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Hauptbild Beschreibung Status
Sand, Aurore
Brief + Beigaben

Los 2111

"ma vénérée Grand'mère"
- Sand, Aurore (eigentl. Aur. Duvedant), Enkelin von George Sand, Hüterin von deren Nachlaß auf Schloß Nohant (1866-1961). Eigh. Brief m. U. "Aurore Sand". 2 S. Quer-4to. Château de Nohant 17.II.1898.

Als 22jährige an einen Herrn, der ihr eine Abhandlung über Guy de Maupassant gesandt hatte. "... J'ai connu cet excellent auteur et j'ai entendu parler de lui par mon frère Maurice Sand qui l'appréciait et lui avait ouvert la maison sur la demande de Flaubert. C'est vous dire de quelle sorte est le double intérêt que votre oeuvre m'inspire. - Quel regret, souvent éprouvé par moi, de n'avoir pas connu les filles de Dumas, et d'avoir été trop jeune pour être en rapport amical avec leur père! - Il ya eu dans ma vie toute une partie, la plus grande peut-être, qui commandait à mon coeur de survivante, la garde de nos grands écrivains, ceux qui nous tituent ce qui reste de notre haute civilisation litteraire. - J'ai quitté momentanément Paris (on y a démoli mon domicile) et je me suis réfugiée en Bezey, à quelques Kilomètres de Nohant (devenu, par mes soins, un Musée Vivant: la demeure familiale de ma vénérée Grand'mère. J'espère qu'un jour d'été vous y amènera en visiteur, et si vous vous nommez, venez me serrer la main ...". - Von Leo Tolstoi war 1898 eine französische Übersetzung seines Buches über Maupassant, Zola und Dumas erschienen, doch ist es ungewiß, ob er der Adressat des vorliegenden Briefes ist. - 1 Faltenriss unterlegt; 1 Rand durch Tesafilm verfärbt. - Dabei: Jules Sandeau (eigentl. Julien S.), franz. Schriftsteller, Geliebter der George Sand, Mitglied der Académie Française (1811-1883). Eigh. Brief m. U. "Jules Sandeau". 1 S. Doppelblatt mit Trauerrand. 8vo. O. O. u. J. (ca. 1873). - Empfehlungsschreiben an einen Freund. "... Permessez à moi de vous recommender d'une façon toute particulière un de mes jeunes compatriotes, né comme moi en pays Marchois. M. Mouly vous expliquera ce qu'il attend de votre bienveillance. Recueillez le avec bonté, accordez a lui votre appui si vous l'en jugez digne ...". - 1873 starb Sandeaus Sohn, und möglicherweise bezieht sich der Trauerrand auf dieses Unglück. - Beiliegend ein eigh. Billet Sandeaus mit der Unterschrift "Jules", betreffend eine Verabredung. - Sandeau war in jungen Jahren der Geliebte der George Sand, mit der er 1831 gemeinsam den Roman "Rose et Blanche" unter dem Pseudonym "Jules Sand" veröffentlichte. Nach der Trennung behielt die Baronin Duvedant das Pseudonym "Sand" bei und fügte den männlichen Vornamen George hinzu. - Zus. 3 Teile.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 338)


Nachverkaufspreis
€ 200   (US$ 225)

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Schaefer, Oda
Brief 1983

Los 2112

Schaefer, Oda, Schriftstellerin, mit Horst Lange verheiratet, Trägerin zahlreicher Literaturpreise und Ehrungen (1900-1988). Eigh. Brief m. U. „Oda Schaefer“. 2 S. Mit eigh. Umschlag. Quer-4to.(München) 1.VI.1983.


