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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Handschriften, Alte Drucke Auktion 113, Di., 16. Apr., 16.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Chytraeus, David
Explicatio apocalypsis

Los 830

Chytraeus, David. Explicatio apocalypsis Iohannis perspicua & brevis. Tradita et recognita. 1 Bl., 537 S. Mit Titelholzschnitt und 48 Textholzschnitten. 15 x 10 cm. Pergament d. Z. (etwas angeschmutzt, vordere Kante mit kleiner Fehlstelle, ohne die beiden Bindebänder) mit hs. Rückentitel, Vorderdeckel monogrammiert "G H G". Wittenberg, Johann Krafft, 1575.

VD16 B 5269. Adams B 1947. Knaake III, 218. (Ausg. 1563). Nicht bei Kuczynski. – Frühe Ausgabe dieses seltenen Bibelkommentars des David Chytraeus (1530-1600), einem der führenden Vetreter der Spätreformation. – Durchgehend etwas gebräunt, stellenweise feuchtrandig. Vorderer fliegender Vorsatz mit langem hs. Kommentar (recto und verso), vorderes Innengelenk mit Wurmspur. – Vorgebunden: Gesner, Salomon. Orthodoxa confeßio de persona et officio salvatoris nostri Iesu Christi. 12 Bl., 334 S., 6 Bl. Mit Titelholzschnitt. Wittenberg, Simon Gronenberg, 1595. - VD16 G 1846. Nicht bei Adams, STC. - Erste Ausgabe. - Titel mit gestrichenem hs. Besitzvermerk. Durchgehend etwas gebräunt.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 398)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 285)

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Du Préau, Gabriel
De vitis, sectis, et dogmatibus omnium haeretic...

Los 832

Du Préau, Gabriel. De vitis, sectis, et dogmatibus omnium haereticorum, qui ab orbe condito, ad nostra usque tempora, et veterum et recentium authorum monimentis proditi sunt, elenchus alphabeticus ... 46 Bl., 519 S. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. 21 x 16 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (leicht abgegriffen, etwas gerieben, wenige Kratzer, kleine alt ergänzte Bezugsfehlstelle auf dem Rückdeckel) über abgefasten Holzdeckeln mit 1 (von 2) Messingschließen. Köln, Erben Johann Quentel, 1583.

Nicht im VD16, auch nicht in der Online-Version. Vgl. Adams D 1149 und STC 258 (alle Ausgabe 1581). – Überaus seltene Titelauflage des 1581 erschienenen Drucks (dieser VD16 D 2990) mit dem Kolophon der Ausgabe von 1581 und dem geänderten Titelblatt mit der Jahreszahl 1583 "Anno M.D.LXXXIII.", wir können über den KVK nur eine einzige Ausgabe davon in Belgien nachweisen. Es ist somit die Titelauflage der zweiten Ausgabe dieses erstmals 1569 erschienenen Ketzerlexikons. Gabriel du Préau (lat. Prateolus; 1511-1588) unterrichtete Theologie an der Sorbonne und behandelt hier neben den älteren Häretikern u. a. auch Calvinisten, Flagellanten, Hussiten, Juden, Lutheraner, Mathematiker, Melanchthonianer, Mennoniten, Mohammedaner, Oecolampadier, Polygamisten, Satanisten u. Zwinglianer. – Titel mit 2 kleinen hs. Besitzvermerken "Liber S. Crucis in Donauuerdt", demnach das Buch wohl einst im Besitz der Benediktinerabtei vom Heiligen Kreuz in Donauwörth war. Sehr sauber, kaum fleckig, wohlerhalten und frisch. Der Einband mit einer hübschen Erlöserrolle mit Christi Taufe, Kreuzigung und Auferstehung einer süddeutschen Werkstatt, wahrscheinlich des Hans Pfister zu Nürnberg. Besonders bemerkenswert ist auf dem vorderen Innendeckel ein handgemaltes, farbig gouachiertes Wappenexlibris mit vertikaler Teilung schwarz-gold und jeweils einem 6-zackigen Stern im Schild sowie im Papsthut und Krummstab im Gesprenge.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 911)


Nachverkaufspreis
€ 500   (US$ 570)

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Gotischer Bucheinband
Westliches Mitteldeutschland (Köln?) um 1460.

