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Handschriften, Alte Drucke, Papierantiquitäten Auktion 112, Di., 16. Okt., 17.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
Biblia latina
Doppelblatt aus einer Perlschriftbibel

Los 501

[*] Biblia latina. Doppelblatt aus einer Perlschriftbibel auf sog. "Jungfernpergament". Nordfrankreich, um 1280. Mit fünfzeiliger Initiale "E" und dreizeiliger Initiale "T" mit lang ausgezogenem Schaft in mehrfarbiger Deckfarbenmalerei (mauve auf blauem Grund, weißgehöht) mit Vergoldung; Lombarden und Kolumnentitel in Blau und Rot. Regliert. 2 Spalten, 43 Zeilen. Zeilenhöhe 2,5 mm. Schriftspiegel ca. 10,5 x 7 cm. Blattgröße 16 x 11 cm. Kleine Marginalien. Frankreich um 1280.

In feiner gotischer französischer Perlschrift in dunkelbrauner Tinte geschriebene Blätter, vier Seiten aus dem Deuteronomium. - Perlschriftbibeln, die in zahlreichen Exemplaren den Vulgatatext verbreiteten, wie ihn die Pariser Sorbonne um 1220/30 im sogenannten "Correctorium Sorbonicum" erarbeitet hatte (sog. "Pariser Normbibel"), stellen einen neuen Buchtypus dar, der für das 13. Jahrhundert charakteristisch ist. Durch die Verwendung einer extrem kleinen Schrift war es möglich, den gesamten Bibeltext einschließlich der Hieronymus-Prologe sozusagen im Taschenformat in einem einzigen Band unterzubringen. – Wohlerhalten.

Schätzpreis
€ 160   (US$ 185)


Zuschlag
€ 260 (US$ 301)


Grablegung Christi
Spätmittelalterliche Handschrifteniniatur eines...

Los 502

Beweinung Christi. Spätmittelalterliche Handschriftenminiatur eines Antiphonale. Miniaturmalerei in farbiger Gouache mit Pinselgold auf Pergament. Größe ca. 17,4 x 14,7 cm (auf den Rand beschnitten), in vergoldetem Holzprofilrahmen hinter Glas. Wohl Venedig Mitte des 15. Jahrhunderts.

Große Handschriftenminiatur auf Pergament. Ausschnitt ohne den einstigen Rand, der nur noch oben fragmentarisch sichtbar ist. Verso mit blauer Initiale "Q" für "Qui timendo..." mit vier teils abgeschnittenen Notensystemfragmenten mit romanischer Quadratnotation.
Recto mit der Szene der Grablege bzw. Beweinung Christi nach dessen Kreuzigung: Der Heiland wurde von Nikodemus und Josef von Arimathäa auf ein kostbares weißes Leinentuch, das hier mit hübschen grünen Sternblüten bestickt ist. Die beiden reichen Juden hatten Jesum ihr eigenes, kostbares Grab zur Verfügung gestellt, hier ein mächtiger Marmorsarkophag mit blauem Kassettenmuster an der Front und mit roten Simsbändern und kopfstehenden Vierpässen im Quadrat aus Rosso-Marmor.
"Gegen Abend kam ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef; auch er war ein Jünger Jesu. Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Da befahl Pilatus, ihm den Leichnam zu überlassen. Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. Auch Maria aus Magdala und die andere Maria waren dort; sie saßen dem Grab gegenüber" (Mt 27,57-60).
So heben Joseph und Nikodemus den Leib Christi in das Grab, während Maria - hier in Grün gewandt - ihren Sohn mit ihrer Linken segnet und Maria Magdalena zu seinen Füßen steht. Johannes, Jesu "Lieblingsjünger" hebt die Hand Christi, deren Stigmatum er küsst, während sich hinter dem Sarkophag die Jünger in großer Schar, Männer und Frauen des Gefolges Jesu, versammelt haben, darunter Petrus, Andreas, Jakobus und Maria Maria, die Mutter des Jakobus.

In synoptischer Zusammenschau wird über der Szene der schon auferstandene, in den Himmel gefahrene Heiland als "Christus triumphans" mit der rot-weißen Siegesfahne, auf Wolken stehend dargestellt, flankiert von zwei schwebenden Engeln, die als Insignien Kreuz und Speer, die "Arma Christ", halten.

