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Handschriften, Alte Drucke, Theologie Auktion 111, Di., 17. Apr., 16.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Kasimir von Brandenburg-Kulmbach
Brandenbvrgische Halssgerichts Ordnung

Los 1069

(Kasimir von Brandenburg-Kulmbach). Brandenburgische Halssgerichts Ordnung. LXX Bl. (ohne die 21 Bl. Register). Mit großem Wappen-Titelholzschnitt und ganzseitige Holzschnitt verso Titel. 27 x 19,5 cm. Modernes Halbleder mit schwarzgeprägtem RTitel und Pergament-Deckelbezügen (unter Verwendung älteren Materials). O. O., Dr. und J. (Nürnberg um 1520).

VD16 B 6938. Vgl. STC 145. Nicht im STC. – Dritte Ausgabe der Brandenburgischen Halsgerichtsordnung, einer Kodifizierung der Blutgerichtsbarkeit bzw. des "ius gladii", auf dessen Grundlage der Blutbann im Grafschafts- oder Vogteirecht ausgesprochen werden konnte und die "poena" (eine "peinliche" Strafe), in Form einer Blutstrafe, Verstümmelung oder Todesstrafe, verhängt werden konnte.
Als Autor gilt Markgraf Kasimir von Brandenburg-Kulmbach (1481-1527), der 1515 bis 1527 regierte und gleich am Anfang seiner Herrschaft die vorliegende Strafordnung erließ "Und ist die also auß unserm beuehle gedruckt, und inn solchem druck volendet, am Montag nach Presentationis Marie, Nach Christi unsers Lieben Herren Gepurt, Fünffzehenhundert und im Sechzehenden Jhare" (S. LXX recto).
Gedruckt wurde sie erstmals in Nürnberg bei Jobst Gutknecht 1516 (VD16 B 6936) in zwei Titelversionen. Möglicherweise veranstaltete dieser Drucker auch den vorliegenden Druck, der sicher nicht vor 1520 zu datieren ist. Der große Holzschnitt auf dem Titel mit dem Wappen Kasimirs, verso der ganzseitige Holzschnitt mit Christus als Weltenrichter nach der byzantinischen Ikonografie der Deesis mit den knienden Maria und Johannes, Schwert und Lilie, die zwischen zwei Posaunenengeln von seinem Kopf ausgehen und unten die Scheidung der Seelen zum Himmelslicht bzw. in den Höllenrachen: "Gedenck alle zeyt der letzten ding, So wirt dir rechttun gar gering". – Es fehlen die nur einigen Exemplaren beigegebenen 21 Bl. Register am Schluss. Titel links und rechts angesetzt und mit größerem hinterlegten Ausriss unten rechts (kleiner Verlust des Wappenholzschnitts und des ganzseitigen Holzschnitts verso), Titelblatt unten mit Einrissen und altem Schriftzug sowie altem Stempel. Durchgehend etwas finger- und schmutzfleckig, mit wenigen alten Tintenanstreichungen und blassem Wasserrand von oben.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 984)


Zuschlag
€ 600 (US$ 738)


Köbel, Jacob
Wapen, deß Heiligen Römischen Reichs Teutscher ...

Los 1070

(Köbel, Jacob). Wapen, deß Heiligen Römischen Reichs Teutscher Nation als Keyserlicher und Königlicher Mayestat, auch der Churfürsten, Fürsten, Grafen, Freyherrn, Rittern, und mehrer theil Stätt so zu dem Reich (in Teutschem Land gelegen) gehören und gehört haben. 91 nn. Bl. Mit koloriertem Wappenholzschnitt auf dem Titel, Holzschnitt-Druckermarke am Schluss, 11 (teils ankolorierten) Textholzschnitten und 144 (1 kolorierten, mehreren teils ankolorierten) blattgroßen, oftmals monogrammierten ("IK") Textholzschnitten. Titel in Schwarz und Rot. 29,5 x 19,5 cm. Modernes Halbleder (etwas berieben) mit goldgeprägtem RTitel. Frankfurt, (Johann Schmidt für Sigmund Feyerabend), 1579.

