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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Handschriften, Alte Drucke Auktion 113, Di., 16. Apr., 16.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Ovidius Naso, Publius
Quae hoc volumine continentur. + Herodium epist...

Los 863

"Eine der kostbarsten Aldinen und sehr gesucht."
Ovidius Naso, Publius. Quae hoc volumine continentur. Ad Marinum Sannutum epistola ... [und:] Derselbe. Herodium epistolae. Auli Sabini. Epistolae tres... 2 Bände. 268; 202 nn. Bl. Mit je 2 Holzschnitt-Druckermarken. 14,4 x 9 cm. Halbpergament d. 19. Jahrhunderts (leicht fleckig, Bibl.-Schildchen) mit teils abgeplatzem goldgeprägten RSchild. (Venedig, Aldus Manutius, 1502).

Adams O 469, 423. STC 479. Renouard 37, 12-13. Schweiger III, 625. Ebert 15347. Aldina 15. Delphin und Anker 92, 95. – Die frühe Taschenausgabe der Opera Omnia des Publius Ovidius, die insgesamt in drei Teilen erschienen war, von denen hier die beiden ersten vorliegen: "Quae hoc volumine continentur. Ad Marinum Sannutum epistola qui apud graecos scripserint metamorphoseos. Aldo priuilegium concessum ad reip. literariae utilitatem. Orthographia dictionum graecarum per ordinem literarum. Vita Ovidij ex ipsius operib. Index fabularum et caeterorum, quae insunt hoc libro secundum ordinem alphabeti. Ovidii Metamorphoseon libri quindecim" und "Publii Ovidii Nasonis Heroidum Epistolae. Auli Sabini, Epistolæ tres. P.O.N. Elegiarum, Libri tres. De arte amandi, Libri tres. De remedio amoris. Libri duo. In ibin. Liber unus. Ad Liviam epistola De morte Drusi. De nuce. De medicamine faciei".
"Ist nichts weiter als ein etwas revidirter Abdruck einer frühern Venetianischen Ausgabe, wahrscheinlich von Aldus selbst besorgt. Vollständig eine der kostbarsten Aldinen und sehr gesucht. Gewöhnlich findet man die Exemplare aus den verschiednen Aldinen zusammengelegt (ein vollständiges Exemplar ist in Göttingen)" (Schweiger).
Ein dritter Teil sollte dann noch 1503 unter dem Titel "Quae hoc in libello continentur. Fastorum libri VI" (hier nicht vorhanden). – Vorsatz mit Eintrag und kleine hs. Nummer auf den Titeln, teils etwas fleckig, kaum wasserfleckig, minimal angestaubt, glatt beschnitten, insgesamt im Block sehr schön, sauber und wohlerhalten. Aus der Bibliothek des Giovanni Prato mit dessen winzigem Besitzerstempel auf den Titeln. – Beiliegt: Paulus Manutius. Antiquitatum romanarum, liber de legibus. Index rerum memorabilium. 170 Bl., 34 nn. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarke. Bl. Mit 15,4 x 9,8 cm. Flexibles Pergament d. Z. (kleine Fehlstellen, Bibliotheksschild, ohne Bindebänder). Venedig, (Aldus Manutius), 1559. - Adams M 476. STC 412. Renouard 179, 22. Ebert 12990. Aldina 103. Delphin und Anker 915-916. Die erste Ausgabe war 1557 erschienen. - Titel gering fleckig und mit altem Vermerk "Horatius Consolatus e possessor", wenige Randausrisse (ohne Textverlust) sowie vereinzelte Wasserränder.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.367)


Zuschlag
€ 1.500 (US$ 1.709)


Petersen, Johann
Chronica oder Zeitbuch

Los 864

Petersen, Johann. Chronica oder Zeitbuch, der Lande zu Holsten, Stormarn, Ditmarschen und Wagern ... Was sich vor Christi Geburt, biß in das MDXXXI. Jahr darinne zugetragen. 18 Bl., CLXXVII S. Titel in Rot und Schwarz. Mit 2 Holzschnitt-Druckermarken. 30 x 18,5 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (etwas fleckig und berieben, einige schwache Schabspuren, vereinzelte Wurmlöcher, ohne die Schließen; neu aufgebundenes Exemplar in einem durch zahlreiche zusätzlich eingebundene Vakatblätter passend gemachten zeitgenössischen Einband) mit RSchild und Herrscherportraits in den Mittelplatten. Lübeck, Laurentz Albrecht, 1599.

