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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Katalog Handschriften, Alte Drucke, Papierantiquitäten » zur Buchabteilung
Handschriften, Alte Drucke, Papierantiquitäten Auktion 112, Di., 16. Okt., 17.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Pelikan, Felix
Hausaltar mit Andachtsbildern und Wappen.

Los 511

Pelikan, Felix. - Hausaltar mit Andachtsbildern, Initialminiaturen und Wappen. 2 Tafeln mit Malereien in Gold und Farben in hölzernem Doppelrahmen. Quadratnotation auf roten Systemen mit Text in Grau und Schwarz auf 2 Blättern Pergament bzw. Papier. Ca. 38 x 26 cm. Mit Rankenbordüren, Wappenmalerei, einer Miniatur und 2 goldgehöhten figürlich-szenischen Prunkinitialen, alles in farbiger Gouache und Blattgold. Aufgezogen auf festen Karton und unter Glas in einen braunen, hölzernen Doppelrahmen mit reichem gotischen Ornament gerahmt. Böhmen 1563.

Zwei zu einem kleinen Hausaltar zusammengefügte Textblätter einer spätmittelalterlichen böhmischen Handschrift mit entzückenden Miniaturen. Die linke Tafel enthält links neben einer breiten floralen Ranke aus weißem, blauem und grünem Akanthus mit Geäst, goldenen Blättern und Goldpunkten sechs Notensysteme in Rot (Spiegel ca. 29 x 16,5 cm) mit roter Initialzeile "Na weliku not..." sowie romanische Quadratnotation und gotischem slawischem Text in Grau (wohl einst in Silber).

Die große Zierinitiale "U" (ca. 12 x 11 cm) mit einer grandiosen Auferstehungsszene: Aus einem Wolkenkranz vor Goldgrund erscheint der Heiland als Christus Triumphans mit der Siegesfahne, während sich die vier Grabwächter als geharrnischte Soldaten erschrocken an die Seiten der Initialbalken drängen, die aus üppigem, mit Pinselgold gehörten, hellgrünen Akanthusranken bestehen.

Unten dann eine Miniatur mit dem knieenden Stifter Felix Pelikan als Adoranten in einer weiten Berg- und Seenlandschaft, gekleidet in schwarzen Mantel und schwarze Schuhe, mit Gebetbuch, den Kopf anbetend erhoben. Rechts das große Wappen mit der Darstellung eines Pelikans, der seine vier Jungen mit seinem Blut stillt, darüber das Schriftbanner "Felix Pelikan Anno d[omi]ni 1563". Felix Pelikan stammt aus der bedeutenden Familie derer von Pelikan (auch Pelican), die in der Renaissance im böhmischen Landadel nachweisbar ist.

Die rechte Tafel ähnelt der linken im Aufbau, die Bordüre ist hier eine Weinranke in Guilloche-Musterung, unten das Wallen mit einem dreiblättrigen Kleeblatt auf blauem Grund und darüber dem Schriftband: "Letha. etc. Mikulash Magutzky [?] 1563". Die große Zierinitiale "P" zeigt eine Trinitas: Auf einer Wolkenbank sitzt der gemarterte Christus mit rotem Lendenschurz, rotem Mantel, und Märtyrerpalme zur Rechten Gottvaters, der seine Hand tröstend über dem Heiland ausbreitet, während in einer Strahlenaureole die weiße Taube des Heiligen Geistes erscheint. – Beide Bildträger fest auf säurehaltigen Karton montiert (Papier daher etwas durchgebräunt), mit einigen teils alt, teils neuer hinterlegten Randausrissen (oft retuschiert) und Läsuren, teils stärker finger- und schmutzfleckig, das Papierblatt mit kleiner, durch Pergament ergänzter Ecke, das Pergamentblatt fleckig und an Rändern mit leichten Anschmutzungen, Gebrauchsspuren. Gold teils etwas brüchig, die Farben vereinzelt etwas abgeschabt oder abgeblättert (etwa die Wappen), meist ist die Illumination aber wohlerhalten, in leuchtenden, überzeugenden Farben udn schimmerndem Gold.
Interessant ist auch der zum Ende des 19. Jahrhunderts geschnitzte Holzrahmen, der vielfach profiliert über einem Sockel über Postamenten drei gotische Dienste aufsteigen sieht, die sich oben mit einem weiteren horizontalen Dienstbalken überkreuzen und wiederum in einen weiteren, den ganzen Rahmen umgebenen Dienstbogen einbeschrieben sind. So erhält der Rahmen die Form eines Kielbogens mit zartem gotischen Dreipass im Mittelzwickel oben, über dem sich der Bögen zu einer vegetabilen Kreuzblume auswächst. - Rahmen gering fleckig, eine kleinen Stelle im oberen Bogen licht abgeplatzt, sonst wohlerhalten.

