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Handschriften, Alte Drucke Auktion 114, Di., 15. Okt., 17.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status

Nibelungen
Das helden buch mit synen figuren

Los 1020a

Nibelungen. - Das helden buch mit synen figuren. Daraus 1 Holzschnitt. Ca. 18 x 13,8 cm. Hagenau, Henrich Gran für Hans Knoblauch, 1509.

VD16 H 1566. – Textblatt mit hübschem Holzschnitt zum Nibelungenlied, wohl aus dem von Jörg Breu und anderen illustrierten "Heldenbuch", das erstmalig 1479 in Straßburg von Johann Prüss gedruckt wurde (GW 12185. Hain-Copinger 8419. Copinger 2905), dann am 24. März 1491 von Johann Schönsperger in Augsburg übernommen und dann erstmalig im 16. Jahrhundert im Jahre 1509 von Henrich Gran auf Kosten des Hans Knoblauch herausgegeben wurde. – Wie üblich etwas fleckig, gebräunt und mit Gebrauchsspuren.

Schätzpreis
€ 150   (US$ 165)


Zuschlag
€ 100 (US$ 110)


Erscheinung Christi
Miniatur auf Pergament aus einem gedruckten Stu...

Los 1021

Epiphanias. Einzelblatt mit einer Miniatur auf Pergament aus einem gedruckten Stundenbuch. 1 Blatt mit typographischem Text und koloriertem Holzschnitt in Gouache mit Goldhöhung. Bildgröße: 8,6 x 6,6 cm. Blattformat: ca. 15 x 9,5 cm. Mit Passepartout unter Glas in mehrfach profilierter Holzleiste gerahmt. Frankreich um 1520.

Miniatur zur Erscheinung Christi mit der Anbetung durch die Heiligen Drei Könige. Dargestellt ist die Muttergottes Maria in blauem Mantel mit dem Jesuskind auf dem Schoß vor dem Fachwerk-Stall, hinter ihr Ochs und Esel. Von links nähern sich die drei Weisen aus dem Morgenlande dem Kind, dem sie ihre prächtigen Gefäße mit Weihrauch, Gold und Myrrhe darbringen. Die ganze Szene ist in einen ovalen Grisaille-Rahmen eingefasst, die roten Zwickel mit Federwerk geziert. Die ganze Seite ist mit einer linearen Ädikulaarchitektur in blassem Pinselgold umrahmt. Der in Antiqua gedruckte Text lautet: "Deus in adiutorium meum intende Nomine ad aduvandum me festina Gloria patri et filio" (mit einem interessanten Satzfehler, statt "et" ist das Abkürzungszeichen für "rum", "orum" oder "arum" gesetzt). – Nicht ausgerahmt, minimale Gebrauchsspuren, dekorativ.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 275)


Zuschlag
€ 550 (US$ 605)


Santa Maria Regina Coeli
Einzelblatt aus einem gedruckten Stundenbuch

Los 1022

Santa Maria Regina Coeli. Einzelblatt aus einem gedruckten Stundenbuch mit einer kolorierten und goldgehöhten Holzschnitt-Miniatur. Ca. 20 x 12,5 cm. Mit Passepartout in vergoldeter Holzprofilleiste. Frankreich um 1525.

Ikonographische Darstellung der Muttergottes als Immaculata in weißem Gewand mit roter Gürtelkordel, Goldnimbus und langem goldenen Haar, die Hände zum Gebet gefaltet. Über ihr erscheint Gottvater mit Weltkugel und Segensgestus, begleitet von roten Seraphim. Der ganze Szenerie ist eingefasst von einem mit roten Linien reglierten Renaissance-Rahmen mit Kymaton und Ziergiebelchen oben. Zwischen Marie und Gottvater das Schriftband: "Tota pulchra es, amica mea et macula non est in", etwa: "Du Maria, meine schönste Freundin, kein Sünd ist je in Dir". Links und rechts sind zahlreiche Symbole und Attribute der Marienikonographie dargestellt: "Ortus conclusus", "Civitas dei", "Fons signatus", "Turis david", "Stella", "Oliva spiccio", "Puteus aquarum viventium", "Porta celi", "Electa ut sol". – Nicht ausgerahmt, kaum berieben, insgesamt sehr schön erhalten, in leuchtenden Farben und gepinselter Chrysographie fein goldgehöht.