Los 837

Gotischer Buchkasten. Bucheinband im Imperialfolio-Format mit schwarzbraunem, reich blindgeprägten Kalbslederbezug, teils mit Lederschnitt-Ornamenten. Ca. 60 x 41 cm. Mit 16 gehämmerten, punzierten und gestempelten Messingblechbeschlägen, 2 geschmiedeten, punzierten Sternbeschlägen auf der Deckelmitte, 16 mehrfach durchbrochenen geschmiedeten Rosettenbeschlägen mit sechseckigen Buckelbeschlägen, auf dem Vorderdeckel als konische Hexagonalprismen, 6 kleineren Rosettenbeschlägen sowie Kanten mit 36 (statt 38) Halbkugelnägeln zwischen 39 (statt 60?) Stiften aus sechseckigen Pyramidal-Frusta, 2 verschiedenen durchbrochenen Schließzapfen-Beschlägen auf dem VDeckel. Westliches Mitteldeutschland (Köln?) um 1460.

Spätgotischer Bucheinband, der zu einem Buchkasten umgearbeitet wurde. Einst wohl Einband für eine liturgische Handschrift oder einen liturgischen Druck zur Verwendung in der Heiligen Messe. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um ein sog. "Antiphonale" mit den Texten der gregorianischen Gesänge des "Graduale Romanum" der römisch-katholischen Kirche, in dem die Gemeinschaft des Klerus die das Kirchenjahr begleitenden Texte mit der entsprechenden Musiknotation fand.

Die Gesänge "de tempore & de Sanctis", also für die Sonn- und Festtage vom Advent bis zum Totensonntag des "annus ecclesiasticus" sind üblicherweise in einen Winter- und einen Sommerteil ("pars hiemalis, pars estivalis") gegliedert. Auf dem unter einem, an fünf kleinen Nägeln aufgebrachten, gelblich-transparenten Hornblatt-Sichtfensterfragment erscheinenden Schildchen auf dem Vorderdeckel kann man noch die gotischen Buchstaben "estiva", wohl für "estivalis" ausmachen.

Die schweren Eichenholzdeckel sind mit schwarzbraunem Kalbsleder bezogen, das auf dem Vorderdeckel mit Bahnen aus Lederschnittriefeln verziert wurde, in denen florale Knotenmuster mit Blütenköpfen schwach zu identifizieren sind. Der (im Leder teils ausgebessserte, teils noch stärker brüchige und daher im Ornament etwas schwerer erkennbare) Rückdeckel ist vollständig blindbeprägt: In einem vierfachen Filetenrahmen, in den die Schnäbel der Eckbeschläge gerade noch hereinragen, sind mit Palmettenstempeln zwei konzentrische Kreise geprägt, die den Mittelbeschlag umgeben (was darauf hindeutet, dass dieser, wie auch die anderen Beschläge, zeitgenössisch ist!). Zwischen Filetenrahmen und der Wellenkontur der Beschlagsbleche sieht man ein feines Guillochemuster, das sich aus geschwungenen Schriftbänder mit dem Namen der Muttergottes "MARIA" zusammensetzt.