Schätzpreis
€ 2.400   (US$ 2.784)


Zuschlag
€ 1.800 (US$ 2.088)


Lukasevangelium
Geburt Christi. Kolor. Holzschnitt auf Einzelblatt

Los 512

Das Weihnachtsevangelium nach Lukas
Lukasevangelium. Geburt Christi - Darbringung im Tempel. Einzelblatt aus einer Bibel mit 2 großen kolorierten Holzschnitten, je 11,5 x 15 cm. Blattgröße ca. 36 x 21 cm. Unter Doppelglas mit Passepartout in vergoldeter Holzprofilleiste gerahmt. 46 x 29,5 cm. Wohl Frankfurt um 1582.

Beginn des Lukas-Evangeliums mit der Geburt Christi, dem Weihnachtsevangelium "Es begab sich aber zu der zeit, daß ein gebot außgieng von dem Keiser Augusto, das alle Welt beschrieben würde...". Die Kapitelüberschrift lautet: "Die welt wirdt beschrieben, die junckfraw gebirt, die hirten machen ir herd, Jesus wirdt beschnitten, Simeon und Anna weissagen, und das kindlein Jesus sitzt in der Synagog, mitten under den doctoren".
Recto die Szene der Geburt, verso die Darbringung im Tempel, beides in kräftigem Altkolorit. – Blatt gebräunt, fleckig und mit teils geschlossenen Einrissen, nicht ausgerahmt (möglicherweise Randläsuren), Versand nur ohne Rahmen.

Schätzpreis
€ 140   (US$ 162)


Zuschlag
€ 100 (US$ 115)


Pestalozzi, Carlo
Carolus de Pastalotiis. Pergamenturkunde

Los 513

Chiavenna lombarda. - Carolus de Pastalotiis I. C. ac Philosophiae Medicineque Doctor Consul. Mag.cae Comunitatis Clavenae caterique... Italienischer Wappenbrief aus dem oberitalienischen Chiavenna. Lateinische Handschrift auf Pergament mit breiter Bordüre und großem Wappen-Mittelstück, alles in Gold und Farben. Ca. 52 x 67 cm. Unter Glas in vielfach dekorativ geschnitzter, vergoldeter Holzprofilleiste gerahmt (diese mit vereinzelten Ausbrüchen und Läsuren). Chiavenna 1679.

Sehr dekoratives Blatt mit hübscher Wappenmalerei als Urkunde zur Verleihung der Bürgerrechte des Patriziers Carlo Pestalozzi der norditalienischen Stadt Chiavenna (Ciavèna, Cläven bzw. Kleven) in der lombardischen Provinz Sondrio: "Cives patriciosque nostros qui claritate vitae, celebribusque ipsos natale solum et Principem illlustraverunt non tueri, solum servareque..." Umgeben wird das Blatt von einer breiten Bordüre mit einer blauen Akanthusschlinge, die 14 runde bzw. ovale Felder umschließt, in denen neben üppigen Blumenbouquets und in den Ecken vier Engelsköpfen, aus denen Blumen herauswachsen, fünf Wappenmalereien mit Wappenschild und aufwendigem Helmschmuck dargestellt sind. In der Mitte die große Vignette im Rechteck (21,5 x 19 cm) mit dem dem Bürger und Patrizier verliehenen Wappen: einem goldenen Löwen mit zwei goldenen Schlüsseln und zwei goldenen horizontalen Bändern. Im Helmschmuck oben ein weiterer, steigender Löwe mit goldenem Schlüssel. Das Wappen wird in einer üppigen Blumengirlande von zwei barocken Putten getragen, die - auch wenn sie zu schweben scheinen - die schwere der Bürde eindrücklich vor Augen führen.
Unten am Ende des Textes findet sich das Datum und die Signatur des "Carolus de Pestalotius Consul.": "Datum Clavena et Aedibus iuris Anno ab Incarnatione Dominica M.D.CLXXIX. Die XIV. Mmis. Martij." – Mehrere Feuchtränder, teils mit leichten Farbverläufen bzw. abgewaschener Farbe rechts und links, Knick- und Knitterspuren allenthalben, einige Löchlein und Einrissen, Oberflächenbereibungen (teils mit Farbverlusten sowie Gebrauchsspuren. Mit Montageresten, nicht ausgerahmt, Versand nur ohne Rahmen. Insgesamt sehr dekorativ.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 927)