An einen Literaturhistoriker, vornehmlich über ihren verstorbenen Mann, den Schriftsteller Horst Lange (1904-1971). "... Dank für Ihren Brief. Ich habe den meinen etwas korrigiert und den 'Nazi' bei Raschke gestrichen; er war es ja, da er in der Propaganda-Kompanie Leutnant war. Horst [hat] abgelehnt, Offizier zu werden, da er sonst auch 'Silberspur-Leutnant' geworden wäre (die trugen nämlich schmale silberne Achselklappen). Bei Günter Eich hätte ich auch darum gebeten - das war 'rein privat'! - Mir geht es 'swing high, swing low' - das Wetter wieder 300 heute nach eisigen Wochen wie damals ... Ich arbeite mit einer Studentin in Berlin (bei Prof. Denkler) mit an ihrer Dorktorarbeit über Horst Lange, kann ihr viel helfen. In einem Vortrag in der Akademie wird jetzt im Juni Hans Dieter Schäfer (Germ. Institut, Regensburg), der Horst Lange überhaupt wieder ans Licht zog, ... sprechen, es wird wohl wieder aus den Werken zitiert über 'Widerstand und Camouflage'. In Marbach Ausstellung mit 2 Katalogen über 'Klassiker in finsteren Zeiten', mit Zitaten, wie die Nazis die Klassiker sahen und wie die Widerständler, H. L. darunter ... H. D. Schäfer bringt bei Ullstein Anthologie heraus, mit viel H. L. darunter. Ich versuche, seine Erzählungen unterzubringen. - Piper hat alles, sogar meine Erinnerungen und den letzten Gedichtband verramscht, das Schwein! Von wegen 'vergriffen' ! ...". - "Raschke": der Schriftsteller Martin Raschke (1905-1943).

Schätzpreis
€ 200   (US$ 225)


Nachverkaufspreis
€ 140   (US$ 158)

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Schickele, René
Brief an Maxim. Harden

Los 2113

[*] "pure Pornographie"
Schickele, René, dt.-franz. Schriftsteller und Pazifist, Herausgeber der expressionistischen "Weißen Blätter" (1883-1940). Eigh. Brief mit U. "R. Schickele". 2 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. Berlin (1904).

An den Publizisten Maximilian Harden, Herausgeber der "Zukunft". "... ich schicke Ihnen die neuste Nummer des neuen Magazins [für Literatur, Kunst und soziales Leben], die wir Ihnen hinterrücks gewidmet haben ... Wollen Sie bitte den Beweis unserer Treue und Bewunderung darin sehen, dass wir Ihnen die gewiss unzulängliche Nummer des (noch gewisser) unvollkommenen Magazins gewidmet haben. Ich habe versucht, den alten Schinken 'Magazin für Literatur' in die Luft zu hauen, auf dass er den antiquarischen Duft verliere - das geht nicht so schnell und der erste Effekt war eine Anklage wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften. Da habe ich nun eine persönliche Bitte an Sie. Es handelt sich um den Leitartikel 'Die Geschlechtlichen' [zum Frauenkongress, von Schickele] aus Heft 1 des Neuen Magazins, der soll die pure Pornographie sein ... Sie würden mir helfen ... wenn Sie mir einige handschriftliche Zeilen schicken wollten, aus denen hervorginge, dass der Artikel Ihrer Ansicht nach weder unzüchtig noch 'gemein ist'. Vielleicht können Sie sogar versichern, er habe litterarischen Wert ...". - Schickele übersiedelte im Frühjahr 1904 zusammen mit seinem Freund Otto Flake nach Berlin und gab noch im gleichen Jahr "Das neue Magazin" heraus. - Festes Pergaminpapier; etwas gebräunt, fleckig und wasserwellig.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 282)


Zuschlag
€ 150 (US$ 169)


Schlegel, Friedrich von
Schriftstück mit Namenszug

Los 2114

[*] Schlegel, Friedrich von, Schriftsteller, Publizist, Philosoph und Diplomat, Hauptvertreter der literar. Romantik (1772-1829). Eigh. Schriftstück mit dreimaligem Namenszug "Schlegel". 1 S. Quer-4to. Wien 17.XI.1815.