VD16 K 1624. Lipperheide Qb 4. Nagler III, 2682. Thieme-Becker XIX, 470. Benzing, Köbel, 155. – Zweite Ausgabe des prachtvollen Holzschnittbuches mit Darstellungen von Fahnenschwingern, deren Fahnen, mit Ausnahme der letzten 24 Holzschnitte, das Wappen der entsprechenden Reichsstände und Reichsstädte zeigen. Im Hintergrund der Figuren erscheint oftmals eine Stadtansicht, zum Beispiel Augsburg, Frankfurt, Koblenz, Köln, Lübeck, Offenburg, Mainz, Nürnberg, Reutlingen, Speyer, Trier, Würzburg, Aachen und Lindau. "Diese Figuren (Fahnenträger) in ihren mannigfaltigen Stellungen keck gezeichnet, und mit einfachen Mitteln des Holzschnittes, meist ohne Kreuzschraffierung gegeben. Die auf den Fahnen der Landsknechte abgebildeten Wappen haben nicht die heraldische Form, wie in den gewöhnlichen Wappenbüchern, sondern nur das Hauptbild, welches dem Lande oder der Stadt als ursprüngliches Wappenzeichen zugehört. Sotzmann erkennt in diesen Figuren einen vollendeten Meister auf der Höhe der Kunst, wo er selbst den Vergleich mit Holbein in dessen großen Kostümfiguren nicht zu scheuen hat" (Nagler). Das Monogramm der Holzschnitte wird nach dem heutigen Forschungsstand mit dem Berner Meister Johann Kallenberg identifiziert. – Titel mit größerem Ausschnitt in der Mitte des Blattes (Text- und Darstellungsverlust des kolorierten Wappens; ergänzend hinterlegt, leimspurig). Zu Beginn leicht fingerfleckig. Blatt ")(IIII" mit angesetztem Randausriss (ohne Darstellungsverlust). Leicht gebräunt, stellenweise mit Randanstreichungen in Bleistift.

Schätzpreis
€ 4.000   (US$ 4.920)


Nachverkaufspreis
€ 2.800   (US$ 3.444)


Krafft, Ulrich
Das ist die arch Noe:

Los 1071

Krafft, Ulrich. Das ist die arch Noe: leret wie gott Noe gebotten hatt die Arch zu bauwen, wie weyt vnd hoch die sein solt. Auch wie man sie behoblen vnd bestreychen solt, mit vil schönen leren. Geprediget durch den Hochgelerten bayder Rechten doctor Vlrich Krafft pfarrer zu Vlm. 48 nn. Bl. (le. w.). Mit breiter szenisch-figürlicher Holzschnitt-Titelbordüre und großem Titelholzschnitt sowie zahlreichen 6-zeiligen Metallschnitt-Bordüren. 19,2 x 14,6 cm. Schlichter Pappband des 19. Jahrhunderts. (Straßburg, Konrad Kerner für Johannes Haselberg), 1517.