Vorder- und Rückdeckel sind an den Rändern komplett ummantelt mit breiten Beschlägen aus punziertem und gehämmerten Messingblech, die vollständig um die Kanten der schweren, leicht abgefasten Holzdeckel gelegt sind. Jeweils vier dieser Beschläge (zwei schmalere für die Schmal-, zwei längere für die Längsseiten) sind radial zur Mitte hin mit einer Reihe von kleinen Halbrundköpfen geziert, zwischen denen dann jeweis ein Rundstempel eingehämmert ist, der mit einem erhabenen Korbflechtrand den Bechlag zum Spiegel hin in Wellenbögen abschließt. Im Wechsel zeigen diese Rundstempelchen jeweils eine 5-blättrige Blüte (10 mm) und das Christusmonogramm "ihs" (ca. 10 mm) mit Kreuz. Dabei entsprechen Größe und Darstellungsweise einigen bei Schunke abgebildeten Buchbinderstempeln, die dem Rheinland, der Eifel, Köln oder der Gegend um Mainz zuzuordnen wären, was jedoch die Einbandforschung unbedingt noch bestätigen oder widerlegen sollte (vgl. etwa Schunke 261 und 282 etc.).

Über die Ecken des Einbandes sind vier konzentrisch in die Mitte weisende, in Kreuzpfeilbäumen endende Beschläge aufgehämmert, die ebenfalls mit jeweils 10 Rundstempelchen ornamentiert sind, darunter wiederum das Christusmonogramm, eine kleinere Sternblüte (Durchmesser ca. 9 mm) sowie ein größerer Stempel (ca. 2 mm) mit einer Madonna mit Kind (vgl. Schunke 198f.).

Auf den Eckbeschlägen sowie mittig auf den Flankenbeschlägen findet sich jeweils ein großer, vielfach durchbrochener (mit Trinangel-Punkten und Schlüsselloch-Mustern) massiv gegossener und geschmiedeter Rosettenbeschlag (Durchmesser ca. 54 mm), aus dessen Mitte ein erhabenes Fustum, also ein auf sechseckigem Grund sich (um ca. 16 mm auf 18 mm Grundfläche) erhebender und sich verjüngender, oben abgeflachter Pyramidenstumpf aufragt - als Stützbuckel zum Schutz des Buches beim Aufklappen desselben. Auf dem Rückdeckel sind diese Buckel kürzer und weitaus weniger ausgreifend (ca. 4-8 mm). Zum Schutz - und zur Zier - der Einbandkanten sind im Wechsel kleine Rundbuckelnägel und ebenfalls kleine Sechseck-Pyramidal-Fusta aufgebracht (jeweils ca. 8 x 10 mm). – Das Bezugsleder ist stärker brüchig mit dem üblichen Krakelée spätgotischer Inkunabeleinbände, einige Fehlstellen vor allem auf dem Rückdeckel wurden schon vor einigen Jahrhunderten mit restauriert, der Rücken wohl alt erneuert. Auf dem Rückdeckel findet sich unten im Zentrum ein Loch, hier fehlt wohl ein Beschlag zur Anbringung einer Kette o.ä. Wenige der acht Rosettenbeschläge sind wohl späteren Datums, die Blechbeschläge teils wellig und mit Druckstellen, etwas abgeschabt und verbogen, Rückdeckelbeschläge mit kleinen Fehlstellen und Läsuren an der Längsseite zum Rücken hin. Die Buckelbeschläge sind möglicherweise etwas später (vielleicht wurden sie in späterer Zeit ersetzt, sie können allerdings auch gut zeitgenössisch sein), wenige Fusta der Kantenbeschläge sind ausgebrochen und fehlen, ebenso die beiden Schließbänder (von denen eines als Fragment im Kasten beiliegt. Der Buchkasten ist aus Holz gezimmert und mit (teils lädiertem) türkischen Marmorpapier ausgelegt. Im "Schnitt" ist der Buchkasten mit rotem Papier bezogen.