Nachverkaufspreis
€ 800   (US$ 927)


Taschenantiphonale
Lateinische Handschrift auf Pergament.

Los 514

Taschenantiphonale. Antiphonarium Romanum. Lateinische Handschrift auf Pergament. 105 nn. B. Antiqua romana in Rot und Schwarz mit romanischer Quadratnotation auf 4-linigem rotem System, Antiqua-Initialen in Rot und Blau, mit Kapitelüberschriften in goldenen Versalien. Prinzipal- und Versoseiten regliert in Rot bzw. in Gold. Schriftraum: 19,2 x 12,2 cm. Format: 26,2 x 20 cm. Weinrotes geglättetes Maroquin d. Z. (Rücken brüchig mit kleinen Bezugsfehlstellen, Eck- und Kantenverlusten, beschabt, bestoßen und ohne die Schließbügel - älter, sehr fachmännisch restauriert bzw. neu aufgebunden unter Aufkaschierung des originalen Materials) mit goldgeprägtem Rücken und Filetenvergoldung auf den Deckeln in zwei umeinander gelegten Bordürerahmen aus jeweils drei feinsten Goldfileten mit vier arabesken Eckfleurons (nur minimal abgerieben). Frankreich um 1690.

Kleines Quart-Antiphonale zum Gebrauch eines Priesters während der heiligen Messe. Im Gegensatz zu den üblichen liturgischen Büchern, die im Folio- oder Imperialformat angefertigt wurden und auf die monumentalen Pulte im Zentrum der Chöre spätmittelalterlicher Kirchen zur allseitigen Sichtbarkeit für die gemeinsamen Gesänge ausgelegt wurden, handelt es sich hier um ein "mobiles" bzw. "Taschenantiphonale", das der Priester nach dem Lesen der Messe und den Wechselgesängen des Kirchenjahres wieder mitnehmen und einschließen - bzw. auch in Ledertaschen mit auf Reisen nehmen konnte.
Das erklärt einerseits die verhältnismäßig kostbare, wiewohl schlichte, sachliche Aufmachung, andererseits aber auch die gute Erhaltung, in der sich das Antiphonale befindet.
Die übliche Gliederung fängt mit der "DOMINICA PRIMA ADVENTUS", dem Responsorium für den ersten Adventssonntag an, wobei in roter Kursivschrift immer die genauen Anweisungen an den die Messe feiernden Priester gegeben werden, beispielsweise fängt der Vorsänger ("Dominus Cantor") auf der Kanzel ("an seinem Ort") mit dem ersten Wechselgesang an ("incipit primum responsorium"), die Gemeinde singt: "Aspiciens" ("Sehend"), worauf der Priester singt: "Die ihr Erstgeborene seid, ihr Söhne der Menschen, alle zusammen, reich oder arm...".
"D. Cantor in suo loco incipit Primum Responsor. ut sequitur. 'Aspiciens'. Postea annuit Antiquioribus Canon Secund & Tertium Vers. deinde in suo loco cant. Primum. 'Quique terrigenae & filii hominum simul in unum dives & pauper".
Es folgen (jeweils mit prächtigen Überschriften in Goldlettern): "In festo, conceptionis, B. V. Mariae", "In vigilia nativitatis Domini", daraufhin zum Fest des Heiligen Stephanus, in wechselnd rot und blauen Versalien dann "In epiphania domini", "In festo purificationis", "In festo annunciationis Beatae Mariae Virginis" und so weiter, bis schließlich die Gesänge zu Omnisancti und zur Totenmesse das Antiphonale beschließen: "In festo Ominium Sanctorum" und "In commemoratione Defunctorum" (hier hat sich der sonst sehr exakte, sehr geschickte und sauber arbeitende Schreiber einmal verschrieben. Die erste Überschrift liest sich: "In Commemoratioratione (sic) Defunct." – Wenige Goldbuchstaben etwas abgerieben, sonst ist die Schrift durchgehend in guter, kraftvoller roter und schwarzer Tinte auf das bemerkenswert feste, saubere und fast knorpelfreie teure Pergament gesetzt und bestens erhalten, kaum Fingerflecke oder Gebrauchspuren.