VD 16 P 1695. Katalog der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek S. 754. – Zweite Ausgabe der bedeutenden Chronik Schleswig-Holsteins, der kaum auffindbare Erstdruck erschien bereits 1557, kurioserweise im hessischen Frankfurt bei Peter Braubach. "Dieser Chronik ist sowol nach Inhalt als nach Vortrag der erste Platz zuerkannt unter allen bekannten in deutscher Sprache verfaßten, diese Provinz betreffenden Chroniken; sie ist daher ein Werk von Bedeutung. Wahrscheinlich ward sie ursprünglich in niedersächsischer oder plattdeutscher Sprache verfaßt. Das Original scheint aber durchaus verloren und sind Spuren davon nirgends entdeckt worden. Herausgegeben wurde dieselbe erst nach dem Tode des Verfassers zuerst von Dominicus Dräver aus Goslar, Frankfurt 1557, dann wiederholt gedruckt Lübeck 1599, 1614, und Rinteln 1627. Dr. Kruse, der in den schleswig-holsteinschen Provinzialberichten (1820, 2, 170) auf dieses Werk aufmerksam machte und eine Probe mittheilte, hat die Chronik 'für unsere Zeiten lesbar gemacht' neu herausgegeben Altona 1827 und 1828 in 2 Bänden" (ADB XXV 506). Beigebunden sind zusätzlich acht Blatt mit handschriftlicher Fortsetzung der regionalen Ereignisse bis zum Jahr 1613, kopiert aus Christian Solinus' Chronologia (Hamburg 1615). Der Verfasser Johann Petersen (um 1500-1552) stammte aus Hoisdorf in Stormarn und war Kaplan an der St.-Johannis-Kirche in Oldenburg. – Die ersten zwölf Blatt mit ca. 3 cm kleinem Wurmgang im weißen Rand (minimaler Buchstabenverlust nur auf dem Widmungsblatt an Herzog Johann Adolf), durchgehend mit einigen kleinen, unauffälligen Wurmlöchern, stellenweise mit kleinem Feuchtigkeitfleck in der unteren rechten Ecke. Gering braunfleckig, insgesamt wohlerhalten. Vorsätze erneuert. - Selten.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.367)


Zuschlag
€ 1.900 (US$ 2.166)


Saur von Franckenberg, Abraham
Theatrum urbium

Los 865

Saur von Franckenberg, Abraham. Theatrum urbium. Warhafftige Contrafeytung und summarische Beschreibung vast aller vornehmen und namhafftigen Stätten, Schlössern und Klöster. 12 Bl., 521 (recte 571) S., (S. 351/2 weiß), 6 Bl. (Register). Mit Holzschnitt-Titelvignette und 71 (2 ganzseitigen) Textholzschnitten, meist Städteansichten. 18 x 12 cm. Flexibles Pergament d. Z. (Rücken etwas knickspurig, leicht fleckig, mit erneuerten Schließbändern) mit hs. RTitel. Frankfurt, Nikolaus Basse, 1595.

VD16 S 1917. Bachmann, Städtebilder S. 13-14. STC 778. Adams S 452. – Dritte Ausgabe bei Nicolas Basse, insgesamt die vierte des erstmals 1585 erschienenen Werkes. In Deutschland erfreute sich die Verbindung von Bild und Belehrung großer Beliebtheit. So kam das Buch von Abraham Saur von Franckenberg (1545-1593) "offenbar einem Bedürfnis entgegen und erlebte zahlreiche Auflagen" (Fauser). Schönes Ansichtenwerk mit meist halbseitigen Darstellungen und Plänen von Augsburg, Braunschweig, Bremen, Breslau, Dresden, Erfurt, Frankenberg/Hessen, Frankfurt/Main, Frankfurt/Oder, Friedberg, Fulda, Hamburg, Heidelberg, Jena, Kassel, Köln, Königsberg, Landshut, Leipzig, Lübeck, Lüneburg, Mainz, Marburg, München, Nürnberg, Regensburg, Riga, Rostock, Speyer, Straßburg, Trier, Tübingen, Ulm, Wittenberg, Worms, Würzburg, u. a., ferner mit Ansichten von Basel, Genf, Genua, Jerusalem, London, Prag, Rom, Venedig, Wien und Zürich. Gegenüber der Ausgabe 1593 sind zudem einige Ansichten hinzugekommen, darunter Freiburg, Münster, Offenburg und Schweinfurt. – Titel mit zwei hs. Besitzvermerken. Durchgehend etwas feuchtrandig, leicht gebräunt und stockfleckig.