Stilistisch lässt die Miniaturmalerei Einflüsse der venezianischen Malerei des 15. Jahrhunderts erkennen, darunter einige Charakteristika wie die gedämpften Pinselgold-Nimben, vor deren Scheiben sich die Köpfe mit dunklen Schatten abheben, das rötlich-kraftvolle Strähnenhaar der Maria Magdalena, der orientalische Fez des zweiten Jüngers links, die Schleier der beiden Frauen am rechten Rand etc. Die höchst feine Gestaltung der Gesichter, die durchaus bemerkenswert individuell und vielfältig zu nennen sind, zeigt mehrere Anleihen an die griechische Ikonenmalerei, die in dieser Zeit in bekanntermaßen über Italien, besonders eben über Venedig in das Weströmische Reich gelangte. Man vergleiche hier etwa die bärtigen Gesichter des Nikodemus und des Jüngers links hinter ihm: mit minutiöser Pinselführung wurden hier die braun-schwarzen Schattenlinien und die nicht weniger feine Weißhöhung zur Schaffung von Plastizität aufgebracht, die durchaus überzeugt, den Gesichtern aber auch etwas leicht Hölzernes verleiht, wie es für die zeitgenössische Ikonen typisch war. – Etwas wellig, wenige horizontale Knickspuren mit ganz leichter Farbabplatzung, unten ein winziger Fehlstelle, wenige kleine Inseln mit Farbabplatzungen, rechts oben am Sarkophag eine mit grau übermalte Fehlstelle, sonst wohl nur minimale Retuschen oder Ausbesserungen. Verso angestaubt und leicht unfrisch, sehr schönes, bemerkenswert feines Blatt.

Schätzpreis
€ 3.800   (US$ 4.408)


Nachverkaufspreis
€ 2.000   (US$ 2.320)


Odenheim im Kraichgau
Gebetbuch. Deutsche Handschrift auf Papier

Los 503

Odenheim im Kraichgau. - Gebetbuchhandschrift. Deutsche, rheinfränkische Handschrift auf Papier. Zusammenstellung von 10 Faszikeln aus verschiedenen Oktav-Gebetbücher vom Ende des 15. Jahrhunderts, zum Teil datiert: 1478-1480. 206 Bl., gez. S. 1-408. Mit zahlreichen, in Rot eingemalten hübschen Initialen, Lombarden, Überschriften und Textzeilen. Kl.-8°. 11,5 x 9,5 cm. Neubindung (Ende 15. Jh.) über Pappdeckel, bezogen mit Pergamentfragment aus einer neumierten (Quadratnotation) Antiphonalehandschrift des 14. Jahrhunderts in 2° mit Pergamentfalzen in den Deckeln aus einem Gebetbuchkalendar aus dem 14. Jahr. Buchblock beschnitten mit geringen Textverlusten, Schnitte gesprenkelt. Alle Faszikel üblich rubriziert, zum Teil größere Initialen mit Sonnenemblemen (S. 1, 316, 331). Rheinfranken, wohl Kloster Odenheim 1478-1480.

Interessante Zusammenstellung deutscher Texte aus mehreren spätmittelalterlichen Handschriften, die in Klöstern im rheinfränkischen Raum entstanden - und hier als Sammlung zusammengebunden wurden. Die Texte sind eindeutig dem rheinfränkischen Dialekt zuzuordnen, was eine Lokalisierung der Handschrift auch noch ins Kraichgau zuließe. Mehrere der Faszikel deuten auf eine möglicherweise noch präziser zu lokalisierende Herkunft hin. So wird in Faszikel 2 ein "Ditherus Odenheyn" und in Faszikel 5 ein "Vlricus episcopus" erwähnt, Namen die unter den Äbten des heutigen Ritterstifts Odenheim im rheinfränkischen Kraichgau vorkamen. So stand ein Ulrich von Finsterlohe dem damaligen Benediktinerkloster Odenheim just in den Jahren 1472-1491 vor, der Text ist auf 1480 datiert. Das um 1110-1118 auf dem Wigoldesberg gegrünete Kloster wurde noch vor 1150 in ein Tal bei Odenheim umgesiedelt, erst 1494, also nach dem Entstehen der Handschrift, wurde es dann in ein weltliches Chorherrenstift umgewidmet, 1507 wanderte dieses nach Bruchsal, während die Klostergebäude im Bauernkrieg im Jahre 1525 geschleift wurden. Die Handschrift gliedert sich in 10 Faszikel:

1. Faszikel. S. 1-97 Passion, Auferstehung, Himmelfahrt Jesu als Kompilation der 4 Evangelientexte (Evangelienharmonie). Da Jesus disse wort gesprochen hatte do gieng er mit sinen jungeren in ein dorf Das hieß Gethsemane ... Amen. 148[0]. Nach Mt 26,36-56.