Schätzpreis
€ 400   (US$ 440)


Zuschlag
€ 400 (US$ 440)


Was glücklich wohl ergangen...
. 9 Handschriften-Fragmente eines spätmittelalt...

Los 1023

"In ebig zeitt onzertrent - bis das dij welt hab ein ennelt"
"Was glücklich wohl ergangen...". 9 Handschriften-Fragmente eines spätmittelalterlichen Epos. Frühneuhochdeutsche Handschrift in Sepiatinte auf Papier. 9 Bl. 2 Spalten. 354 (von ?) Verse in 354 Zeilen. Schriftraum: Breite ca. zwischen 7 und 11 cm. Format: 10,5 x 16,2 cm. Bayrisch-süddeutscher Raum Mitte des 16. Jahrhunderts.

Umfangreiches, wohl bis dato nicht bekanntes, nicht publiziertes spätmittelalterliches Heldenepos in neun Fragmenten, die als Makulatur verwendet wurden und daher einige Ausschnitte, Risse, Bräunungen, Leimspuren etc. aufweisen. So sind Textpartien teils unleserlich oder von Leim überdeckt, die meisten Teile jedoch gut lesbar. Ausschnitte (um die Buchbünde) bilden ebenfalls Textverluste. Dennoch bleibt ein recht großes Corpus des spätmittelalterlichen, neuhochdeutschen Textes erhalten.

Daraus geht hervor, dass es sich um ein frühneuhochdeutsches episches Gedicht mäßiger literarischer Qualität handelt, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Es geht um Kriegsführung und militärische Vorbereitungen eines Sultans und Kalifen zu einem großen Krieg. Erzählt wird aus der Perspektive eines Gastes im Hause des Sultans, der als Ich-Erzähler auftritt und von den ritterlichen Abenteuern berichtet.

Abgefasst in Paarreimen (jeweils zwei Zeilen bilden ein Reimpaar) handelt es sich um eine gegenüber der Vorlage verbesserte Fassung mit zahlreichen vom Schreiber hinzugefügten Neuformulierungen, Ergänzungen, Zeilen- und Wortstreichungen, Korrekturen und Änderungen.

Vorhanden sind neun, jeweils beidseitig beschriebene Fragmente aus Doppelblättern, die mit einer sehr dekorativ geschwungenen bayrisch-süddeutschen Bastarda beschrieben wurden. Als Wasserzeichen erkennt man (beispielsweise auf Blatt 2) eine Bügelkrone mit Kreuz.

In welcher Reihenfolge sich die Blätter befanden, ist nicht mehr auszumachen, fehlen doch auch dazwischen immer wieder Passagen. So wurden die Blätter von willkürlich, bzw. nach möglichst sinnfälliger Reihenfolge durchnummeriert und womöglich transkribiert (Fehlstellen durch Ausschnitte, Überschnitte, aber auch durch Unleserlichkeit sind mit […] markiert. Transkription auf Anfrage erhältlich).

Auf den neun beidseitig beschriebenen Blattfragmenten sind insgesamt 354 Verse bzw. Versfragmente erhalten. Die Urfassung der Verserzählung sowie die von Schreiberhand eingefügten Neuformulierungen von etlichen Versen, auch die Nachträge und Zusätze, ist allenthalben von mäßiger dichterischer Qualität, wiewohl sie ein höchstinteressantes, bis dato wohl noch nicht an das Licht der Öffentlichkeit gehobenes Sprachmonument des frühen Neuhochdeutsch darstellt.

Blatt 1 recto:
Was glicklich wol ergangen
Von pald ab er gefangen
Dem hoch … Inn dem here
Het er mitt seiner were
Richterlichen erstatten.
Verhawen tieff geschniten

Seinen spies mitt dem swertl
Zerprochen gar hochgeert
Ward er zer selben zeiten
Ver nachend und auch weittend
Wurden potten ußgesandt
Uber all [gestrichen: Inn dy landt; ersetzt durch:] und auch zehandt

Dem konig brieff geschihett
Wie es dem gasst gelijhett
… hett es wol erganngen
Dem sold […] am pald gfangen
Dem haub […] von Babilon

Blatt 2 recto
Nit nach geeylt so werend all
In den galeren Mit schall
[…] davon hin komen
Die konig sy da all nomen
In gefencknuß furtens dan
und [gestrichen] dar zu gan man herman
von haidenischer arte
plib tod von dem vil zaren
ligen … tieffe verhawen