Schätzpreis
€ 2.200   (US$ 2.508)


Nachverkaufspreis
€ 1.500   (US$ 1.709)


Seneca, Lucius Annaeus
Lucubrationes omnes. Ed. Erasmus von Rotterdam

Los 866

Seneca, Lucius Annaeus. Lucubrationes omnes, additis etiam nonnullis, Erasmi Roterodami cura, si non ab omnibus, certe ab innumeris mendis repurgatae ... 643 (recte 647) S., 10 (statt 11) Bl. Mit breiter Holzschnitt-Titelbordüre von Urs Graf (im Stock signiert "VG"), 1 weiteren Holzschnitt-Bordüre (Widmung) und 2 Holzschnittleisten im Rand (verso Titel), Holzschnitt-Druckermarke auf Titel (ohne die Holzschnitt-Druckermarke am Schluss fehlt) sowie zahlreiche Initialen in Holz- und Metallschnitt. Basel, Flexibles Pergament vom Anfang des 18. Jahrhunderts (etwas fleckig, beschabt, kleine Einrisse) mit hs. RTitel (ohne die Bindebänder). (Basel, Johann Froben, 1515).

VD16 S 5758. Adams S 883. STC 808. Van der Haeghen II, 49. Hieronymus 175a. Heckethorn 96.40. Schweiger II, 907. Lüthi, Graf 131, 50a. – Erste von Erasmus besorgte Ausgabe, geschmückt mit den phantasievollen Holzschnittbordüren des aus Solothurn stammenden Kupferstechers, Holzschneiders, Goldschmieds und Glasmalers Urs Graf der Ältere (1485-1528). – Vorsatz mit teils ausgestrichenem Besitzvermerk, Titel mit mehreren hinterlegten Löchern (Darstellungsverlust), Einrissen, Unterstreichungen und einem Tintenfleck über "illustrissimi", die ersten Blätter mit Randläsuren, zu Anfang stärkerer Wasserfleck, durchgehend einige, teils spätere Eintragungen und Tintenmarginalien sowie Unterstreichungen. Im Block aber meist recht sauber, jedoch stark beschnitten (über die Bordüreränder hinaus, teils mit etwas Darstellungsverlust). Modernes Exlibris der "Biblioteca Senequiana de Antonio Llano Diaz de Qujano, Buenos Aires, 1964".

Schätzpreis
€ 600   (US$ 683)


Nachverkaufspreis
€ 300   (US$ 341)


Stoeffler, Johannes
Coelestium rerum disciplinae, atque totius spha...

Los 867

Stoeffler, Johannes. Coelestivm rervm disciplinae: atqve totivs sphaericae peritissimi, Iohannis Stoeflerini Iustingensis, viri Germani, variorum Astrolabiorum compositionem seu fabricam, nencon eorundem usuum ac uariarum utilitatum explanationem ... typis nostris cudenda praesumpsimus; & in aliquot locis praecipuè cum propositionibus, tum earum expositionibus, in meliorem formam quàm antea fuerant, redigenda, atque imprimenda curaviumus ... 8 nn., 77 num. Bl. Mit 2 verschenen, großen Holzschnitt-Druckermarken auf dem Titel und am Schluss, 12-zeiliger clair-obscur Initiale und einigen szenischen Initialen, 44 (23 ganzseitigen) Textholzschnitten. 31,6 x 20,4 cm. Wurzelmarmorierter Pappband um 1860. Mainz, (Peter Jordan für Köln, Peter Quentell), 1535.

