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Katalog Handschriften, Alte Drucke » zur Buchabteilung
Handschriften, Alte Drucke Auktion 113, Di., 16. Apr., 16.00 Uhr


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Los 809 Horae Beatae Mariae Virginis
Stundenbuch. Handschrift auf Pergament. Bourges...
Verkauft
Übersicht der Zusatz-Abbildungen

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Hochzeitsgeschenk von dem "Procurateur Général" des Königs von Bourbon
Horae Beatae Mariae Virginis. Lateinische Handschrift mit Kalender in französischer Handschrift auf Pergament. 114 Bl. 23 Zeilen. Schriftraum: 10,3 x 6,2 cm. Format: 17,3 x 11,2 cm. Mit hunderten 1-2-zeiligen Schmuckinitialen in blau- und rotgefüllten Kästen aus Pinsel- und Blattgold, zahlreichen Zeilenfüllern in Rot-blau mit weißem Federwerk, Kalendarium in roter, blauer und brauner Tinte, 5 Seiten mit reichen ornamentalen, floralen und grotesk-belebten breiten Schmuckbordüren in Gold und Farben sowie 5 kleinen und 11 ganzseitigen Miniaturen in Gold und Farben, diese jeweils mit dreiseitigen, überaus reich gestalteten belebten Bordüren. Pergament der Mitte des 17. Jahrhunderts (nur minimal abgegriffen, kaum fleckig) mit spanischen Kanten und 4 (erneuerten) Lederlitzen als Bindebänder. Bourges, Val de Loire, Ende des 15. Jahrhunderts.

Vollständiges, hübsch illuminiertes Stundenbuch aus der Gegend um Bourges im Val de Loire, worauf einige der im Calendarium aufgeführten lokalen Heiligen verweisen, beispielsweise Perpétue und Félicité, die in Saint-Georges-sur-la-Prée verehrt werden oder Saint Blanchard aus Nesle-la-Reposte, ferner Saint Boutoul, Saint-Thibault, Saint Famboux, Saint Hilaux, Saint Policarpe etc. Auch der Margeneintrage (s. u.) des Henry de Lapelin deutet auf diese Gegend und das Tal der Loire hin.

Inhalt

Blätter 1-12 Kalender mit traditionellem Heiligenbestand der Livres d’heures der Zeit in Rot-Blau-Braunschrift, 13-18 Evangelienlesungen aus Johannes, Lukas, Markus und Matthäus sowie den Orationes Mariae. Es folgen die Stundengebete.

Buchkünstlerische Ausstattung und Illumination
Das Kalendarium wurde mit brauner, roter und brauner Tinte in französischer Sprache geschrieben, wobei die Farben jeweils den Heiligen nach ihrer Hierarchie zugeordnet wurden (Bl. 1-12).
Es folgen die fünf kleinen 6-7-zeiligen Miniaturen mit den vier Evangelisten und Maria, jeweils im Rechteck (ca. 3,3 x 2,6 bzw. 3,6 cm). Diese Seiten sind jeweils mit einer reich geschmückten Bordüre begleitet, mit zahlreichen Blumen, Blüten, Ranken und Girlanden sowie 2 Vögeln und 3 apotropäischen Monsterchen.