Der Vorderdeckel thematisiert mit dem Christusmonogramm "IHS" die christologische Erlöserikonologie, der auf dem Rückdeckel mit dem Namen der Muttergottes im Schriftband "MARIA" sein Pendant gegenübergestellt wird - was der üblichen Einbandikonographie der Spätgotik entspricht, die hier in einem außergewöhnlich aufwendig gestalteten Einband besonders eindrucksvoll vor Augen geführt wird. Spätgotische Einbände dieser Qualität und in dieser bemerkenswert guten Erhaltung (es fehlen nur ganz wenige Beschläge) sind von allergrößter Seltenheit.

Schätzpreis
€ 5.000   (US$ 5.699)


Nachverkaufspreis
€ 3.000   (US$ 3.419)

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Güthel, Caspar
Jhesus Quadragesimal oder etliche fastenpredig...

Los 838

Die Pfingstpredigten des "frommen Dr. Kasper" (Luther)
Güthel, Caspar. Jhesus Quadragesimal oder etliche fastenpredig, auß den Episteln und Evangelien, Nach Goetlichem erkentnus, Dem Hochwirdigsten vater ... herren Albrecht zu Mentz unnd Madburgk etc. Ertzbischoff. 7 Teile in 1 Band. 4, 188 nn. Bl. Mit 7 Holzschnitt-Titelbordüren. 17,8 x 14,4 cm. Pergament des 18. Jahrhunderts mit rotem goldgeprägtem RSchild und Rotschnitt. Zwickau, Johann Schönsperger d. J., 1523.

VD16 G 3986. – Sehr seltene Erstausgabe der Sammlung von Pfingstpredigten aus der Feder des Münchner Theologen Kaspar Güthel (auch Guttel, Güttel, Güettel, Güettell, Güthel, Guthell; gest. 1542), ein Zeitgenosse Martin Luthers und wie dieser im Orden der Augustiner-Eremiten. Er wurde von seinen Obersten "1514 oder 1515 nach Neustadt-Eisleben gesandt, um daselbst ein Augustinerkloster aufzurichten. Er wandte sich aber bald der evangelischen Lehre zu und verkündigte dieselbe mit großem Eifer an verschiedenen Orten wie in Zwickau, Arnstadt, Brix in Böhmen. Schon 1518 trat er, unmittelbar von Staupitz angeregt, in seinem 'Büchlein von Adam's Werken und Gottes Gnaden' für das alleinige Vertrauen auf die Gnade Gottes in Christo Jesu ein ... 1522, schlägt er, wie Luther in der Schrift an den Adel, vor, Kurfürst Albrecht möchte sich als Primas durch ganz Germanien an die Spitze der Bewegung stellen und eine deutsche Kirche gründen helfen. Da er 1517 in Leipzig Doctor der Theologie geworden war, traten die Leipziger Theologen heftig gegen ihn auf. Dagegen nennt ihn Luther nur den frommen Dr. Kasper" (ADB X, 225-226). – Titelblatt mit kleinen Abschabungen, winziges Risslöchlein, Titel alt hinterlegt, die folgenden drei Blätter ebenfalls mit kleinem Bruchloch, letztes Blatt der ersten Lage ebenfalls verstärkt, vereinzelt etwas fleckig, nur selten leicht angeschmutzt, mit mehreren interessanten, zeitgenössischen interlinearen bzw. marginalen Anmerkungen in sauberer Röteltinte einer geübten humanistischen Theologenhand. Anfangs einige roten Kapitalstrichelungen, letzte Seite etwas stärker angeschmutzt. – Beigebunden: 1) Derselbe. Uber das Evangelion Johannis, da Christus seyne Muetter auch seine Junger, waren auff die Hochtzeyt geladen, Waß mit worten und wercken daselbst gehandelt. Eyn Sermon dem Ehlichen, standt fast freudesam und nuetzlich. 8 nn. Bl. Mit großem Titelholzschnitt. (Ebenda) 1524. -
VD16 G 3997. - 2) Martin Luther. Drey Sermon uber dz Evangelion Matthei am. xij. Von dem zaichen Jona. Johannis am. iiij. Von deß königi||schen Son. Luce. am .xix. Auff denn Palm tag. 16 nn. Bl. Mit vierteiliger Holzschnitt-Titelbordüre. Wittemberg. M.D. xxiij (d. i. Nürnberg, Johann Stuchs, 1523). - VD16 L 6248. Benzing 45. Weitere Nummern: VD16 L 6240, VD16 L 6245. Die letzte zu Lebzeiten des Reformators gedruckte, seit dem Erstdruck von1523 (Benzing 39) die siebte Ausgabe, die zwei Werke enthält, nämlich den Sermon über das Evangelion Johannis am IIII., von des königischen Sohn (VD16 L 6240) und den Sermon über das Evangelion Lucae am XIX., auf den Palmtag. (VD16 L 6245). - Beide Beibände ähnlich erhalten, gering fleckig und gebräunt.