VD16 S 9193. Adams S 1893. Zimmer 1593. Houzeau-Lancaster 3256. Wheeler Gift 15. – Erste posthume Ausgabe des Werkes unter diesem Titel - die von dem Astronomen, Astrologen und Mathematiker Johannes Stoeffler (Stöffler; 1452-1531) verfasste grundlegende Arbeit über über die Instrumente zur Erforschung der Himmelsphänomene, vor allem die Astrolabien. Die "Elucidatio fabricae ususque astrolabii" war 1513 in Oppenheim erschienen, nachdem sich der Autor als gefragter Hersteller von Himmelsgloben und astronomischen Instrumenten einen Namen gemacht hatte. So wurde er nach seiner Tätigkeit als Theologe und Pfarrer zu Justingen, einem Weiler im Alb-Donau-Kreis bei Schelklingen der erste Professor für Astronomie an der Universität Tübingen. Der Herausgeber fügte dem Werk am Schluss die Schrift "De mensurationibus geometricis" hinzu, der 14 große figürliche Holzschnitte zur Illustration beigegeben wurden. Sie zeigen die Vermessungen in der Landschaft und an Gebäuden, darunter interessante spätmittelalterliche gotische, aber auch einige "modernere", von der italienischen Renaissance inspirierte, frühneuzeitliche Gebäude. Der Hauptteil zeigt zahlreiche Sphärendarstellungen, Planetenbahnen, Berechnungsscheiben, Tabellen und vieles mehr. – Titel und die Überschriften der Hauptkapitel sowie der Schluss hübsch rot regliert, ausgestrichener Randvermerk, unwesentlich gebräunt oder fleckig, im Block ausgezeichnetet, durchgehend sauberes und frisches Exemplar, winziges Wurmlöchlein am Rand. Einige Exemplare sind mit weiteren, zusätzlich eingebundenen Tafeln nachweisbar, die dann geschnitten und als bewegliche Teile einmontiert werden konnten (hier nicht vorhanden).

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.367)


Zuschlag
€ 1.400 (US$ 1.595)


Theokritos
Eidyllia tutesti mikra poiemata hex kai triakon...

Los 868

Theokritos. Eidyllia tutesti mikra poiemata hex kai triakonta (graece). Theocriti idyllia, hoc est, parva poemata XXXVI. Eiusdem epigrammata, euisdem Bipennis XIX. 2 Teile in 1 Band. 194 num.; 110 nn. Bl. Mit einigen hübschen Metallschnitt-Initialen und großer Holzschnitt-Druckermarke am Schluss (Januskopf), Titel in Rot und Schwarz. 17 x 10 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder (gering fleckig, gebräunt, leicht abgegriffen, gering berieben bzw. bestoßen) über abgefasten Holzdeckeln mit hs. RTitel und 2 intakten ziselierten Messingschließen. (Frankfurt, Peter Braubach), 1545.

VD16 T719. Adams T 470 (Teil 1). Schweiger I, 309. Graesse VI/2, 114. – Äußerst sorgfältig bearbeitete und kommentierte Ausgabe der beiden Humanisten Helius Eobanus Hessus (1488-1540) und Joachim Camerarius (1500-1574), "Enthält einige Verbesserungen des Herausgebers" schreibt Schweiger. Der erste Teil enthält den griechischen Text in feinster, teilweise außergewöhnlicher Typographie (mit typographischen Bildfiguren), der zweite den lateinischen sowie die zahlreichen wissenschaftlichen Kommentare. 1553 sollte eine weitere Auflage folgen. – Wenige Unterstreichungen, Gebrauchsspuren, teils etwas stärker gebräunt und vereinzelt leicht fleckig, Titel mit eigenhändigem Besitzvermerk in Sepiatinte von dem Theologen Laurentius Rülich aus Jüterbog: "Laurentius Rulichius" und "Sum ex libris Henrici Vriebeik Oscherslebienis". Bemerkenswert ist auch der überaus schöne Einband, den Laurentius Rülich dem Buch gab. Der Rücken mit reichen Arabesken geziert, die Deckel mit einer sehr individuellen Tugend- und Lasterrolle mit Allegorien der Spes, Fides und Caritas, ferner Prudentia und Superbia. Der Vorderdeckel mit den Initialen Rülichs "L.R.I". für L[aurentius] R[ülich] J[üterbogensis] und die Jahreszahl "1551".

Schätzpreis
€ 600   (US$ 683)


Zuschlag
€ 1.450 (US$ 1.652)


Thurneisser zum Thurn, Leonhard
Bebaiosis agonismou, Das ist Confirmatio Concer...

Los 869

Thurneisser zum Thurn, Leonhard. Bebaiosis agonismou [graece], Das ist Confirmatio Concertationis, oder ein Bestettigung deß Jenigen so Streittig, Häderig, oder Zenckisch ist, wie dann auß unuerstandt die Neuwe vnd vor vnerhörte erfindung der aller Nützlichste vnd Menschlichem geschlecht der Notturfigesten kunst dess Harnnprobirens ein zeitlang gewest ist. Welcher Kunst Grundt und Fundament hierin ... ausfuerlich... an tag geben. 6 nn., 107 num. Bl. Mit kolorierter Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel, ganzseitigem Holzschnitt-Porträt in Bordüre und ca. 34 (2 ganzseitigen mit 2 aufklappbaren Teilen, 5 weitere mit Klappteilen), 1 große Falttafel mit Typographie und Holzschnitten sowie 2 einmontierten Tabellen. 30,6 x 19 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (bekratzt, fleckig, beschabt und bestoßen) mit hs. RTitel. Berlin, Graues Kloster, 1576.

