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Katalog Handschriften, Alte Drucke, Theologie » zur Buchabteilung
Handschriften, Alte Drucke, Theologie Auktion 111, Di., 17. Apr., 16.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Gregor der Große
Moralia in Job. Einzelblatt aus einer Handschrift

Los 1002

Gregor der Große. Moralia in Job. Einzelblattfragment aus einer Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Doppelblatt mit 4 Kolumnen (teils fragmentarisch). Mit Kolumnentitel und 4 Minuskelinitialen in Orangerot. Kolumne: ca. 31,5 x 9 cm (unten abgeschnitten), Schriftspiegel: ca. 20 x 31,5 cm. Blattgröße (Fragment) ca. 35,6 x 50,6 cm (maximal). Italien um 1100-1150.

Großes Fragment einer frühen hochmittelalterlichen Handschrift mit einem Text aus den Moralia in Job, dem großen Hiobkommentar des heiligen Papstes Gregors, Gregorius Magnus (540-604), der in ganzen 35 Büchern den biblischen Text seiner Exegese unterzieht, indem er den Dreiweg wählte: erstens der Interpretation der "literalen", also wörtlichen Bedeutung des Bibeltextes, zweitens der "tropologischen" Interpretation, also der Übertragung der Worte des Urtextes unter Gesichtspunkten der Moral, etwa, wie der individuelle Mensch sich zu verhalten habe, was er von Hiob lerne etc. Drittens legt Gregor den Text allgorisch aus, indem er ihn auf die Werke Christi und dessen Heilsversprechen im Neuen Testament bezieht - und im Sinne des Augustinus eine Typologie erstellt. Neben Hieronymus, Augustinus und Ambrosius gehört Gregorius damit zu den vier lateinischen Kirchenvätern.

Die vier Kolumnen, von denen die erste seitlich zu 1/3 abgeschnitten ist und die allesamt unten mit Verlust einiger weniger Zeilen beschnitten wurden, enthalten in einer sehr gut lesbaren, sauberen Rotunda Teile aus dem Liber XXXIII, 23 und Liber XXXIV, 2-3 des überaus umfangreichen Kommentars zu Hiob. Die Texte - und ihre handschriftlichen Abweichungen bzw. Besonderheiten des vorliegenden Blattes - sind von dem bedeutenden Paläographen Johann Peter Gumbert (1936-2106) identifiziert und zugewiesen sowie mit Bleistiftkommentaren versehen worden (in Fotokopien beiliegend), wobei er auch die Lokation des Blattes in der womöglich verschollenen Handschrift vornahm (beiliegendes Blatt mit Gumberts eigenhändigen Mikrogrammen und einer kleinen Zeichnung).

Der Text hebt in der linken der beiden Recto-Kolumnen an: "[Vultusque eius] non sunt amplius in diversa mutati, quia videlicet mens eius nequamquam post preces inepta laetitia lasciviendo perdidit, quod orationis suae tempore gemituum rigor exquisivit..." bis XXVI: "Portas vultus eius quis aperiet? Portae vultus eius sunt iniqui doctores, qui idcirco portae vultus eius vocati sunt, quia per ipsos quisque ingreditur, ut Le[viathan iste quasi in potestatis suae principatu videatur]". Auch der Text der Verso-Kolumnen ist zugewiesen (und in den beiliegenden Fotokopien vermerkt: S. Gregorii Magni. Moralia in Iob. Ed. M. Adriaen, 1985, S. 1711-1736). – Das Fragment eines Doppelblattes, das nur einseitig beschrieben worden war, war als Einbandmakulatur verwendet worden, mit den entsprechenden Läsuren. So ist es links und rechts sowie unten beschnitten, ferner sind die Ecken abgeschrägt (jeweils mit mehr oder minderem Textverlust). Die linke Kolumne der rechten Seite hatte sich um den Rücken gelegt, wodurch es zu größeren Fehlstellen und Ausrissen kam (hier alt hinterlegt), sonst nur gelegentliche Löchlein, Ein- und Ausrisse (oben ein größerer im Rand). Der Text sonst ist generell sehr gut erhalten und wunderbar lesbar, das in einer sehr regelmäßigen, sauberen Rotunda geschrieben. Aus der Sammlung des bedeutenden Paläographen Johan Peter Gumbert, der die Provenienz auf einem beiliegendne Zettelchen nennt, nachdem das Fragment aus dem Einband der Inkunabel HC 3461 bzw. GW 4643 stammt (Guido Bonatus, Decem tractatus astronomiae. Augsburg, Erhard Ratdolt, 26.III.1491).