2. Faszikel. S. 99-125 'Dis sind die hundert ermanunge vnd begerunge ...' Der do begeret kurtzlich ...Amen. Ditherus Odenheyn. etc (14)80. Im zwischen 1110 und 1118 gegründeten Benediktinerkloster zu Odenheim auf dem Wigoldesberg trugen drei Äbte den Namen Dieter bzw. Dietrich: Dieter von Helmstatt (1377-1398), Dietrich III. von Venningen (1398-1424) und Dieter II. von Angelach (1424-1445), von denen der Text stammen kann.

3. Faszikel.
S. 127-137 Gebete zur Non, Gedanken an die Todesstunde Christi. 'Dise gebet sprich zu non zit ...' O lieber Herre Jhesu Crist ich ermane dich dines bittren vbertreffenlichen lidens ... Amen. Sabbatho ante Michaelem 1478. Hora secunda.

4. Faszikel S. 141-150 Fronleichnamsgebete. Caro mea vere est cibus ...Wyr lesent hüt in dem heilgen evangelio ... (S. 147). Anschließend: Von der heilgen messe. Sant Peter spricht das got von allen dingen ... Fier ding sint die man eren soll ...

5. Faszikel.
S. 151-201 Über die heilige Messe. Wussent das die heylige messe ...dry teile hat ... Amen. Bitte für den schriber durch Jhesus. etc. lxxx Vlrici. (S.179) am Rand: 1480 Vlrici episcopi. Möglicherweise handelt es sich um Bischof Ulrich von Finsterlohe, der als Abt dem Kloster Odenheim von 1472 bis 1491 vorstand.

6. Faszikel.
S. 207-228 Gebete zum Empfang des Sakraments 'Hie wiil ich dir sagen wiie sich der mensch ... sol zu dem heilgen Sacrament bereitten ...' 'E du zu dem Sacrament gest ...' (S. 228 Text bricht ab). S. 229-239 Passionsgebete an Maria.

7. Faszikel.
S. 245-308 Über die rechte Beichte. Es sint vil menschen die ir bichte wenig oder gancz mit (=nit) hilffet ... zu abloß der sunden dies gehort Das ist das die ruwe recht sige mit Berufung auf Bonaventura und Bernhardus ... (Blattverlust nach S. 282). Amen.

8. Faszikel.
S. 309-356 Verschiedene Gebete an Maria zum Sakramentsempfang und zu Fronleichnam: S. 338 Disses sind zwelff nütze so ein yeklich mensche hat ... der verdienet grosen bäpstlichen opplaß. Amen. S. 352-356 kursive Nachträge: Ain hochgelerter doctor hat geprediget im concilio zu Basel ... und Mariengebete. ... Amen 'Frater Sigismundus regule sancti Francisci'.

9. Faszikel.
S. 357-382 5 Gebete zu Fronleichnam und weitere Gebete: O Herre ich wil hütte dinen heiligen schön licham empfohen ...

10. Faszikel.
S. 383-408 Ermahnungen zum klösterlichen Leben und zum Leiden. Es ist ouch nit alwegen zu schelten wan ein yeglicher mensch der bewäre sich ... vnd solt In ein closter gen das beschlossen sy ... (S. 395) Hye nach merck etsliich stücke von lyden ... Got mache gut dem schriber sin end. Amen. 1480 Magdalene. Am Ende der meisten Faszikel Federproben und Alphabete von kursiver kritzelnder Hand. – Kleine Gebrauchsspuren, wenige Blätter etwas rissig oder beschabt, einige Faszikeln etwas stärker beschnitten, andere aber sehr breitrandig, mit Finger- und Tintenfleckchen sowie -wischern, hin und wieder alte Verstärkungen und Überklebungen, nur vereinzelt unwesentliche Feuchtfleckchen, alle zehn Faszikel in unterschiedlichen, mal groberen, mal feineren Bastarda-Schriften, meist sehr sauber und gut lesbar.

Schätzpreis
€ 8.000   (US$ 9.280)


Zuschlag
€ 11.000 (US$ 12.760)


Voragine, Jacobus de
Der lieb herr Sant Silverster

Los 504

Voragine, Jacobus de. Der lieb herr Sant Silverster. Einzelblatt aus einer Inkunabelausgabe der Legenda Aurea. 31 Zeilen. Mit großer altkolorierter Holzschnitt-Illustration ca. 7,8 x 6,6 cm. Schriftspiegel ca. 18,2 x 12,4 cm. Unter Doppelglas mit Passepartout in versilberter Holzprofilleiste gerahmt. Wohl Augsburg, Johann Bämler, 1480.