VD16 K 2193. Benzing, Strasbourg, 932. Schmidt, Kerner, 3. Muller II, 254, 2. Pegg, Swiss, 2655. Weller 1058. Schmidt, Rép. bibl. Strasb., IV, 28, 3. – Erste und einzige Ausgabe des 16. Jahrhunderts der Predigten von dem promovierten Rechtsgelehrten, "doctor utriusque iuris", Kanoniker und bedeutenden Prediger Ulricht Krafft (1455-1516). Die "Arche Noah" fasst seine Kanzelpredigten der Jahre 1513 bis 1514 zusammen, die Krafft als Nachfolger des Ulrich Neithart am Ulmer Münster gehalten hatte und die kurz nach seinem Tode dann posthum erschienen.
Gebürtig in Ulm als Sohn des Bürgermeisters Magnus Krafft und dessen Frau, geb. Verena Neithart, hatte Ulrich Krafft in Basel und Tübingen studiert, wo er am 26. Januar 1479 zum Doktor der Rechtswissenschaft promoviert wurde (im bürgerlichen wie kanonischen Recht). Weitere Studien folgten in Italien, vor allem in Padua, wo er wiederum den Doktortitel eines "Dr. iur. caesarei civilis" erlangte.
1486 ist Krafft als Inhaber eines Kanonikats als Domherr in Konstanz und Augsburg nachweisbar, bis er im Jahre 1500 vom Magistrat seiner Heimatstadt die mit über 600 Gulden höchstbezahlte Pfarrstelle auf Lebenszeit am Ulmer Münster bekam. In Ulm machte sich Krafft auch einen Namen, indem er für die Reformierung zahlreicher umliegender schwäbischer Klöster verantwortlich zeichnete, wobei er nicht selten zu ähnlichen Forderungen kam, wie es ein Martin Luther im selben Jahr der Erscheinung der "Arche Noah" in seinen 95 Thesen manifestierte. Aus allen seinen Erfahrungen schöpften sich die überaus geistreichen, hintergründigen Predigten, in denen fast alle Aspekte des Lebens berücksichtigt werden und zu einem gottgefälligen Leben auf der Basis der Evangelien aufgerufen wird.
Als Gründer einer eigenen, umfangreichen Privatbibliothek hatte Ulrich Krafft testamentarisch festgelegt, dass der Ulmer Stadtrat seine Bücher zu wahren und zu vermehren habe, wozu auch eine von ihm eingebrachte Stiftung von 100 rheinischen Gulden dienen sollte.
Der der Markgräfin von Baden, der geborenen Herzogin in Bayern gewidmeten Predigsammlung ist ein aufwendiger Holzschnitt-Titel vorangestellt: Die Bordüre zeigt eine Zusammenstellung der "Arma Christi", der Leidenswerkzeuge des Heilands, die jeweils von kleinen nackten oder näckisch gekleideten Renaissance-Putten präsentiert werden: die Nägel, Longinus-Lanze und Stephaton-Essigstab, die Würfel, das Kreuz, die Martersäule, die Geißel und vieles mehr. Oben halten zwei Seraphime das "Vera ikon" im Leichtentuch der Heiligen Veronika, unten richten einige groteske Monster eine große Kanone direkt auf den Betrachter als "Memento mori" - eine bemerkenswerte, einzigartige Darstellung dieser Art. Ein besonderer Höhepunkt der Straßburger Buchillustration ist der große Titelholzschnitt mit der Darstellung der Arche Noah, einem mächtigen Holzboot mit aufgebautem Kajüten-Haus, aus dem der Urvater Noah auf die sich zurückziehenden Wasser blickt, während die Taube mit dem Ölzweig vom Ende der Sintflut kündet. – Vereinzelt minimal fleckig, nur stellenweise etwas gebräunt. kaum angestaubt, unwesentliche Feuchtspur und nur kleine Wellungen, insgesamt eine sehr schönes, frisches Exemplar mit den Holzschnitten in bestem, konstrastreichen Abdruck.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 984)


Zuschlag
€ 850 (US$ 1.045)


Alte Cölmische Recht, Das
Das alte Cölmische Recht. (Thorn), Melchior Ner...

Los 1072

Sehr seltener Druck aus der pommerschen Offizin des Melchior Nering zu Thorn
Lehensrecht. - Das alte Cölmische Recht. 8 Bl. (inkl. Titel in Rot und Schwarz), 190 S., 1 Bl. Mit Druckermarke in Holzschnitt auf dem Schlussblatt (Wappen von Thorn). 25 x 14 cm. Pappband des 19. Jahrhunderts mit grauem Kleisterpapierbezug (Kanten stärker bestoßen). Thorun (Thorn), Melchior Nering, 1584.

VD16 XL 52 (nur 2 Exemplare in der Bayerischen Staatsbibliothek und in Heidelberg, Universitätsbibliothek). Nicht im STC und bei Adams. – "Cölmer" sind freie Grundbesitzer, die der Orden zu Kölmischem (Kulmischem) Recht angesiedelt hat. Kölmisches Recht verpflichtet zum Reiterdienst bei Verteidigung des Landes, geringfügiger Abgabe an Geld, Wachs und Pfluggetreide. Es gewährt große Freiheiten, Vererbung des Gutes an Söhne und Töchter, Verkauf mit Vorwissen des Ordens, Befreiung von allem Scharwerk, oft auch die Privilegien der Fischerei, mittleren und minderen Jagd, Brauerei und dergleichen. Große kölmische Güter, denen die volle Gerichtsbarkeit verliehen war, sind später Rittergüter geworden. Am Schluss: "Diß Cölmisch Recht ist aus einem Alten Buch, welches im Jhar Christi 1394. geschrieben ist,gedruckt zu Thorun im 1584. Jare".
Der hübsche, von einem Engel gehaltene Wappenholzschnitt zeigt im Schild die Burg von Thorn und diente als Druckermarke für den polnisch-deutsche Drucker Melchior Nering, über den nicht viel bekannt ist und von dem kaum Druckwerke nachweisbar sind. – Titel gestempelt und Randansetzungen und mit Japanpapier hinterlegt, einige Blätter am Anfang und am Schluss an den Ecken und Rändern ergänzt, stärker feucht-, braun- und sporfleckig. Sehr selten.