Wohl für Johann Gottlieb Heubner, der 1813 den Verlag Camesina in Wien übernommen hatte, vorbereitete Quittung: "Ich bescheinige hiedurch, daß ich Hrn. v. Schlegel in Betreff unsrer Abrechnung über das Deutsche Museum vom Jahre 1813 noch über 344 fl. Conventionsgeld Rechnung abzulegen schuldig bin, welche Rechnung ich nebst meiner GegenRechnung aus dem Ueberschuß von der Abrechnung des Jahres 1812, und an seitdem gehabten Auslagen an Porto u. s. w. wie auch an gelieferten Büchern, baldmöglichst ausfertigen und Hrn. v. Schlegel übersenden werde. Was Hrn. v. Schlegel etwa an obbenannter Summe nach Abzug meiner Gegenrechnung noch zu Gute kommen sollte, verspreche ich spätestens bis zur kommenden Leipziger Jubilate Messe 1816 zu berichtigen ...". - Die von Schlegel herausgegebene einflußreiche Zeitschrift "Deutsches Museum" erschien 1812-1813 in vier Bänden bei Camesina in Wien.

Schätzpreis
€ 600   (US$ 677)


Nachverkaufspreis
€ 400   (US$ 451)

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Schnitzler, Arthur
Brief an Franz Goldstein

Los 2115

[*] Schnitzler, Arthur, österr. Erzähler und Dramatiker (1862-1931). Masch. Brief mit eigh. U. "Art Schnitzler" (Bleistift). 2/3 S. Mit Briefkopf. 4to. Wien 8.VI.1931.

An den Publizisten Dr. Franz Goldstein ("Frango") in Kattowitz. Er habe unverzüglich in Goldsteins Sinne "an Viktor Hahn geschrieben, den ich übrigens persönlich nur ganz oberflächlich kenne. Ich glaube, dass ich ihm ein einziges Mal begegnet bin. Ich brauche Ihnen nicht erst zu sagen, dass ich mit wirklicher Ueberzeugung für Sie eingetreten bin ...". - Victor Hahn (geb. 1869), Redakteur der "Nationalzeitung" und Herausgeber des "Acht-Uhr-Abendblattes" in Berlin, trat auch als Dramatiker in Erscheinung. - Leicht geknittert; kleiner Faltenriss.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 225)


Nachverkaufspreis
€ 150   (US$ 169)

(Verfügbarkeit erfragen!)
Schröder, Rudolf Alexander
15 Autographen

Los 2116

[*] Schröder, Rudolf Alexander, Lyriker und Erzähler (1878-1962). Konvolut von 14 Briefen und 1 sign. Porträtfoto. Zus. ca. 16 S. Mit 3 Umschlägen. Gr. 4to und quer-gr. 8vo. Bergen (Obb.) 1945-1962.

10 eigh. Briefe m. U. "Schröder", 4 masch. Briefe m. U. "Schröder" und 1 Porträt-Fotografie m. U. "Rudolf Alexander Schröder" auf dem Untersatzblatt (21 x 14,5 cm). Interessante Folge von Briefen an Wilhelm Schwinn, evangelischen Pfarrer in Starnberg (später Dekan in Würzburg), vor allem mit familiären Neuigkeiten, aber auch anderen Nachrichten. "... Ich will dann sehen, was ich über den Sommernachtstraum zu sagen weiß. Vielleicht verknüpfe ich's mit dem Sturm und hoffe, das wird recht sein. Grade das 'Menschenbild' ist ja im Sommernachtstraum am schwersten zu fassen. Tief betrübt bin ich über Otto Taubes schwere Heimsuchung ... Ich will mein 'Auftreten' bei Ihnen mit einem Aufenthalt in Gauting verbinden ..." (16. X. 1945). - "... Ich weiß nicht, ob Ihnen die 'Pressestimme' Carl Barths auch einen so fatalen Eindruck gemacht hat wie mir. Ich bin völlig außer mir über die Kälte und 'Beiläufigkeit', mit der ein solcher Mann sich über unser Unglück ausgelassen hat ... etwas mehr Teilnahme und Ehrfurcht vor so ungeheuerlichem Schicksal hätte man von dem Menschen, der einige seiner besten Jahre in Deutschland verbracht hat, erwarten dürfen ..." (26. X. 1945). Der Schweizer Theologe Karl Barth (1886-1968) hatte 1945 einen Sammelband mit dem Titel "Eine Schweizer Stimme" veröffentlicht. - "... Eben vor der Abfahrt nach Neubeuern schicke ich Ihnen die Ilias ... Ich bin bis Mitte Juni völlig überlastet von zwei Terminarbeiten, die mich wohl an den äussersten Rand meiner Kräfte bringen werden ..." (11. IV. 1946). - "... Wie hier nach Doras Tod sich die Dinge gestalten werden, ist noch nicht ganz abzusehen. Vorläufig ist meine jüngste Schwester bei mir, und meine Nichte Borchardt hilft mir bei meinen Versuchen meine Shakespeare Übersetzungen zu einem gewissen Abschluss zu bringen ..." (24. VI. 1960). - Außer seinem Shakespeare-Vortrag und Otto von Taube erwähnt er Hermann Uhde-Bernays, Richard von Kühlmann, Peter Paul Althaus, Friedrich Alfred Schmid-Noerr u. a. - Wilhelm Schwinn war nach seiner Pfarrzeit in Starnberg evangelisch-lutherischer Dekan in Würzburg und erwarb sich dort große Verdienste um die evangelische Erwachsenenbildung in Bayern. In Würzburg ist nach ihm ein Platz benannt, an dem das Rudolf-Alexander-Schröder-Haus (Evangelisches Bildungszentrum Würzburg) steht. - Gut erhalten.