VD16 T 1167. STC 861. Bird 2257. Brüning 499, Choulant (Anat. Abb.) 83 (falsch "1567"). Durling 4352. Ferchl 536. Ferguson 453 (nicht in der Young Coll.).Waller 9576. Wolfenbüttel 1663. Nicht bei Ackermann Adams, Duveen Eales (Cole Library), Honeyman, Lesky, Osler, Rosenthal (Bibl. magica) und Wellcome. – Seltene erste Ausgabe dieses wichtigen, reich illustrierten Werks zur Uroskopie, über die medizinischen und alchemistischen Versuche mit dem menschlichen Harn beiderlei Geschlechts, wobei auch zahlreiche Exkurse alle möglichen Arten der teils medizinisch (empirisch) belegbaren, teils aber auch okkulten Phänomene beschrieben und vorgeführt werden.
Autor ist der Basler Gelehrte und Humanist, der bedeutende Goldschmied, Metallurg und Hüttentechniker Leonhard Thurneysser zum Thurn (1531-1596), der zum Leibarzt am Hofe des Brandenburger Kurfürsten Johann Georg arrivierte und zahlreiche Werke auf seinem Gebiet veröffentlichte.
Gewidmet ist das Werk Gotthard von Kettler, Herzog von Kurland und Semgallen. Das von einer besonders aufwendigen, prachtvollen Manierismus-Bordüre eingefasste Porträt Thurneissers stammt von dem Formschneider Peter Hille aus Frankfurt an der Oder. Die mit Klappteilen versehenen großen Holzschnitte auf den num. Bll. 28r, 35r und 105v führen die menschlichen Organe bei Mann und Frau vor und zeigen einen Destillierofen (lose), ebenfalls aufzuklappen, um die technische Konstruktion zu veranschaulichen. Die große Falttafel nach Blatt 85 beschreibt und bildet eine Waage und deren Gewichte ab. Auch die Drehscheibe auf Seite 106r ist sauber einmontiert. Die nur einigen Exemplaren beigebundenen Faltblätter mit je 2 Holzschnitten (zwischen Fol. 33 und 34 sowie Fol. 36 und 38) sind hier nicht vorhanden. – Mit mehreren älteren Marginalien und Anmerkungen sowie Unterstreichungen teils in Rot, leicht gebräunt, nur vereinzelt etwas fleckig, kaum Fingerflecke, wenige kleine Ausrisse des pergamentnen Griffregisters. Auch die winzigen beiden Klappteilchen auf Seiten 35v und 36r sind vorhanden. – Nachgebunden: Derselbe. Quinta essentia, das ist, die höchste subtilitet krafft und wirckung, beyder der fürtrefflichsten, und menschlichem geschlecht am nützlichsten Künsten, der Medicin und Alchemy. Jetzt von newem gemehret und gebessert. CCXII S., 1 Bl. Mit kolorierter Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel, ganzseitigem Holzschnitt-Porträt in Bordüre und 16 teils wdhl. großen (2 kolorierte, 1 ankolorierter) und 10 kleinen Textholzschnitten. Leipzig, (E. Vögelin für Hans Steinmann, 1574). - STC 862. Brüning 478. Partington II, 154. Durling 4359. VD16 T 1208. Ferguson II, 545. Zweite Ausgabe des erstmals 1570 im Quartformat erschienenen alchemistischen Hauptwerkes von Thurneisser zum Thurn. "The Quinta Essentia contains some repulsive pictures of the 'spirits' of mercury, sulphur, salt, etc. and follows Paracelsus in the parallels salt = earth = body, sulphur = spirit, mercury = water = soil" (Partington). Der Text ist in Versform abgefasst als Lob und Lehrgedicht auf die Wechselbeziehung von Alchemie und Medizin, "das ein On beystant der andres keyn nutz sey und in menschlichen Cörpern zu wircken kein Krafft hab" (Titel). Von ganz besonderem Interesse sind die großen Holzschnitte, die auf ebenso drastische wie künstlerisch ausgefeilte Weise die einzelnen Elemente und ihre Wirkungen in Szenen mit allegorischen Figuren, Monstern, Fabelwesen etc. darstellen. Herrlich ist auch das in Rot und Schwarz gedruckte Figurengedicht: "Argument und inhalt der dreyzehen Bücher Quintae Essentiae kurtz gestellt" (Seite XXIV). - Ähnlich gut erhalten, mit älteren Einträgen, mit nur ganz wenigen kleinen Randausbrüchen bei Fingerregister und gleichmäßig gleich gebräunt. Die Titelvignetten beider Werke sowie die drei kolorierten Tafeln nicht sehr exakt ausgeführt. Die Holzschnitte jedoch jeweils in bestem, konstrastreiche, scharfen und starken Druck. - Insgesamt sehr schönes Exemplar in zeitgenössischem Einband mit einer Christus-Erlöserrolle und einer hübschen Darstellung der Lucretia auf der Mittelplatte: "Voluntatem timentium se faciet [et deprecationem eorum exaudiet, et salvos faciet eos. Custodit] Dominus [omnes diligentes se, et omnes peccatores]" nach Psalm 114, 19 ("Er erfüllt den Willen derer, die Ihn fürchten, Er erhört ihr Gebet und errettet sie von den Nebeln").

