Bitte Suchbegriffe eingeben:

BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

Language / Lingua / Sprache


Kataloginhalt

Katalog Handschriften, Alte Drucke » zur Buchabteilung
Handschriften, Alte Drucke Auktion 113, Di., 16. Apr., 16.00 Uhr


» Gesamter Katalog (Lose 801 - 977)

» Kataloge bestellen
» Nur Lose im Nachverkauf

» AGB (als PDF)
» Bieter-Erstanmeldung (als PDF)
» Formular für Gebote (als PDF)
Alle Kapitel Handschriften und Einzelblätter / Manuscripts / Manoscritti
bis
Faksimiles / Facsimiles / Facsimili
» Kapitelwahl

... 18 19 20 21 22 23 24 25 26 ... 177   erste Seiteschneller Rücklaufeine Seite zurückeine Seite weiterschneller Vorlauf

Los 822 Horae polscae Beatae Mariae Virginis
Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament,...
(Verfügbarkeit erfragen)
822) » größer

Horae polscae Beatae Mariae Virginis. Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament. Geschrieben in einer gebrochenen Gotica Textura in schwarzer Tinte auf rot durchreglierten Spiegeln. 86 nn. Bl. (davon d. e. und die 3 le. w.), handschriftlich später nummerierte 1-172. 1-2 Spalten. 25 bzw. 17 Zeilen. Schriftraum: 10 x 6,2 cm. Format: 16,4 x 12 cm. Mit zahlreichen großen Initialen und Hunderten von Zeilenfüllern in Gold und Farben, durchgehender Rubrizierung mit kleinen Initialen in Gold, in Rot und Blau mit Federwerk sowie gelber Versalstrichelung. Mit 25 großen, bis zu 18-zeiligen Initialen in Farben und meist auf Goldgrund, 19 (1 großen, 18 kleineren) szenisch-figürlichen Vignetten, 8 großen szenischen Darstellungen sowie 6 ganzseitigen, 7 großen und 22 kleinen Miniaturen, ferner 38 großen Figuren von Heiligen etc. an den Randern, rahmendes Rankenwerk um jede Seite mit Goldpunkten, floralen Elementen und reich belebt mit Menschen und Tieren, alles großzügig in Blatt- und Pinselgold sowie feinsten, leuchtenden Gouache-Farben. Pergament der Zeit über abgefasten Holzdeckeln mit reicher geometrischer Rückenvergoldung und blinden Innenkantenriefeln sowie 2 Messingschließen, ferner auf den beiden Deckeln jeweils eine massive, reich gezierte, teils vergoldete, teils versilberte Messingplatte, auf dem Rückdeckel mit vier Rundbuckeln aus hellroten petrifizierten Korall-Edelsteinen. Polen, Posen (Poznań) um 1910.

Polnisches Stundenbuch im Stil der französischen "Livre d'heures" in überaus reicher, verschwenderischer Luxus-Illumination, die sich allerdings von den üblichen Vorbildern im mittelalterlichen Herbst in der Ile-de-France oder den Niederlanden abhebt und zu eigener künstlerisch Interpretation findet. So ist auch die Anordnung der Texte teils individuell eingerichtet, ein Kalendarium gibt es nicht, ebenso das Totenoffizium. Den Textspiegel flankieren von den phantasievollen Bordüren einbezogen zahlreiche Darstellungen von Heiligen mit ihren Attributen, wobei vor allem typische polnische Schutzheilige erscheinen, darunter Bogumil, Florian, Jadwiga, Jacek, Kunigunda und viele mehr. Die sechs ganzseitigen Miniaturen zeigen eine Sacra Conservatione mit Maria, von Heiligen umgeben, ferner Christus in Gethsemane, die Kreuzigung Christi auf Golgatha, Sankt Stanislaus, Mariae Verkündigung, und die Assumption, die Himmelfahrt Mariae mit ihrer Aufnahme in den Himmel und Krönung durch Gottvater, Sohn und Heiligem Geiste.
Die großen Miniaturen (ca. 8,5 x 6 cm) mit Szenen wie Darbringung im Tempel, Verkündigung an die Hirten, Gemeinschaft der Pharisäer, Jesus reiten nach Jerusalem am Palmsonntag (sehr suggestive, perspektivische Szene), Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, das letzte Abendmahl, Kreuzigung mit Maria und Johannes etc.

Von den 22 kleinen Miniaturen sind 14 als Lunettenminiaturen (ca. 4,5 x 6 cm) in den Ornamentbogen der Kapitelanfänge einbeschrieben, sie zeigen Szenen wie die Taufe Christi, die Opferung Isaaks, Johannes auf Patmos, König David mit der Lyra, Christi Geburt, Auferstehung als Christus Triumphans, der lehrende Christus im Tempel... Hinzu kommen die als Endstücke gestalteten Miniaturen im Querrechteck (ca. 5,2 x 8,4 cm), darunter die Kreuztragung, Himmelfahrt Mariae ... Auch die großen und kleineren Initialen sowie die Goldvignetten sind meist noch mit weiteren entzückenden biblischen Szenen ausgestaltet wie etwa Verrat Petri, Pfingstwunder aber auch zu Andachtsbildern verkürzte Szenen wie die Madonna Galaktotrophusa, der Gnadenstuhl, Segnender Heiland und so weiter. Eine Seite ist mit einem kleinen Totentanz ausgestattet in 8 Bildern, darunter 6 Vignetten und 2 Initialen: Der Sensenmann als Gerippe holt den Ritter, den Handwerker, den Wucherer, die hübsche Jungfrau ebenso wie den alten Bettler, den Papst ebenso wie den Kaiser ins Reich der Toten ab.