Schätzpreis
€ 900   (US$ 1.107)


Zuschlag
€ 600 (US$ 738)


Weidmann, Lorenz
DJe Lehenrecht verdeütscht. Worms 1537

Los 1073

Lehensrecht. - (Weidmann, Lorenz; Hrsg.). Die Lehenrecht verdeütscht: auch inn eyn neüwe und richtige ordnung der Tittel gesatzt und zusamen bracht. Mit erklerung unnd auszlegung etlicher Lateinischer unnd Waelscher wort, welche nit fueglich inns Deutsch haben veraendert moegen werden. 4 nn., XXVIII Bl. Mit großer Holzschnitt-Kapitale auf dem Titel und einigen 10-zeiligen Initialen im Text. 29,5 x 18,5 cm. Modernes Halbpergament. Worms, Sebastian Wagner, (1541).

VD16 D 732. – Dritte und letzte der von Sebastian Wagner in Worms gedruckten Lehensordnung, die sich durch eine besonders schöne Typographie auszeichnet. So ist die Titelinitiale "D" von besonderem Schwung und bemerkenswerter Eleganz, die übrigen Initialen zeigen einen Rad schlagenden Pfau, aber auch viel Ranken- und florales Ornamentwerk, teils in Claire-obscure-Technik. – Gegen Ende blasser Wasserrand von oben, sonst kaum fleckig oder gebräunt, sehr schönes Exemplar dieses sehr seltenen Drucks.

Schätzpreis
€ 400   (US$ 492)


Nachverkaufspreis
€ 200   (US$ 246)


Leisentritt, Johann
Geistliche lieder und Psalmen der alten Apostol...

Los 1074

Das schönste katholische Gesangbuch in einem prachtvollen protestantischen Einband
Leisentritt, Johann. Geistliche lieder und Psalmen der alten Apostolischer recht und wargleubiger Christlicher Kirchen, so vor und nach der Predigt, auch bey der heiligen Communion und sonst in dem Haus Gottes zum theil in von vor den heusern, doch zu gewoenlichen zeitten, durch gantze Jar, ordentlicher weis moegen gesungen werden. 2 Teile in 1 Band. 20 nn., CCCXXIX (recte 330), 6 nn Bl.; 8 nn., XLIX, 6 num. Bl. Mit blattgroßem Porträt-Holzschnitt (datiert 1571), 2 ganzseitigen und 40 halbseitigen (8 wdhl.) Textholzschnitten und ganzseitigem Wappenholzschnitt. Druck in Rot und Schwarz. Jede Seite mit variierender ornamentaler Metallschnittbordüre. 15,1 x 9,8 cm. Geglättetes, reich (einst goldgeprägtes, numehr schwarz oxidiertes) blindgeprägtes dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (Kapital abgerissen, unteres mit Fehlstellen, Gelenke brüchig, Rückenleder mit kleinen Löchlein und Fehlstellen, etwas beschabt und bestoßen, kaum Kratzspuren, kleiner Wurmgang) über sauber abgefasten Holzdeckeln mit 4 teils ziselierten Messingschließbeschlägen (ohne die Schließbügel). Bautzen, Michael Wolrab, 1573.

VD16 L1062. STC 492. BSB-Musik IX, 3770. Graesse IV, 154. British Museum CPM, XXXV, 41. Nicht bei Adams. – Zweite, der insgesamt nur zweimal aufgelegten Ausgaben des prachtvollsten Gesangbuchdrucks der deutschen Renaissance - zugleich ein Meilenstein in der Entwicklung und Sammlung des gegenreformatorischen, katholischen Liederschatzes. Die erste Ausgabe des Gesangbuchs aus der Feder des römisch-katholischen Geistlichen und Dekans des Kollegiatstifts St. Peter zu Bautzen und Bistum Meißen in der Lausitz Johann Leisentrit (1527-1586) war bereits 1567 erschienen, die zweite ist jedoch in kleinerer Auflage publiziert worden und daher wesentlich seltener - und mit allen Teilen vollständig nahezu unauffindbar. So finden sich von den insgesamt nur 10 weltweit über das VD16 und den KVK nachweisbaren Exemplaren lediglich ein einziges komplettes, nämlich in Halle (fast immer fehlt auch der zweite Teil).