English: Thurneisser zum Thurn, Leonhard. Bebaiosis agonismou [graece], Das ist Confirmatio Concertationis 1576. - Rare first edition of this important, lavishly illustrated treatise about Uroscopy. With numerous old marginalia and comments and underlining in brown or red slightly browned, scarce foxing and hardly finger stainy, few minimal tears caused by vellum flaps (of finger index).
Misses only the two larger folded leaves each with two woodcuts (between folio 33 and 34 resp. folio 36 and 38).
Bound together with: Thurneisser. Quinta essentia 1574. - In similar good state, with some older entries, few small damages to margin resp. edges due to finger index. The woodcuts throughout in very best, contrasty, sharp and precise print. - Altogether very nice copy in a fine contemporary binding in pigskin (little scratched, stainy, scuffed and rubbed), richly blind tooled with a Savior-roll and e beautiful middle plate depicting Lucretia stabbing herself with the motto from the book of Psalms "Voluntatem timentium se faciet [et deprecationem eorum exaudiet, et salvos faciet eos. Custodit] Dominus [omnes diligentes se, et omnes peccatores]" (Psalm 114, 19).

Schätzpreis
€ 8.000   (US$ 9.120)


Zuschlag
€ 5.000 (US$ 5.699)


Thurneisser zum Thurn, Leonhard
Magna Alchymia

Los 870

Thurneisser zum Thurn, Leonhard. Megale Chymia, vel Magna Alchymia. Das ist ein Lehr und unterweisung von den offenbaren und verborgenlichen Naturen, Arten und Eigenschafften, allerhandt wunderlicher Erdtgewechsen, als Ertzen, Metallen, Mineren, Erdsäfften, Schwefeln, Mercurien, Saltzen und Gesteinen. 2 Teile in 1 Band. 6 Bl., 144 S., 6; 2 Bl., 188 S. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und zahlreichen kleinen Textholzschnitten und Figuren sowie 8 großen Tafeln, davon 2 mit zus. 14 Holzschnitten, längs zusammenmontiert und 6 mit Holzschnitt-Bordüren und typographischen Tabellen, ebenfalls zusammen montiert. Titel in Schwarz und Rot. 36,6 x 23,8 cm. Halbpergament des 19. Jahrhunderts (etwas berieben, angestaubt). Köln, Johannn Gymnich, 1587.