Schätzpreis
€ 900   (US$ 1.016)


Nachverkaufspreis
€ 600   (US$ 677)

(Verfügbarkeit erfragen!)
Schubin, Ossip
2 Briefe

Los 2117

Schubin, Ossip (d. i. Aloisia bzw. Lola Kirschner), vielgelesene deutsch-böhmische Romanschriftstellerin (1854-1934). 2 eigh. Briefe m. U. "Lola Kirschner". Zus. 8 S. 8vo. Prag 9. und 11.I.(1889).

An Frau von Guaita, mit der sie sich unbedingt in Berlin treffen möchte. Sendet Glückwünsche zum neuen Jahr und hofft, "daß Sie diese verspätete Gratulation freundlich aufnehmen, von einer tintenscheuen, weil mit Tinte übersättigten Schriftstellerin ... Übrigens meinen Sie nicht auch, daß ein mündlicher Gedankenaustausch besser als ein brieflicher wäre? Ich soll nämlich einen dieser Tage nach Berlin - sehr bald nächste Woche schon - und es wäre ... so reitzend [!] Sie dort zu haben. Was sagen Sie dazu? Sie hatten ja Lust im Sommer mit mir gemeinschaftlich in Spreeathen zu bummeln! Ich werde mit meinem Stubenmädchen in irgend einem ruhigen Hotel absteigen - soll ich Zimmer bestellen für Sie ... neben mir, - das wäre lustig, u. früh u Abend immer ein langer Plausch - Sie sollen meine ganze Seele im Negligée sehen, wenn Sie's amüsirt, und im übrigen von hübschen Geschichtchen hören - alles was ich weiß? ...". - Im zweiten Brief teilt sie eine Änderung ihrer Berliner Pläne mit (Gräfin Ariolles habe ihr angeboten, bei ihr zu wohnen) und eine zeitliche Verschiebung. Im übrigen bleibe es dabei: "... Ich freue mich ungeheuer darauf zu gleicher Zeit mit Ihnen in Spree Athen zu sein - und wenn's nun auch zu dem Früh- und Abendplausch nicht kommt so hoff' ich dafür bei Tag recht, recht viel mit Ihnen beisammen zu sein. Ich will sogar die Bilder-Galerien lieben lernen um Ihretwillen ...". - Lola Kirschner lernte auf ihren vielen Reisen auch Schriftsteller wie Alfred Meissner, George Sand und Iwan Turgenjew kennen, aus dessen Roman "Helena" sie ihr Pseudonym entlieh.

Schätzpreis
€ 150   (US$ 169)


Zuschlag
€ 850 (US$ 960)


Stahl, Hermann
2 Briefe 1983

Los 2118

Stahl, Hermann, Schriftsteller, Maler, Graphiker und Bühnenbildner, vielfach ausgezeichneter Mitbegründer der Deutschen Akademie für Sprache und Bildung in Darmstadt (1908-1998). 2 masch. Briefe m. U. "Hermann Stahl". Zus. 5 S., eng beschrieben. Mit 1 Umschlag. Gr. 4to. Diessen (Ammersee) 5. und 16.IX.1983.