Schätzpreis
€ 1.600   (US$ 1.855)


Zuschlag
€ 800 (US$ 927)


Megillah Esther
Hebräische Handschrift auf Pgt. Wohl um 1780

Los 515

Megillah Esther. Hebräische Handschrift auf Pergament. 20 Kolumnen Text in sefardisch-nordafrikanischem Duktus auf 5 mit Hanffasern aneinander genähten Teilen Schafsleder mit Lasche und Bindeband. 17-18 Zeilen. 18-18,5 x 326 cm. Auf einfacher, gedrechselter Eichenholzspindel (mit einigen Ausbrüchen) gerollt. 37,5 x 5,5 (Durchmesser) cm. Marokko um 1780.

Hübsche, auf fünf mittels Hanffäden aneinander genähten Pergamentstücken in sauberer Kalligraphie in kohleschwarzer Tinte geschriebene Esther-Rolle. Anders als bei der Tora handelt es sich bei der Esther-Rolle um den Text für die Feier des Purim-Fests. In den Synagogen werden am Vorabend des Festes Texte aus dem Buch Esther verlesen, wobei der Rabbiner die Schriftrolle (Megillah, Megillot) Stück für Stück von rechts nach links aufrollt. Es folgen je nach Ritus weitere Lesungen am nächsten Morgen, wobei sowohl Männer als auch Frauen ebenso wie die Kinder verpflichtet sind, der Vorlesung der Megillah zuzuhören. Jedes Mal, wenn beim Vorlesen der Esther Rolle der Name ,,Haman" erwähnt wird, setzt man Lärminstrumente aller Art ein, mit deren Hilfe der Name des Agagiters Haman, des Übeltäters aus der Esther-Erzählung, symbolisch ausgelöscht werden soll. Die Erwachsenen stampfen gewöhnlich mit den Füßen und schlagen aufs Pult. Die Kinder nehmen insbesondere Rasseln und Schnarren.
In dem vorliegenden Manuskript ist die dem Name Hamans entgegen gebrachte Missgunst durch das Auslassen bzw. Weißen (und wohl späteren Überschreiben) des Namens zum Ausdruck gebracht.
Entstanden ist die Esther-Rolle wohl in Marokko, wo es beispielsweise in Fez eine lange Tradition von Schreiberstätten gab, aus denen sich einige Megillahs erhalten haben. Vgl. etwa die unserem Exemplar nicht unähnliche Esther-Rolle, die im Pariser Musée du Quai Branly aufbewahrt wird und dort auf das "13.-14. Jahrhundert" geschätzt wird: "Un rouleau d’Esther rédigé au Maroc entre les XIIIe et XIVe siècles, conservé au musée du quai Branly. Le livre ou rouleau d’Esther est le vingt-et-unième livre de la Bible hébraïque. Il fait partie des Ketouvim selon la tradition juive et des Livres historiques de l’Ancien Testament selon la tradition chrétienne. Il rapporte une série d’événements se déroulant sur plusieurs années: Esther, d’origine juive, est la favorite du plus puissant souverain de son époque - Xerxès Ier. Or, sous son règne, le grand vizir - Haman - intrigue et obtient de pouvoir exterminer toute la population juive. Devant pareille menace, l’oncle d’Esther - Mardochée - fait appel à sa nièce afin qu’elle obtienne du roi l’annulation du décret qui les condamne" (Trad. Louis Segond). – Wenige kleine Randausrisse, ohne Textverlust, nur ganz vereinzelt leicht fleckig, das glatte Leder wie üblich etwas gebräunt, hier und da wenige Farbverwischungen durch Feuchtigkeitseinfluss und etwas Textabklatsch auf verso, meist nur die ersten drei Kolumnen betreffend. Insgesamt sehr schön erhalten und ein höchst suggestives Objekt der jüdischen Religionskultur. – Beiliegt eine Fotodokumentation in Quart mit ca. 20 Digitalfotos in Hochglanz zur Esther-Rolle in Papp-Umschlag.