Mit seiner reichen buchkünstlerischen Ausstattung, den umfangreichen Illustrationen, den raffiniert variierenden Randleisten und der exzellenten Satz sowie dem glänzend eingefügten typographischen Notendruck gehört "der Leisetritt" zu den schönsten Kirchengesangbüchern des 16. Jahrhunderts, ja dieses Genres überhaupt, hier in einem zeitgenössischen Prachteinband.

Dieses erste umfassende, insgesamt zweite, katholische Gesangbuch stellt den Gipfel und zugleich den Ausklang der aussertridentischen Reformbestrebungen auf dem Gebiet des Kirchenlieds dar. Mit dem erstmals 1567 von dem aus Olmütz stammenden Bautzener Domdekan Johann Leisentrit (1527-1586) aufgelegten ersten illustrierten katholischen Gesangbuch beginnt recht eigentlich die Geschichte des katholischen Gesangbuchs. "Als private Schöpfung steht es in gewisser Hinsicht neben den grossen offiziellen Werken der liturgischen Revision, dem Catechismus Romanus (1564), dem Breviarium und dem Missale Romanum (1566, 1568) als das deutsche katholische Gesangbuch der Gegenreformation" (Martin Hoberg).

Die grösste Bedeutung für Leisentrits Absicht, das liturgische Geschehen sinnfällig dem Volk verstehbar zu machen, hatte dieses Gesangbuch, von dem 1584 noch eine dritte zu Lebzeiten Leisentrits gedruckte Auflage erschien. Die vorliegende zweite Ausgabe, von der Walther Lipphardt in seiner Monographie nur drei komplette Exemplare nachweist (BSB München, UB Augsburg und BL London), wurde von Johann Leisentrit und seinem kurz zuvor von der Hohen Schule in Ingolstadt kommenden Neffen Gregorius Leisentrit ediert.

Die Gesänge stehen in der Ordnung des Kirchenjahrs; dem pastoralliturgischen Zuschnitt der Sammlung entspricht die gesangsweise Aufnahme deutscher Einsetzungsworte zum Abendmahl. Zwölf Texte und vierzehn Melodien aus der Erstausgabe entfielen, dagegen sind zwei Texte neu aufgenommen worden. Die an den Kaiser gerichtete Widmung des ersten Teils der Ausgabe von 1567 wurde durch eine Widmung an Herzog Albrecht V. von Bayern (1550-79) ersetzt.

"Die typographische Gestaltung dieses Gesangbuches hat einen hohen künstlerischen Wert" (W. Lipphardt). An Stelle des ganz einfachen, nicht illustrierten Druckes des ersten, 1537 in Leipzig erschienenen katholischen Gesangbuchs von Michael Vehe, brachte der Drucker Wolrab "hier eine Prachtausgabe, die in der Sorgfalt des Druckes, in der Ausstattung mit prächtigen Zierleisten mit Holzschnitten wohl kaum ihresgleichen im 16. Jh. hat" (W. von 1545, "an Liedermenge und Ausstattungsreichtum jedoch weit übertrifft" (Erika Heitmeyer).

Speziell der Eigenart ihres Bilderschmucks verdankt Leisentrits Sammlung Kostbarkeit dar, die die evangelischen Vorgänger, darunter Valentin Bapsts Gesangbuch Geistlicher Lieder und Psalmen ihren herausragenden Stellenwert, "vor allem dass sie Lipphardt). Mit seiner prachtvollen Ausstattung stellt diese Liedersammlung eine Beziehungen verrät zu dem Neuen, das um die Mitte des Jhs. in der katholischen Kirche aufbrach und durch die Ausbildung eines ganz bestimmten Stiles (nicht nur in kunstgeschichtlichem Sinn) zu einer umreissbaren geschichtlichen Erscheinung wurde ... Der erste Eindruck ist darum der eines ungewöhnlichen Ueberbietens des bis dahin Ueblichen, einer deutlichen Anstrengung des ... Herausgebers, sein Buch so reich wie möglich zu schmücken, reicher jedenfalls als seine Vorlagen" (M. Hoberg).