An einen Literaturhistoriker. Sehr umfangreiche, interessante Briefe über das Verhalten deutscher Schriftsteller in der NS-Zeit, zunächst Horst Lange und Martin Raschke, über die der Adressat eine Stelle aus einem Brief von Oda Schaefer zitiert hatte: "Ich habe ... 'Nazi' bei Raschke gestrichen; er war es ja, da er in der Propaganda-Kompanie Leutnant war. Horst [hat] abgelehnt, Offizier zu werden, da er sonst auch 'Silberspur-Leutnant' geworden wäre". Hierzu antwortet Stahl: "... 'Silberspurleutnant'. Das muß eine post mortem-Erfindung sein, von der ich nie hörte, es hieß 'Schmalspurleutnant' ... Raschke 'PG' auf so einer Zwangstagung OHNE Abzeichen? Mir erscheint das nicht als glaubhaft! Ceterum: Sagte jemand, er habe sich zu einer 'PK'-Propagandakompanie freiwillig gemeldet? Ich halte das für ausgeschlossen. Geeignete Leute wurden einfach - nach Grundausbildung irgendwo - delegiert ...". Es folgen ausgedehnte Erörterungen Stahls zur Rolle von Schriftstellern wie Lange und Raschke im Dritten Reich. - Der noch sehr viel umfangreichere zweite Brief Stahls beschäftigt sich vollständig mit der eigenen NS-Vergangenheit, wobei der Autor sich äußerst wortreich als Oppositioneller im NS-System stilisiert und seine gesamte Tätigkeit als Maler wie als Schriftsteller zu jener Zeit detailliert ins "rechte Licht" rückt - allerdings mit einem solchen Feuereifer, daß der Leser eher mißtrauisch werden könnte. Es zeigt sich wieder bei Lektüre dieser Briefe, dass nicht nur diejenigen Mitläufer, die sich gleich nach Ende der NS-Zeit als schuldig bekannten, verfemt wurden, sondern dass auch diejenigen, die glaubten, das moralische Gericht der Zeitgenossen heil überstanden zu haben, später von denjenigen, die das Glück hatten, als Spätgeborene nicht schuldig geworden zu sein, als "Täter" ausfindig gemacht und angeprangert werden.

Schätzpreis
€ 150   (US$ 169)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 112)

(Verfügbarkeit erfragen!)
Stammbuch
des Georg Walch in Jena

Los 2119

Stammbuch desTheologen Georg Tobias Walch in Jena. 147 Bl., davon 199 S. beschrieben oder illustriert. Mit 6 Kupferstichen (davon 3 in Rotdruck), 18 Gouachen, Aquarellen oder kolor. Federzeichnungen, 4 Grisaillen und 1 Rötelzeichnung. Brauner Lederband (restauriert unter Benutzung alten Materials) mit erneuerten Vorsätzen und Goldschnitt. 1723-1736.

