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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Katalog Handschriften, Alte Drucke, Papierantiquitäten » zur Buchabteilung
Handschriften, Alte Drucke, Papierantiquitäten Auktion 112, Di., 16. Okt., 17.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Muzio, Girolamo
Il duello con le risposte cavalleresche

Los 571

Muzio, Girolamo. Il duello con le risposte cavalleresche, di nuovo corretto, et ristampato. 2 Teile in 1 Band (mit durchgehender Foliierung) 223 Bl. Mit 2 (wiederholten) Holzschnitt-Druckermarken auf dem Titel und 2 weiteren (wiederholten) am Schluss. 16 x 10 cm. Pergament d. Z. (schwach geworfen) mit goldgeprägtem RSchild. Venedig, Gabriel Giolito de Ferrari, 1554.

Cockle 879 (Anmerkung). Nicht bei Adams, Brunet, Graesse und im STC. – In den einschlägigen Bibliographien nicht nachgewiesene dritte Auflage des zuerst 1550 erschienenen und im 16. Jahrhundert oft aufgelegten Werks. "Muzio was the great authority on all questions of honour. His study was to find means of settling disputes without the intervention of the sword" (Cockle). – Vereinzelte Flecken, Titel auch etwas fingerfleckig und mit kleinem Blattriss, Teil I mit einigen Unterstreichungen und Marginalien, einige Blatt mit kleiner unbedeutender Wurmspur.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 290)


Nachverkaufspreis
€ 180   (US$ 208)


Palatino, Giovanni Battista
Libro nelqual s'insegna à scriver ogni sorte le...

Los 572

Palatino, Giovanni Battista. Libro nelqual s'insegna à scriver ogni sorte lettera, antica, et moderna, di qualunque natione, con le sue regole, et misure, et essempi: Et con un breve, et util discorso de le cifre: Riveduto nuovamente, & corretto dal proprio autore. Con la giunta di quindici tavole bellissime. 63 Bl. (statt 64; ohne das l. w.). Mit Holzschnitt-Portrait auf dem Titel, blattgroßer Holzschnitt-Druckermarke am Schluss, blattgroßem Textholzschnitt und zahlreichen Schriftproben und Alphabeten in Typographie und Holzschnitt, davon 5 auf schwarzem Grund. 18,5 x 13 cm. Pergament d. Z. (gering fleckig; Remboîtage) mit goldgeprägtem RSchild des 19. Jahrhundert. Rom, Antonio Blado, September 1553.

STC 485. Graesse V, 104. Brunet IV, 314. Ebert 15654. Vgl. Ornamentstichkatalog 5181f. Nicht bei Adams. – Späterer Druck des erstmals 1540 am selben Ort erschienenen Schreibmeisterbuchs des aus Kalabrien stammenden Kalligraphen Giambattista Palatino (ca. 1515-1575). Sein Libro nuovo d'imparare a scrivere erschien im 16. Jahrhundert in mehreren, teils umgearbeiteten Auflagen und gilt als die bekannteste Abhandlung über Kalligraphie der Zeit. Enthält verschiedene Kanzleischriften, Zierinitialen, Proben deutscher, französischer und spanischer Schriften, ferner griechische, hebräische und arabische Alphabete, zwei Figurensonette (in Bilderschrift übertragene Gedichte) etc. "Bewunderungswürdig ist die Feinheit der Linienführung und die Exaktheit in der Wiedergabe des Stofflichen ... In Palatinos häufig aufgelegtem 'Libro' werden die Buchstabenformen immer reicher, aber auch schnörkelhafter und unorganischer ausgestattet und ornamentiert" (Kristeller, Kupferstich und Holzschnitt, 291). Der schöne blattgroße Textholzschnitt zeigt verschiedene Schreibutensilien. – Es fehlt das letzte weiße Blatt. Die ersten und letzten fünf Blatt (inkl. Titel) mit restaurierter Fehlstelle in der unteren rechten Ecke, einige Lagen im unteren Rand mit Braunfleck, das Papier dort stellenweise fragil und teils auch mit kleineren Randeinrissen. Die Druckermarke am Schluss etwas stärker fingerfleckig, sonst nur vereinzelt leicht fleckig.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.392)