Mit freuden war (sach) man wchawen
Am anndern tag, frue morgen
Den … gaste an sorgen
Her ziehen mitt den Gfanngen
Er was Im wol ergangen
Dann was er P… mitt dem swerlt – Ein Blatt (7) verso auf dunkelbraunes Leder aufgezogen, mit Fehlstellen und dort durchscheinenden Textpassagen, d. h. das Blatt war auch verso beschriftet. Mehrere Durchstreichungen von Passagen aber auch ganze Kolumnen wurden durchgestrichen mit X-Linien. An den Margen wurden dann in andererer Hand und anderer Tinte Korrekturen angebracht, Einfügungen, Ergänzungen hinzugefügt etc. Es handelt sich wohl um einen Text, an dem noch gearbeitet wurde. Alles in allem ist die Schrift jedoch meist recht gut lesbar und mit hübschen kalligraphischen Schwüngen und den üblichen Kringeln und Ausläufen in Federwerk geziert worden.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.200)


Zuschlag
€ 8.000 (US$ 8.800)


Medici
"Ex Bibliotheca Medicea". Italienische Handschr...

Los 1024

Aus den mittelalterlichen Manuskripten der Laurenziana zu Florenz
Medici. - "Ex Bibliotheca Medicea". Italienische Handschrift auf Papier. 1 S. in sepiabrauner Tinte auf Folio-Doppelblatt. Schriftraum ca. 19,5 x 17,5 cm. Format 29,6 x 22,7 cm. Norditalien (wohl Florenz) um 1560.

Früher Katalogauszug in einer sauberen italienischen Humanistenhandschrift mit 16 Titeln von theologischen Manuskripten aus der berühmten Medici-Bibliothek in Florenz, der "Biblioteca Medicea Laurenziana", angefertigt unter der Ägide des spanischen Humanisten und Philosophen Juan Páez de Castro (1510-1570). Dieser hatte in Alcalá, Salamanca und Bolonia studiert, von wo er den spanischen Dichter und Diplomaten Diego Hurtado de Mendoza nach Roma folgte. Hier empfing er die Priesterweihe und machte sich einen Namen als Schriftsteller und Historiker. Seine fließenden Sprachkenntnisse in Spanisch, Italienisch, Arabisch, Griechisch und Latein führten ihn vor allem zum Zentrum seines Interesses als humanistischer "Bibliophilus": So gehört er zu den bedeutendsten Forschern nach antiken wie mittelalterlichen Texten, in dem er sowohl für sich selber als auch für andere Zeitgenossen bedeutende Bibliotheken anlegte, Manuskripte erwarb, kollationierte, nach Textvarianten und fehlenden Passagen durchsah, kommentierte und Kopien in Auftrag gab (beispielsweise für Diego Hurtado de Mendoza aber auch Francisco de Mendoza in Burgos etc.).

Das Blatt (oben hs. nummeriert "171") weist eine vornehme Provenienz auf: Es stammt aus einem Manuskript der Bibliothek eines der bedeutendsten spanischen Bibliographen, Carlos Antonio de La Serna Santander (1752-1813), von wo aus es Teil der Handschriftensammlung des Sir Thomas Phillipps (1792-1872), wurde (ex ms. 4135). Nach der Auflösung der Sammlung ging es an H. P. Krauss in New York. Vgl. dazu ein ähnliches Stück, das ebenfalls eine Titelliste von Büchern enthält: "List of 33 works; at least 13 entries include publication information such as city of publication, printer, or date of publication; publishers include Robert Estienne of Paris and Joannes Oporinus and Robert Winter of Basel; dates range from 1530 to 1543. Most of the works are by classical authors, with several noted to be translations. The list is written in italic script on a single leaf removed from a larger volume, possibly foliated 136. 2 entries, for a book printed in 1509 by Aldo Manuzio and a book printed by Chrestien Wechel, added at the end in the hand of Spanish bibliographer Juan Páez de Castro (Kraus)" (Open primary digital resources, LJS 431).

