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Los 1012 Seebach, Johann Wilhelm von
und Handlung einer neu erfundenen Bombarde
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Übersicht der Zusatz-Abbildungen

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Eine "Bombarde" für Zarin Elisabeth I.
Seebach, Johann Wilhelm von. "Beschreib und Handlung einer neu erfundenen Bombarde. Der man sich im Kriege bey allen vorkommenden Entreprisen zu Waßer und Lande mit Nutzen und Vortheil gebrauchen kan. Durch behörige Figuren und beygefügte Erklährungen deutlich vorgestellet". Deutsche Handschrift auf Papier. 10 (2 w.) nn. Bl. mit hs. Text. Mit Titel in Sepia-Kalligraphie in großer radierter Rahmenbordüre, hs. Widmungsblatt in Federkunst-Kalligraphie mit gezeichneter Adler-Vignette und 53 Bl. Tafeln mit Federzeichnungen von Soldaten mit Waffen sowie 52 Bl. mit hs. Titeln und Erklärungen. 37 x 24,6 cm. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (brüchig, mit Läsuren, Bezug teils nur als Fragment erhalten, restauriert und komplett neu aufgezogen) über schweren Holzdeckeln mit Resten von RVergoldung und goldgeprägter Deckelbordüre. Gotha, den 10. Augusti 1746.

Der Zarin Elisabeth I. (1709-1762) gewidmetes handschriftliches Exemplar eines reich illustrierten Traktats zur Vorstellung einer neuen Schusswaffe, einer "Bombarde", mit der die Ausrüstung der Kaiserlich Russischen Armee erheblich verbessert werden sollte. Autor ist der Artilleriegeneralmajor und Oberst Johann Wilhelm von Seebach (1678-1757) aus dem Herzogtum Sachsen-Gotha und Sachsen-Altenburg, der zum Kommandanten von Gotha und Schloss Friedenstein befördert worden war.

Bei dem Manuskript handelt es sich um eine in wohl mehreren Abschriften hergestellte Werbungsschrift für seine Erfindung, die an mehrere Potentaten geschickt werden sollte. Zumindest ist uns ein weiteres Exemplar (in ähnlicher Aufmachung und nahezu exakt gleichem Umfang) bekannt, das der niederländischen Armee zugedacht, jüngst für 15.000 Euro verkauft werden konnte.

Unser Exemplar ist der Zarin Elisabeth I. persönlich vom Autor gewidmet: "Der Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten Czaarin und Großen Frauen Elisabeth Petrowna Kayserin des Großen und Kleinen Reußlandes Aller Reußen selbst Erhalterin ec. ec. Meiner Allergnädigsten Kayerin Czaarin und Großen Frauen" (darüber das gekrönte Zarenwappen mit dem doppelköpfigen Adler; Fol. 2).

Nach diesem kalligraphischen Widmungsblatt folgt die ausführliche Ansprache an die Kaiserin (Fol. 3-5; mit Spatium, in das wohl noch eine Wappenmalerei o. ä. eingemalt werden konnte). Der handschriftliche deutsche Text in schwarzer Feder endet: "Ew. Kayserl. Maj. wollen gegenwärtiges Buch sich nur allerunterthänigst zu Füßen gelegt seyn laßen, worinnen durch Figuren die Handhabung mit obgedachten Gewehr vorgestellet, und die Übung in demselben sichtbar gemacht worden. Weder die Hand des Künstlers soll dabey von einiger Würkung seyn, noch der Nutzen obgedachter Maschine dadurch in einiges Licht gesetzt werden, hingegen hat dadurch einigen Schwürigkeiten abgeholfen werden sollen, welche wider der Bombarde und deren Einführung gemacht werden können, ich aber suche nur mein Verlangen zu befriedigen, Ew. Kayserl. Maj. meine allerunterthänigste Ehrfurcht zu gezeigen: und einer Monarchin meine neuerfundene Waffen zu widmen, welche durch die Gewichtigkeit ihrer Handlungen … durch die Mäßigkait ihrer Absichten durch eine eine mehr als mütterliche Liebe gegen Länder und Unterthanen zu dann Künsten und Wißenschaften und endlich durch die ansehnlichste Macht zu Waßer und zu Lande zu einer Beschützerin der Freyheit von Europa, und einer Bewunderung der Welt gemacht hat …"

Eigenhändig von dem Autor unterschrieben (Fol. 5r): "Gotha d. 10. Augusti 1746 - aller unterthänigster Knecht Johann Wilhelm Von Seebach. General Mayor u. Oberst d’artillerie". Es folgt eine ausführliche "Weise Kriege zu führen" mit einer Anleitung, wie die "Bombarde" zu führen und zu bedienen sei. (Fol. 7r-9v) sodann 52 nummerierte Figuren in schwarzer, brauner und schwarzbrauner Federzeichnung, jeweils mit einem vorgeschalteten Beschreibungsblatt, auf dem verso in brauner Sepiatinte Anleitungen zum Exerzieren, Kommandieren, Salutieren mit der Waffe gegeben werden: "Das Gewehr Hoch. Der Soldat beginnt mit beyden Händen das Gewehr hoch wie bey dem ersten Tempo, wie die Figur No. 11 zeiget" etc.

Bei der "Bombarde" handelt es sich um eine Art Vorderlader-Trichtergewehr, die beim Schießen mit der Pike (Hellebarde) gestützt wird, wie es etwa schon im Jahre 1729 von dem Gothaer Hofbüchsenmacher Tobias Gräfenstein erfunden wurde (vgl. seine Modelle in der Dresdener Rüstkammer unter Inv. Nr. G 1570), der eine ähnliche "Bombarde", eine Art Granatwerfer entwickelt hatte. Die hübschen, meist wohl von einer Hand stammenden Illustrationen zeigen jeweils eine Figur, einen Grenadier beim Gebrauch der Waffe, woran die fachgerechte Verwendung eingeübt werden soll. Allerdings geht es bei den Darstellungen sichtlich auch mehr um die dekorative Qualität als um eine reine Gebrauchsanleitung - was ebenfalls für den Charakter der Schrift als Werbung für den Erwerb der Waffe spricht. – Vorhanden sind 53 Darstellungen (1-52, 47 doppelt vergeben) mit 52 Erklärblättern. Einst stärker lädiertes, braun-, stock-, spor-, feucht- und wasserfleckiges Exemplar, das komplett restauriert, gewaschen, ergänzt und neu aufgebunden wurde (unter Verwendung neuen Vorsatzpapiers etc.). So sind viele Blätter mit Fehlstellen, Ausrissen etc. teils ergänzt, angesetzt, teils auch angefasert, was zu einem insgesamt erstaunlich gutem Resultat geführt hat. Die Schriftteile sind nahezu komplett erhalten und gut lesbar, ebenso sind die Darstellungen fast durchgehend gut sichtbar und in guter Erhaltung, strichsicher und konstrastreich. Interessantes Forschungsmaterial für die Militärgeschichte Deutschlands im 18. Jahrhundert.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.200)


Nachverkaufspreis
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€ 9.000

(US$ 9.900)
(GBP 7.830)
(CHF 9.450)


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