VD16 T 1170-71 und T 1180. STC 862. Ferguson II, 452. Duveen 579. Wellcome I, 6302. Schmieder 286. Sudhoff 364. Brüning 583. – Nachdruck der Berliner Erstausgabe von Nicolaus Voltz aus demselben Jahr 1583. Seltenes enzyklopädisches Werk, das eher in den Bereich der Mineralogie als in den der Alchemie einzuordnen ist. "Neuauflage des Berliner Drucks von 1583, mit einem neu gesetzten Titelblatt" (Brüning). Der zweite Teil enthält das Onomasticon, in dem vorliegenden Exemplar wie üblich nicht mit einem eigenen Titelblatt (vgl. die im VD16 angeführten Exemplare und das Digitalisat, das genau unserem entspricht, dort allerdings wohl ohne die Tafeln). Da beide Werke auch einzeln erhältlich waren, hatte Gymnich ein eigenes Titelblatt (mit Bordüre) und drei weitere Blätter mit Vorstücken (darunter ein Porträt des Autors) gedruckt, die nur den Einzelausgaben beigegeben wurden. Das "Onomasticum und Interpretatio oder ausführliche Erklärung den zweiten, aber selbständigen Teil des von Thurneisser wohl mehr zu Zwecken der Publizität hrsg. Fremdwörterbuches" enthält. Das vorliegende Exemplar ist insofern in dieser Form absolut vollständig.
Die beiden "Tabulae quarundam syllabarum", beide längsrechteckig, sind zusammenmontiert, die sechs Tabellen mit den einzelnen Buchstabenkonkordanzen der Fremdsprachen sind ebenfalls zu einer großen synoptischen Tafel sauber mit hinterlegenden Falzen montiert. – Zwei Blätter mit Randausrissen alt verstärkt, nur leicht gebräunt, sauber. Die Tafeln mit kleinen älter hinterlegten Einrissen und Ausrissen (stellenweise geringer Textverlust, meist aber ordentlich).

English: Two leaves with little tear outs, backed in former times, slight browning, clean copy. The plates with some older backed or restaured tears resp. tear outs (but hardly any loss of text, mostly fine). Half vellum of the 19. century (a little rubbed and dusty).

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.367)


Zuschlag
€ 1.800 (US$ 2.052)


Vives, Juan Luis
Von Gebirlichen Thun und Lassen aines Ehemanns ...

Los 871

Vives, Juan Luis. Von Gebirlichen Thun und Lassen aines Ehemanns ain Buch verteuscht und erklärt durch Christophorum Brunonem, van der Rechten Licentiaten, diser zeyt Poetischen lerern zü München. LX Bl. (ohne die 4 Bl. Vorstücke, diese in Faksimile). Mit 12 Textholzschnitten des Petrarcameisters. 29 x 18,5 cm. Halbpergament des 18. Jahrhunderts (Rücken mit neuem Pergamentstreifen) mit Kibitzbezugspapier. Augspurg, Heinrich Stayner, 1544.

VD16 V 1886. Graesse VI/2, 380. Dodgson II, 157. Museper L 180. Hayn-Gotendorff VIII, 136: "Sehr rar". Muther 1125. Palau 371624. Nicht bei Adams und im STC (nur Ausgabe 1566). – Erste deutsche Ausgabe, übersetzt von Christoph Bruno, die lateinische Erstausgabe war schon 1529 in Brügge publiziert worden, eine zweite deutsche druckte Christian Egenollf zu Frankfurt im Jahre 1566 (VD16 V 1887). Autor des Büchleins, das vor allem die Rechte und Pflichten eines sorgenden Ehemanns gegenüber seiner Frau beschreibt, die geehrt und hochgehalten werden sollen, ist der valencianische Philosoph und Humanist Juan Luis Vives (1492-1540), der mit seinem Werk eine für die Sozialgeschichte der Renaissance bedeutende Schrift vorlegte, die europaweit rezipiert und nachgedruckt wurde. – Es fehlt die erste Lage mit den vier Blättern der Vorstücke (Titel mit Holzschnitt bis Errata), hier als bemerkenswert gut gemachte Faksimileblätter beigebunden und ergänzt. Zwei Blätter mit Rissen von oben (Blatt XLI und LX, letzteres mit winziger Fehlstelle, diese hinterlegt). Wenige der Holzschnitte teils etwas flauer, meist aber recht gut im Abdruck, etwas gebräunt oder braunfleckig, insgesamt recht schönes Exemplar. – Vorgebunden: Derselbe. Von vnderweysung ayner Christlichen Frauwen Drey Buecher ... verteütscht. Durch Christophorum Brunonem. Fragment mit nur der ersten Lage. 4 Bl. Mit zweiteiligem Titel-Wappenholzschnitt, 2 Holzschnitt-Schlussbordüren und großem Textholzschnitt am dem letzten Blatt verso. Ebenda 1544. - VD16 V 1867. - Titelblatt mit zwei restaurierten Rasuren, etwas gebräunt.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.367)


Zuschlag
€ 850 (US$ 968)


Wachstafel
Mit Einträgen zur Güterteilungseinträgen aus de...