Schätzpreis
€ 900   (US$ 1.044)


Zuschlag
€ 550 (US$ 638)


Firdousi
7 Bl. mit 9 Indopersischen Miniaturen auf Papie...

Los 516

Firdousi. Shah-Name. 7 Blätter mit 9 indopersischen Miniaturen auf altem handschriftlichen Papier, in Gold und Farben. Miniaturen 14,5 x 10 cm. Blattgrößen zwischen 30 x 18 und 28 x 35,5 cm. Meist passepartouriert. Persien 19.-20. Jahrhundert.

Hübsche Illustration wohl zu dem persischen Epos des Firdousi. Der persische Dichter Abu l-Qasim Firdausi (940-1020) schuf mit seinem monumentalen, etwa 60.000 Verse umfassenden Epos Schahname, dem Buch der Könige, des Nationalepos' der persischsprachigen Welt und damit das weltgrößte Epos eines Einzeldichters überhaupt. Es wurde - und wird - in zahlreichen Handschriften und Drucken überliefert. Die einzelnen Szenen boten eine unendliche Möglichkeit zur Illustration.
Die Miniaturen zeigen: 1) Lager des Paschas in der Berglandschaft mit Pferden und Entourage. Text mit Pinselgoldwolken. - 2) Jagdturnier auf fünf Rehböcke, 2 Jäger auf Pferden richten die Bögen auf die Tiere, während der Hofstaat zuschaut. - 3) Audienz des Sultans in seiner Prunkädikula vor einem Vielpassteich. - 4) Reiterschlacht mit Pfeil und Bogen sowie eine Jagdszene auf Gazellen, ein Reiter auf einem Elephanten (Doppelblatt in Gold und Farben mit 2 Miniaturen, marmoriertem Rand, verso Farsi-Schrift). - 5) Reiterturnier mit drei beturbanten Zuschauern (große Miniatur in Farben und mit leuchtendem Goldgrund sowie marmoriertem Rand). - 6) Jagdszene mit Persern vor Berglandschaft, komplett auf schimmerndem Goldgrund gemalt (Doppelblatt eines gelatinierten Handschriftenbogens, Text allenthalben übermalt, verso sichtbar). 7) Polospiel mit sechs Teilnehmern zu Pferd (marmorierter Rand, Himmel aus Goldgrund, Rand teils mit größeren Fehlstellen und Ausrissen). – Papier teils gebräunt und mit Braunflecken, gelegentliche Randschäden, Wasserrändern und Läsuren, kaum Oberflächenbereibungen. Die Miniaturen in schönstem, frischem und leuchtendem Kolorit, die alten Texte meist übermalt. Höchst feine Malereien, äußerst dekorativ. – Beiliegt: Arabische Kalligraphie mit einer Koransure auf gefärbtem, gelatinierten Papier. 14,8 x 20 cm. Montiert auf Karton.

Schätzpreis
€ 500   (US$ 580)


Zuschlag
€ 300 (US$ 348)


Frisket-Fragment
Manuskriptstreifen einer frühneuzeitlichen Hand...

Los 517

DRUCKE VOR 1600

Einblick in die Technik der Inkunabeldrucker

Frisket-Fragment. Manuskriptstreifen einer frühneuzeitlichen Handschrift auf Pergament in schwarzer Tinte. 32 Zeilen, mit 1 blauen Lombarde und rotem Frisket-Überdruck einer typographischen Presse der Inkunabelzeit. Ca. 31 x 4 cm. Deutschland um 1485.