Zuschlag
€ 1.300 (US$ 1.508)


Pantaleon, Heinrich
Prosopographia heroum atque illustrium

Los 573

Pantaleon, Heinrich. Prosopographia heroum atque illustrium virorum totius Germaniae. Teile I-II (von 3) in 1 Band. 6 Bl., 291 S., 6 Bl.; 4 Bl., 480 (recte 448) S., 6 Bl. Mit 2 wiederholten Holzschnitt-Druckermarken auf dem Titel und zahlreichen, oftmals wiederholten Portraitholzschnitten im Text. 30 x 18 cm. Pergament d. Z. (leicht berieben, etwas angestaubt, gering fleckig, ohne die beiden Schließbänder) mit hs. RTitel und kleiner blindgeprägter Vignette auf den Deckeln und blindgeprägten Eckfleurons. Basel, Nikolaus Brylinger, 1565.

VD16 P 228-229. Adams P 179. Lipperheide Da 2 Anm. – Erste Ausgabe. Hauptwerk des Basler Stadtphysikus, "das eine stattliche Anzahl von meist kompendiösen Biographien bedeutender und verdienter Männer an uns vorüberführt" (Wegele 369). – Wie meist ohne den dritten Teil, der erst ein Jahr später erschienen war. Häufig etwas feuchtrandig im Seitenrand. Mal mehr, mal weniger gebräunt, braun- und stockfleckig. Seite 219 mit hs. Anmerkungen in Tinte, vorderer fliegender Vorsatz mit alter hs. Annotation.

Schätzpreis
€ 450   (US$ 522)


Zuschlag
€ 300 (US$ 348)


Pantheo, Giovanni Agostino
Ars et theoria transmutationis metallicæ

Los 574

Pantheo, Giovanni Agostino. Ars et theoria transmutationis metallicæ cum Voarchadumia, proportionibus, numeris, & iconibus rei accommodis illustrata. 2 Teile in 1 Band. 34 num. Bl.; 55 num, 1 nn. Bl. Mit Holzschnitt-Titelvignette und 14 ganzseitigen Textholzschnitten. 15,5 x 10 cm. HLeder um 1800 (etwas berieben, Rücken alt restauriert) mit RVergoldung und goldgeprägtem RSchild. Paris, Vivant Gaultherot, 1550.

Adams, P-184. Caillet, 8274. – Seltener einziger Nachdruck der Hauptwerke des venetianischen Alchemisten des 16. Jahrhunderts, von dem keine Lebensdaten bekannt sind. Die beiden Einzelschriften erschienen erstmals 1519 (Ars transmutationis metallicae) bzw. 1530 (Voarchadumia contra alchemiam ars distincta ab Archemia et Sophia). In seiner Voarchadumia differenziert Pantheo die Alchemie von der Archimie, nur letztere könne metallische Stoffe in Gold umwandeln. Seine Wortneuschöpfung "Voarchadumia" ist aus dem chaldäischen Begriff für Gold und dem hebräischen Wort für zwei Rubine gebildet. Enthält u. a. auch eine Rezeptur für die Herstellung von Spiegeln sowie zwei esoterische Alphabetschriften, von denen das eine auf die Occulta Philosophia (1513) des Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim zurückgeht und das andere nach Pantheo auf die mystisch-biblische Gestalt des Henoch. Die Holzschnitt-Titelvignette zeigt eine kleine Weltkarte, die Textholzschnitte die verschiedenen Phasen der Transmutation. – Vor allem der erste Teil mit Feuchtgkeitsrändern. Sonst wohlerhalten.