Schätzpreis
€ 2.500   (US$ 3.075)


Nachverkaufspreis
€ 1.500   (US$ 1.845)


Notariatsurkunde
Siena 13. Jahrhundert, vonn1267

Los 1007

Notariatsurkunde aus Siena. Lateinische Handschrift in Sepia-Kanzleischrift auf Pergament. 1 Fol.-Bl. Mit Federwerk-Initiale "I". Ca. 36 x 22 cm. Wohl Siena, 28. Dezember 1267.

Interessantes Dokument über die Finanzen und der Verwaltung eines norditalienischen Stadtstaates, höchstwahrscheinlich von Siena. In feiner, kalligraphischer Kanzleischrift auf honiggelbem Pergament bestätigt der Notar Nikolaus Magnus den Beschluss des Stadtrats, der durch die Rathausglocken herbeigerufen wurde, den Steuereintreiber Ventura de Tortorio erst dann von seinen Pflichten zu entbinden, wenn die vollständige Summe in der Stadtkasse eingegangen ist. Am Textanfang eine Initiale "I" als Flechtwerk-Säule mit Kreuzknoten (gering abgrieben).
Aus dem Besitz des Paläographen Johan Peter Gumbert (1936-2016) und mit einer hs. Übersetzung bzw. Interpretation des Textes von einem Archivar mit Namen "R. Hipper": "Rechnungsablage des aus seinem Amte scheidenden Steuereintreibers ("Colector") Ventura de Tortorio, Sohn Rainers d. T., vor dem "mit Glocken" zusammengerufenen Rat ("in consilio de pampana congregato" der Kommune durch den Richter Jacobus Guirardi und den Syndikus und Prokurator Ugolini Peliparii über eine von den Schätzern ("estimatores") Amatore und Jacobus Bicci, Filippus Benegnoli und Bonaventura de Arezzo eingeleitete gemeindliche Zwangsanleihe ("prestantia").
Die Einnahmen ("introhitus") betragen 1647 Pfund 8 Schilling, die Ausgaben ("expensae"), die durch den Betrag bezahlt werden, 1646 Pfund 8 Schilling, so daß Ventura de Tortorio der Gemeinde noch 21 Schilling herauszuzahlen hat. Daraufhin erfolgt Entlastung.
Die Verkündigung des Rechtsgeschäftes findet im Rathaus ("in palatio communis") statt nach der üblichen Weise unter Glockengeläute und Trompetenschall ("ad sonum campane et tube") in Gegenwart von Amatore Angilerio, Ranerio Rigitti, Beningrado Conbatuti, Beneviduto Marini, Bürgern, Stadtknechten satt, gezeichnet von "Nicolaus Magni, Notar: "Ego nicholaus Magni auctoritate".
Die Übersetzung durch R. Hipper schließt mit einer Anmerkung: "Die Gemeinde ist in dem Schriftstück nicht angegeben und daher auch nicht mit Sicherheit festzustellen. Ob der Ausdruck 'in consilio de campana', der für den Rat von siena typisch ist, auf Siena als Entstehungsort der Urkunde hindeutet, soll dahingestellt bleiben. Die Jahresbezeichnung ist nach dem sog. stilus Pisanus (Beginn des Jahres am 25. März), so daß nach unserer Jahresrechnung dei Urkunde im Jahre 1267 ausgestellt ist. Dr. R. Hipper, Archivreferendar" – Einbandmakulatur mit entprechenden Falzknicken umlaufend, wellig, knittrig und mit einigen Löchlein, Randein- und Ausrissen (an der "Rückenstelle" tiefer) , gering fleckig, teils abgeschabt, nur weniger Textverlust.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 984)


Nachverkaufspreis
€ 400   (US$ 492)


Claes von Compostela
Charter Utrecht 1358.