Die 11 ganzseitigen Miniaturen sind jeweils in einem rot- oder goldlinigen Korbbogen gezeichnet, der die Szene, je nach ihrer Bedeutung umfängt. Eingefasst werden die jeweils ca. 9,2 x 6,4 großen szenischen Darstellungen von einer breiten Bordüre mit rot-blau-goldenen Akantusschlingen und verschiedenen Blumen auf goldenem Pinselgrund, jeweils im Wechsel als schräg versetzte Bänder gestaltet oder als Wellenbänder, als wuchernde Hecke, mit großen Goldpunkten- bzw. -blasen etc. In diesen köstlichen Bordüren finden wir neben dem floralen Ornament auch Vögel und phantasievolle Fabelwesen in amüsanten Farbverläufen, von Dunkel- über Hellblau zu Orange oder ein Monster in blauem Hermelin-Zottelpelz mit Reißern, Mähne und Goldborsten. Ein marineblaues Wesen mit goldenem Rücken, gelbgrünen Bauch und ins Azurblau changierenden Hals züngelt, den weiten Hals gereckt, nach einer rot-goldenen Rose, während ein erdfarbenes unten ein mit goldenen Nieten besetztes rotes Halsband trägt und sich zum Grasen anschickt.
Die Miniaturen sind bemerkenswert fein und nuanciert gemalt, wobei der Maler nicht nur mit seinen leuchtenden Gouachefarben, sondern auch mit den unterschiedlichen Arten des Goldauftrags geschickt jongliert: So benutzt er meist Pinselgold, mit dem er Höhungen der Gewänder, Heiligenscheine und Details räumlich herausgearbeitet, während er teils im selben Bild die Nimben der Maria und des Jesusknaben beispielsweise mit Blattgold unterlegt.

Kleine Miniaturen
1) Johannes auf Patmos, in der Natur auf seiner Insel.
2) Lukas mit dem Stier im Gehäuse
3) Markus mit dem Löwen im Gehäuse.
4) Matthäus mit dem geflügelten Menschen.
5) Die Jungfrau Maria mit dem Kinde als Eleusa.

Ganzseitige Miniaturen
1) Verkündigung Mariae
, stehend im Gehäuse, der Engel kniet, darüber die bemerkenswert große weiße Taube vor gotischem Maßwerkfenster.
2) Heimsuchung. Maria und Elisabeth stehen vereint in einer weiten Berg- und Seenlandschaft ohne weitere Vegetation.
3) Geburt Christi in einem kahlen Hof, der von einer braunen Mauer umgeben wird. Auch das die Gottesmutter schützende Gehäuse sieht eher nach dem Schilderhaus einer Kaserne aus, während der Heiland auf dem harten Boden liegt.
4) Verkündigung an die Hirten durch einen roten Engel, der der Luft vor einer Wasser-, Fels- und Burgenlandschaft schwebt und die drei Hirten blendet, während die weißen Schafe ruhig weitergrasen.
5) Epiphanias mit der Anbetung der Drei Könige, die dem Jesusknaben, kostbare Geschenke darbringen. Die breite Bordüre hier besonders hübsch mit einem orange-blauen Monster und einem hübschen gold-blauen Vögelchen.
6) Darbringung im Tempel. Vor drei farbig marmorierten Säulen in Blau, Rosé und Braungrau wird das Jesuskind dem Hohepriester überreicht. Auch hier ist die breite florale Bordüre bemerkenswert hübsch ausgestaltet, unten mit einem blauen Ungeheuer mit schwarzgoldnem Pelz.
7) Flucht nach Ägypten. Maria hält das streng gewickelte Jesusknäblein mit Kreuzesnimbus in ihren Armen, während sie schrägt auf dem Esel sitzt, der von Joseph vorangeführt wird. In der Bordüre ein phantasievolles graues Monster mit rotem Goldreif und oben ein hellblaues Monster mit gelb-grün-blauem Bauch.
8) Krönung Mariae. Blau gewandet kniet die Muttergottes mit großer Goldkrone vor Gottvater und Christus, die in roséfarbenen, schweren Mäntel in einer Halle mit goldenen Wänden und goldenen Maßwerk-Triforien sitzen. Jesus hat die Kreuzkugel als himmlischen Reichsapfel in der Hand, die ebenso wie die Nimben in schillerndem Blattgold gehalten sind.
9) Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes, im Hintergrund die Türme der hochgebauten Stadt Jerusalem, in der Bordüre ein orangefarbenes Ungeheuer und ein prächtiger radschlagender Pfau.
10) Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes: Maria führt die Schar der Jünger Jesu an. Im Rand ein Pfau und ein braunes Ungeheuer.
11) Betender König David im Hof seines Palastes. Die Mauer ist dieselbe der Geburtsszene, links der mächtige Palast mit Türmen und Toren. Oben schwebt der Engel mit dem Schriftband.