Schätzpreis
€ 4.500   (US$ 5.220)


Zuschlag
€ 4.200 (US$ 4.872)


Petrus de Natalibus
Catalogus sanctorum ex diversis

Los 575

Petrus de Natalibus. Catalogus sanctorum ex diversis ac doctis voluminibus congestus: a reuerendissimo in Christo patre domino Petro de natalibus de venetijs: dei gratia episcopo Equilino: ac iam denuo accurate reuisus. 2 (statt 3) Bl., 223 (statt 219) num. Bl. Mit breiter figürlicher Titelbordüre und zahlreichen figürlichen Initialen. 32 x 22 cm. Blindgeprägtes braunes Leder d. Z. über Holzdeckeln (unter Verwendung des alten Materials neu aufgebunden, dabei Rücken vollständig ergänzt, Kanten des VDeckels erneuert, Rückdeckel zu ca. 1/3 ebenfalls sehr fachgemäß ergänzt, Schließen neu). (Straßburg, Johann Knobloch), 1521.

VD16 P1882 (mit falscher Kollation, Ex. in Wolfenbüttel unvollständig). STC 644. Adams N 49. – Seltene, Noch frühe Ausgabe der einflussreichen, erstmals 1493 in Vicenza erschienenen Heiligenlegenden. "A very valuable work with a wide circulation. In his arrangement of the various lives he follows the calendar of the Church. The collection [...] went through many editions, the last of which (the eighth) appeared in Venice, 1616" (Cath. Encyclopedia, s.v.). – Vorsätze neu, das Titelblatt mit großen, hinterlegten Ausrissen (Bordüreverlust oben), einige Blätter mit ergänzten Ausrissen im oberen Rand (meist ohne Textverlust), die letzten 6 Bl. Register mit hinterlegten Ausrissen (teils gravierender Textverlust), stärker wasser- und feuchtfleckig, unfrisch, gebräunt und fleckig. Der Text ist am Schluss nur vorhanden bis G6, es fehlen die Lagen H6 und I6. - Gebunden in bemerkenswert schönem Einband mit Titel in Versalien auf dem VDeckel: "CAATALOGUS SANCTO". Die Stempel mit einer hübschen Tugend- und einer Heilsrolle, mit der Darstellung Adam und Evas, Kreuz mit Schlange, Kreuzigung, Christus Triumphans etc., möglicherweise aus einer Ulmer oder anderen süddeutschen Werkstatt.

Schätzpreis
€ 500   (US$ 580)


Zuschlag
€ 340 (US$ 394)


Petrus Lombardus
Sententiarum libri IIII

Los 576

Petrus Lombardus. Sententiarum libri IIII. 8 nn., 456 num., 2 nn. Bl. 16 x 10 cm. Leder des frühen 18. Jahrhunderts (etwas stärker berieben und bestoßen) mit RVergoldung und (geschwärztem) RSchild. Paris, Guillaume des Bois, 1557.

Nicht bei Adams und im STC. – Pariser Oktavdruck der kommentierten Edition von Joannes Aleaume, die zuerst wohl 1537 ebenfalls in Paris im großzügigeren Quartformat erschien und als eine der besten Textausgaben gilt. Die Lehrsätze, das Hauptwerk des scholastischen Theologen, Leiters der Kathedralschule von Notre Dame und Pariser Bischofs Petrus Lombardus (um 1095/1100- 1160) enthalten in ausgewählten Passagen der Kirchenväter und Kirchenlehrer eine systematische Darstellung der gesamten Theologie und waren seit dem 13. Jahrhundert fester Bestandteil des theologischen Magisterstudiums. Das Werk erschien im 15. und 16. Jahrhundert in unzähligen Ausgaben, in denen der eigentliche Text teils mit überbordenden Kommentaren auf achtbändige Folioausgaben ausgeweitet wurden (z. B. Basel 1486). – Anfangs mit Feuchtigkeitsfleck im oberen Rand, Titel fingerfleckig und mit mehreren zeitgenössischen Einträge. Am Schluss etwas gebräunt, mit kleiner Wurmspur und Federproben auf dem letzten Blatt. Innengelenke angeplatzt, vorderes Vorsatz mit zahlreichen Einträgen sowie dem montierten Exlibris der "Biblioteca Gutekunst", mit dem anthropomorphisierenden Bildnis einer Bulldoge.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 406)


