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Handschriften, Alte Drucke Auktion 113, Di., 16. Apr., 16.00 Uhr


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Kapitel Handschriften und Einzelblätter / Manuscripts / Manoscritti (Lose 801 - 822) » Kapitelwahl

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Hauptbild Beschreibung Status
Folia liturgica
Konvolut von 11 Handschriften-Einzelblättern au...

Los 803

Folia liturgica. Konvolut von 11 Handschriften-Einzelblättern. Lateinische Handschrift in schwarzer und roter Tinte auf Pergament und Choralnotation in romanischen Quadratnoten auf vier roten Linien, mit zahlreichen roten und blauen Initialen, mit Federwerk und Rubrizierung. Folioformat: zwischen ca. 50 x 30 und 55 x 40 cm. Frankreich, Italien 15.-16. Jahrhundert.

Material aus mindestens zwei bis drei verschiedenen Handschriften, fein gegerbt mit weiß gekalkten Fleischseiten und etwas milchig-elfenbeinfarbeneren bzw. gelb-braun gedunkelten Haarseiten, beschrieben in feiner Rotunda bzw. Fractura und geziert mit zahlreichen hübschen Federwerk-Initialen, einer großen Schlingwerk-Initiale, mehreren großen roten Initialen einer Minuskelschrift auf Schlingwerk-Knollenblütengrund in Violett sowie mehreren kleineren Initialen in Rot und Blau. – Wellig, etwas knittrig, teils mit Randläsuren und Montageresten, ein Blatt mit kleinem Ausriss unten, sonst kaum Läusuren oder Einrisse, wenige Oberflächenbereibungen, meist auf sehr festem Pergament.

Schätzpreis
€ 1.000   (US$ 1.130)


Nachverkaufspreis
€ 500   (US$ 565)

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Einblattholzschnitt
Neujahrsgruß "Ein Gut Jahr Dit Hich (d. i. heut...

Los 808

[*] Einblattholzschnitt als Neujahrsgruß: "Ein gut jar". Geflügelter Löwe mit Nimbus als Symbol für den Evangelisten Markus. Kolorierter Holzschnitt auf Papier. Darstellungsgröße: 17,5 x 11 cm. Blattgröße: 21 x 12,5 cm. Undatiert, im Stil des späten 15. Jahrhunderts.

Vgl. Bartsch 163, 771-795. – Seltener Neudruck eines Einblattholzschnitts aus dem späten 15. Jahrhundert mit dem bekannten Motiv des Markuslöwen. Das Schriftband mit dem Neujahrsgruß "Ein Gut Jahr Dit Hich (d. i. heute) beginne". – Verso mit leichten Montagespuren.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 395)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 282)

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Heures a lusage de Paris
Paris, Guillaume Eustache, 1509

Los 810

"Heures a lusage de Paris toutes an long sans riens requerir: imprimez nouvellement pour Guillaume eustache demourant a Paris en la rue de la iuifrie au deux sagitteres: ou au pallaiz au troysieme pillier". Spätmittelalterliches gedrucktes Stundenbuch auf Pergament. 123 (statt 128) Bl. Satzspiegel 12,8 x 8,2 cm. Format 16,4 x 10,8 cm. Mit großer kolorierter und goldgehöhter Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel, Hunderten von 1-3-zeiligen Initialen in Gold auf blauem oder rotem Grund, Zeilenfüllern und jeweils einer individuell gestalteten breiten Zierleiste sowie 14 (statt 19?) ganzseitigen Miniatur-Holzschnitten und 12 viertelseitigen Holzschnitten, alle reich illuminiert in deckenden Farben und mit Gold, teils auch mit Silber. Schwarzes Maroquin vom Anfang des 17. Jahrhunderts (Rücken mit wenigen winzigen Fehlstellen, leicht bestoßen) mit reicher floraler RVergoldung, dreifachen goldgeprägten Deckelfileten und feinsten Eckfleurons. (Paris, Guillaume Eustache, 1509).