Vgl. GW 11362. – Das erste Blatt aus der Vita des Heiligen Silvester: "Der lieb herr Sant Silvester waz ein christen und hett got lieb und was edel und reych und was als schön das man sprach er het ein englisch angesicht..." Der ausgesprochen hübsche Holzschnitt zeigt den Heiligen mit einer Frau, deren Linke er hält, koloriert in den Farben Gelb, Braun und Grün. – Nur vereinzelt gering fleckig, kleiner Farbwischer, nicht ausgerahmt (möglicherweise Randläsuren), Versand aber nur ohne Rahmen.

Schätzpreis
€ 280   (US$ 324)


Zuschlag
€ 270 (US$ 313)


Inuebant patri eius quem vellet vocari eum
Einzelblatt aus einem Antiphonar

Los 505

"Inuebant patri eius quem vellet vocari eum". Einzelblatt aus einem Antiphonar. Lateinische Handschrift auf Pergament. Schriftraum: ca. 45 x 28 cm. Format: ca. 52,5 x 40,5 cm. Mit Schmuckinitialen und großer Fleuroné-Initiale "I" in Rot und Blau mit die Kolumne begleitendem Rankenwerk aus stilisierten Blüten. Wohl Oberitalien um 1480.

Dekoratives Einzelblatt aus einem norditalienischen Antiphonar mit dem Text aus dem Evangelium nach Lukas Kapitel 1, Vers 62: "Innuebant patri eius quem vellet vocari (eum)". Die prächtige Initiale "S" mit zierlichem Rankenwerk aus stilisierten kreisrunden Blüten in Gelb, Grün und Rot. – Etwas fleckig und gewellt.

Schätzpreis
€ 240   (US$ 278)


Zuschlag
€ 300 (US$ 348)


Stephanus autem plenus gratia
Einzelblatt aus einem Antiphonar + Beigabe

Los 506

"Stephanus autem plenus gratia". Einzelblatt aus einem Antiphonar. Lateinische Handschrift auf Pergament. Schriftraum: ca. 38 x 25 cm. Format: ca. 48 x 35 cm. Mit 2 Schmuckinitialen und großer roter Fleuroné-Initiale "S" mit die Kolumne begleitendem Rankenwerk aus Blüten und Blattwerk. Wohl Oberitalien um 1480.

Dekoratives Einzelblatt aus einem norditalienischen Antiphonar mit dem Text aus der Apostelgeschichte des Heiligen Stephanus (Kapitel 6, Vers 8: "Stephanus autem plenus gratia et fortitudine faciebat" bzw. Kapitel 7, Vers 55: "Stephanus vidit caelos apertos, vidit et introivit"). Die Initiale "S" zu Vers 8 mit reichem Rankenwerk aus stilisierten Blüten und Blättern in den Farben Gelb, Grün, Rot und Blau. – Insgesamt etwas gewellt, die Initiale "S" mit schwachem Farbabrieb auf dem Knautschsteg. Insgesamt gering fleckig. – Dabei: Ein weiteres Einzelblatt aus einem Antiphonar. Lateinische Handschrift auf Pergament. Format: 71 x 46,5 cm. Wohl Spanien um 1580. - Mit kleineren Randläsuren.

Schätzpreis
€ 240   (US$ 278)


Nachverkaufspreis
€ 160   (US$ 185)


Dominica prima in adventu
Einzelblatt aus einer spätmittelalterlichen Ant...

Los 507

"Dominica prima in adventu cantus". Einzelblatt aus einer spätmittelalterlichen Antiphonale-Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Schriftraum ca. 24,5 x 15,2 cm. Blattgröße ca. 32 x 21 cm. Text in braunschwarzer und roter Tinte mit 2 roten und 1 blauen Lombarde, Rubrizierung und 1 8-zeiligen blauen Initiale mit roter Füllung und gelber Binnenornamentik auf quadratischem Goldgrund in grünem Rahmen und langer Akanthusschlinge an der linken Kolumne in Grün-Braun mit roten und blauen Akanthusblättern und Goldblüten. Mit Passepartout unter Glas in einfacher Holzleiste gerahmt. Frankreich um 1480.