Zuschlag
€ 270 (US$ 313)


Platina, Bartholomaeus
Historia de vitis pontificum romanorum

Los 577

Platina, Bartholomaeus (d. i. Bartolomeo Sacchi). Historia de vitis pontificum romanorum [und:] Onofrio Panvinio. De ritu sepeliendi mortuos apud veteres christianos et eorundem coemeteriis liber [und:] Derselbe. Interpraetatio multarum vocum ecclesiasticarum, quae obscurae vel barbarae videntur. 3 Teile in 1 Band. 12 Bl., 565 (recte 535) S., 98 S., 17 (davon 1 w.) Bl.; 28 S.; 31 S. Mit 3 Holzschnitt-Titelvignetten. 32 x 20 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (etwas berieben, mit wenigen Schnittspuren, leicht fleckig) über Holzdeckeln mit hs. RSchild und 1 (von 2) Messingschließen. Köln, Maternus Cholinus, 1568.

VD16 P 3264. Vgl. Graesse V, 312 f. – Spätere Ausgabe, hier in einem Exemplar der Titelblattvariante. Die für uns nachweisbaren Digitalisate, beispielsweise in der Österreichischen Nationalbibliothek, weisen auf dem Titel jeweils eine Holzschnittvignette mit Motto "Benedices coronae anni benignitatis tuae., Psalm. 64" auf. Unser Exemplar jedoch zeigt auf dem Titel des Hauptwerkes das Papstwappen, die beiden anderen Werke werden von dem Motto geziert.
Der Theologe, Kirchenhistoriker und Altertumsforscher Onofrio Panvinio (1530-1568) behandelt in seiner Papstchronik auch die folgenden Themen, die jeweils auch als Einzelpublikationen erschienen sind (vgl. die entsprechenden VD16-Nummern): "Interpretatio multarum vocum ecclesiasticarum" (vgl. VD16 P 252), "De ritu sepeliendi mortuos apud veteres christianos et coemeteriis eorundem" (VD16 P 263), "Romanorum pontificum chronicon" (VD16 P 267); "De stationibus urbis Romae" (VD16 P 276), "Contra amores" (VD16 P 3217); "De vera nobilitate" (VD16 P 3225); "De falso et vero bono" (VD16 P 3232); "De optimo cive" (VD16 P 3243), "Oratio ad Paulum II. pontificem maximum de bello Turcis inferendo" (VD16 P 3250); "Panegyricus in Bessarionem" (VD16 P 3257). – Titel des ersten Teils gestempelt und mit hs. Anmerkung. Leicht gebräunt, selten gering fleckig. Wohlerhaltenes Exemplar. – Beigebunden: Derselbe. Chronicon ecclesiasticum. Ac Julii Caesaris dictatoris imperio, usque ad Imp. Caesarem Maximilianum II. Austrium. 7, 1 w. Bl., 144 S. Mit Holzschnitt-Titelvignette. Ebenda 1568. - VD16 P 250. - Titel mit minimalen, kaum auffallenden Tintenfleckchen. Gering gebräunt und braunfleckig.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 348)


Zuschlag
€ 300 (US$ 348)



Procopius Caesariensis
de rebus Gothorum, Persarum ac Vandalorum libri...

