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Katalog Handschriften, Alte Drucke, Theologie » zur Buchabteilung
Handschriften, Alte Drucke, Theologie Auktion 110, Di., 17. Okt., 17.00 Uhr


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Los 1003 Tura, Cosmé, Umkreis
Steinigung des Heiligen Stephanus
Verkauft
1003) » größer

Tura, Cosmé - Steinigung des Heiligen Stephanus. Initialminiatur einer Antiphonale-Handschrift. Miniaturmalerei in farbiger Gouache mit Blattgold auf Pergament. Initialgröße ca. 15 x 17 cm, Balken 33,5 cm. Bildgröße ca. 12 x 8 cm. Blattgröße ca. 57 x 40 cm. Wohl Ferrara 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Große Initialminiatur auf einem vollständig erhaltenen Pergamentblatt aus einer spätmittelalterlichen italienischen Antiphonale-Handschrift aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Merkmalen der Schule von Ferrara in der Nachfolge des Cosimo di Domenico di Bonaventura, genannt Cosmé Tura (1433-1495). Dargestellt ist das Martyrium des Heiligen Stephanus nach der Apostelgeschichte VII, 55-60: "Et lapidabant Stephanum invocantem et dicentem Domine Iesu suscipe spiritum meum". Inbrünstig im Gebet erhebt der Heilige mit Mönchstonsur, Mappa und goldenen Nimbus seine Hände, während auf ihm die Steine niederprasseln und ihm am Hinterkopf treffen, wo Blut austritt und den gelben Kragen des Heiligen beschmutzt. Hinter ihm zwei Schergen mit großen Steinblöcken in den zum Wurf erhobenen Händen.

Charakteristisch sind die überaus feinen, gratigen und besonders plastisch ausgeführten Gewandfalten, auch das vielschichtig abgestufte Inkarnat, die präzise formulierten Muskelpartien der Arme und Beine der Steinigenden. Deren Gesichter mit den in Falten geworfenen Stirnen, kräftigen, schwarz-graumelierten Bärten und leuchtend farbigen Gewändern in Orangegelb und Nachtblau sprechen eine auch in ihrem Detailreichtum charakteristische Sprache, die von dem orientalischen Einfluss der Emigranten aus Konstantinopel nach Norditalien zeugt. Vergleiche dazu auch etwa die turbanähnliche Kopfbedeckung des rechten Schergen aus weißem Tuch mit blauen Streifen sowie die extreme Feinheit, mit dem etwa die Knöpfe der Gewänder, die Struktur der aufgehobenen Felsbrocken, das Felsplatau, auf dem der Heilige kniet, dessen Schuhe, Gewänder, Rosenkranz, Kappa etc. ausgeführt wurden.

Auch die Landschaft des Hintergrundes spricht für einen Miniaturisten der Schule von Ferrara und den Einfluss der Kunst eines Cosmè Tura. Hochaufragende Eschen begleiten den sich S-förmig schlängelnden Fluss, auf dem ein winziger weißer Schwan schwimmt und an dessen Ufer eine Wassermühle steht. Hinter den Schergen öffnet sich eine weite Felderlandschaft mit Gehöftsgebäuden und Strohgarben, im verblauenden Berghintergrund die Silhouette der Stadt Jerusalem mit der über die Hügel laufenden Mauer und den zwei Türmen des Stadttors. Die minutiöse Ausführung, teils mit Haarpinseln, das saubere Auftupfen von Farblichtern, die bemerkenswerten Nuancen, etwa im großen Reichtum der verschiedenen Grüntöne, aber gleichzeitig auch die Profilierung der Konturen und die vielfach abgestuften Verschattungen lassen auf das Werk eines qualitativ hochstehenden Buchminiaturisten, wenn nicht eines bedeutenden zeitgenössischen Malers schließen.

Die blaue, mit weißen Federwerk-Ornamenten gefüllte Initiale "E" für den Anfang des Introitus zur Antiphona über das Martyrium des Heiligen Stephanus wird eingefasst von üppigen Akanthusranken in Grün, Blau, Rosé und Rot auf einem quadratischen Blattgoldgrund, flankiert von einem langen, den Spiegel begleitenden Balken, in dem sich der knorrige, feste Akanthus in leichtes Federwerk aus Linien und Punkten, Herzblättern und Blüten auflöst, durchsetzt von 26 schimmernden Blattgoldpollen. In der blauen Initiale ist ein weiterer schmaler Goldrahmen, diesmal nicht aus Blatt-, sondern aus Pinselgold um die Darstellung gelegt.

Der Text zur Antiphona mit dem der roten Überschrift "In sancti stephani protomartyris ... Introitus" begleitet die romanische Quadratnotation auf vierzeiligem roten Systen: "Etenim sederunt principes et adversum me loquebantur, et iniqui persecuti sunt me". Verso "Beati immaculati invia, qui ambulant in lege" mit einer kleinen Zierinitiale "B" in Rot auf hübschem blauen Federwerk-Grund. Das Blatt ist oben mit "XXXVIIII" in Rot nummeriert und stammt sicherlich aus einem umfangreicheren Antiphonale. – Unteres Sechstel mit horizontal-schrägem Knick, sonst nur ganz vereinzelt leicht knittrig und minimal fingerfleckig, ein alt geschlossenes Löchlein im oberen weißen Rand rechts, unten mit Bleistiftbezeichnungen und kleiner moderner Bleistiftnummer "83". Text mit gelegentlichem leichten Oberflächenabrieb, die Initiale aber nahezu tadellos frisch, lediglich winzige punktuelle Abplatzungen in den auf dem Boden liegenden Steinen, sonst in überaus nuancierter, leuchtender Farbigkeit einer höchst elaborierten Palette.

Schätzpreis
€ 10.000   (US$ 11.700)


Zuschlag
€ 11.000
(US$ 12.870)
(GBP 9.790)
(CHF 12.760)


Los 1003 Tura, Cosmé, Umkreis
Steinigung des Heiligen Stephanus
Verkauft

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