Schätzpreis
€ 1.800   (US$ 2.052)


Nachverkaufspreis
€ 1.200   (US$ 1.367)

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Honigmacher, Bernhard
Abdruck Eins Jnstruments

Los 840

Eine Entführungsgeschichte während der Augsburger Konfession
(Honigmacher, Bernhard). Abdruck Eins Jnstruments, Sachsischer sprachen, darinn eygentlich vermeldt, inn was gestalt weilent der hoch gelart Doctor Cunradt Dellinghusen, der Stat Goßlar Advocat und diener, so durch heymlich practicken und anschlege Hertzog Heinrichs, der sich genennet hat den Jüngern von Braunschweig, in Keyserlichem Geleyd, nidergeworffen, hinweg gefürt und bößlich umpracht, zu Scheynungen im Schloß in dem wal, in gegenwirtigkeyt viler trefflicher leutt gefunden, außgraben, und daselbst in die pfarkirchen ehrlichen getragen, und zur erden bestattet sei. 6 nn. Bl. Loser Druckbogen ohne Einband in modernem Pappumschlag. (Marburg, Christian Egenolff d. Ä., 1542).

VD16 H 4752. – Seltener einziger Druck des detaillierten Berichts über die Ereignisse, die zum Verschwinden von Konrad Dellinghusen führten. Dellinghusen führte während der Augsburger Konfesssion 1530 als Abgeordneter und Syndikus der Freien Reichsstadt Goslar die Verhandlungen zwischen den protestantischen Ständen und dem katholischen Fürsten Heinrich dem Jüngeren zu Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Vermittlungsversuche scheiterten jedoch, und Dellinghusen wurde auf dem Rückweg in die Heimat von mutmaßlichen Gefolgsleuten des Herzogs überfallen und auf das Schloss Schöningen verschleppt, wo er kurz darauf starb. Nach einigen weiteren Übergriffen auf Goslarer Bürger kam es 1539 zu einem Rechtsstreit zwischen Goslar und Heinrich vor dem Reichskammergericht. Der Bericht wurde von dem kaiserlichen Schreiber Bernhard Honigmacher verfasst und entstand zur Zeit der Eroberung von Heinrichs Herzogtum durch den Schmalkaldischen Bund, dem die Stadt Goslar seit 1531 angehörte. – Wohlerhalten.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 398)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 285)

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Hürlimann, Johann
Bettbuch Caroli Magni