Nicht zuletzt verdienen auch die fein ausgestalteten Bordüren besondere Beachtung, winden sich in den Akanthusschlingen, in den Blatt- und Knospenwerk doch nahezu unzählige kleine apotropäische Gestalten, Monster, Teufelchen, Mönche und Nonnen, Kinder und Menschen, die wiederum zu kleinen biblischen Szenen gruppiert sind - wie etwa die Hochzeit zu Kana, Christus als Hirte, Anbetung des Kreuzes durch die himmlischen Heerscharen, Christus in der Vorhölle, Lamm Gottes auf dem Weihaltar oder etwa Christi Wohnstube, in der Maria am Spinnrad sitzt, während der kleine Jesusknirps seinem Vater bei Tischlerarbeiten zuschaut und dahinter ein Engel den Boden fegt.

Die Illumination ist zumeist in kostbarsem Blattgoldgrund hinterlegt, aber auch Pinselgold kam für die winzigen Szenen zum Einsatz sowie die gesamte Palette der leuchtendsten, frischesten Farben von Nacht- zu zartem Himmelblau, Rot, hin zu Orange, feinstem, tonigen Lila und Violett, allen möglichen Grüntönen etc., immer wieder durchsetzt von Goldpunkten, Goldbuchstaben und ornamentalen Mustern.

Am Schluss wird um den Segen der obersten polnischen Kirchenherren - und seiner Heiligkeit des Papstes Pius X. (1835-1914) gebeten, was die Datierung zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlaubt: "Florayana der Bischof von Gnesen und Bischof von Posen, der Heilige Bozicielko und die Heiligen Patrone von Polen mögen für uns beten Amen" (Floryana arcybiskupa gnieźnieńskiego biskupa Poznanskiego. Swieta Boza Bodzicielko i Swieci Patronowie Polski modlciesie za nami Amen).

Einband:
Die überaus reich gezierten, massiven Deckelplatten aus Messing zeigen auf dem Vorderdeckel ein Gitter aus Kreuzblumenbändern (Tempelritterkreuze im Korbreif mit kleinem Mittelkreis), die die Platte außen umgeben und in den Ecken jeweils ein Feld umgrenzen. In jedem dieser vier Felder erscheint ein reliefgearbeitetes, vergoldetes Evangelistensymbol für Matthäus (unten links der geflügelte Mensch), Markus (oben links der geflügelte Löwe), Lukas (oben rechts der geflügelte Stier) und Johannes (unten rechts der Adler).

In dem kreuzförmigen Raum dazwischen ist Christus am Kreuz dargestellt, das Kreuz vergoldet, ebenso der Lendenschurz und das Suppedaneum, während der Leib des Gekreuzigten selbst versilbert wurde, ebenso das "INRI"-Schild sowie oben die Büste Gottvaters und unten die Taube als der Heilige Geist. Links und rechts unter dem Kreuz füllen wilde Akanthusschlingen den punktgehämmerten Grund, auf ihnen sitzt jeweils ein Paradiesvogel (wohl Pelikan) und unten zwei Wildtiere (wohl Rehe), allesamt Symbole für die Reinheit des Herren, für sein Martyrium und seine Auferstehung (vgl. die entsprechende christologische Ikonographie).

Den Rückdeckel bestimmt die Rautenform mit der Gestalt der thronenden Maria nach der Ikonologie der byzantinischen Hodegetria-Darstellungen: Die in Silber gegebene Maria hält den ebenfalls versilberten kleinen Jesusknaben im Schoß, während der Thron in Gold gehalten wurde. Der Bildgrund besteht hier aus einem durch Doppelfileten gezogenen silbernen Muster von Rauten, die jeweils eine stilisierte Blume und einen Stern zeigen. In den Außenzwickeln erscheinen vier weitere Fabeltiere, und auf den radial in die Ecken weisenden Bändern ist mittig jeweils ein korallfarbener Edelstein eingelassen, rund-oval gefasst von Korb- und Blütenreif.
Der Einband ist unten im Rand und auf dem Rückdeckel im linken unteren Zwickel signiert: "BLACHIAK". – Wohlerhalten und kaum mit Gebrauchsspuren, durchgehend sauber, kaum Farb- oder Goldabplatzungen, grandios frisch und in bester Gesamterhaltung. Der massiv versilberte Einband ist teils leicht oxidiert, jedoch kaum berieben (nur ganz vereinzelt kleine Silberabreibungen), alles ist vorhanden (auch die Buckeledelsteine sind vollständig) und nahezu wie im Urzustand erhalten - ein Meisterwerk der polnischen Schmiede-, Handwerks- und Juwelierkunst am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.559)


Nachverkaufspreis
(Verfügbarkeit erfragen!)
€ 8.000

(US$ 9.040)
(GBP 7.120)
(CHF 8.960)


Los 822 Horae polscae Beatae Mariae Virginis
Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament,...
(Verfügbarkeit erfragen)

... 18 19 20 21 22 23 24 25 26 ... 177   erste Seiteschneller Rücklaufeine Seite zurückeine Seite weiterschneller Vorlauf