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Autographen Auktion 114, Mi., 16. Okt., 14.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status

Alexis, Willibald
Brief 1820 an Amadeus Wendt

Los 2501

Alexis, Willibald (d. i. Wilhelm Häring), Berliner Schriftsteller und Publizist, erfolgreicher früher Vertreter des realistischen Romans (1798-1871). Eigh. Brief m. U. "W. Häring, Referendar. Jägerstr. N 18". 1 S. 4to. Berlin 10.XII.1820.

Als 22jähriger, dichtender Jura-Referendar an den (nicht genannten) Leipziger Philosophie-Professor, Musikschriftsteller, Publizisten und Almanach-Herausgeber Amadeus Wendt (1783-1836). "... Ew Wohlgeboren, als Herausgeber des Gleditsch Taschenbuchs zum geselligen Vergnügen, wagt der Unterzeichnete, der nicht die Ehre hat, Sie persönlich zu kennen, mit einer schriftlichen Anfrage zu belästigen. Dürften die beifolgenden Gedichte Ihrem Inhalte und den Bestimmungen des redigirten Taschenbuches nach, als Beiträge für das nächstfolgende Jahr (22) in demselben aufgenommen werden? Hinsichts früherer, bis jetzt von mir bekannter, Gedichte kann ich mich nur auf einige Romanzen und Balladen im Frauen Tasch B. (21) u auf ein idyllisch Epos, die Treibjagd, wenn es dessen bedürfte, berufen ...". - So früh selten.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 220)



Annunzio, Gabriele d'
Widmung im Buch 1915

Los 2502

Annunzio, Gabriele d', ital. Schriftsteller (1863-1938). Eigh. Widmung m. U. "Gabriele d'Annunzio" auf dem Vorsatzblatt eines Buches. 1 S. Kl. 4to. Rom, Juli 1915.

"A S. E. il generale Guidotti questi canti di annunziazione offre devotamente Gabriele d'Annunzio. Roma: Iuglio 1915". - Auf einem Vorsatzblatt seines Buches "Laudi del cielo del mare della terra e degli eroi", Band IV: "Merope". (11. Tsd. 3 Bl., 212 S., 2 Bl. Mit Jugendstil-Buchschmuck. Kl. 4to. Pergamentband d. Z. [1 Rückenkante geplatzt] mit Rückenvergoldung, goldgepr. Deckelbordüren und Resten von Verschluß-Schnüren. Mailand, Fratelli Treves, 1914). - Carlo Guidotti (1871-1949) wurde, nachdem er sich schon im ersten Weltkrieg ausgezeichnet hatte, ein hochdekorierter General und Politiker unter Benito Mussolini. - Etwas gebräuntes Papier. - Beiliegend je 1 eigh. Brief eines Ernesto Guidotti (31/2 S., gr. 4to. 22.VII.1915) und eines Kavallerie-Offiziers Alessandro Secreti (4 S. gr. 8vo. Rom 16.VII.1917. - An allen Knickfalten durchgetrennt). Dieser zweite Brief ebenfalls an General Guidotti, mit Erwähnung Gabriele d'Annunzios.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 275)


Arndt, Ernst Moritz
Brief 1856 aus Bonn

Los 2503

Arndt, Ernst Moritz, Dichter, demokratisch-patriotischer Schriftsteller und Politiker, Professor in Greifswald und Bonn (1769-1860). Eigh. Brief m. U. "E M Arndt". 4 S. 4to. Bonn 27. "Windmonat" (XI.) 1856.

An einen "theuren Getreuen", einen ehemaligen Greifswalder Kollegen, der ihm sein neuestes Buch übersandt hatte. Entschuldigt sich für die Verspätung seines Dankes. "... aber nun nehmen Sie diesen Dank aus vollem Herzen auch freundlich hin. Aus Ihren Büchern lernt man immer viel und öffnen sich einem manche neue Ansichten und Gesinnungen für unsre deutsche Zukunft. - Wir beide haben doppelte und dreifache Gemeinsamkeit, zuerst unsere weiland Stellung in Greifswald, dann unser gemeinsames Streben für das Wohl der kleinen Ackerbauern, am meisten unsre größere heiligere Stellung zu unserm Gesammtvaterland. Wir beide werden schon an unserm Glauben tapfer und ehrlich festhalten. - Was Greifswald angeht, so ist mir dort eine zufällige Ehre geworden. Das Einzige bleibt doch nur fest: das Bewußtsein eines redlichen Willens, alles Übrige schwindet doch einmal im Fluge mit allen andern wechselnden Atomen dieses unsres Erdenbällchens dahin und vorüber ... Was mich nun persönlich betrifft, so trage ich durch Gottes Gnade die Last meiner 86 Jahre noch mit leidlicher Rüstigkeit ...". - Schöner Altersbrief des unermüdlichen Kämpfers für Freiheit und Einigung, der neuerdings in jämmerlicher Weise wegen seiner patriotischen Gesinnung Diffamierungen durch die Greifswalder Universität erfuhr, die ihn nach dem bedenklichen Vorbild von 1933 aus aktuell-ideologischen Gründen aus ihrem Namen tilgte.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 495)


Arnim, Bettine von
3 Kompositionen im Noten-Album von Maximiliane ...