Los 841

Hürlimann, Johann. Bettbuch Caroli Magni: Das ist, Carl deß Grossen, und Ersten Teutschen Roemischen Kaysers, ... vor 780. Jaren, unnd nachmals auch von dero Enickel, Kayser Carolo Calvo, taeglich gebraucht, und an ietzo ... verteutscht: Sampt angehengten schoenen Gebettlein ... Vermahnungen und ... Lehrspruechen, Auch kurtzer Beschreibung ... Caroli Magni Lebens. 3 Teile in 1 Band. 2 Bl., 70 (recte 72) S.; 1 Bl., 291, S.; 2 Bl., 93, S. Titel in Schwarz und Rot, mit typographischen Bordüren um jede Seite, einigen Holzschnitt-Kopf- und Schlussstücken, Holzschnitt-Porträt und großem Holzschnitt-Wappen sowie 51 (1 ganzseitiger, 50 halbseitige) Textholzschnitten. 14,8 x 10 cm. Braunes Kalsbleder d. Z. (Bezug teils brüchig und mit kleinen Fehlstellen, beschabt und bestoßen, Rückendeckelbezug mit Brandlinie, stärker alt restauriert, Rücken komplett) über abgefasten Holzdeckeln mit 2 ziselierten Schließbeschlägen (ohne die Schließen) auf dem VDeckel. Rückdeckel mit floralen Ornamenten und Streicheisenlinien, VDeckel mit großer silbergeprägter (vollständig oxidiert) und teilvergoldeter Platte mit einer Mariendarstellung. Ingolstadt, Wolfgang Eder, 1584.

VD16 L 1537. Stalla 932. – Erster Druck der ersten deutschen Ausgabe des berühmten Gebetbuches Karls des Großen, dem "Liber precationum quas Carolus imperator colligi mandavit" (VD16 H 5791), das offenbar nur in kleinster Auflage gedruckt wurde - und von dem heute meist nur noch Fragmente nachweisbar sind. Neben den Gebeten enthält es auch eine Biographie Kaiser Karls: "Kurze Beschreibung ... Caroli Magni Lebens" von Johannes Hürlimann (VD16 H 5791).

Der Theologe Johann Hürlimann (latinisiert als Magister Horolanus; 1556-1577) stammt aus Rapperswil im heutigen Kanton St. Gallen.

"Hürlimann's Schriften sind: 'Bettbuch Caroli Magni, d. i. Carl deß Grossen von..." Mit Holzschnitten. Die erste Auflage erschien 1584, die zweite 1585. Dem 'Bettbuch' ist vorausgeschickt eine Dedikation des Druckers, Wolfgang Eder in Ingolstadt, an den Herzog Wilhelm von Baiern, dann eine weitläufige Vorrede Hürlimann's an Herzog Albrecht von Baiern vom Jahre 1577, ferner die Uebersetzung einer lateinischen Epistel an König Heinrich II. (es sollte wol heißen: Heinrich III.) von Frankreich aus dem J. 1575, und angehängt ein ausführliches 'Leben des Allerchristenlichsten Unuberwindlichsten Kaysers Caroli deß Grossen, auß bewerten Historicis und Geschichtschreibern kürtzlich verfasset durch Joannem Horolanum von Rapperschwyl, Pfarrherren zu Lucern vnd deß heiligen Stuls zu Rom Protonotarien', ebenfalls mit der Jahreszahl 1584" (ADB XIII, 430-431).

Die beiden Varianten des ersten und zweiten Drucks der Erstausgabe (VD16 L 1537 und 1538) unterscheiden sich durch die Titellesart: "Carl deß Grossen" bzw. "Carl desz Grossen), "KayserS" bzw. "Kay-sers" etc. Die Holzschnitte mit einem imaginativen Porträt Karls des Großen "Contrafactur Caroli Magni, Deß Ersten Teutschen Kaysers", des Wappens des Herzogs von Bayern sowie zahlreichen biblischen Szenen. Die nahezu ganzseitige Holzschnitt-Illustration mit einer Kreuzigung. – Gelenke minimal schwach, Vorsatz mit kleiner Rasur, vereinzelt nur ganz blass feuchtrandig in ersten und letzen Blättern, kaum gebräunt, sehr sauberes, bemerkenswert schönes Exemplar auf festem Papier und gebunden in einen außergewöhnlich schönen (wiewohl restaurierten) zeitgenössischen Einband: Auf dem VDeckel eine oben mit "ZM" monogrammierte Darstellung der Heimsuchung: Die Gottesmutter mit Goldnimbus steht vor der ihren Bauch berührenden Elisabeth, die von ihrem Mann, dem Priester Zacharias begleitet und an Maria empfohlen wird. Zacharias ist mit der typischen Kopfbedeckung der Pharisäer und ebenfalls einem Goldnimbus stehend dargestellt. Unten in Versalien: "MARIA KVMBT ZU ELISABET". Von größter Seltenheit, in Deutschland sind über den KVK lediglich die drei im Besitzstandverzeichnis des VD16 gelisteten Exemplare, in den Bibliotheken zu Augsburg, Wolfenbüttel und München, nachweisbar.