Die Miniaturen stammen von einem noch näher zu bestimmenden Meister oder aus einer noch zu identifizierenden Schule der Gegend um Bourges. Sie fallen durch ihre malerische Qualität und überaus nuancierte Farbigkeit auf, etwa in den abwechslungsreichen Gesichtern mit verschiedenen Bärten und Haaren, die oftmals goldgehöht sind oder mit mehreren schwarzen, grauen und braunen Haarpinselstrichen akzentuiert wurden (z. B. bei der Darbringung, der Marienkrönung, der Flucht). Auch die Gestaltung der Hintergründe mit Landschaften, Architekturen und Innenräumen verdient besondere Betrachtung. Die Farbpalette weitet sich von satten roten, blauen, grünen Tönen zu zahlreichen Mischfarben, wie Purpurrot, Altrosa, Rosé, Gelb, einem leuchtenden Orange, alles immer wieder mit Pinselgold gehöht. Besonders schön sind die Einsprengsel des reflektierenden, schimmernden Blattgoldes, mit dem die Heiligenschein, aber auch der Reichsapfel und anders ausgezeichnet sind.

Auf den letzten 9 weißen Blättern am Schluss finden sich noch Texte von Gregorianischen Chorälen, von einer anderen Hand: der "Versus alleluiaticus" mit dem "Canta Laurentius bonum opus operatus est, qui per signum crucis caecos illuminavit...", ferner "Salva Regina": "Omnipotens sempiterne Deus, qui gloriosae Virginis Matris Mariae corpus et animam", auch die Antiphona "Deus, propitius esto mihi peccatori..." findet sich sowie "Amicus Dei Nicolaus pontificali decoratus insula omnibus se amabilem". Es folgen weitere Gesänge "De sancta magdalena": "Maria ergo accepit libram unguenti nardi pistici pretiosi unxit pedes Iesu et extersit capillis suis pedes eius et domus impleta est ex odore unguenti", "De sancto Sebastiano", "De Sancto rocho", "De sancta barbara", "De sancta margaretha". Auf dem letzten Blatt recto: "Orationes beati gregorii pape".
– Nur vereinzelt minimal gebräunt oder braunfleckig, insgesamt sehr sauber und frisch erhalten, unwesentliche Farbabplatzungen oder Oberflächenläsuren, alt beschnitten (wenige zeitgenössische Einträge teils leicht überschnitten). Das pergamentene Vorsatzpapier mit Sepiaeinträgen des 18. Jahrhunderts mit französischen Gebetversen und einem ligierten Monogramm des Henry de Lapelime & Susanne de Laval. Das Stundenbuch wurde wohl schon 1650 stilvoll eingebunden in einen schlichten Pergamentband, um einem hohen französischen Adelingen als Hochzeitsgeschenk zu dienen. So findet sich auf Seite 8verso des Calendariums ein 21-zeiligem Randeintrag in Sepiatinte aus dem Jahre 1650, in dem eine Hochzeit angekündigt wird, bei der der oberste Gerichtsvorsteher, der Procurateur Général des Königs von Bourbon, Henry de Lapelin sich mit Susanne Delaval vermählt:. Dieser Eintrag ist die Marge ausnutzend, nicht wie die wenigen älteren Einträge überschnitten, d. h. dass er sicherlich direkt nach der Neubindung geschrieben wurde:
„Le 21. Aoust mil-six cents et cinquant furent accordés et fiancés Henry de Lapelin proc[ureu]r g[é]n[éra]l[e] du Roy en Bourbonoys et Susanne Delaval le contract passé … en la maison du sieur de Laval cap[itai]ne du parc les moulins, où astoient mon[sieu]r de Masaron senechal du diet par le sieur de Laubuspin lieutenant sul audict pays oncle du diet sieur du lapelin quy porta la parolle les s[ieu]re coyffiers, oncle Bardon … et autres“.

Schätzpreis
€ 18.000   (US$ 20.339)


Zuschlag
€ 17.000
(US$ 19.210)
(GBP 15.130)
(CHF 19.040)


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