Los 2504

Arnim, Bettine von, geb. Brentano, Ludwig Achim von Arnims Gemahlin, Schriftstellerin, auch Komponistin (1785-1859). 3 Lied-Kompositionen, aufgezeichnet von ihrer Nichte Maximiliane Brentano. - In: Maximiliane Brentano, Bettinens Nichte, Tochter der Beethoven-Mäzenin Antonie Brentano, geb. Birkenstock, und des Kaufmanns Franz Brentano, Adressatin mehrerer Beethoven-Kompositionen (1802-1861). Musikalisches Lieder-Album. 65 Bl., davon 122 S. fast ausschließlich von Maximilianes Hand mit Noten und Text beschrieben. Auf dem Vorsatzblatt der eigh. Besitzvermerk: "Maximilienne Brentano. Paris le 1e Janvier 1822". Quer-gr. 4to. (21 x 27 cm). Marmor. Halblederband d. Z. (stärker beschabt) mit Leder-Ecken. (1822 ff.).

Das in Paris begonnene musikalische Album der Maximiliane Brentano enthält die Niederschriften von 60 Kompositionen, meist für Gesang von 1-2 Stimmen und (meistens) Klavier, aber auch Tanzmelodien, von in- und ausländischen Autoren und Komponisten, darunter Rossini, Sarti, Himmel, Rousseau, Boieldieu, Pixis, J. C. Bach ("God save the King"), F. Gruber, Weber und Beethoven ("An die Geliebte"). Von drei aufeinander folgenden Kompositionen sind zwei bezeichnet: "Von Bettine v. Arnim" bzw. "B. v. A.". Aber auch die dazwischen liegende Melodie geht auf Bettine zurück. Maximiliane zeichnete diese drei Kompositionen in ihrem Album auf, als Bettine 1824 ihre Verwandten in Frankfurt und Winkel besuchte. Es handelt sich erstens um eine der späteren Veröffentlichung ähnelnde Fassung des Liedes "O schaudre nicht ..." (19 Takte) aus Bettines geplanter Musik zu Goethes "Faust". - Zweitens um eine unfertige Vertonung des Gedichtes "Laß los von der Welt" von Achim von Arnim (ca. 27 Takte). - Drittens "Die dunkle Nacht", ein mystisches Liebeslied (24 Takte) des spanischen Johannes vom Kreuz, 6 Strophen, beginnend "Entflammt von Liebesqualen ..." und möglicherweise von Maximiliane übersetzt. - Die diversen Kompositionen Bettines, von denen einige später gedruckt wurden (z. B. in Bettines dem Komponisten Spontini gewidmeter Liedersammlung von 1842), litten alle zunächst unter einem Mangel an Kenntnissen der Kompositionslehre; sie wurden gewöhnlich von Musikern aus ihrem Umkreis bearbeitet oder ergänzt. Dennoch war sie stolz auf ihre Gedicht-Vertonungen und hat sich immer wieder damit beschäftigt. - Drei Notenseiten in dem Album zeigen nicht allein Maximilianes charakteristische Handschrift, sondern eine zarte Bleistift-Notation von anderer, noch nicht identifizierter Hand. - Die drei frühen Niederschriften von Kompositionen der Bettine von Arnim in einem Album mit vielen anonymen Vertonungen ungenannter Autoren bilden einen wertvollen Beitrag zum Gesamtschaffen der vielseitigen Schriftstellerin in der Hochblüte der Romantik und - nicht zuletzt - zum Beethoven-Umkreis. - Vorderes Innengelenk des Bandes schwach; Heftung gelockert.

Schätzpreis
€ 2.000   (US$ 2.200)



Berendsohn, Walter Arthur
Brief über Bettine von Arnim

Los 2505

- Berendsohn, Walter Arthur, Literaturwissenschaftler und Exilforscher (1884-1984). Eigh. Brief mit U. 2 S. Folio. Bromma (Schweden) 30.XII.1951.