Schätzpreis
€ 1.800   (US$ 2.052)


Nachverkaufspreis
€ 1.000   (US$ 1.140)

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Hutten, Ulrich von
Clag und vormanung

Los 842

Hutten, Ulrich von. Clag und vormanung gegen dem übermässigen unchristlichen gewalt des Bapsts zu Rom, und der ungeistlichen geistlichen ... in Reymens weyß beschriben. 26 Bl. Mit großem Holzschnitt-Portrait Huttens auf dem Titel verso. 20,2 x 15,5 cm. Moderner HPergament mit Inkunabelblatt als Bezugspapier. (Straßburg, Johann Schott, 1520).

VD 16 H 6373. Benzing, Hutten 144. Weller 1416. – Erster Druck, erschien Oktober bis November 1520 und wurde bis Jahresende noch zweimal nachgedruckt. "Eine gereimte Klage, 'ein zorniger Spruch', wie Hutten selbst sagt ... Zugleich ist es eine Zusammenfassung dessen, was Hutten jemals über die Ausbeutung Deutschlands und die Niedergänge der Kirche geschrieben hat ... Die Randverweise auf die theologische Literatur weist Kalkoff Martin Butzer zu" (Benzing). Mit der berühmten halbfigurigen Darstellung Huttens als lorbeerbekränzter Dichter im Harnisch. – Etwas braunfleckig, erste Lage sauber im Bug verstärkt.

Schätzpreis
€ 3.500   (US$ 3.989)


Nachverkaufspreis
€ 2.500   (US$ 2.849)

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Hutten, Ulrich von
De unitate ecclesiae conservanda

Los 843

Hutten, Ulrich von (Hrsg.). De unitate ecclesiae conservanda, et schismate, quod fuit inter Henrichum IIII. imp. & Gregorium VII. Pont. Max. cuiusdam eius temporis theologi liber. 6 Bl., 149 S. Mit Holzschnitt-Initiale und Holzschnitt-Druckermarke am Schluss. 21 x 15,5 cm. Pappband des späten 19. Jahrhunderts (Deckel mit Inkunabelblatt bezogen). Mainz, Johannes Schöffer, März 1520).

VD 16 U 173. Benzing, Hutten 219. Adams H 245. – Einzige zeitgenössische Ausgabe. "Hutten widmete Erzherzog von Österreich die von einem unbekannten Geistlichen, der im Jahre 1086 Mönch im Kloster Hersfeld war, verfaßte Schutzschrift für Heinrich IV. gegen Papst Gregor VII., die er im Herbst 1519 auf der Fuldaer Bibliothek gefunden hatte" (Benzing). In seiner Widmungsvorrede bittet Hutten Kaiser Karl V. für den "Plan einer Befreiung Deutschlands vom römischen Joch" (vgl. ausführlich: Strauß, Hutten S. 278ff.). – Titel mit zwei sehr kleinen Löchern. Nur ganz vereinzelte unbedeutende Flecken. Sauberes und wohlerhaltenes Exemplar.