Literatur: Lipphardt, J. Leisentrits Gesangbuch von 1567 (1963). Heitmeyer, Das Gesangbuch von J. Leisentrit 1567 (1988). Hoberg, Die Gesangbuchillustration des 16. Jahrhunderts (1933), S. 65f. I. Koch, Buchdruck in der Oberlausitz, in: Aus dem Antiquariat 4/2004, S. 283. – Wie üblich papierbedingt gleichmäßig, nur vereinzelt stärker gebräunt, aber kaum fleckig, fast durchgehend sauber und frisch, die Holzschnitte in meist sehr gutem, kräftigen Abdruck (wenige flauer). Vorderer fester Vorsatz mit einem alten und mehreren älteren sowie einem moderneren Einträgen, darunter der Besitzvermerk eines "August Dell, Oberlehrer in Kaiserslautern" und "Josef Dell in Zell", ohne den vorderen fliegenden Vorsatz.
Der bemerkenswert schöne zeitgenössische Einband stammt interessanterweise aus einer protestantischen Buchbinderwerkstatt, einer der zahlreichen Beispiele der weitgehenden Religionstoleranz in der Lausitz, die noch lange im 16. Jahrhundert katholische neben protestantischen Sprengeln kannte. Beide Deckel sind mit einer Porträtmedaillon-Rolle geziert, in denen man die großen Reformatoren "Mar[tinus Lutherus]", "Phil[ipp Melanchthon]", "Eras[mus Roterodamus]" und "Ioha[nnes Bugenhagen]" dargestellt sind. In der Mitte des Vorderdeckels ist eine einst goldgeprägte, sehr fein linear gearbeitete Platte mit dem Christus triumphans eingeprägt, dem Jesuskind, das ein schweres Kreuz schultert, die Weltkugel hält und die Schlange zertritt. Ähnliche Platten mit diesem seltenen Motiv sind in der Einbanddatenbank nachweisbar (beispielsweise Nummern EBDB p003030, EBDB p001627). Verso dann eine Platte mit der Kreuzigungsdarstellung, flankiert von zwei Büschen und einem Stifter unter dem Kreuz.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 7.380)


Zuschlag
€ 3.500 (US$ 4.305)


Livius, Titus
Romische historie

Los 1075

(Livius, Titus. Romische historie Titi livii meniglich kürtzweilich und dienstlich zu lesen. Übersetzt von Bernhardus Schöferlin). 10 (von 12) nn., CCCCII (von 410) Bl. Mit zahlreichen Metallschnitt-Initialen, blattgroßem Holzschnitt und 228 (von 236) teilweise wiederholten großen Textholzschnitten. Durchgehend rubriziert mit Kapital- und Absatzmarkenstrichelung in Rot. 31 x 21,5 cm. Leder d. Z. (VDeckelbezug nur fragmentarisch, zeitgenössisches Deckelleder mit Kratzern und Schnitten, Rücken komplett breit um 1780 ergänzt, geschickt neu restauriert und Buchblock neu eingehängt) über Holzdeckeln mit 4 Schließbeschlägen vom Ende des 18. Jahrhunderts (ohne die beiden Schließbügel). (Mainz, Johannes Schöffer, 1514).