Sehr seltenes, für uns nicht in öffentlichen Bibliotheken nachweisbares gedrucktes und überaus reich illuminiertes Stundenbuch nach dem Gebrauch von Paris. Die prachtvolle Druckermarke des Guillaume Eustache zeigt zwei mit Schilden und Bogen gewappnete Kentauren, die unter einem Baum mit goldenen Früchten, den Wappenschild mit der ligierten Marke des Druckers "GE" präsentieren.
Auch wenn Brunet die zumeist fehlende Bordüren- und Randleistenausstattung der späteren, vor allem der gedruckten Stundenbücher bedauert ("Quoiqu'elles soient presques toutes dépourvues de bordures, les heures de ce librairie sonst encore justement recherchées ..."), so bildet das unsrige eine prachtvolle Ausnahme - und gibt ein Beispiel dafür, dass die hohe Kunst der Illumination, auch der eigenständigen (denn hier sind die Bordüren nicht als Holz- oder Metallschnitte eingefügt) Illumination immer noch perfekt beherrscht wurde.

Den Stundengebeten geht der Heiligenkalender auf 14 Jahre ("Almanach pour xiiii ans"voraus (fol. 1v-7v)
Vom Text her interessant sind vor allem die "Quatrains" zum Kalendarium und eine "Orayson de saint fiacre" am Schluss. Vor einem Pariser Gasthaus, das mit dem Bilde dieses Stadtheiligen geschmückt war, pflegten sich die ersten Pariser Mietsdroschken aufzustellen, woher der Namen Fiaker rührt, der sich dann europaweit ausbreitete. Der heilige Fiacrius von Meaux (auch Fiacrius von Brie, Fiacre, Fèfre, Fèvre, Fiachra, Fiachrach) lebte ungefähr von 590 bis 670 als Einsiedler, der im 7. Jahrhundert aus Irland nach Frankreich gekommen war um dort zu missionieren und das sog. „grüne Martyrium“ zu finden.

Die illuminierten Holzschnitte im Einzelnen:
Verlegermarke (fol. 1r), Martyrium Johannes des Täufers (8v), Verrat Christi mit dem Judaskuss (11v), Verkündigung Mariae (16v), Augustinus und die tiburtinische Sybille (26v), Geburt Christi (34v) Verkündigung an die Hirten (38v), Anbetung der Heiligen Drei Könige (41v), Darbringung im Tempel (44v), Krönung Mariae (51v), David und Uria (54v), David und Bathseba (55r), Jesus und Lazarus (63v), Trinität (84r),
Die kleineren Holzschnitte mit Szenen aus den Vitae Sanctorum, dem Kampf des heiligen Michael mit dem Teufel (91v), Enthauptung Johannes des Täufers durch Salomé (92r), die heilige Barbara mit Turm und Kelch (92r), Ahasver for David? (92v), Enthauptung des Apostels Jakob (93r), heiliger Nikolaus (94r), heiliger Claudius (94v), heiliger Antonius (95r), heilige Anna mit der kleinen Maria (96r), Maria Magdalena (96v), heilige Margarete (97r), heilige Barbara (97v),