Dekoratives Blatt mit leuchtender Goldinitiale "D" mit reichem Akanthusschmuck für den Beginn der liturgischen Gesänge für den ersten Adventssonntag am Anfang des Kirchenjahres, der "Dominica prima in adventu cantus" (Abkürzungen aufgelöst): "Deus pacis sanctificet vos per omnia: ut integer spiritus vester, et anima, et corpus sine querela in adventu Domini nostri Jesu Christi" nach 1. Thessalonicker 5, 23-25. – Gering angestaubt, mit horizontalem Mittelknick, Ranken vom Passepartout überschnitten, nicht ausgerahmt (möglicherweise mit Randschäden), Versand nur ohne Rahmen. Sehr schön.

Schätzpreis
€ 300   (US$ 348)


Zuschlag
€ 150 (US$ 174)


Einblattholzschnitt
Neujahrsgruß "Ein gut jar". Jesusknabe mit den ...

Los 508

Einblattholzschnitt als Neujahrsgruß: "Ein gut jar". Jesusknabe mit den Arma Christi. Kolorierter Holzschnitt auf Papier, im Seitenrand auf Trägerkarton montiert. Darstellungsgröße: 19 x 14 cm. Blattgröße: 29 x 18 cm. Undatiert, im Stil des späten 15. Jahrhunderts.

Vgl. Bartsch 163, 771-795. – Seltener Neudruck eines Einblattholzschnitts aus dem späten 15. Jahrhundert mit dem beliebten Motiv des auf einem Brokatkissen sitzenden Jesusknaben. Im Unterschied zu den bei Bartsch abgebildeten Varianten sitzt Christus hier nicht im Paradiesgarten und hält auch nicht den Erdball oder die Taube in Händen, sondern ist mit den Arma Christi abgebildet: Kreuz mit dem Titulus crucis INRI, Geißelsäule, Longinuslanze, Peitsche und Märtyrerpalme. Zusätzlich findet sich ein in der christlichen Ikonographie dem Jesuskind nicht direkt zuweisbares Tiermotiv, das am ehesten einer Ameise ähnelt, dem biblischen Symbol für Fleiß und Klugheit. Das Schriftband mit dem Neujahrsgruß ließt sich: "Ein gut jar". – Im unteren Bildrand mit kleinerem Brandloch. Das Kolorit teils etwas schwach oder abgerieben.

Schätzpreis
€ 350   (US$ 406)


Zuschlag
€ 280 (US$ 324)


Antiphonale-Fragmente
7 Pergamentblätter aus 3 liturgischen Handschri...

Los 509

Von der Äbtissin und Gründerin des Klosters zu Lectoure
Antiphonale-Fragmente. 7 Pergamentblätter aus 3 liturgischen Handschriften des 16. Jahrhunderts. Lateinische Handschrift auf Pergament. Text in Schwarz und Rot mit Quadratnotation auf vierlinigem roten Notensystem. Mit 8 großen Federwerk-Initialen (ca. 9 x 10 cm), 4 kleineren Lombarden und 5 sehr großen Schmuckinitialen in Pinselgold und Farben (zwischen 11 x 9 und 25 x 18 cm!). Formate ca.: 64 x 42 (4 Bl.), 58 x 35 (1 Bl.) und 75 x 60 cm (2 Bl.). Frankreich 1500-1600.

Einzelblätter aus monumentalen Antiphonale-Handschriften, aus liturgischen Büchern französischer Provenienz mit biblischen Texten und entsprechender Notation. Die prächtig ausgemalten Initialen auf den beiden größten Blättern zeigen ein "B", ein "G", "L", "D" und wieder ein "B". Die größte Initiale in floraler Pinselgold-Zeichnung mit roten Balken auf hellblauem Grund, die anderen auf rotem Grund in Blau und mit hübschem Blumenschmuck. Auch die Federwerk-Initialen sind recht dekorativ und geschickt kalligraphiert. – Ränder mit Läsuren, Ein- und kleinen Ausrissen, Montagespuren und Knicken, Mittelknicke, vereinzelte Braun- und Sporflecken, teils etwas abgerieben, meist aber recht gut erhalten, dankbares Material für Buchbinder etc.

Schätzpreis
€ 600   (US$ 696)


Nachverkaufspreis
€ 500   (US$ 580)


Madonna mit Kind
Initialminiatur "C" einer Antiphonale-Handschrift

Los 510

Madonna mit Kind. Initialminiatur "C" einer Antiphonale-Handschrift. Miniaturmalerei in farbiger Gouache und reichem rahmenden Blattwerk mit Blattgold auf Pergament. Initialgröße ca. 16 x 13 cm, Balken 28 cm. Bildgröße ca. 14 x 9 cm im Oval. Blattgröße ca. 30 x 20 cm. Norditalien, 1. Viertel des 15. Jahrhunderts.