VD16 L 2104. STC 521. Schweiger II, 545. Proctor 9856. Panzer, DA, 788. Goedeke I, 446, 14c. Muther 645 (Tafel 151-153). Thormählen, Die Holzschnittmeister der Mainzer Livius-Illustrationen, in Gjb 1934, 137ff. (mit Abb.). Vgl. Röll, Die Druckgeschichte der Römischen Historie "B. Schöfferlins". – Dritte Ausgabe der ersten deutschen Livius-Übersetzung von Bernhard Schöfferlin begonnen (Teil I und II) und von Ivo Wittich fortgesetzt (Teil III). Eines der schönsten Holzschnittbücher des frühen 16. Jahrhunderts und nach Muther das am reichsten illustrierte Buch, das in Mainz entstanden war. Während die erste lateinische Ausgabe durch die ersten beiden römischen Drucker Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz um 1469 in Rom gedruckt worden war, war jedoch in der Inkunabelzeit keine deutsche Übersetzung der "Historiae romanae decades" erschienen. Die erste deutsche Ausgabe datiert Mainz 1505, die zweite in Straßburg 1507. Während die erste Ausgabe von Johann Schöffer noch Initialspatien aufweist, wurden schon bei der Straßburger des Johann Grüninger eigene Metallschnitt-Initialen eingesetzt, ebenso wie in dem vorliegenden Exemplar, das dennoch - in der Manier der Handschriften und Frühdrucke - rubriziert wurde.
Thormählen weist mindestens fünf verschiedene Hände nach, die an den Illustrationen beteiligt waren. Der ganzseitige Holzschnitt zeigt den thronenden Kaiser Maximilian im Kreise der Kurfürsten, im Vordergrund Johannes Schöfferlin, der dem Kaiser das Werk überreicht. Die meisten aus zwei Stöcken zusammengesetzten, teils wiederholten Textholzschnitte zeigen höfische Szenen, Schlachtendarstellungen, Eroberungen etc. "Die Bilder stellen eine Schatzgrube deutscher Kulturgeschichte des Mittelalters dar: Trachten ... Bauwerke, Burgen, Kirchen, Stadtansichten. Landschaften, Schiffe" (Reiniger, Sickingens Ebernburg, S. 16). – Es fehlen die ersten beiden Blätter mit dem Holzschnitt-Titel und einem weißen Blatt. Am Schluss fehlen acht Textblätter mit 8 weiteren Holzschnitten. Blatt Dd1 verbunden. Äußere Stege oftmals hinterlegt bzw. partiell angesetzt. Mal mehr, mal weniger gebräunt, etwas fingerfleckig, leicht braunfleckig, stellenweise etwas feuchtrandig. Vorsätze erneuert. Hinterer Innenspiegel mit Exlibris. Insgesamt im Block sehr schönes Exemplar dieser seltenen Postinkunabel mit sorgsamer, durchgehender Kapitalstrichelung in Rot.

Schätzpreis
€ 2.500   (US$ 3.075)


Zuschlag
€ 1.600 (US$ 1.968)


Luis de Granada
Pars Aestivalis Postillae De Tempore.

Los 1076

Luis de Granada. (Postilla de sanctis). Pars Aestivalis Postillae De Tempore. Das ist Außlegung der Sontäglichen vnd etlicher anderer Evangelien, vom H. Pfingstfest an, biß auffs Advent. Darinnnen auff jedes Evangelien zwo, drey oder etwann mehr Predigen begriffen ... außm Latein trewlich verteutscht ... Durch Herren Ioannem Rullium Domprediger zu Wormbs &c. 2 Teile in 1 Band. 6 Bl., 672 S.; 406 S. Mit 2 wdhl. Titelholzschnitten und zahlreichen, teils wdhl. Textholzschnitten. 32 x 20,5 cm. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (hinteres Gelenk gebrochen, Rücken und Rückdeckelbezug mit Fehlstellen, fleckig, bestoßen, beschabt) über massiven Holzdeckeln mit dreifacher Filetenprägung (und kleinem Klebschild). Köln, Erben Gerwin Calenius für Erben Quentel, 1593.

VD 16 L 3217. – Der zweite Teil der zweiten deutschen Ausgabe der großen Postillensammlung des Luis de Granada, illustriert mit den Holzschnitten des Monogrammisten "HHB" (vgl. dazu Nagler III, 939). Vorhanden sind aus dem Sommerteil "Pars Aestivalis" die exegetischen Interpretationen der Sonntagspredigten aus den Evangelien von Pfingsten bis Advent (Teil I) sowie die "Außlegung der Feyertäglichen Evangelien, von dem Fest Johannis des Tauffers an biß auff Andreae" (Teil II). – Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren, etwas wurmstichig (vor allem im Bug stärker, jedoch nur marginaler Textverlust), angeschmutzt, feuchtrandig und mit kleinen Papierläsuren. Der Titel mit Randausbrüchen und hs. Einträgen, stärker gebräunt. Eindrucksvoll gebunden.