Über die Seltenheit des vorliegenden Drucks vgl. schon einen Eintrag der Revue des sociétés savantes: "M. Lhuillier, dans un travail court et substantiel, a fait connaître un livre d'heures imprimé en 1509 sur vélin en liettres gothiques, dont l'exemplaire, conservé à Melun chez un particulier, est peut-être unique. Ce livre a une date, il port un nom d'éditeur (Guillaume Eustache, demeurant à Paris, rue de la Juiverie), mais il manque de nom d'imprimeur" (Revue des sociétés savantes de la France et de l'étranger Band V, 1867, S. 161). – Es fehlen vermutlich fünf Blätter (C8, D1, E8, M1-2), sicherlich mit weiteren ganzseitigen Miniaturen. Im Kanon der Gebetsbuchillustrationen fehlen Mariae Heimsuchung, Kreuzigung, Grablegung, Beweinung und Auferstehung, zentrale Szenen des Heilsgeschehens. Blatt 26 (Sybille) mit winzigem Loch (im blauen Gewand des Augustinus), kaum fingerfleckig oder mit Gebrauchsspuren, lediglich etwas knapp beschnitten im 17. Jahrhundert (leichte Randverluste der Bordürenleisten), insgesamt sehr sauber und frisch und mit den Illuminationen in leuchtenden Farben und feinstem Pinselgold (kaum Abplatzungen). Blatt 26r ein wohl zeitgenössischer handschriftlicher Besitzeintrag einer bürgerlichen (!) Dame "Clemence Cordier femme de ysaac basille marchant de provins". Ein weiterer Besitzvermerk findet sich auf dem Titel: "A. Grillon D. M. 1678". Vor den Block vorne sind noch zwei weitere Pergamentblätter eingebunden mit vier Seiten liturgischen Gesängen auf rotem Vierliniensystem mit schwarzer Quadratnotation zum Osterfest: "In die Sanctissimo Pascha", hinten entsprechend weitere 12 Pergamentblätter und folgend noch 4 Papierblätter, darauf weitere liturgische Gesänge für den Advent, zum Officium des Heiligen Theobald, der "Missa Sancti Rochi" und Vespergesängen, alles aus dem 16. Jahrhundert. Die vier Papierblätter enthalten zusätzliche Stundengebete in französischer und lateinischer Sprache. Auch die marmorierten Vorsätze sind auf den weißen Rückseiten als Textträger gebraucht. Interessant ist hinten auf den Pergamentblättern 8 und 9 ein hs. Bericht über eine Prozession, die in Provinz (einer Gemeinde im heutigen Département Seine-et-Marne in der Region Île-de-France) am 14. VII. 1675 stattfand, und bei der ein "Eustache Grillon Medecin" genannt wird. Ein dritter Besitzer, eine "Citoyen Piar", hat einen Kaufvermerk vom 13. IV. 1793 auf dem 7. Pergamentblatt eingetragen. Modernes Exlibris auf dem hinteren Innendeckel.

English: Very rare printed and richly illuminated book of hours, never recorded in any public library. With larg coloured and gilt woodcut printers device on title page, some hundres of 1-3 line gold initials, illuminated line filler bars, broad ornamental strips and 14 (instead of probably 19?) full-page miniatures in woodcut, furthermore 12 quarter-page woodcuts, all lavishly illuminated in beautiful colours, partly with gilding and silver. Bound in black Morocco of the beginning of the 17th century (back cover with few minimal losses, slightly scuffed). With rich floral gilt spine, threefold golden cover fillets and corner fleurons.
Five leaves are probably missing (C8, D1, E8, M1-2), presumably on which we once met further full page miniatures, as compared with the usual sequence of mediaeval book of hours there is no depiction of the St. Mary’s Visitation, Crucifixion, Entombment, Lamentation and Resurrection. Leaf 26 (Sybille) with small hole, hardly any fingerstains of signs of wear. In the 17th century, the block seems to be cut a little bit narrowly to edge (minimal loss of marginal borders), altogether a very clean, fresh and beautiful copy with the wonderful, shiny illustration in luminous colouring and finest brush gold (hardly any rubbing).

Leaf 26r with an autograph entry of a bourgeois lady "Clemence Cordier femme de ysaac basille marchant de provins". Another entry on title page: "A. Grillon D. M. 1678". On two, at beginning bound-in parchment leaves we find four pages with liturgical chants: "In die Sanctissimo Pascha", at the end some more 12 parchment leaves with further vocals, e. g. for the “Officium of Saint Theobald, "Missa Sancti Rochi" and vesper chants of the 16th century Jahrhundert. Added are some additional prayers for the hours. On leaf 8 and 9 we find a report about a procession in the provinz of today’s Département Seine-et-Marne in the region Île-de-France), which took place the 14th July 1675, mention among others a certain "Eustache Grillon Medecin". A third owner is the "Citoyen Piar" with a buyer’s entry of 13th April 1793 (leaf 7).