Spätbarockes, reich illustriertes Stammbuch eines Akademikers in Jena. Der "Georgius T. Walch", der das Stammbuch auf dem Titel seinen Patronen und Gönnern widmet, ist nicht identisch mit dem bedeutenden lutherischen Theologen Johann Georg Walch (1693-1775), der seit 1717 in Jena wirkte, Professuren in den verschiedensten Fächern innehatte (Philosophie, Altertumskunde, Rhetorik, Dichtkunst und schließlich Theologie) und zehn Mal Rektor der Universität war. Er ist aber in diesem Stammbuch vertreten. Fast alle Eintragungen in Jena, gelegentlich auch Eisenach, Salzungen, Schmalkalden, Meiningen und Gotha. Die Beiträger setzen sich naturgemäß vornehmlich aus Professoren, Theologen und Studenten zusammen. So sind vertreten: Jesaias Friedrich Weißenborn (Superintendent und Pastor Primarius an der Universität), Johann Christian Walch, Johann Georg Walch, Friedrich Wilhelm Walch, H. C. Walch, Johann Hadrian Slevogt (1653-1726), Johann Adolph Wezelius, Johann Michael Weinrich, Hermann Friedrich Teichmeyer, Samuel Beer, Georg Philipp Rhoenius, Ludwig Bassy, Friedrich Hermann Reusch, Christian Wirb, Johann Christian Jacobi, Johann Christoph Schmidt, Christian Gottlieb Rhenius, Johannes August Gellert, Johann Arnold Krupp aus Essen und viele andere "Cultores" der Rechte, der Theologie und anderer Fächer. - Faszinierend sind die Illustrationen des Stammbuchs: zu Beginn 3 Kupferstiche in Rotdruck von Caspar Junghans, die eine Gesamtansicht von Jena, den Marktplatz und die Universität zeigen. Es folgen vielerlei teils schwer verständliche Tuschzeichnungen, teils allegorisch oder emblematisch, teils mit Anspielungen auf aktuelle Ereignisse: 3 tote Personen auf einem Acker liegend; eine reich verzierte Kanone aus der Vogelschau; ein Mönch, der eine Nonne auf dem Rücken trägt, die in einem Garbenbündel versteckt ist; eine von Gottes Hand gehaltene Waage, in der einen Schale ein evangelischer Geistlicher, in der anderen ein Ablaßkrämer, ein Fürst und ein wohlhabender Bürger; diese Schale versucht der Teufel herabzuziehen, aber der evangelische Geistliche wiegt schwerer; dazu der Spruch "Das wahre Gottes Wort / u. Luthers reine Lehr / Wiegt mehr als Cardinal, / Pabst, Satan und sein Heer." Ferner verschiedene teils satirische oder kritische Szenen mit Frauen; z. B. eine Frau in einem Zimmer voller Mäuse, die ihr Baby dem zur Tür hereinkommenden Liebhaber zurückgeben will. - Erhebliche Erhaltungsmängel: gemäß der Paginierung fehlen ca. 32 Bl.; das nach vorn gebundene Register unvollständig; 1 Bl. mit Ausschnitt; 2 Bl. mit Wurmlöchern; einige Bl. beschabt oder durch das Ablösen von Siegeln beschädigt; durchgehend etwas gebräunt. - Dennoch ein hoch interessantes und illustriertes Gesamtbild der Universität Jena um 1725.

Schätzpreis
€ 2.800   (US$ 3.163)


Nachverkaufspreis
€ 2.500   (US$ 2.824)

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Stammbuch
Gottlob Ehrenfried Fischer

Los 2120

- des Gottlob Ehrenfried Fischer aus Erlau bei Meißen. 64 Bl., davon 64 S. beschrieben oder illustriert. Mit 1 Grisaille-Malerei und 1 Aquarell. Quer-8vo. Brauner Lederband d. Z. (stärkere Gebrauchsspuren) mit Goldschnitt. 1742-1750.

Das Stammbuch wurde 1742 in Grimma in Gebrauch genommen ("Fautoris et Amicis Sacrum"), wo der Inhaber offenbar die alte Fürstenschule, das Gymnasium St. Augustin, besuchte. Entsprechend stammt die Mehrzahl der Eintragungen aus Grimma; später kommen Eilenburg, Leipzig und Leisnig hinzu. Die Gymnasiasten schreiben sich größtenteils lateinisch und griechisch ein; deutsche Beiträge sind die Ausnahme. Schon im ersten Jahr trägt sich der bedeutende Pädagoge und Historiker Heinrich August Schumacher (1683-1760) ein, der 18 Jahre lang Rektor der Fürstenschule war. In Leisnig finden wir den Theologen und Superintendent Johann Caspar Loescher (1677-1751) sowie den Arzt Johann Gotthelf Moebius (1701-1785), der mit einer Anzahl Veröffentlichungen hervorgetreten ist. Auch trifft man eine Reihe Pastoren an. Ebenfalls in Leisnig schreibt sich der Kommissionsrat und Amtmann Johann Friedrich Seyfried ein. Ein Günther von Bünau ist gleichfalls vertreten. - Einige Blätter sind anscheinend schon früher entnommen worden; durchgehend etwas gebräunt.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 508)


Zuschlag
€ 300 (US$ 338)



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