Los 872

Wachstafel mit Güterteilungseinträgen aus der frühen Neuzeit. Massive Eichenholztafel aus einem Stück mit beidseitiger rechteckiger planer Vertiefung, gefüllt mit einer jeweils ca. 1,2 mm starken Schicht aus schwarzem, geronnenen und zeitgehärtetem Wachs. Links 2 in das Holz eingelassene Lederriemenreste (auf die Tafelkontur beschnitten). Wachsfeld ca. 25 x 13 cm. Tafelgröße 30,8 x17 cm. Beidseitig mit Einträgen. Westliches Mitteldeutschland Ende 15. / Anfang 16. Jahrhundert.

Seltenes Beispiel für eine spätmittelalterliche-frühneuzeitliche Wachstafel mit zeitgenössischen Einträgen zu einer Güterteilung oder Warenzuweisung. Ursprünglich als Diptychon konstruiert waren zwei gleichgroße Tafeln mittels kräftigen Schweinslederlitzen, deren Reste man noch in Löchern bzw. Längskerben sieht, aneinandergebunden und mit diesem Scharnier auf- und zuklappbar. Vorhanden ist der rechte Diptychon-Flügel mit der originalen Wachsfüllung und Einträgen um 1500, die sich wohl auf eine Gütertrennung beziehen. Mehrere mit vollem Namen genannte Personen teilen sich ein bestimmtes Gut oder Waren, die ein Ludwig Hieronymus und Johann Rabe zur Verfügung stellten, nämlich "178 B", was sich wahrscheinlich auf eine Handelseinheit bezieht, etwa Ballen, Band, Bande, (Ge-)Binde, Bündel, Büschel oder ähnliches, wie es damals im Sprachgebrauch zur Bezeichnung von Warenmaßen üblich war: "Ludovicus Hieronimus und Johannes Raben 178 B". Es folgen die Begünstigten, denen jeweils ein Teil, entweder ein Viertel ("i virteil") oder lateinisch ein Quartum (abgekürzt "qrtm") zugestanden wird: "Gregor und Wolff Schilpergh i vierteil / Hans und Anthonius Schenck i qrtl (quarta) xiiij iar. / Hans Wolf Val[en]tin und Moritz Walhern 1 Virteil / Johan Vetter ... qrtm / Dem probist das ... i virteil / Hans und Otto Jeorge Hieronimus und Alexander Wagam i qrtm".

Geschrieben in einer gut lesbaren, sauberen Gotica bastarda, die die Datierung um 1500 bestätigt, ebenso wie das Eichenholz, auch wenn eine dendrochronologische Untersuchung noch aussteht. Auf der Vorderseite sind alle Einträge einmal mit einer Linie zeitgenössisch durchgestrichen. Die Rückseite war auch komplett beschrieben, ist dann aber ausgelöscht worden, was auch den zur Wiederverwendung nötigen Arbeitsschrit eindrucksvoll vor Augen führt.

"Die Wachstafeln dienten vorzüglich zu Aufzeichnungen von vorübergehendem Werthe, Rechnungen, Concepten, Briefen, Schulübungen, doch auch zu Urkunden ... Wachstafeln auf der Berliner Bibliothek enthalten Rechnungen des Stadtraths zu Hannover vom J. 142 ... Sie enthalten, wie sehr häufig, Namen, bei denen dann die geleisteten Zahlungen vermerkt wurden ... In Straßburg ist 'derselben Wachstafel Gebrauch in Beschreibung der gemeinen Stadt Einkommens und Aussgaben oder Pfennigthurms-Rechnungen noch bis anno 1500 in Uebung verblieben, wie solche Wachstafel-Rechnungen noch auff dem Pfennigthurme uffgehoben, und jährlich nebenst aneren raren Antiquitäten uff Joh. Baptiste öffentlich gezeigt zu werden pflegten" (Wilhelm Wattenbach, Das Schriftwesen im Mittelalter, Leipzig 1871, S. 38ff.). – Wenige Brüche im Wachsfeld, jedoch nur zwei ganz winzige Fehlstellen. Das Holzpanel minimal fleckig und leicht abgegriffen, mit den üblichen Unebenheiten eines spätmittelalterlichen Hobels, insgesamt von bester Erhaltung - ein sehr suggestives, museales Stück der deutschen Schriftgeschichte.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 513)


Zuschlag
€ 5.300 (US$ 6.041)



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