, sondern das Schöne überhaupt, gleichviel in welche Formen und Gegenstände es sich kleidete, rief diese Anziehung hervor." Hier wie an vielen anderen Stellen scheint es, als sollte der ursprünglich poetische Ausdruck einer kühleren, klareren und knapperen Sprache weichen. Andernorts färbt er eine wenig spannende Passage durch eine kleine Anekdote bunter: Auf Seite 58 beschreibt er einen Artisten, der seine Muskeln spielen läßt, "wie man es zuweilen vor den Zirkusbuden sieht. Dann führte er uns einige seiner Glanznummen vor ...". Hier fügt Jünger eine kleine Pikanterie hinzu: "Besonders imponierte mir, dass dabei eine auf den Bizeps tätowierte ganz nackte Dame sich so sinnreich mitbewegte, dass sie den Bauchtanz zu zeigen schien. Paul führte uns dann einige seiner Glanznummern vor ...". - Seite 105-112 sind komplett gestrichen und mit dem Hinweis versehen: "Hier folgt Einschub S. 1-11". Die Handschrift dieses Textes ist hier jedoch nicht mehr vorhanden. - Auch der Beginn des Nachwortes auf der letzten hier vorhandenen Seite (220) ist komplett gestrichen, mit dem Vermerk: "Fällt aus! Folgt Verzeichnis der Bücher : 'Von E. J. erschienen ...". - Der Band, den der Autor für die "Durchsicht" aus seiner Bibliothek entnahm, trug und trägt noch seinen alten Stempel "E. Jünger. Archiv" auf dem (beschnittenen) Vorsatzblatt, doch Jünger, ein enger Freund und Förderer des jungen Verlegers Neske und seiner Familie (auch sein Hochzeitsgast), überließ diesem das Exemplar nach Erscheinen der neuen Ausgabe, so dass es nach Auflösung des Neske Verlags im Familienbesitz verblieb und schließlich an die Erben überging. - Der vorliegende Band bietet faszinierende Einblicke in den Prozeß der gründlichen Umarbeitung eines autobiographischen Werkes, den einer der führenden Schriftsteller des 20. Jahrhunderts nach 15 Jahren der Diktatur, des Krieges und Nachkriegs auf sich genommen hat.

Schätzpreis
€ 9.000   (US$ 10.169)


Zuschlag
€ 10.000 (US$ 11.299)


Jünger, Ernst
Albumblatt 1953

Los 2077

[*] - Eigh. Albumblatt m. U. "Ernst Jünger". 1 S. Auf Büttenpapier um 1800. Gr. 4to. O. O. 10.IV.1953.

8 Zeilen umfassendes Zitat aus seinem Buch "Über die Linie" (S. 44): "Die eigene Brust: das ist, wie einst in der Thebais, das Zentrum der Wüsten- und Trümmerwelt. Hier steht ein jeder, gleichviel von welchem Stand und Range, im unmittelbaren und souveränen Kampfe, und mit seinem Siege verändert sich die Welt ... Für Kurt Saucke zum fünfundzwanzigsten Jahrestage seiner Buchhandlung ...". - In schwarzer Tusche auf historischem, gering stockfleckigem Papier. Sehr dekorativ.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 225)


Zuschlag
€ 200 (US$ 225)


Kerner, Justinus
Brief 1854

Los 2078

[*] Kerner, Justinus, Arzt und Dichter (1786-1862). Eigh. Brief m. U. "J Kerner" sowie Adresse und Briefmarke. 3 S. Gr. 4to. (Weinsberg 10.XII.1854).