Schätzpreis
€ 8.000   (US$ 9.040)


Nachverkaufspreis
€ 19.000   (US$ 21.469)

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Antiphonarblatt
Doppelblatt Oberitalien 17. Jahrhundert

Los 814

Mit plateresker Initiale aus einer andalusischen Handschrift
Antiphonarblatt. Einzelblatt aus einem monumentalen Antiphonale. 4 Zeilen mit 4 fünflinigem roten Notensystem und romantische Quadratnotation. Schrift in Rot und Schwarz- Schriftraum: 62 x 44 cm. Format: 76 x 56 cm. Mit großer floraler Zierinitiale "S" in Rot, Blau, Gelb und Grün auf purpurfarbenem Grund mit floralem Silberornamenti und im schwarzen Rahmen mit Goldornament. Wohl Spanien, Anfang des 17. Jahrhundert.

Ein Blatt einer besonders großen Antiphonale-Handschrift wohl einer spanischen Schreiberwerkstatt mit dem Anfang des Responsoriums "Sanctificamini filii Israel..." zu den Laudes ("Ad laudes et per horas"), das vor allem in der Gegend um Cordoba, Sevilla und Granada in Andalusien fester Bestandteil der Liturgie war. Auch die prachtvolle Initiale könnte in einer spanischen Miniaturistenwerkstatt entstanden sein: dafür spricht der überaus minutiös ausgestaltete Bildgrund, der an den "Horror Vacui" erinnert - eines der charakteristischen Merkmale des plateresken Stils. So ist die in üppigem Knollenblattwerk dargestellte Initiale "S" in leuchtenden Gouchefarben, in Grün, Rot, Blau und Gelb koloriert, der rechteckige Grund ist in tiefem Purpur gegeben, mit feinsten Ornamenten aus flächendeckendem Pinselgold gefüllt: mit Schlingwerk, Blumen, Sternblüten etc. Außen um die Initialkonturen setzt sich das Ornament in Silber fort. Den Purpurgrund umgibt ein schwarzer Rahmen mit Guillochen aus Akanthusschlingen, die auf einen Wulstrahmen anspielen. – Nur leicht wellig, sehr sauber, das Pergament sehr weiß gebleicht (auch das wäre typisch für die vermutete spanische Herkunft), kaum fleckig, sehr sauber - und sehr dekorativ.

Schätzpreis
€ 280   (US$ 316)


Nachverkaufspreis
€ 140   (US$ 158)

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Horae polscae Beatae Mariae Virginis
Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament,...

Los 822

Horae polscae Beatae Mariae Virginis. Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament. Geschrieben in einer gebrochenen Gotica Textura in schwarzer Tinte auf rot durchreglierten Spiegeln. 86 nn. Bl. (davon d. e. und die 3 le. w.), handschriftlich später nummerierte 1-172. 1-2 Spalten. 25 bzw. 17 Zeilen. Schriftraum: 10 x 6,2 cm. Format: 16,4 x 12 cm. Mit zahlreichen großen Initialen und Hunderten von Zeilenfüllern in Gold und Farben, durchgehender Rubrizierung mit kleinen Initialen in Gold, in Rot und Blau mit Federwerk sowie gelber Versalstrichelung. Mit 25 großen, bis zu 18-zeiligen Initialen in Farben und meist auf Goldgrund, 19 (1 großen, 18 kleineren) szenisch-figürlichen Vignetten, 8 großen szenischen Darstellungen sowie 6 ganzseitigen, 7 großen und 22 kleinen Miniaturen, ferner 38 großen Figuren von Heiligen etc. an den Randern, rahmendes Rankenwerk um jede Seite mit Goldpunkten, floralen Elementen und reich belebt mit Menschen und Tieren, alles großzügig in Blatt- und Pinselgold sowie feinsten, leuchtenden Gouache-Farben. Pergament der Zeit über abgefasten Holzdeckeln mit reicher geometrischer Rückenvergoldung und blinden Innenkantenriefeln sowie 2 Messingschließen, ferner auf den beiden Deckeln jeweils eine massive, reich gezierte, teils vergoldete, teils versilberte Messingplatte, auf dem Rückdeckel mit vier Rundbuckeln aus hellroten petrifizierten Korall-Edelsteinen. Polen, Posen (Poznań) um 1910.