Los 1010

Claes von Compostela. Utrecht Charter. Verkaufsurkunde einer Tochter von Lichtenberg mit der notariellen Beglaubigung eines Claes von Compostela. Niederländische Handschrift auf Pergament. Ca. 28 x 19,5 cm. Gotische Bastarda Kanzleischrift. Wohl Utrecht 1484.

Paläographisches Beispiel aus der Sammlung des bedeutenden Paläographen Johan Peter Gumbert (1936-2016), dessen eigenhändige Transkription beiliegt, demnach es sich hier um eine Verkaufsurkunde handelt: "Ick Aüsse jans tochter van Lichtenbercj joots ... wedne van der mye belye ende kenne dat ick vercoft hebbe johan bolle ... tyen mergen lants ... Item noch dre twee deel van dire mergen lants, dair Anthonia voirs dat derde derdenden off". Und unten: "In kennysse hier off hebbe is gebeden claes von compostell dessen breiff ... dusent vierhondert vier unde tachtich".
Interessant ist vor allem die Transkription Gumberts, die dessen Abreitsweise gut vor Augen führt. – Etwas abgerieben und verblasst, daher sehr schwer lesbar. Pergamentfragment als Einbandmakulatur verwendet, daher mit entsprechenden Falzen, Montage- und Knickspuren, Wellungen, ein Rötel-Zeichen. Ein Löchlein, ungerade beschnitten (teils mit Textverlusten). Beiliegen Materialien zur Transkription.

Schätzpreis
€ 400   (US$ 492)


Nachverkaufspreis
€ 200   (US$ 246)


Voragine, Jacobus de
Historia de Sancto Blasio

Los 1013

Der Wolf erstattet der Armen Frau ihr einziges Schwein
Voragine, Jacobus de. Historia de Sancto Blasio. Fragmentblatt aus der Legenda Aurea. Lateinische Handschrift in braunschwarzer Tinte auf Pergament. 1 Blattfragment (ca. 1/2 Fol.) in 2 Kolumnen mit 17 (von 22?) Zeilen. Schriftraum (auf dem vorhandenen Fragment): 14,2 x 15,5 cm. Blattgröße: ca. 22,5 x 16,5 cm. Mit etwas Rubrizierung, roter, zweizeiliger Lombarde "E" und Kapitelnummer "lxviij". Als Einbanddecke um Pappdeckel gebunden. Wohl Frankreich um 1380.

Handschriftenfragment aus der Legenda Aurea des Jacobus de Voragine (1230-1298) mit Teilen aus dem Leben des Heiligen Blasius. Geschrieben auf Pergament in einer sauberen, ordentlichen "gotica textualis" mit einer 2-zeiligen Initiale "E" für "Ecce". Vorhanden ist ein Teil aus dem Schluss des Kapitels 67 und dem Beginn von Kapitel 68 u. a. mit der nahezu vollständig erhaltenen, entzückenden Geschichte von der armen Frau und ihrem einzigen Schwein, dass ihr der Wolf entriss.
"Ein armes Weib hatte ein einziges Schwein, das raubte ihr ein Wolf. Sie bat Sanct Blasium, daß er es ihr wiederschaffe. Da lächelte er und sprach 'Weib, betrübe dich nicht, du sollst deine Schwein wiederhaben.' Alsbald war der Wolf da, und gab der Witwe das Schwein wieder".
"[In ipsa autem nocte ter Christus] ei apparuit dicens: Surge et offer mihi sacrificium. Ecce autem advenerunt milites dicentes: Egredere! vocat te praeses. Quibus respondit Blasius: Bene venistis, filii, nunc video, quod Deus non est oblitus mei. Pergens vero cum iis numquam a praedicatione cessavit et coram iis mirabilia multa fecit. Tunc mulier quaedam filium suum morientem, in cuius gutture os piscis transversum erat [... Mulier quaedam paupercu]la unum solum porcum habens, quem tamen violenter lupus rapuerat, sanctum Blasium deprecabatur, ut sibi reddi faceret suum porcum. Qui subridens dixit: 'Mulier, noli contristari, reddetur tibi porcus tuus. Continuo lupus venit et porcum viduae reddidit. Ingrediens Blasius civitatem, iussu principis, carceri mancipatur. Alia vero die iussit praeses ipsum sibi praesentari". – Etwas stärker abgegriffen und fleckig, mit Schlitzen für ausgerissene Bindebänder und abgeknickten spanischen Kanten, das Manuskrtipt als Pergamentbezug über die Kanten auf den Vorsatz zu ca. 1,2 cm gezogen. - Eingebunden ist: (Xenophon. De Cyri Vita et Disciplina). S. 3-285 (ohne den Titel), 1 w. Bl. Wohl eine französische Ausgabe Paris um 1580. - Teils stärkere Gebrauchsspuren.