Das vorliegende, wohl um 1560 zu datierende Manuskript mag im Zusammenhang mit dem Neubau der Klosteranlage von San Lorenzo in Florenz stehen. Die an der Hauskirche und Grablege der Familie Medici liegende Bibliothek, nach Lorenzo de' Medici "Laurenziana" genannt, errichtete Michelangelo Buonarroti ab 1523. Die Laurenziana konnte aber erst 1560 fertiggestellt werden. In dieser Zeit wurden die wertvollen Codices dann transloziert. Aller Wahrscheinlichkeit nach war dabei auch Juan Páez de Castro mit seinen Schreibern beteiligt, der sich in ebendiesen Jahren wieder in Italien befand. Er konnte dabei die Gelegenheit nutzen, zahlreiche dieser Werke in katalogartigen Einträgen zu verzeichnen.

Jedem der im Manuskript aufgeführten Titel ist eine Inventurnummer vorangestellt, die mit alten Bibliothekskatalogen der Laurenziana abgeglichen werden sollten. Dass es sich um eine Auswahl der dem Schreiber interessant scheinenden Titel handelt, erweist sich aus den springenden Nummern, d. h., weniger interessante Titel wurden ausgelassen.

So findet sich unter Nummer 346 die Verzeichnung einer Sammelhandschrift: "Collectio legum concilijs constituarum cum Theodori Balsami interpretatione Timothei responsa canonica, De septem Synodis incerti auctoris, theodoreti hypotheses conciliorum". Es folgt Nummer 347 "De decretis seu canonib. VII conciliorum compendium, in cuius fine de omnibus haereticis". Dann 349: "Compendium canonum concilij Niceni", 351 "Interpretationes canonum sacrorum", 355 "Iopannis Zonara collectio cannoni Apostolorum IV. et VII Conciliorum generalium Ioannis Patriarchae Constantinopolitani constitutio Synodica de Monasterijs". Die nächste Nummer weist eine bemerkenswerte Korrektur auf: 357 "Theodori patriarchae (radiert und verwischt: Constantinopolitanis) Theopolis liber legum concilijs costituarium".

Auch zahlreiche weitere Titel handeln von den Gesetzen der Kirche, dem kanonischen Recht und vor allem auch der Ahndung von Unrecht bzw. den Abweichlern vom Kanon, den Häretikern. 378 "Iustiniani Imp. confessio recta fidei & descructio haeresum contra catholicam ecclesiam", 382 "Niceta Coniata contra omnes haereses libri XXVI", also die Ketzergeschichte des byzantinischen Staatsmannes und Historikers Niketas Choniates (1155-1217).
Nummer 384 verzeichnet eine Handschrift mit zwei Teilen zur Kirchenunion aus der Feder des Georgios Metochita (1250-1328) "Georgij Metchite Diaconi de pace & unione ecclesiae libri III", 386 "Ioannis episcopi Constantinoplitani de unitate ecclesicarum liber. Constantinus Meliothaniota de unione ecclesiae".


Das vorliegende Blatt ist nicht nur von höchstem wissenschaftlichen Interesse durch seine Seltenheit (es gibt nicht viele handschriftliche Titelverzeichnisse dieser Art), der Relevanz der aufgeführten Titel für die humanistische Forschung, der Erkenntnisse, die ein Abgleichen mit den heutigen Handschriftenkatalogen der Laurenziana verprechen, der Tätigkeit der Bibliographen um Páez de Castro, sondern auch für die Technik der Erfassung und Katalogisierung von mittelalterlichen Manuskripten im Italien der Renaissance (vgl. die Nennung der Autoren und Titel, Erwähnung anonymer Schriften, die Erfassung von Sammelhandschriften, es gab im Mittelalter weder feste bibliographische Einheiten noch Titelblätter, noch kanonische Schriftenverzeichnisse etc.). – In ausgezeichnet frischer Erhaltung, breitrandig, unbeschnitten, das Papier mit feinster Büttenstruktur und ohne Wasserzeichen.

Schätzpreis
€ 1.800   (US$ 1.980)


Zuschlag
€ 1.000 (US$ 1.100)


Adultera-Initiale
Ausschnitt einer großen Initiale "D" in Gold un...

Los 1025

Adultera-Initiale. Fragment einer spätmittelalterlichen Handschrift auf Pergament mit dem Ausschnitt einer großen Initiale "D" in Gold und Farben. Ca. 17 x 17 cm. Mit Passepartout in vergoldeter Holzprofilleiste gerahmt. 35 x 34 cm. Wohl Italien um 1560.