Polnisches Stundenbuch im Stil der französischen "Livre d'heures" in überaus reicher, verschwenderischer Luxus-Illumination, die sich allerdings von den üblichen Vorbildern im mittelalterlichen Herbst in der Ile-de-France oder den Niederlanden abhebt und zu eigener künstlerisch Interpretation findet. So ist auch die Anordnung der Texte teils individuell eingerichtet, ein Kalendarium gibt es nicht, ebenso das Totenoffizium. Den Textspiegel flankieren von den phantasievollen Bordüren einbezogen zahlreiche Darstellungen von Heiligen mit ihren Attributen, wobei vor allem typische polnische Schutzheilige erscheinen, darunter Bogumil, Florian, Jadwiga, Jacek, Kunigunda und viele mehr. Die sechs ganzseitigen Miniaturen zeigen eine Sacra Conservatione mit Maria, von Heiligen umgeben, ferner Christus in Gethsemane, die Kreuzigung Christi auf Golgatha, Sankt Stanislaus, Mariae Verkündigung, und die Assumption, die Himmelfahrt Mariae mit ihrer Aufnahme in den Himmel und Krönung durch Gottvater, Sohn und Heiligem Geiste.
Die großen Miniaturen (ca. 8,5 x 6 cm) mit Szenen wie Darbringung im Tempel, Verkündigung an die Hirten, Gemeinschaft der Pharisäer, Jesus reiten nach Jerusalem am Palmsonntag (sehr suggestive, perspektivische Szene), Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, das letzte Abendmahl, Kreuzigung mit Maria und Johannes etc.

Von den 22 kleinen Miniaturen sind 14 als Lunettenminiaturen (ca. 4,5 x 6 cm) in den Ornamentbogen der Kapitelanfänge einbeschrieben, sie zeigen Szenen wie die Taufe Christi, die Opferung Isaaks, Johannes auf Patmos, König David mit der Lyra, Christi Geburt, Auferstehung als Christus Triumphans, der lehrende Christus im Tempel... Hinzu kommen die als Endstücke gestalteten Miniaturen im Querrechteck (ca. 5,2 x 8,4 cm), darunter die Kreuztragung, Himmelfahrt Mariae ... Auch die großen und kleineren Initialen sowie die Goldvignetten sind meist noch mit weiteren entzückenden biblischen Szenen ausgestaltet wie etwa Verrat Petri, Pfingstwunder aber auch zu Andachtsbildern verkürzte Szenen wie die Madonna Galaktotrophusa, der Gnadenstuhl, Segnender Heiland und so weiter. Eine Seite ist mit einem kleinen Totentanz ausgestattet in 8 Bildern, darunter 6 Vignetten und 2 Initialen: Der Sensenmann als Gerippe holt den Ritter, den Handwerker, den Wucherer, die hübsche Jungfrau ebenso wie den alten Bettler, den Papst ebenso wie den Kaiser ins Reich der Toten ab.

Nicht zuletzt verdienen auch die fein ausgestalteten Bordüren besondere Beachtung, winden sich in den Akanthusschlingen, in den Blatt- und Knospenwerk doch nahezu unzählige kleine apotropäische Gestalten, Monster, Teufelchen, Mönche und Nonnen, Kinder und Menschen, die wiederum zu kleinen biblischen Szenen gruppiert sind - wie etwa die Hochzeit zu Kana, Christus als Hirte, Anbetung des Kreuzes durch die himmlischen Heerscharen, Christus in der Vorhölle, Lamm Gottes auf dem Weihaltar oder etwa Christi Wohnstube, in der Maria am Spinnrad sitzt, während der kleine Jesusknirps seinem Vater bei Tischlerarbeiten zuschaut und dahinter ein Engel den Boden fegt.