Schätzpreis
€ 250   (US$ 307)


Nachverkaufspreis
€ 130   (US$ 159)


Luther, Martin
Auslegung der Episteln und Evangelien

Los 1077

Luther, Martin. Auslegung der Episteln und Evangelien, vom Advent an bis auff Ostern. Auffs new corrigirt und etwo gebessertMit einem nützlichen Register [und:] Derselbe. Auslegung der Evangelien, an den fürnemsten Festen, im ganzen jar, gepredigt durch Mart. Luther. 3 Werke in 1 Band. 14, CCCXXXII Bl.; 6, LXXVIII, 1 Bl. Mit 2 breiten Holzschnitt-Titelbordüren und 44 Textholzschnitten. 30 x 19,5 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (untere Ecke des Rückdeckels im Bereich der Stehkanten etwas stärker abgerieben, leicht berieben, mit wenigen kleinen Tintenfleckchen) über Holzdeckeln mit 3 (von 4) Messingschließbeschlägen (ohne die beiden Schließen). Wittenberg, (Hans Lufft), (Leipzig, Nikolaus Wolrab), "MDXL" (d. i. 1543)-1545.

VD16 L 3966 (Satzgleich mit VD 16 L 3965, bei der vorliegenden Ausgabe wurde der Titel neu gesetzt) und VD16 3993. Benzing 1089. – Fünfte Ausgabe des erstmals 1528 in der Wittenberger Lufft-Offizin erschienenen Drucks bzw. zweite Ausgabe des gleichen Jahres des bei Wolrab in Leipzig herausgegebenen Drucks. "Nachdem Luther bis 1525 den Winterteil seiner Sonntagspredigten vollendet hatte, arbeitete er selbst nicht mehr daran weiter, sondern überließ dem aus Zwickau gekommenen Magister Roth Zusammenstellung u. Hg. der Postillen für den Festteil u. den Sommerteil, die 1526-27 fertiggestellt waren, in den folgenden Jahren aber noch einige Überarbeitungen u. Ergänzungen erfuhren ... Die Nachfrage nach allen Teilen der Postille war groß, besonders von den Pfarrern auf den Dörfern. Ihr Gebrauch war offenbar sehr intensiv, wie die Seltenheit ihres Vorkommens u. die kleine Zahl von Bibliotheksnachweisen zeigt" (Gose, Reformationsdrucke). – Sehr selten mit Textunterstreichungen in Tinte. Sauberes und wohlerhaltenes Exemplar.

Schätzpreis
€ 600   (US$ 738)


Zuschlag
€ 600 (US$ 738)


Luther, Martin
Antwort deutsch auff König Henrichs von Engella...

Los 1078

Luther, Martin. Anwortt deutsch auff König Henrichs von Engelland buch. 24 Bl. Mit Holzschnitt-Titelbordüre. 19 x 14 cm. Pappband des 19. Jahrhunderts (berieben, Rücken überklebt, mit hs. Deckelschild). Wittenberg, Nickel Schirlentz, 1522.

VD16 L 4249. Benzing 1228. – Wittenberger Druck aus dem Jahr der Erstausgabe, der (lateinische) Erstdruck erschien ebenda bei Johann Rhau-Grunenberg. Scharfe Antwort Luthers auf König Heinrichs VIII. Verteidigung der sieben Sakramente, die im Vorjahr unter dem Titel Assertio septem sacramentorum contra Lutherum erschienen war und dem englischen König den Titel "Fidei defensor" durch Papst Leo X. eintrug. Das Titelblatt mit dem Motto "Lügen thun myr nicht, Warheyt schew ich nicht." – Titel recto und verso sowie der Innenspiegel mit getilgtem Bibliotheksstempel, Titel im Bug mit altem Heftstreifen sauber verstärkt. Etwas fingerfleckig, am Schluss auch mit Wasserrändern. Die letzten fünf Blatt mit kleinem Wurmloch im oberen weißen Rand, letztes Blatt komplett hinterlegt und im unteren Bug gelöst, mit Randeinriss und Fehlstelle in der oberen rechten Ecke (minimaler Buchstabenverlust). Innengelenke angeplatzt, hinterer Spiegel mit Montageecken.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.476)


Zuschlag
€ 800 (US$ 984)



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