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Los 1069 Bernardus Claravallensis
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Interessantes Provenienzexemplar aus Sindelfingen, Augsburg, Neresheim und München
Bernardus Claravallensis. Melliflui devotique doctoris Sancti Bernardi abbatis Clarevallensis Cisterciensis ordinis Opus preclarum suos complectens sermones de tempore: de sanctis: et super cantica canticorum. 58 nn., CCCXXII; XLI num., 4 nn. Bl. Mit vierteiliger Metallschnitt-Titelbordüre, großer Metallschnitt-Druckermarke des Jean Petit auf dem Titel sowie großem Textholzschnitt. 37 x 25 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (Kapital brüchig, leicht abgeschürft, obere linke Ecke wurmlöchrig, leicht abgegriffen, kaum fleckig) über schweren abgefasten Holzdeckeln und 2 im 18. Jahrhundert erneuerten ziselierten Messingschließen (Schließbänder neu), 2 hs. RSchildern derselben Zeit und kleinem Schnittvermerk in Tinte. Venedig, (Berthold Remboldt für) Jean Petit, o. J. (1513).

STC 48. IA 117.485. Adams B 727. Moreau II, 500. IT\ICCU\BVEE. – Frühe Werkausgabe der Schriften des Bernhard von Clairvaux (1090-1153), die erste der von Josse van Clichtove herausgegebenen und von Berthold Remboldt für Jean Petit gedruckten Ausgabe mit dessen prachtvoller Verlegermarke (mit den das Lilienwappen mit dem Monogramm "IP" haltenden Löwen und dem Schriftband "IEHAN PETIT") und dem Vermerk auf dem Titel: "Venundatur Parisius in vico divi Jacobi sub Lilio aureo a Johanne Parvo" sowie dem heiteren Spruch mit der Auffordung, das Titelblatt zu wenden, um die Qualität des Buches sehen zu können: "Si cupis istius bonitatem visere libri: Hoc folium vertas: ac ibi scripta legas". Eine zweite Ausgabe sollte dann 1517 und eine dritte 1520, jeweils in anderer Zusammenstellung und Kollation herauskommen. Schon für die vorliegende Ausgabe hatte der flämische Theologe und Humanist Josse van Clichtove (Judocus Clichtoveus Neoportuensis; 1472-1543) mehrere Schriften des Bernardus erstmalig veröffentlicht: "Aliosque plures eius sermones & sententias nusquam hactenus impressas. Eiusdem insuper epistolas ceteraque universa eius opuscula. Domini quoque Gilleberti abbatis de Hoilanda in anglia prelibati ordinis super cantica sermones" (Titel). – Vereinzelte kleine Papierläsuren wie Ein- und Ausrisse oder Löchlein, meist alt restauriert und hinterlegt, im Block nur minimal wurmstichig, unwesentliche, kaum sichtbare Feuchtränder, insgesamt sehr sauber und frisch und im Block weitgehend tadellos erhalten. Mit hübscher Rubrizierung, die auf Blatt LXXVIIIv abbricht. Vereinzelte interessante hs. Marginalien einer zeitgenössischen Hand.

Bemerkenswert schön gebundenes Exemplar dieses prachtvollen Postinkunabeldrucks aus dem einstigen Besitz des Chorherrenstifts in Sindelfingen, das schon 1476 aufgelöst und in ein reguliertes Augustiner-Chorherren-Stift umgewandelt wurde, bis auch dieses dann 1535 endete. Mit hs. Besitzeintrag: "Iste liber est fratrum canonicorum regularium in Sindelfingerj". Von da ging das Exemplar in die Bibliothek von S. Ulrich und Afra in Neresheim, einer Filiation des berühmten Augsburger Klosters, die der Reformbewegung unter Wilhelm Ranger zu verdanken war. Auf dem Titel der hs. Besitzvermerk "Liber SS. Vdalricj et Afrae Monasterij Nöreshaim". Vgl. dazu: "Zu den reisenden Historikern in Sachen Ordensreform von St. Ulrich und Afra ist übrigens auch Wilhelm Ranger zu zählen, der 1496 zu den aus St. Ulrich und Afra nach Neresheim abgeordneten Reformmönchen gehörte und sich dort bislang unbeachtet gebliebene Neresheimer Annalen notierte" (Klaus Graf, Ordensreform und Literatur in Augsburg während des 15. Jahrhunderts, in: Johannes Janota u. a., Literarisches Leben in Augsburg während des 15. Jahrhunderts. Tübingen 1995, S. 141f.).

Aus Neresheim kam das Werk dann während der Säkularisierung in die Königliche Hofbibliothek der Residenzstadt München, von wo sie aber bald als Dublette ausschied und in den Handel kam. Mit gestochenem Exlibris von 1839 auf dem vorderen Innendeckel und dem hs. Vermerk "Duplum Bibliothecae regiae Monacensis".

Schätzpreis
€ 3.500  

(US$ 3.850)
(GBP 3.115)
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