Eines der äußerst seltenen, sogenannten "Manuscript frisket sheet fragments", eines Kuriosums der frühen Druckkunst. Die ersten gedruckten Bücher seit Gutenberg zeichneten sich durch das Miteinander von schwarzen und roten Textpassagen auf einer Druckseite aus. So wurde das ursprüngliche Ziel, nämlich mit dem Druck die Handschrift zu ersetzen, auch darin angestrebt, dass man nämlich die eigentlich dem Rubrikator anvertraute Arbeit in das Druckverfahren mit aufnahm - und somit Titel, Kolumnentitel, Überschriften, Druckvermerke, Interlinear-Einsprengsel und ähnliches in roter Typographie einsetzte.
Dieses erforderte allerdings ein etwas komplizierteres Verfahren, wobei jede Seite zunächst in schwarzer Farbe bedruckt wurde, um dann die als ausgezeichnete Passagen vorgesehenen Texte in einem zweiten Arbeitsschritt mit roter Druckerfarbe zu drucken. Dabei mussten dann die schon gedruckten schwarzen Textteile abgedeckt werden, wozu meist zerschnittene Makulaturstücke von älteren Pergamenthandschriften benutzt wurden. Die Stücke nahmen dann die nicht in Rot zu druckenden Überhangtexte auf, wobei das Pergamentstück erst durch ein "neues" ausgetauscht wurde, wenn eine Anzahl von Exemplaren (meist bis zu 10-20) gedruckt worden war.
Auf dem Frisket-Fragment bilden sich somit die auf der Druckseite nicht gedruckten Buchstaben in Rot in mehrfacher Überlagerung ab, was bei genauer Analyse Aufschlüsse auf die Häufigkeit des Druckens einer Charge geben kann. Fernere Untersuchungen können ggf. auch den Text identifizieren.
Vgl. Margaret M. Smith, Fragments used for 'Servile' Purposes: The St Bride Library Frisket for Early Red Printing, in Linda L. Brownrigg and Margaret M. Smith (Hrsg.): Interpreting and Collecting Fragments of Medieval Books (Los Altos Hills, CA, Red Gull Press, 2000), S.177-188 sowie dieselbe in: The St. Bride Journal 'Ultrabold 3' (2007), The Red-Printing Frisket at St. Bride Library. Elizabeth Savage, Red Frisket Sheets, c.1490-1700, The Earliest Artefacts of Colour Printing in the West (Papers of the Bibliographical Society of America 108, Nr. 4 (Dezember 2014), S.477-522. "This complex object, a manuscript leaf that was re-used first as a frisket sheet for printing selected text in red in one book and then in the pasteboard in the binding of another, is the earliest artifact of any color printing process in the West." – Schräg beschnitten, links mit umgelegten Steg vom Bund der einstigen Handschrift (was für den Druck als "Anfasser" und Stabilisator besonders praktisch war), mit wenigen Hanfschnurresten der einstigen Bindung. Winzige Wurmspur im unteren Rand, nur leicht angestaubt. Der Text auf der Fleischseite teils stärker abgerieben, der auf der Haarseite wohlerhalten. Frisket-Fragmente gehören zu den überaus seltenen "Hilfsmitteln" der Inkunabelzeit, von denen weltweit nur eine Handvoll nachweisbar ist.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.392)


Zuschlag
€ 2.200 (US$ 2.552)


Brant, Sebastian
Varia Sebastiani Brant Carmina

Los 518

Brant, Sebastian. Varia Sebastiani Brant Carmina. Mit Beigaben von Johann Bergmann. 140 Bl. 30 Zeilen. Rom. Typ. Schriftraum: 16,3 x 10 cm. Format: 20,6 x 14,6 cm. Mit großem, dreiteiligen Titelholzschnitt, 2 nahezu ganzseitigen Textholzschnitten und großer Holzschnitt-Druckermarke am Schluss. Halbleder-Rücken des 18. Jahrhunderts (Deckel fehlen, beschabt, bestoßen) mit goldgeprägtem RSchild und Goldprägung sowie dreiseitigem Goldschnitt. (Basel, Johann Bergmann von Olpe, 1. V. 1498).