An einen Herrn; mit Rücksendung von Bettine von Arnims "Tagebuch" (1835) und dessen bibliographischer Bestimmung: "... Ich vermute, dass Bettina zuerst dies 'Tagebuch' schrieb und drucken ließ, dann die ersten beiden Teile von Goethes Briefwechsel mit einem Kinde, denen sie das Tagebuch als dritten hinzufügen ließ. Als die erste Auflage verkauft war, wurde das 'Tagebuch' neu gedruckt und die Stiche anders auf die drei Bände verteilt. Vergleicht man die beiden Exemplare miteinander, so ergibt sich folgendes Bild ... Goethe war 1832 gestorben. Es lag nahe, dem 'Tagebuch' die Totenmaske beizugeben. In der 2. Auflage wird das Tagebuch durch neue Anordnung der Bilder dem Werk fester eingefügt ...".

Schätzpreis
€ 90   (US$ 99)



Artmann, H. C.
Typoskript 1954

Los 2506

Artmann, H. C., vielfach ausgezeichneter österr. Lyriker, Schriftsteller und Übersetzer, Büchner-Preisträger (1921-2000). Typoskript eines Theaterstücks. 6 Bl., einseitig beschrieben. 8vo. Klammerheftung, ohne Umschlag. Wien, Oktober 1954.

"hans carl Artmann: die fahrt zur insel nantucket:" Bühnentext für 3 "Herren", 2 Chöre und eine "Stimme der Meerfrau". Mit hs. Vermerk auf dem Titelblatt: "1. Fassung" sowie mit 3 eigenhändigen Bleistift-Korrekturen im Text. - Das Stück wurde erst 1969 mit wesentlichen Änderungen in Artmanns Sammlung "theater" einem größeren Publikum vorgestellt.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.320)



Artmann, H. C.
Brief 1964 an Otto F. Walter

Los 2507

"die sache mit der kleinschreibung ..."
- Brief m. U. "H. C. Artmann". 11/2 S. Gr. 4to. Malmö 30.X.1964.

An den ihm befreundeten Verleger Otto F. Walter in Olten (Schweiz). Gehaltvoller Brief über seine literarischen Arbeiten anläßlich der Planung einer Artmann-Werksammlung. "... 17 uhr abends, soeben war der expressbote, vier stockwerke, armer teufel, an meiner türe. Vielen dank ... Nun, ich sehe, aus mir wird nie ein richtiger briefeschreiber. Und da bemühe ich mich um einen roman aus briefen (sic!). Ich fürchte, ich hatte mein letztes schreiben so wirr abgefasst, das sie es nicht verstehen konnten. Als ich schrieb, ich würde gerne nach den Kanarischen Inseln fahren, so geschah das aus zwei gründen: Ich hatte doch schon immer vor, die letzte fassung in Lissabon oder sonst irgendwo am südwestlichen Atlantik (is) fertig zu stellen, zweitens geht es mir darum, dem hiesigen winter auszuweichen (teuer und kalt; wo nehme ich die inspirationen her?) ... Inzwischen habe ich mir auch schon kopfzerbrechen über die gestaltung des stückebandes gemacht. Auch das wollte ich ihnen in meinem ungeborenen brief mitteilen. Ich bin nämlich gar nicht der meinung (war es nie), dass man alles in einen topf (excusez, in einen band) werfen darf. Die stücke sind ja so verschieden. Auf keinen fall, glaube ich, dass Kein Pfeffer für Czermak hineinpasst. Das ist doch ein 'volksstück' etwa im stil von Horvath ... Die sachen waren ja so gut wie verloren, und ich habe es nur dem armen Conrad zu verdanken, dass sie überhaupt noch existieren. Ich möchte ihm gerne, sollte der wirklich erscheinen, den band widmen.
Die manuskripte werde ich selbstverständlich neu schreiben, verbesserungen mit handschrift sind nicht sonderlich geeignet, nicht wahr? Die sache mit der kleinschreibung liegt mir persönlich noch genau so am herzen wie vor 20 jahren. Ich bin der ansicht, dass man sie endlich auch obligatorisch einführen wird. Mir ist es ganz gleich, ob man mich für einen der ganz vorne sein will hält oder nicht. Ich war nach 1945 übrigens der erste, der aus germanistischen, wie ästhetischen erwegungen [!] heraus zur kleinschreibung überging ... Wenn es sich um gedichte handelt, bleibe ich hart wie ein hufnagel, aber bei prosasachen .. meinetwegen ... Der band SUCHEN &c. gefällt mir ungemein. Ich schaue ihn mir immer vor dem schlafengehen an. Nur einen schönheitsfehler hat er: Ich bat und flehte, schimpfte und knurrte bei der buchmesse, da im motto das wort Saskatchewan, Sascatchewan geschrieben war. Und man versprach mir, es auszumerzen. Dass geschah aber leider nicht. Und dabei ist an dem ganzen wort das schönste das K. Um das ging es mir ...". - Das genannte Buch erschien als Walter-Druck 1 und hieß: "das suchen nach dem gestrigen tag oder schnee auf einem heißen brotwecken. eintragungen eines bizarren liebhabers" (Olten und Freiburg 1964). Die geplante Werksammlung ist nicht erschienen. - Schöner Brief, ganz H. C. Artmann, in dem der Dichter auch auf seine formalen Stilprinzipien eingeht. - Gelocht.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 495)