Miniaturmalerei in höchster Qualität von einem mittelitalienischen Meister, ganz in der Tradition der berühmten Madonnendarstellungen seit Pietro Perugino und Raffaello Sanzio: Die mit bestickter, mauvefarbener Tunika in einen hellen blauen Mantel gekleidete Muttergottes faltet anbetend ihre Hände über dem vor ihr auf einem Tuch liegenden Christuskind, das sie mit leicht nach unten gebeugten Kopf liebevoll anschaut. Ihre hellbraun gewellten Haare werden von einer weißen Bänderhaube gehalten, über ihrem Kopf der goldene Nimbus.

Das Jesuskind ist in ein durchscheinendes Tuch gewickelt, der Oberkörper ist nackt, die Händchen sind verspielt an Bäuchlein und Kinn gelegt, so schaut es neugierig aus dem Bild heraus. Dargestellt ist die Szene in einer orientalischen Landschaft mit vier mächtigen Palmen im Hintergrund, die zusammen mit einem angedeutenten Zickzackzaun den "Hortus conclusus" begrenzen. Dahinter eine Berglandschaft mit einem breiten Fluss. Die Rasenfläche (mit allerhand phantasievollen grünen Gräsern) bricht vorne vor dem Kind als Scholle schroff ab.

Der Himmel über der Szene ist nachtblau und mit einigen wenigen weißen Wolkenstreifen versehen. Die gekonnte Figurendarstellung in ihrer überzeugenden Körperlichkeit mit vollendeten Proportion, die vornehme, fast zurückhaltende Farbigkeit, die Konzentration auf die Hauptszene, die gekonnte Modellierung der Gesichter ebenso wie die überaus feine Detailzeichnung - beispielsweise in der Goldborte des Mantels Mariens, der zarten Weißhöhung an den Ärmeln, die Darstellung von transparenten, schleiermäßigen Tüchern auf dem Kopf und am Hals der Madonna sowie in der Wickelung Jesu und nicht zuletzt die grandios schönen, schlanken Hände Mariens - all das spricht für die Urheberschaft der Miniatur durch einen Meister, der die großen Vorbilder der italienischen Kunstgeschichte eingehend studiert und auf geniale Weise umzusetzen verstanden hat.

Eingepasst ist die Miniatur in einen voluminösen Rahmen aus üppigem Akanthus in Blau, Rot und Grün. Der C-Balken in schimmerndem Gold, der Schwungbalken in zartem Gelb mit einem Kymation oder Perlstab in Rotbraun. Links wächst sich die Bordüre in einem blauen Abhänger mit weißer Binnenzeichnung aus, an dem drei Distelblüten wie Troddeln hängen, umspielt von feinstem grünen Feder- und Blattwerk. Akzentuiert und umgeben wird der Akanthusrahmen mit zahlreichen punkt- und tropfenförmigen "guttae", reliefartig ausgearbeitet in leuchtendem Blattgold und teils mit schwarzer Konturhöhung.

Es handelt sich wohl um eine spätmittelalterlich-frühneuzeitliche liturgische Handschrift. Unter der romanischen Quadratnotation auf vierfachem roten Liniensystem finden sich das Textfragment "piscatores. Nec...", wobei es sich möglicherweise um eine Stelle aus den Miraculis S. Martini handelt ("Sed quid timeo rusticitatem meam, cum dominus redemtor et Deus noster ad destruendam mundanae sapientiae vanitatem non oratores, sed piscatores, nec philosophos, sed rusticos praelegit?"). Die rote Lombarde "N" ist ebenfalls mit reichem, diesmal blauen Federwerk geschmückt. – Pergament minimal wellig, kaum angestaubt oder gebräunt, verso wenige Montagereste, zwei fast unsichtbare, winziges Löchlein sowie unter dem C-Stab rechts ein kleiner zeitgenössisch genähter Einriss. Vereinzelte, ganz wenige Retuschen, teils wurde auch das Blattgold geschickt erneuert, die Rotfarbe stellenweise leicht oxidiert, sonst in außergewöhnlich frischer und leuchtender Farbigkeit, die Miniatur selbst in insgesamt bester Erhaltung.

Schätzpreis
€ 8.000   (US$ 9.280)


Nachverkaufspreis
€ 5.000   (US$ 5.800)



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