Die Illumination ist zumeist in kostbarsem Blattgoldgrund hinterlegt, aber auch Pinselgold kam für die winzigen Szenen zum Einsatz sowie die gesamte Palette der leuchtendsten, frischesten Farben von Nacht- zu zartem Himmelblau, Rot, hin zu Orange, feinstem, tonigen Lila und Violett, allen möglichen Grüntönen etc., immer wieder durchsetzt von Goldpunkten, Goldbuchstaben und ornamentalen Mustern.

Am Schluss wird um den Segen der obersten polnischen Kirchenherren - und seiner Heiligkeit des Papstes Pius X. (1835-1914) gebeten, was die Datierung zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlaubt: "Florayana der Bischof von Gnesen und Bischof von Posen, der Heilige Bozicielko und die Heiligen Patrone von Polen mögen für uns beten Amen" (Floryana arcybiskupa gnieźnieńskiego biskupa Poznanskiego. Swieta Boza Bodzicielko i Swieci Patronowie Polski modlciesie za nami Amen).

Einband:
Die überaus reich gezierten, massiven Deckelplatten aus Messing zeigen auf dem Vorderdeckel ein Gitter aus Kreuzblumenbändern (Tempelritterkreuze im Korbreif mit kleinem Mittelkreis), die die Platte außen umgeben und in den Ecken jeweils ein Feld umgrenzen. In jedem dieser vier Felder erscheint ein reliefgearbeitetes, vergoldetes Evangelistensymbol für Matthäus (unten links der geflügelte Mensch), Markus (oben links der geflügelte Löwe), Lukas (oben rechts der geflügelte Stier) und Johannes (unten rechts der Adler).

In dem kreuzförmigen Raum dazwischen ist Christus am Kreuz dargestellt, das Kreuz vergoldet, ebenso der Lendenschurz und das Suppedaneum, während der Leib des Gekreuzigten selbst versilbert wurde, ebenso das "INRI"-Schild sowie oben die Büste Gottvaters und unten die Taube als der Heilige Geist. Links und rechts unter dem Kreuz füllen wilde Akanthusschlingen den punktgehämmerten Grund, auf ihnen sitzt jeweils ein Paradiesvogel (wohl Pelikan) und unten zwei Wildtiere (wohl Rehe), allesamt Symbole für die Reinheit des Herren, für sein Martyrium und seine Auferstehung (vgl. die entsprechende christologische Ikonographie).

Den Rückdeckel bestimmt die Rautenform mit der Gestalt der thronenden Maria nach der Ikonologie der byzantinischen Hodegetria-Darstellungen: Die in Silber gegebene Maria hält den ebenfalls versilberten kleinen Jesusknaben im Schoß, während der Thron in Gold gehalten wurde. Der Bildgrund besteht hier aus einem durch Doppelfileten gezogenen silbernen Muster von Rauten, die jeweils eine stilisierte Blume und einen Stern zeigen. In den Außenzwickeln erscheinen vier weitere Fabeltiere, und auf den radial in die Ecken weisenden Bändern ist mittig jeweils ein korallfarbener Edelstein eingelassen, rund-oval gefasst von Korb- und Blütenreif.
Der Einband ist unten im Rand und auf dem Rückdeckel im linken unteren Zwickel signiert: "BLACHIAK". – Wohlerhalten und kaum mit Gebrauchsspuren, durchgehend sauber, kaum Farb- oder Goldabplatzungen, grandios frisch und in bester Gesamterhaltung. Der massiv versilberte Einband ist teils leicht oxidiert, jedoch kaum berieben (nur ganz vereinzelt kleine Silberabreibungen), alles ist vorhanden (auch die Buckeledelsteine sind vollständig) und nahezu wie im Urzustand erhalten - ein Meisterwerk der polnischen Schmiede-, Handwerks- und Juwelierkunst am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.559)


Nachverkaufspreis
€ 8.000   (US$ 9.040)

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