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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Handschriften, Alte Drucke Auktion 114, Di., 15. Okt., 17.00 Uhr


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Hauptbild Beschreibung Status
En’am-i Sharif
Al Qur’an. Dala'il al-Khayrat (arabice:) Osman...

Los 1040

En’am-i Sharif. Al Qur’an. Dala'il al-Khayrat (arabice:) Osmanisch-türkisches Erbauungsbuch mit Pilgerführer und Kommentaren. Arabische Handschrift im Nasrin-Duktus auf Papier. Ca. 260 nn. Bl. mit Kustoden. 11 Zeilen. Schriftspiegel: 14,2-14,6 x 7-8 cm. Format: 19,4 x 11, 4 cm. Mit doppelblattgroßer Zierseite in Blattgold und Farben, alle Seiten in goldenem Rahmen, die ca. 110 Surenüberschriften in Weiß auf gestrichenem, teils punziertem Goldgrund bzw. Blattgoldgrund mit bunten Blütenornamenten, Kapitelanfänge mit ca. 130 Rosettenweisern in Gold und Farben sowie Goldpunkten für die Versanfänge, zus. 4 prachtvolle ’Unwan in Gold und Farben sowie mit floralen Ornamenten, 1 weitere doppelblattgroße Zierseite mit goldenem Randschmuck, 2 Seiten in Gold mit Federkonturen und weitere 23 ganzseitige Illustrationen (Symbole etc.) in Gold, 3 ganzseitige farbige Miniaturen sowie durchgehender reichster Illuminierung in Gold und Farben (darunter auch Marginalien und Korrekturen in goldenen Arabesken-Kartuschen). 13,8 x 9 cm. Klappeneinband des späten 19. Jahrhunderts mit dunkelbraunem geglätteten Kalbslederbezug (beschabt und berieben, Gelenke und Kanten brüchig, Wurmlöchlein, Remboîtage) und tiefer Goldprägung (diese teils mit Oberflächenläsuren bzw. abgerieben). Istanbul 1192-1198 (= 1778-1784).

Besonders schönes, sehr künstlerisch gestaltetes osmanisch-türkisches Andachts- und Erbauungsbuch, das offenbar repräsentativen Zwecken diente und als Geschenk für hohe Herrschaften vorgesehen war. Dafür spricht die bemerkenswert kostbare Ausstattung und die nahezu makellose Erhaltung. Der En’am-i Sharif (Sammlung mittlerer Größe) umfasst den individuell angeordneten Koran, einen umfangreichen Kommentar zu der heiligen Schrift, ferner den Dala'il al-Khayrat, die Sammlung von Gebeten des Propheten Mohammend des Al Jazuli ash Shadhili, sowie einen Pilgerführer mit Anleitung zur Haddsch, die auch eine Beschreibung der Pilgerstätten enthält.

Auf dem ersten Blatt (Fol. Iv) ist eine hs. Widmung des 19. Jahrhunderts in schwarzer, blauer und roter Tinte zu finden, demnach ist das Buch ein Geschenk einer Dame mit Namen Nur Al-Satr an Hafis Ahmed Effendi, dem es durch den Kahvecibasi Hadji Hasan Agha überbracht wurde. Den Titel des Kahvecibasi trug einer der höchsten Hofbeamten, der Kaffeekocher und persönliche Mundschenk am Hofe des Sultans. Hafis Ahmed Effendi wiederum vererbte das Buch seinem Sohn Abdul Wahhab.

In der Handschrift erscheinen auf zwei Seiten Jahreszahlen "1192" und "1198", was der Entstehungszeit zwischen 1778-1784 n. Chr. entspricht: einmal auf einer ’Unwan am Schluss des Textes von Al Jazuli (Fol. 234v) und auf dem letzten Blatt (Fol. 260v). Auf dem letzten Blatt recto dann eine Eintragung in roter Tinte, darunter eine in schwarzer, die jedoch ausradiert wurde.

Einzig der recht einfache Einband passt nicht zu dem kostbar ausgestatteten illuminierten Manuskript. Es handelt sich dabei um eine Remboîtage, bei der sich der (von einem anderen Gebetbuch adaptierte) Einband zu eng um den Block schließt. Kapitalbändchen und Bindung wurden erneuert (Bindung müsste und kann leicht gelockert werden durch einen Buchbinder).

Inhalt
Fol. 1-78: Der erste Teil enthält den Koran, wobei er hier nicht, wie üblich, mit der al-Fatiha (Eröffnungssure mit Preisung Allahs und Mohammeds), der ersten und längsten der 114 Suren, sondern mit Sure al-An’am (das Vieh) beginnt. Es folgen die weiteren Suren, die meist nach der üblichen Reihenfolge angeordnet sind, wobei die kürzesten Suren an den Schluss gerieten. Fol. 79r-80r: Allah al-husna, die Tabelle der 99 schönsten Namen Allahs. Fol. 81r-95v: Kommentare zum Koran und einigen einzelnen Suren. Fol. 95r-123v: Pilgerführer mit 9 Kreisilluminatinen und 25 Goldillustrationen der heiligen Symbole des Islam. Fol. 123r-230v: Al-Jazuli, Dala’il al-Hairat wa-sawariq al-anwar fi dikr as-salat ’ala ’n-nabi al-muhtar. Fol. 254v-260v: tabellarische Darstellung der Koransuren.