Artmann, H. C.
Brief 1965 an Otto F. Walter

Los 2508

"ausserdem tut der hunger wehe"
- Brief m. U. "H. C. Artmann". 1 S. Gr. 4to. Berlin-Schöneberg 20.II.1965.

An den Verleger Otto F. Walter in Olten. Nach seinem Umzug nach Berlin habe er jetzt seine ganze "Malmö-Post" nachgesandt erhalten. Er habe ein schlechtes Gewissen, weil er so lange nichts habe von sich hören lassen. "... Aber es ist so, dass sich die einen umbringen, die anderen irgendwie verkriechen und vergraben, ich gehör zu den letzteren. Nun, über meine gründe will ich mich nicht verbreiten, alles familienzores, ich tu ja mein bestes, aber vielleicht mach ich doch alles falsch, was weiss man schon? - Ich bin jetzt seit einem monat fast in berlin und habe hier eine kleine, aber gemütliche bude, schlag mich recht und schlecht durch, schreibe sogar schon wieder (seit einigen tagen), was mich sehr befreit, da ich schon dachte, aus mir kommt überhaupt nichts mehr raus. Ich bin neugierig, was sie zu den neuen sachen sagen werden. Die briefe habe ich vorerst ad acta legen müssen, ich kann im norden nicht vom lusitanischen Südwest schreiben, unmöglich ... Wie ich auch aus einem ihrer briefe erfahre, so liegt etwas radiohonorar für mich vor. Ich würde es ihnen nie vergessen, wenn sie mir das telegrafisch zugehen lassen könnten ... Ich habe jetzt zwei mieten zu bezahlen, Malmö und Berlin, und ausserdem tut der hunger wehe und der durst ist die schreckliche erfindung der wüsten der welt .. Im augenblick habe ich grade noch das porto für diesen brief.
Dass unser lieber [Peter] Bichsel das vorwort für mich geschrieben hat werde ich ihm ewig danken. Mir fiel und fiel nichts ein, und ich fürchte, dass Herr Ratti sehr böse auf mich sein wird, etwas also, was ich ihm bei[m] besten willen nicht sein kann. Ich habe vor einigen tagen gesprächsweise gehört, dass im DU ein aufsatz über mein buch sein soll ... Und gestern las ich die recension in der Süddeutschen. Die ist doch fein, nicht wahr? ...". Bittet um Abschriften von Pressestimmen: "... ich habe nämlich kaum was nennenswertes bis jetzt zu gesicht bekommen, habe keine ahnung, wie sich alles macht ...". - Bei dem
Buch handelt es sich um Artmanns Übersetzung "Junge Gäste oder Mr. Salteenas Plan", "ein Liebes- und Gesellschaftsroman um 1900 von Daisy Ashford geschrieben im Alter von 9 Jahren", mit einem Vorwort von Peter Bichsel. - Mit kleinen Randnotizen des Empfängers; gelocht.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 330)



Auerbach, Berthold
Brief 1864 + Beigabe

Los 2509

Auerbach und die Emigranten
Auerbach, Berthold, Schriftsteller des Realismus, erfolgreicher Schöpfer der Gattung "Dorfgeschichte" (1812-1882). Eigh. Brief m. U. "Berthold Auerbach" und blindgepr. Monogramm "AB". 31/2 S. Gr. 8vo. Berlin 26.X.1864.