Umfangreicher Brief an die langjährige Familienfreundin Emilie von Pfaff, Gemahlin des Obertribunalpräsidenten Gustav von Pfaff in Esslingen. Altersbrief in betrübter Stimmung, noch ganz geprägt vom Tod seiner Frau.
Kerner dankt ihr für Trost und Familiennachrichten und Gott dafür, daß bei ihnen "die Tage noch nicht hereinbrachen von denen es heißt: sie gefallen mir nicht. Im Glüke (ich that das auch ehemals) kann man andern ... Trost aller Art schiken", besonders den oberflächlichen "sogenannten religiösen. Mein Schmerz u. mein Glaube geht tiefer". Seit dem Tod seiner Frau (im April) sei sein "Schmerz nicht mehr zu stillen", und sein Glaube sei der "an eine über uns allen wachende Liebe, u. diese wird wissen, warum sie diesen nicht zu stillenden Schmerz noch in mich legen mußte ...". Ein Vierzeiler bestätigt dieses Empfinden: "Und wer hier anders glaubt u. fühlt, / Wenn er sich noch so fromm hinstellt, / Dem wird das Herze noch umspühlt, / Von eitlen Wogen dieser Welt!"
Er berichtet weiter von einem Nervenfieber seines Schwiegersohnes in Heilbronn - Pfarrer Friedrich Gsell -, dem es nun besser gehe, der aber "noch lange nicht thätig seyn" kann. Auch habe die Finanzkammer ganz in seiner Nähe ein Haus gekauft und "an dasselbe wird mir zur liebsten Aussicht das Gefängnis auch hingebaut. Doch ich sehe ja nicht mehr u. seit mein Rikele mein Häuschen nicht mehr bewohnt, ist es ein gewöhnliches" geworden. "... Thut nichts! ich werde täglich elender u. wahrscheinlich sehen wir uns auf dieser Welt nie wieder ...". - 8 Lebensjahre waren Kerner aber doch noch vergönnt. - Einschließlich der Briefmarke ("Württemberg Freimarke 3) gut erhalten. - Kleiner Ausriss vom Öffnen der Versiegelung.

Schätzpreis
€ 900   (US$ 1.016)


Nachverkaufspreis
€ 600   (US$ 677)

(Verfügbarkeit erfragen!)
Keyserling, Hermann Graf
2 Briefe 1946

Los 2079

Keyserling, Hermann Graf, deutsch-baltischer Philosoph und Schriftsteller, Gründer der "Schule der Weisheit" in Darmstadt (1880-1946). 2 eigh. Briefe m. U. "Herman de Keyserling". In franz. Sprache. Zus. 6 S. Gr. 4to. Innsbruck-Mühlau 10. und 18.IV.1946.

Umfangreiche Briefe, gerichtet wohl an Maurice Delamain von der Librairie Stock in Paris, die auf deutsche Literatur spezialisiert war, Keyserlings Werke in Übersetzungen betreute und ihm auch ausländische Bücher besorgte. Eingehende Informationen über seinen neuen Wohnsitz in Innsbruck, seine literarischen Projekte und die geplante Wiedereröffnung seiner "Schule der Weisheit" in Darmstadt. Eine Vielzahl von Vorhaben, Aktivitäten und finanziellen Problemen kommen zur Sprache, darunter seine Bemühungen um Einbürgerung in Österreich und die Schwierigkeiten der Nachkriegs-Situation für Reisen und Schriftverkehr. Breiten Raum nehmen Fragen der Übersetzung seiner Arbeiten ein, z. B. eines Aufsatzes "De la pensée aux sources de la vie". Erwähnt den Verleger Diederichs. - Beeindruckende Briefe des von Plänen sprühenden Philosophen in seinem letzten Lebensjahr. - Leicht gebräuntes Nachkriegspapier.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 282)


Nachverkaufspreis
€ 150   (US$ 169)

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Kirsten, Wulf
Signiertes Typoskript

Los 2080

Kirsten, Wulf, bedeutender Lyriker, Prosaist und Lektor, Huchel-Preisträger, wird der "Sächsischen Dichterschule" zugerechnet (geb. 1934). Typoskript mit eigh. Korrekturen und Unterschrift "Wulf Kirsten". 2 S. auf 2 Bl. Gr. 4to. O. O., März 1989.

"poetologie. Fragmente I, II". Zehn kurze, in poetischer Sprache vorgetragene Märtyrer-Biographien russischer und tschechischer Lyriker, die wegen ihrer freiheitlichen Gedanken verfolgt, gefoltert oder ermordet wurden "in jenen Jahren ...", wie es jeweils am Schluß heißt. Mit mehreren handschriftlichen
Korrekturen. - Etwas vergilbtes Papier; 1 Einriss.

Schätzpreis
€ 120   (US$ 135)


Nachverkaufspreis
€ 80   (US$ 90)

(Verfügbarkeit erfragen!)

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