Schätzpreis
€ 3.000   (US$ 3.419)


Nachverkaufspreis
€ 2.000   (US$ 2.280)

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Hutten, Ulrich von
Dialogi Fortuna

Los 844

Hutten, Ulrich von. Dialogi. Fortuna. Febris prima. Febris secunda. Trias Romana. Inspicientes. 72 nn. Bl. Mit Titelholzschnitt (Fortuna) und 3 großen Holzschnitt-Initialen "Q". 19,5 x 14 cm. Marmorierter Pappband des späten 19. Jahrhunderts (etwas berieben). Mainz, Johannes Schöffer, April 1520.

VD 16 H 6342. Benzing, Hutten 122. Panzer VII 412.36. Proctor 9872. Goedeke II, 230, 22. Fairfax Murray 215. – Editio princeps der berühmten Gespräche, bis auf die "Febris prima" sämtlich in Erstdrucken. Einer der seltensten Hutten-Drucke. "'Fortuna' (Glücksgöttin) ist mit der anmutigste der Hutten'sche Dialoge. Hier spielt Hutten auch auf eine geplante Heirat an und malt sich ein beschauliches Dasein mit einem gewissen Wohlstand aus. Doch das Glück, das aus dem Füllhorn der Göttin herauslugt, ist für einen anderen bestimmt und er geht leer aus" (Benzing). In den Febres prima und secunda gibt Hutten "eine ausführliche Schilderung der Geistlichen, die im Konkubinat leben. Müßiggang und Reichtum sei die Ursache ihres anstößigen Lebenswandels. Die 'Trias Romana' ist das Manifest Huttens gegen Rom, ein Gespräch mit einem erdichteten Freund Ernhold. In Triaden, d. h. in Gruppen zu 3 Stücken werden Roms Schwächen und Fehler hervorgeholt und scharf gegeißelt. Der Dialog 'Insicientes' (Die Anschauenden) geht noch auf den Augsburger Reichstag zurück. Der Sonnengott und sein Sohn und Wagenlenker Phaeton beobachten von oben herab das Treiben der in Augsburg versammelten Fürsten und Gefolge" (ebenda). – Titel etwas gebräunt. Lage H mit kleinem Brandloch (minimaler Buchstabenverlust). Schwach finger- oder braunfleckig, sonst wohlerhalten.

Schätzpreis
€ 3.500   (US$ 3.989)


Nachverkaufspreis
€ 2.500   (US$ 2.849)

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Hutten, Ulrich von
Dialogi novi

Los 845

Hutten, Ulrich von. Dialogi novi, perquam festiui. Bulla, vel Bullicida. Monitor primus. Monitor secundus. Praedones. 37 num., 1 w. Bl. Mit figürlichem Titelholzschnitt von Hans Baldung Grien auf dem Titel. 20,5 x 15 cm. Schlichter moderner Pappband mit hs. RTitel. (Straßburg, Johann Schott, nach 13. Januar 1521).

VD 16, H 6311. Benzing, Hutten 161. Panzer IX, 456. Oldenbourg, Baldung Grien L 182. – Einziger Druck. "Die Bulle oder der Bullentöter ist ein recht lebendiger Dialog, in dem es Hutten in der Hauptsache mit der Bulle Leo's X. gegen Luther - die er als leere Blase (bulla) verhöhnt - zu tun hat ... (in den 'Räubern') versucht Hutten im Gegensatz zu seiner seitherigen Auffassung eine Verbindung eine Verbindung der Ritterschaft mit den Städten in Vorschlag zu bringen, um auf die Durchführung einer politischen und religiösen Reform im Reiche hinzuwirken" (Benzing). Der Titelholzschnitt von Baldung Grien zeigt Hutten in ganzer Figur mit Rüstung. – Mit sehr kleinem Feuchtigkeitsfleck im oberen Bug, zwei Blatt am Schluss auch mit kleinem Wasserrand. Blatt B2 mit sehr kleinem Eckabriss. Insgesamt etwas fingerfleckig, sonst wohlerhalten.

Schätzpreis
€ 3.000   (US$ 3.419)


Nachverkaufspreis
€ 2.000   (US$ 2.280)

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