Hain-Copinger 3731. Copinger 1238. 1244. GW 5068. Goff B-1099. Schreiber 3543a. 3580. Schramm XXII Abb. 47. 1229. 1243. 1245. 1246. 1270. Kaufmann-Nabholz 818. Proctor 7779. Pellechet 2817A. Bodleian B-517. Chantilly 330. Deckert 164. Günther 286. Hubay 464. Madsen 869. Oates 2854. Ohly-Sack 697. 698. Rhodes 436. Walsh 1263. BMC III, 796. BSB-Ink B-808. ÖNB-Ink B-636. CIBN B-757. ISTC ib01099000. – Erste Ausgabe "Verschiedener Gesänge", der Dichtungen Sebastian Brants in dieser Zusammenstellung. Sie enthält die schon 1494 herausgekommenen "Carmina in laudem Beatae Mariae Virginis multorumque sanctorum" sowie die "Vita divi Brunonis" und ferner zahlreiche neue Gedichte, darunter ein Lobgedicht auf Jacob Locher, die Geiler von Keysersberg gewidmete, "Invectiva contra mundi delicias", die "Vita divi Germani abbatis", "De corrupto ordine vivendi pereuntibus", "Thurci irruptio", "Conclusio wormatiensis", Gedichte an Kaiser Maximilian, den Bischof Albrecht von Straßburg, Rohann Reuchlin und andere. Weiterhin "In solis eclypsim elegia", "De laudibus thermarum marchiae Badensis", "Ad campanam Basilee dictam Felicis papae" und vieles mehr. Enthalten ist auch das berühmte "Schachgedicht" in lateinischer und deutscher Sprache (vgl. von der Linde I, 151): "De periculoso scacorum Iudo", ein Dialog zwischen dem Tod und dem Menschen: "Inter mortem & humanam conditionem": "Kurtz ist die zyt, lug für dich gnott - Die stund ist uß, es naht der dott. - Kein zyt ich beitt, schach matt ich sprich' - Kein alltt noch venden fristen dich. - Herre gott wie ist diß spiel so herb - Begnad myn sel daß sie nit verderb". – Die ersten drei Blätter mit kleinem, alt restaurierten Löchlein unten im weißen Rand, Titel oben mit sehr blassem zeitgenössischen Tinteneintrag, Titel leicht angestaubt und fleckig, sonst kaum Fingerfleckchen, im Block fast durchgehend besonders schön sauber und auffällig wohlerhalten, nur vereinzelt minimal gebräunt, winziges Wurmlöchlein. Gedruckt auf starkem, schönen Papier, die Holzschnitt zumeist sehr gut und kraftvoll im Abdruck. Selten.

Schätzpreis
€ 2.000   (US$ 2.320)


Zuschlag
€ 6.500 (US$ 7.539)


Aemilius, Georg
Biblicae historiae magno artificio depictae, et...

Los 519

Aemilius, Georg. Biblicae historiae magno artificio depictae, et utilitatis publicae causa latinis Epigrammatibus à Georgio Aemylio illustratae. 54 nn. Bl. Mit Holzschnitt-TBordüre, ligiertem Holzschnitt-Monogramm "HSB" auf dem Titel, und 80 Textholzschnitten von Hans Sebald Beham. 17,4 x 11,8 cm. Auberginefarbenes Maroquin des frühen 20. Jahrhunderts mit goldgeprägtem RTitel, Goldfileten auf Rücken, Deckel-, Steh- und Innenkanten, Deckel mit breiten Goldbordüren und dreiseitigem Goldschnitt. (Frankfurt, Christian Egenolff d. Ä., 1539).