Los 578

Procopius Caesariensis. Procopii Caesariensis de rebus Gothorum, Persarum ac Vandalorum libri VII, unà cum aliis mediorum temporum historicis, quorum catalogum sequens indicabit pagina. 24 Bl., 690 S., 1 w. Bl., 46 (recte 50) S., 1 Bl. Mit 2 Druckermarken auf dem Titel und am Schluss und einigen bis 9zeiligen Holzschnitt-Initialen. 30 x 20 cm. Rotbrauner geglätteter Kalbslederband des 17. Jahrhunderts (gedunkelte Feuchtspur zum Schnitt hin, sonst kaum fleckig oder bekratzt, leicht berieben, gering bestoßen, Kapital mit kleinsten Wurmstichen) mit goldgeprägtem RTitel, Goldfileten und Goldstempeln zwischen den Bünden sowie doppelten Goldfileten auf den Deckeln. Basel, Johannes Herwagen, 1531.

VD16 P 4983. STC 716. Adams P 2149. Ebert 17994. Heckethorn 123, 32. Hieronymus, Griechischer Geist, 241. – Erste Ausgabe der Chronik der Vandalen- und Ostgotenkriege, die der wohl derzeit in Konstantinopel im 6. Jahrhundert lebende, letzte große antike Historiker Procop aus Caesarea vor allem zur Verherrlichung Kaiser Justinians und dessen großen, den ganzen Mittelmeerraum umspannenden Feldzügen verfasst hatte. So hatte der Autor selbst an den Zügen des Kaisers gegen die Sassaniden, Vandalen und Ostgoten teilgenommen, die er in seinem Magnum Opus dann beschreibt.
Die lateinische Übersetzung stammt von Christophorus Persona, herausgegeben wurde das Werk von Beatus Rhenanus. Neben dem Haupttext enthält es zahlreiche weitere Quellenschriften zum gleichen Zeitraum, darunter von Leonardo Aretinus, Iornandes, Agathias Scholasticus, Konrad Peutinger u. a. Am Schluss folgt Prokops ausführliche Beschreibung der Bautätigkeit Justinians in griechischer Sprache und Schrift, das sogenannte "Periktismaton", in dem auch die Hagia Sophia in Konstantinopel beschrieben wird.
Erwähnenswert sind die prächtigen Holzschnitt-Initialen aus einem Putten-Alphabet mit nackten Knaben, die die großen Antiqua-Buchstaben umturnen und umspielen. – Titel mit winzigen Besitzvermerken und alt hinterlegtem Einriss, gegen Anfang etwas, sonst kaum sprenkelfleckig, minimal gebräunt, hübsch gebunden.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 927)


Nachverkaufspreis
€ 500   (US$ 580)


Ptolemaeus, Claudius
Geographicae Ennarationis, Libri Octo.

Los 579

In prachtvollem Altkolorit
Ptolemaeus, Claudius. Geographicae Enarationis, Libri Octo. Ex Bilibaldi Pirckeymheri tralatione, sed ad Graeca & prisca exemplaria à Michaele Villanovano (d. i. Servetus') secundò recogniti, & locis innumeris denuò castigati. 149 S., 1 Bl., 48 Bl. Mit großer kolorierter Holzschnitt-TVignette, 2019 (8 11-zeilige, 2000 6-zeilige und 11 3-4-zeilige) Metallschnitt-Initialen, 6 (2 ganzseitige) kolorierten Textholzschnitten und 50 (49 doppelblattgroße) kolorierte Holzschnittkarten (in Pag.). 40,5 x 28,5 cm. Halbleder d. 19. Jahrhunderts (Rückenleder teils etwas stärker berieben, leicht bestoßen) mit goldgeprägtem RTitel, RVergoldung, Blindprägung und goldenen Deckelfileten. (Vienne, Gaspar Trechsel, für) Lyon, Hugo a Porta, 1541.