Wichtiger Brief an seinen Freund Friedrich Kapp (1824-1884), den bedeutenden deutsch-amerikanischen Juristen, Schriftsteller und Politiker, der 1848 in die USA emigrierte, 1870 nach Deutschland zurückkehrte und sich als preußischer Landtagsabgeordneter wieder politisch betätigte. "... Das ist doch das Beste auf der Welt, daß man treu zugehörige Menschen darin hat, die man von Herzen lieben kann. Ich verstehe nicht, wie die Anderen leben mögen ohne dieses Bewußtsein. Mir hat sich's erneuert durch Ihre stets bereite thätige Beihülfe. Gestern hatten wir hier das Stiftungsfest des Vereins der Presse, und wenn das Meer nicht ein Isolator für den Herzton ist, muß es Ihnen in den Ohren geklungen haben. Wir gedachten Ihrer. Sie können zufrieden sein. - Ich schicke Ihnen hier die Abschrift des Briefes von [Bayard] Taylor u. meine Antwort darauf, die Sie nach dem Lesen schließen und expediren wollen. Der Artikel von Ludwig Bamberger in den Deutschen Jahrbüchern über Ihr Buch (das ich bis jetzt noch nicht bekommen habe) hat mir nicht gefallen. Er sagt zu viel u. vielerlei Apropos. Auch ist es jetzt ganz anders als zu Börne's Zeiten. Die Flüchtlingsstimmung trifft kein Echo in uns mehr. Es ist wunderbar, wie eine so freie u. tiefe Natur wie Bamberger bei so viel Gutem was er sagt, sich im Tone so vergreifen konnte. - Unser Freund Löwe-Calbe bewährt sich immer unermüdlich als der Tapferste von Allen. Es ist eine Freude, dem herzwarmen Menschen nahe zu sein, der Alles u. Jegliches unter dem höchsten Gesichtspunkt zu fassen vermag. - Solche Menschen zu schildern u. für Zeit u. Ewigkeit festzuhalten, das wäre die schönste Aufgabe für den modernen Poeten, aber wenn man dran geht, fühlt man (wenigstens ich) die Unzulänglichkeit. Die Erkenntniß aber, daß man nur Gegenwärtiges voll ... empfinden kann, diese zieht mich immer wieder vom historischen Roman ab. Ich habe den Roman, der den Raub Straßburgs behandeln sollte, u. zu dem ich schon so viel Studien gemacht, wieder zurückgelegt, u. so geht's mir auch mit den Deutschen im amerikanischen Befreiungskrieg. Komme ich noch dazu, werde ich Ihre freundlich erbotene Beihülfe gern annehmen ...". - Das von Bamberger rezensierte Buch Kapps war in diesem Jahr unter dem Titel "Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika" erschienen. - Mit Löwe-Calbe ist der linksliberale Arzt und Politiker Wilhelm Löwe (1814-1886) gemeint, der 1848 Vizepräsident der Frankfurter Nationalversammlung, 1849 Präsident des Rumpfparlaments war und wie Friedrich Kapp in die USA emigrieren mußte. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde er wieder politisch aktiv und war zuletzt Alterspräsident des Deutschen Reichstags. - Beiliegend eine eigh. Visitenkarte mit gedrucktem Monogramm "BA" und Unterschrift "Be A." (2 S. Berlin 30.VI.1878). - Wohl an eine Druckerei wegen einer "Druckverwirrung".

Schätzpreis
€ 300   (US$ 330)



Barbey d'Aurevilly, Jules
Manuskript

Los 2510

Barbey d'Aurevilly, Jules, französ. Schriftsteller, Dandy und Exzentriker, berühmt für seine bizarr-dämonischen Erzählungen, insbesondere "Les Diaboliques", die viele moderne Übersetzer und Illustratoren zu neuen Editionen reizten (1808-1889). Eigh. Manuskript. 1 S. (Grüne Tinte). Kl. 4to. O. O. (ca. 1860).

"Le plus profond interêt et la plus grande gloire de l’histoire, c’est d’ètre écrite par ceux qui la font … la simplicité seule du récit de l’action historique par qui l’a commise l’emporte sur le talent et même sur le génie des historiens qui la rapportent et qui la jugent et qui y ajoutent toujours, plus ou moins leur prestige, en la racontant ... C’est ainsi, par exemple, que les lettres inédites de la Reine d’Angleterre, Henriette Marie de France, publiées récemment par M. le Comte de Baillon, la montrent maintenant plus grande que ne l’avait montré l’histoire." - Mit mehreren Streichungen und Verbesserungen. - Die Ecken beschnitten; leicht stockfleckig; rückseitig Montagespuren. - Der Autor, selbst Literatur- und Kulturkritiker, wurde von anderen Kritikern wegen seines Dandytums (er verehrte Lord Brummell) und Snobismus kritisiert, der ihnen als übertriebene Nachahmung Lord Byrons erschien. - Beiliegend eine Ausfuhrgenehmigung des französischen Kulturministeriums.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 495)



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