Schätzpreis
€ 500   (US$ 615)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 307)


Einzelblatt eines spätmittelalterlichen Stunden...
Lateinische Handschrift auf Pergament

Los 1016

Einzelblatt eines spätmittelalterlichen Stundenbuchs. Lateinische Handschrift auf Pergament. 15 Linien. Schriftraum: 9,5 x 7 cm. Format: 18 x 13 cm. Texttura in brauner Tinte mit 5 (4 2-zeiligen) Schmuckinitialen in Rot und Blau auf Goldgrund und Rankenwerk in Gold. Unter Passepartout. Nordfrankreich um 1440.

Hübsches Einzelblatt aus einem Stundenbuch der Zeit des mittelalterlichen Herbstes mit einem Text aus der Liturgie der römisch-katholischen Kirche. Die Initialen in Blau und Rot auf einem schimmernden Goldgrund sind fein in rechteckige Kästen eingemalt und mit weißen Binnenlinien geziert. Innerhalb der Initialen wurden zwei mit minutiös gemalten Blüten, dessen Stempel erdbeerförmig hervortritt, ausgestattet.
Die Kolumne beider Seiten ist von einem langen Stab in Blau mit Weißhöhung und Gold flankiert, dessen Enden jeweils in einer Wolke aus goldenen Dornblattranken mit blauen, roten und grünen Früchten mündet. – Minimal abgegriffen und unwesentlich fingerfleckig, an den Rändern teils kleine Braunflecken, Initialen und Oberflächen etwas abgerieben.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 246)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 123)


Horae BMV
3 Einzelblätter eines spätmittelalterlichen Stu...

Los 1018

Horae BMV. 3 Einzelblätter eines spätmittelalterlichen Stundenbuchs. Lateinische Handschrift auf Pergament. 16 Linien. Schriftraum: 9,8 x 6,4 cm. Format: ca. 18 x 12,5 cm. Mit 3 2-zeiligen Schmuckinitialen in Gold auf rot-blauem Grund, mehreren kleinen Initialen in Rot und Blau, Kapitalstrichelung in Gelb sowie Rubrizierung. Auf Passepartouts montiert. Wohl südwestliche Niederlande um 1460.

Drei besonders breitrandige, sehr hübsche Einzelblätter aus einem Stundenbuch der Zeit des mittelalterlichen Herbstes. Der Duktus der Gotica Textura ist hart gebrochen, die Buchstaben enden vielfach mit kleinen dünnen Fühlerstrichlein, was für einen Entstehungsort in den flämischen Niederlanden oder der Gegend um Gent, Brügge oder Lille spräche. Die Initialen in schimmernden Blattgold sind fein in rechteckige oder annähernd quadratische Kästen eingemalt, deren Grund zwischen Mauve und Blau wechselt und mit weißen bzw. dunkelblauen Binnenlinien geziert ist. Auf einem Blatt mit der Initiale "S" für "Sancta Maria piarum pulsima ..." ist ein "gloriosa" an den Rand gesetzt. – Nur gering gebräunt, minimal beschabt an der Oberfläche, ein Blatt mit kleinem Knorpelloch, sauber regliert und sehr schön geschrieben. Ein winziger Ausschnitt leuchtenden Mittelalters.