STC 367. Adams P 2226. Phillips 366. Mortimer 450 Anm. Sabin 66485. Sanz 23 (auch S. 187). Alden-Landis 541/9. Baudrier XII. Shirley T.PTOL-7g. Stevens 49. Fulton, Servetus 10 (auch S. 32f.). – Die zweite Servetus-Ausgabe der "Geographicae enarrationis" in der Bearbeitung des spanischen Mediziners, humanistischen Gelehrten und Theologen Miguel Serveto y Reves (latinisiert zu Michael Servetus; 1511-1553), für dessen Brandmarkung als Ketzer sich vor allem Johannes Calvin eingesetzt hatte. Neben Medizin und Theologie hatte sich Servetus auch für Mathematik, Geographie und Astrologie interessiert, woraus die Kommentierung des großen Ptolemaeus-Atlas hervorging, die erstmals 1535 gedruckt wurde. Servetus war 1540, kurz vor der Drucklegung der vorliegenden Ausgabe als Leibarzt des Erzbischofs nach Vienne berufen worden, von wo aus er in einen Disput mit Calvin trat, der drohte, „sollte Servetus einmal nach Genf kommen, würde er nicht lebendig weggehen“ (Brief vom 26. Februar 1546 : "si venerit, modo valeat mea autoritas, vivum exire nunquam patiar"). 1553 wurde Servetus dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt, zusammen mit zahlreichen Exemplaren des 'Ptolemaeus': "The part this book played in the condemnation of its editor, Servetus, has given it fame; and since many copies were burnt by order of Calvin, it has become rare" (Winsor 17).

"Eine besondere Leistung des Ptolemaios bestand darin, für die Darstellung einer Weltkarte eine neue Projektionsmethode beschaffen zu haben. Es ging dabei um das Problem, wie eine Kugeloberfläche sinnvoll auf eine Ebene übertragen werden kann. Ptolemaios erkannte die Schwächen der seit Eratosthenes (3. Jh. v. Chr.) geläufigen Zylinderprojektionen, nach welcher sein Vorläufer Marinos in einem rechtwinkligen Koordinatensystem die Orte eingetragen hatte und die bekanntlich mit zunehmendem Abstand vom Äquator zu grossen Verzerrungen führt. Demgegenüber propagiert er eine neue, höchst geniale Methode, welche die Proportionen der Kugeloberfläche ungleich viel wahrheitsgetreuer wiedergibt: die Kegelprojektion" (Alfred Stückelberger, Der geographische Atlas des Ptolemaios).

Die Holzschnitt-Karten stammen von den originalen Stöcken der Straßburger Ausgaben von 1522 und 1525. 27 der Karten sind 'ptolemäische', also in der Interpretation des spätantiken Autors sowie 23 dem Forschungsstand der Zeit angeglichene, neuere Karten, in die die Entdeckung Amerikas mit einbezogen wurde (vgl. Burden 4), "with account of Columbus on the back" (Sabin).

Das Ende des ersten 'ptolemäischen' Teils bildet die große Weltkarte (27), am Schluss (49 und 50) dann die beiden 'modernen' Weltkarten "Tabula nova totius orbis - Tabula orbis cum descriptione ventorum" (allesamt verso ohne Text). Wie üblich ist die Lothringen-Karte verso auf die "Tabula nova Provinciarum Rheni" gedruckt worden. Albrecht Dürers Entwurf der "Armillarsphäre mit dem bewohnten Erdkreis" (Meder 262) war die Vorlage für die ganzseititige Textabbildung, die erstmals 1525 erschienen war: "Die im 6. Kapitel des 7. Buches wiedergegebene Armillarsphäre ragt an Präzision der Darstellung heraus ... Sie zeigt, wie die humanistischen Kosmographen beim Studium des Ptolemäus konsequent auf eine Vervollkomnung der kugelförmigen Projektion der Erde hingeleitet wurden. Sie erweist sich so als nachträgliche Rechtfertigung der Dürer-Stabius-Weltkarte" (Schoch 275). – Titelblatt mit geringen Randläsuren (rundum sauber im Steg verstärkt), sonst kaum Risse oder Papierläsuren (wenige Knicke und Knautschungen, zwei Blätter, S. 147-150 mit winzigem alt hinterlegten Bugausriss, winziger Marginalverlust), wenige alte Falz- bzw. Bugverstärkungen, Karten teils wohl bei Bindung säurefrei angefaltzt, gelegentlich etwas stärker braunfleckig und gebräunt, doch nur vereinzelt gering fingerfleckig, Grünfarbe wie üblich leicht durchgeschlagen, teils auch überdeckend, aber völlig ohne Farbfraß, insgesamt ein bemerkenswert gutes, vollständiges Exemplar in ausgezeichneter zeitgenössischer Farbigkeit:

Die für die Zeit typischen leuchtenden Karmesinrot, Gelb, Altgrün und Orange- sowie Roséfarben sind überall kraftvoll und sorgsam aufgetragen, die umgebenden Koordinatenrahmen jeweils in rot-gelbem Wechsel, das Meer in laviertem Blaugrün, Flüsse in minutiösen Blaustrichen, Berge in Jagdgrün etc. Hübsch sind auch die zahlreichen kleinen figürlichen Vignetten, die in die Holzstöcke der Karten eingefügt wurden, mit Wappenschildern, Zeltlagern, Königen und Prinzen, wilden Tieren wie Bär, Elephant, Naßhorn, Rindvieh. Ferner dargestellt ist ein Schlachtfest bei den Menschenfressern, ein Homme sans tête, eine indische Brautverbrennung, wilde Unholde und vieles mehr, die ebenfalls ganz im Stil der Mitte des 16. Jahrhunderts koloriert wurden.

Auf dem Kolophonblatt verso eine hübsche Bleistiftzeichnung nach dem Christo Giustiniani von Michelangelo sowie die Zeichnung eines Gesichts. Das Titelblatt unten mit einem großen Wappenexlibris in einer farbigen Gouachezeichnung: Zwei steigende Löwen halten ein vierteiliges Wappenschild mit drei Flügeln auf blauem Grund sowie zwei Flügeln auf wechselndem Gold- und Weißgrund, ferner ein Scherenband auf Roséfarbenem und ein gescheckter Windhund auf gelbem Grund.

Schätzpreis
€ 22.000   (US$ 25.520)


Zuschlag
€ 90.000 (US$ 104.400)


Ptolemaeus, Claudius
Mathematicæ constructionis

Los 580

Ptolemaeus, Claudius. Mathematicæ constructionis. 2 Teile in 1 Band. 8 Bl., 76 S.; 61 S., 2 Bl. Mit 3 Holzschnitt-Druckermarken (auf den beiden Titeln und am Schluss) und 80 schematischen Textholzschnitten sowie mehrfach gefalteter Tabelle. 17 x 10 cm. Leder d. Z. (berieben, Rücken alt restauriert; neu aufgebunden) mit RVergoldung, goldgeprägten Eckfleurons und ornamentaler Deckelvignette. Paris, Guillaume Cavellat, 1556.

STC 367. Adams 2212 (nur Teil II). Renouard, Cavellat, 107, 108. – Seltene Pariser Cavellat-Ausgabe seines unter dem Titel Almagest geläufigen astronomischen Hauptwerks, in welchem Ptolemaeus eine mathematische Beschreibung der Bahnen der einzelnen Himmelskörper liefert. Aufgrund der Genauigkeit seiner Berechnungen galt der Almagest vom 2. bis zum 17. Jahrhundert als Standardwerk der mathematischen Astronomie, die Schrift bildet den Höhepunkt und zugleich Abschluss der antiken Himmelsbeschreibung. Die lateinische Übertragung besorgten die beiden Mathematiker Erasmus Reinhold (Teil I) und Stephanus Gracilis (Teil II). – Leicht finger- oder braunfleckig, die ersten Lagen mit etwas größerem verblasstem Wasserrand. Durch die Neubindung im Bug etwas knapp.

Schätzpreis
€ 4.500   (US$ 5.220)


Nachverkaufspreis
€ 3.000   (US$ 3.479)



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