VD16 A 329. IA 100.795. Adams A228. Pauli 488. NDB I, 90f. – Erster Druck der ersten Ausgabe der kleinen Bilderbibel, der "Biblicae Historia" mit den detailreichen, feinen Holzschnitten des Nürnberger Malers und Graphikers Hans Sebald Beham (1500-1550) aus dessen Frankfurter Zeit (nach 1532). Autor ist der Stolberger Superintendent Georg Oemler, latinisiert zu Aemilius (1517-1569), der aus Mansfeld stammt, wo sein Großvater mit Martin Luther befreundet war: "Seinen Vater, den Bergmann Nicolaus Oemler, nennt Luther unter den Freunden seiner Eltern. Er bezog im Herbste 1532 die Universität Wittenberg, um Theologie zu studiren. Ohne Zweifel hier befreundete er sich mit Valerius Cordus, der ihm nicht nur Belehrungen über Pflanzen ertheilte, sondern ihm auch einige seiner Schriften im Manuscripte vorlegte, zu denen dann Oemler Zusätze machte, welche Conrad Geßner später veröffentlicht hat. Im Frühjahr 1540 ging er als Rector der lateinischen Schule nach Siegen mit einem Empfehlungsschreiben Luther’s, der ihn als 'gar einen sonderlichen feinen Gesellen, dazu auch still und sittig' bezeichnet" (vgl. ADB I, 127f.).
Die Bilderbibel war das erste Werk des Georg Oemler, dem einige weitere folgen sollten. Besonders fruchtbar erwies sich hier die Zusammenarbeit mit dem begabten Maler Hans Sebald Beham. Dieser schuf einzigartig schöne Illustrationen von emblematischer Wirkkraft, deren Blöcke der Straßburg-Frankfurter Drucker Christian Egenolff (1502-1555) erstmals 1535 verwendet hatte.
Der erste Druck der Erstausgabe unterscheidet sich von dem zweiten durch die im Kolophon vorgenommene Korrektur. Während in dem vorliegenden Exemplar die Jahreszahl irrig mit "D.M.XXXIX." angegeben wurde, liest man dann im korrigierten 2. Druck richtig "M.D.XXXIX." (nach wie vor - seit 1990 bis heute - unterscheidet hier das VD16 nicht zwischen den Varianten). – Titel mit blassen Fleckchen, durchgehend unwesentlich sprenkelfleckig bzw. gleichmäßig etwas gebräunt, ein winziger älter restaurierter Randeinriss, insgesamt ein hervorragend schönes, sehr gut erhaltenes Exemplar dieses überaus seltenen Druckes mit den Holzschnitten in nahezu überall sehr sorgfältigen, kraftvollem Abdruck.

Schätzpreis
€ 2.500   (US$ 2.900)


Zuschlag
€ 3.200 (US$ 3.711)


Alciatus, Andreas
Emblemata ad quae singula

Los 520

Alciatus, Andreas. Emblemata ad quae singula ... Adiecta sunt epimythia (grece), quibus emblematum amplitudo. 260 S., 5 Bl. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel und 211 Textholzschnitten. 12 x 8 cm. Leder d. Z. (stärker berieben, Ecken und Kapitale bestoßen, Gelenke am oberen Kapitale leicht angeplatzt) mit RVergoldung aus kleinen Blütenstempeln, blindgeprägten Deckelfileten mit goldgeprägten Eckfleurons und Deckelvignette sowie gepunztem Goldschnitt. Lyon, Guillaume Rouillé, 1566.

Lyoneser Taschenausgabe der berühmten Emblemata, gedruckt in der Offizin des bedeutendsten Lyoneser Buchdruckers des 16. Jahrhunderts Guillaume Rouillé (ca. 1518-1589), der als Erfinder der taschenförmigen Textausgaben im Sextodecimo-Format gilt. Das Hauptwerk des italienischen Juristen und Humanisten Andrea Alciatus (1492-1550) erschien zuerst 1531 in Augsburg bei Heinrich Steyner und herausgegeben von Konrad Peutinger, es folgten zahllose Ausgaben in verschiedenen Formaten und Übersetzungen. Die frühen Illustrationen zu seinen Epigrammen u. a. von Hans Schäufelin begründeten das Genre des Emblembuchs, das dann im Zeitalter des Barock seinen Höhepunkt fand. – Titel mit schmalem Blattabschnitt im oberen Rand, Blätter Bi und Ii mit kleinem Randeinriss, zwei Holzschnitte ankoloriert. Einige Figuren mit durch Tinte übermaltem Schambereich, Innengelenke mit zwei schmalen Streifen von Handschriftenblättern des 15. Jahrhunderts verstärkt.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 406)


Zuschlag
€ 320 (US$ 371)



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