Schätzpreis
€ 140   (US$ 172)


Nachverkaufspreis
€ 80   (US$ 98)


Antiphonale-Fragment
"O magnum pietatis opus". Antiphonale-Fragment ...

Los 1023

"O großes Werk der Liebe"
"O magnum pietatis opus". Antiphonale-Fragment. Lateinische Handschrift auf Pergament mit romanischer Quadratnotation auf rotem fünfzeiligen System. Daraus 8 Blätter. Mit mehreren Federwerk- und konturierten, roten Initialen. Schriftspiegel: 37 x 21,5 cm. Format: 49,4 x 33,4 cm. Süddeutschland um 1480.

Sauberes, schönes Fragment aus einer umfangreichen Antiphonale-Handschrift mit sorgfältiger Quadratnotation auf fünf roten Linien und feiner Minuskelschrift in Rot und Schwarz, wodurch die Handschrift wohl ins 14. Jahrhundert zu datieren ist. Ebenso exakt ist die Textschrift und die mit der mit Bandfeder gezogenen, hübsch ornamentierten Federwerkinitialen sowie die großen schlichten Minuskel-Rundinitialen "O", "N", "A", "I" etc.: "O magnum pietatis opus, mors mortua tunc est, quando hoc in ligno mortua vita fuit" ("O großes Werk der Liebe. Der Tod ist dann tot, wenn an diesem Baum das Leben gestorben ist" und weitere Antiphona zu Ostern, "In secundis vesperis omnia ut in primis Ad Magnificat", "In festo sancti Joannis", "In Nativitate sancti Joannis Baptiste ad Veserperas" etc. Nummeriert sind die Blätter XXXIII-XL. – Nur gering knitterspurig und fingerfleckig, wie üblich die Haarseite stärker bräunlich, während die Fleischseite sorgsam gekalkt, sehr weiß und frisch ist. Im Bund kleine Bindelöchlein.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 369)


Nachverkaufspreis
€ 150   (US$ 184)


Antiphonarblatt
Doppelblatt Oberitalien 17. Jahrhundert

Los 1024

Mit plateresker Initiale aus einer andalusischen Handschrift
Antiphonarblatt. Einzelblatt aus einem monumentalen Antiphonale. 4 Zeilen mit 4 fünflinigem roten Notensystem und romantische Quadratnotation. Schrift in Rot und Schwarz- Schriftraum: 62 x 44 cm. Format: 76 x 56 cm. Mit großer floraler Zierinitiale "S" in Rot, Blau, Gelb und Grün auf purpurfarbenem Grund mit floralem Silberornamenti und im schwarzen Rahmen mit Goldornament. Wohl Spanien, Anfang des 17. Jahrhundert.

Ein Blatt einer besonders großen Antiphonale-Handschrift wohl einer spanischen Schreiberwerkstatt mit dem Anfang des Responsoriums "Sanctificamini filii Israel..." zu den Laudes ("Ad laudes et per horas"), das vor allem in der Gegend um Cordoba, Sevilla und Granada in Andalusien fester Bestandteil der Liturgie war. Auch die prachtvolle Initiale könnte in einer spanischen Miniaturistenwerkstatt entstanden sein: dafür spricht der überaus minutiös ausgestaltete Bildgrund, der an den "Horror Vacui" erinnert - eines der charakteristischen Merkmale des plateresken Stils. So ist die in üppigem Knollenblattwerk dargestellte Initiale "S" in leuchtenden Gouchefarben, in Grün, Rot, Blau und Gelb koloriert, der rechteckige Grund ist in tiefem Purpur gegeben, mit feinsten Ornamenten aus flächendeckendem Pinselgold gefüllt: mit Schlingwerk, Blumen, Sternblüten etc. Außen um die Initialkonturen setzt sich das Ornament in Silber fort. Den Purpurgrund umgibt ein schwarzer Rahmen mit Guillochen aus Akanthusschlingen, die auf einen Wulstrahmen anspielen. – Nur leicht wellig, sehr sauber, das Pergament sehr weiß gebleicht (auch das wäre typisch für die vermutete spanische Herkunft), kaum fleckig, sehr sauber - und sehr dekorativ.