Christus und die Ehebrecherin nach Johannes 8,1-11: "Die Schriftgelehrten und die Pharisäer bringen eine Frau, die beim Ehebruch ergriffen worden war, und stellen sie in die Mitte und sagen zu ihm: Lehrer, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. In dem Gesetz aber hat uns Mose geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du? ... Als sie aber fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie".

Demütig wirft sich die Ehebrecherin dem rechts aufrecht stehenden Christus anbetend zu Füßen, während hinter ihr die von links ins Bild drängende, wild aufgebrachte Menge der Pharisäer diskutiert, was der Maler eindrucksvoll in den unterschiedlichen Gesten zeigt: Die Männer klagen an, die Männer beschwichtigen, ihre Gesichter sind agressiv, wütend, entschieden, aber auch neugierig, fragend und sogar mitleidig. Der Miniaturist zeigt hier seine wahre Meisterschaft, indem er sich von der Tradition der mittelalterlichen Ikonographie, die mit eindeutigen Bildern (etwa mit Männern, die die Steine schon in der Hand halten) sinnfällig war, zugunsten einer bildnerischen Gesamtkomposition abweicht.

So ist die in einer prächtigen, im bergigen Hintergrund verblauenden Landschaft dargestellte Szene in eine große Zierinitiale "D" einbeschrieben, die aus goldenen Stegen gebildet wird. Diese laufen um den blauen Akanthusstab links in zwei Groteskenköpfe aus, die mit weit aufgerissenen Schnäbeln bzw. einem Rüssel grimmig dreinschauen. Die Initiale wiederum ist in einen blau-blattgoldenen Quadratrahmen eingefasst, die Zwickel sind mit floraler Linienornamentik in feinstem Pinselgold gefüllt. Der Nimbus Christi und die Gewänder sind ebenfalls mit feinster Chrysographie gehöht. – Nicht ausgerahmt, nur minimale Bereibungen, der Goldauftrag kaum berieben, insgesamt von sehr guter Erhaltung, gemalt in außergewöhnlich differenzierten, ebenso kraftvollen wie nuancierten Deckfarben.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.320)


Zuschlag
€ 700 (US$ 770)


Ingressa Agnes turpitudinis locum
Doppelblatt aus einer Antiphonale-Handschrift

Los 1026

"Ingressa Agnes turpitudinis locum". Doppelblatt aus einer Missale-Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament mit romanischer Quadratnotation auf rotem vierzeiligem System. Mit 10 einfachen Initialen in Schwarz, Rot und Blau. Schriftspiegel: ca. 43 x 26 cm. Format: 56,5 x 37,5 cm. Wohl Nordfrankreich um 1580.

Der Beginn der Lobpreisung zu Ehren der Heiligen, Märtyrerin und geweihten Jungfrau Agnes von Rom (um 237-ca. 250): "Ingressa Agnes turpitudinis locum, angelum Domini praeparatum invenit" etc. ("Als Agnes des Ort ihrer Schande betrat, fand sie den Engel der Herrn im Voraus gerüstet" etc.). Agnes gilt als Schutzpatronin der Jungfrauen, der Verlobten und der Keuschheit, ihre hohe Wertschätzung geht auf die Schriften des Heiligen Ambrosius zurück. – Etwas fleckig, das zweite Blatt mit kleinerem Loch im unteren Rand. In der unteren Ecke fingerfleckig. Mit Falz (dort mit kleinen Löchern einer früheren Bindung) sowie Mittelknickfalte.

Schätzpreis
€ 240   (US$ 264)


Nachverkaufspreis
€ 160   (US$ 176)


Margeriteninitiale "O"
Fragment einer spätmittelalterlichen Handschrif...

Los 1027

Margeriteninitiale "O". Fragment einer spätmittelalterlichen Handschrift auf Pergament mit dem Ausschnitt einer großen floralen Initiale "O" in Gold und Farben. 17 x 16,8 cm. Mit Passepartout unter Glas in vergoldeter Holzprofilleiste. 41 x 38,5 cm. Wohl Frankreich um 1580.

Überaus dekoratives Fragment mit der Initiale "O" aus mehrfach farbig abgestuften roten Kranzblättern geflochten. Die Zwickel in Azurblau mit jeweils einer abstrakten roten Blüte, die in weißem Federwerk ausläuft. Im Rund der Initiale ist eine - anatomisch recht genau beobachtete - Margerite dargestellt, die auf grünem Grasgrund in vier Stengeln vor Pinselgoldgrund hervorwächst und fünf prächtige, große Blüten ausbildet. – Kaum Bereibungen, sehr farbfrisch, nicht ausgerahmt, Versand nur ohne Rahmen.