Schätzpreis
€ 400   (US$ 492)


Nachverkaufspreis
€ 200   (US$ 246)


Loi qui prohibe
l'importaion de la vente des Marchandises Angla...

Los 1028

Loi qui prohibe l'importaion de la vente des Marchandises Anglaises. Typographischer Anschlag, gedruckt auf 2 aneinandermontierten Blättern. Ca. 98 x 46 cm. Chaumont, Witwe Bouchard, (1801)

Der nach dem "23 Vendémiaire an 10 de la République" (also am 15. Oktober 1801) erschienene Anschlag "Loi qui prohibe l'importaion de la vente des Marchandises Anglaises" enthält drei Erlasse. Er ruft am "10 Brumaire an 5 de la République" zum Verbot des Handels von Waren "relatif aux objets manufacturés en Angleterre ... soit des fabriques, soit du commerce anglais..." auf. Es folgt der "Arrété des Consuls, relatif à la marque et à l'estampille des Basins, Piqués, Mousselinettes, Toiles, Draps et Velours de coton" vom "3 Fructidor an 9 la République" sowie "Arrété du Préfet du Département de la Haute-Marne, pourtant nomination de deux Commissaires pour la marque et l'estampille des marchandises existantes dans les magasins et ateliers de fabrication de ce Département".
Hintergrund war der französisch-englische Handelskrieg der Napoleonzeit, der den Zweiten Koalitionskrieg (1798/99-1801/02) begleitete - und in dem sich Russland, Österreich und Großbritannien als Alianz gegen das revolutionäre Frankreich verbündet hatte. – Mit Randläsuren, kleinen, teils hinterlegten Einrissen, Knicken und Anmschutzungen, sonst aber kaum gebräunt, leicht knickspurig, mehrfach gefaltet, insgesamt aber gut erhalten und komplett, Falze teils hinterlegt. Sehr selten.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 246)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 123)


Firdousi
4 Persische Miniaturen auf Papier. 19.-20. Jh.

Los 1034

Firdousi. Shah-Name. 4 indopersische Miniaturen auf altem handschriftlichen Papier, in Farben sowie teils mit Gold gehöht. Miniaturen 14,5 x 10 cm. Blattgrößen zwischen 21 x 15 und 30,5 x 20 cm. Persien 19.-20. Jahrhundert.

Hübsche Illustration wohl zu dem persischen Epos des Firdousi. Der persische Dichter Abu l-Qasim Firdausi (940-1020) schuf mit seinem monumentalen, etwa 60.000 Verse umfassenden Epos Schahname, dem Buch der Könige, des Nationalepos' der persischsprachigen Welt und damit das weltgrößte Epos eines Einzeldichters überhaupt. Es wurde - und wird - in zahlreichen Handschriften und Drucken überliefert. Die einzelnen Szenen boten eine unendliche Möglichkeit zur Illustration.
Die Miniaturen zeigen zwei Jagdszenen, einmal mit einem Bogenschützen und zwei Lanzenträgern, die dabei sind ein - recht naiv gestaltetes, wiewohl gut erkennbares - Nashorn zu erlegen. Ferner eine Szene, in der ein großer schwarzer Elephant von einem wilden Tiger angegriffen wird, währen drei Speerkämpfer den Angriff abzuwenden versuchen. Eine Bankettszene mit vier Personen vor Zelten und einer Zeltstadt im Hintergrundfokussieren auf eine beschwingte Tänzerin mit Flasche und Weinglas etc.
Alle Miniaturen sind auf Papier verschiedener älterer Handschrift im eleganten schwarzer Nasta'lik-Duktus wohl später hinzugefügt. – Papier teils gebräunt und mit Braunflecken, gelegentliche Randschäden durch Klebfilm (Säurespuren in den Ecken), Wurmlöchlein und Fehlstellen, doch meist nur unwesentliche Oberflächenbereibungen. Die Miniaturen in schönstem, frischem und leuchtendem Kolorit.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 246)


Nachverkaufspreis
€ 100   (US$ 123)



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