Schätzpreis
€ 280   (US$ 308)


Zuschlag
€ 280 (US$ 308)


Domine Deus meus, in te speravi
2 Einzelblätter im Monumentalformat aus einer A...

Los 1028

"Domine Deus meus, in te speravi". 2 Einzelblätter im Monumentalformat aus einer Antiphonale-Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament, ein Blatt verso mit romanischer Quadratnotation auf rotem fünfzeiligem System. Mit dreizeiliger in Rot und Braun ausgemalter Initiale "D" und 8 einfachen roten Initialen. Schriftspiegel: ca. 64 x 41 cm. Format: 80,5 x 59,5 cm. Wohl Norditalien um 1600.

Der Anfang des 7. Davidpsalms, beginnend bei Vers 2: "Domine deus meus in te speravi: salvum me fac ex omnibus persequentibus me et libera me" etc. ("Herr, mein Gott, auf dich habe ich gehofft: befreie mich von all meinen Verfolgern und erlöse mich" etc.) auf zwei reglierten Einzelblättern aus einem Monumentalantiphonale mit dekorativer dreizeiliger Initiale "D" auf in Braun eingemaltem Grund mit Blattornamentik. – Untere Ecke etwas fingerfleckig und mit schwachen Knickspuren, sonst wohlerhalten. Schrift auf der weiß gekalkten Fleischseite etwas abgerieben, die Haarseite etwas gebräunt. Das Blatt mit der Initiale verso mit Ziffernsignatur in Blau in der oberen Ecke.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 495)


Nachverkaufspreis
€ 300   (US$ 330)


Antiphonale-Fragmente
Feria quinta In coena domini. Ad matutinum In I...

Los 1029

Antiphonale-Fragment. "Feria quinta In coena domini. Ad matutinum In I Nocturno". Liturgische Handschrift in lateinischer Sprache auf Pergament. Text in Schwarz und Rot mit schwarzer Quadratnotation auf fünflinigem roten Notensystem. Mit 1 großen Schmuckinitiale in Rot und Grün, 3 Federwerk-Initialen und 54 kalligraphischen Initialen in Schwarz teils mit Gelb. Ca. 54 x 38 cm. Gedunkeltes, blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (fleckig, beschabt, teils lädiert, Lederbezug an Kanten und Ecken erneuert, komplett neu aufgebunden) über massiven, schweren Holzdeckeln. Spanien um 1600.

Fragment von oft noch zusammenhängenden Pergamentblättern einer liturgischen Handschrift, wohl aus Italien zum Ende des 16. Jahrhunderts. Das erste und letzte Blatt ist jeweils mit dem Innendeckel als Vorsätze verklebt. Das Fragment enthält die "Feria quinta In coena domini. Ad matutinum In Nocturno" (Überschrift auf einem Blatt in Rot und Braun), also die Festgesänge und Gebete für die Morgenandacht (Fünfte Festgesang zum Abendmahl Christi) bis zur Nacht (1. Nokturn).
Die große Schmuckinitiale (18 x 18 cm) zeigt den Buchstaben "Z" für den Anfang der Antiphona "Zelus domus tuae comedit me, et opprobria exprobrantium tibi ceciderunt super me" (Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt, und die Beschimpfungen derer, die dich beschimpften, fielen über mich). Sie ist in einem roten Quadratrahmen eingeschrieben und mit einem grünen Stechpalmenzweig geziert.
Der Einbandrücken mit dem handschriftlichen Versaltitel "SEMANA SANTA", der Vorderdeckel mit hübschem, reich verzierten rautenförmigem Prägeornament. – Mehrfache Ausbesserungen, Ansetzung, Stückelungen und ältere Pergamentrestaurierungen, wasserspurig und mit Farbwischern (Schmuckinitiale etwas betroffen), drei Seiten stärker verblasst bzw. abgerieben, gebräunt, stärker wellig, Gebrauchsspuren. Eindrucksvolle, große Pergamentblätter in ausgesprochen kräftigem Einband.

Schätzpreis
€ 600   (US$ 660)


Zuschlag
€ 300 (US$ 330)



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