Schrift und Illumination
Das ganze Manuskript ist einheitlich gestaltet: Jede Seite ist mit einer flächigen Goldbordüre eingefasst, die wiederum mit zarten Federlinien in Schwarz und Rot konturiert sind. Je nach Bedeutung des Inhalts wurde ein etwas breiterer und ein etwas schmalerer Rahmen gewählt, wobei der Schriftspiegel zwischen 14,2-7 cm und 14,6 x 8 cm schwankt und die Zeilenzahl 11 stets gleichbleibt. Text ist durchgehend in schwarzer Tinte in feinstem Nasri-Duktus auf das gelatinierte Büttenpapier geschrieben worden, besondere Stellen sind in Rot eingesetzt, und die Surenanfänge bzw. Überschriften sind in weißer Farbe auf eine Kartusche in schimmernden Goldgrund aufgemalt, eingerahmt von einem ornamentierten Kastenrahmen in leuchtenden Buntfarben wie Rosé, Orange, Gelb, Hell- und Dunkelrot, Blau, Grün bzw. Türkis etc. Die Zwickel sind mit Blumenarabesken auf Blau- oder Goldgrund gefüllt, die verschiedene bunte Blüten ausbilden.

Am Anfang des Buches (Bl. 1-2) findet sich eine doppelblattgroße, prächtig illuminierte Zierseite mit floraler ’Unwan in Gold und Farben, blau-rot stilisierten aufragenden Blüten, rotkonturierter breiter Rahmenleiste, goldenen Verstrennern und punzierten Goldwölkchen zwischen den Zeilen (Beginn der 6. Koransure). Ferner neun Zierseiten zum "Pilgerführer" mit jeweils zwei goldumrandeten Kreis-Ornamenten auf quadratischem Blaugrund mit buntem Blütenschmuck (Bl. 95-99). Es folgt eine Zierseite ganz aus Gold mit schwarzen Federkonturen, die die beiden Namen "Allah" und "Mohammed" kalligraphisch im Kreis darstellt, sowie das ganzseitige, ebenfalls in Gold gestaltete Kufi-Emblem des Abu l-Hasan ’Ali ibn Abi Talib, des Namens von Mohammeds Schwiegersohn, des ersten Kalifen der Schiiten. Weitere 22 Illustrationen der wichtigsten Reliquien und Symbole des Islam, alle ganz in Gold (mit Textbeischriften in Schwarz und Rot sowie in Weiß über Gold) schließen sich an, darunter das Dhu l-faqar, das zweischneidige (bzw. Zweiklingen-)Schwert (türkisch: Zülfikar) des Ali ibn Abi Talib, die beiden Fußabdrücke Mohammeds, das Hexagramm-Symbol und vieles mehr.

Textanfang des Al-Jazuli mit einer besonders reich in Gold und Farben illuminierten Doppelzierseite mit ’Unwan, Goldwölkchen zwischen den Zeilen und flächig ausgestalteten Randbordüren mit floralen Goldmusterornamenten (sowie Anmerkungen und Zusätzen in Schwarz-Rot; Fol. 123r-124v). Es folgen drei besonders schöne Miniaturen mit dem Heiligen Grab (138v) und den Heiligtümern der Hidschra Mohammeds (der Stationen des Pilgerwegs, der Haddsch): Mekka (138r) mit der Al-Masdschid al-Haram und der gut sichtbaren schwarzen Kaaba mit Goldfriesen im Zentrum. Und Medina (139v) mit der Prophetenmoschee, der Al-Masgid an-nabawi, beide umgeben von den Arkadenhallen und den Grabmälern, den Toren und Brunnen für die rituellen Waschungen, der Minbar und den hochaufragenden Minaretten an den Ecken des Hofes. Die von einem geschickten Miniaturisten eingemalten beiden Bilder zeichnen sich durch die perspektivische Darstellung mit Fluchtpunkt und die dreidimensionale, plastische Darstellung der Gebäude und Berge im Hintergrund aus. An ihnen wird der Einfluss der westeuropäischen Malerei des Spätbarock sichtbar, ebenso wie an ornamentalen Details, etwa den Eckzwickeln mit floralen Akanthus-Elementen in Gold auf dunkelrotem und orangefarbenem Grund.

Wiederum schließt sich ein neuer Textanfang mit einer ’Unwan an. Diese ist besonders bemerkenswert, da sie zahlreiche Elemente der westlichen Dekorationskunst des Rokoko aufweist: Wie ein monumentales Postament erhebt sich das Ornamentcapriccio mit ausgreifenden Voluten, Bandel- und Gitterwerk, Akanthusblättern, Füllhörnern mit Rosenbouquets, Muschelagraffen und zur Bekrönung oben zwei blau-grau (steinerne) Krüge, aus denen jeweils ein grünes Buchsbäumchen wächst (140r).

Fol. 230v: Schlusszierseite mit Jahreszahl "1192". Fol. 234v: Florale Schlusszierseite. Fol. 237r: ’Unwan zum Textanfang der Tabellen. Fol. 260v: Schlusszierseite mit Jahreszahl "1194". Fol. 260r: Eintragungen in Rot und Schwarz (letztere mit Rasur). Der Text des Koran sowie des Al-Jazuli enthält zahlreiche Marginalien mit Korrekturen bzw. Lesarten, die in roter und schwarzer Tinte sauber an den Rand notiert und mit kleinen roten Sternen zum Text verknüpft wurden. Auch diese Randnotizen sind meist sehr schön mit Arabesken, Goldwolken oder Kartuschen verziert.

Provenienz
Das Manuskript befindet sich seit dem 19. Jahrhundert schon in Deutschland (wo wohl auch die Remboîtage unter Zuhilfenahme eines Klappeneinbandes ähnlicher Größe vorgenommen wurde), es wurde als Geschenk überreicht. Dann gelangte es in den Handel und befindet sich seit 1972 in Hamburger Privatbesitz. – Zustand
Erste Seite mit Dedikationsvermerk, letzte Seite mit kleiner Eintragung und Rasur, nur ganz vereinzelte Farbwischer, seltene Randausbrüche bzw. brüchige Ränder, Risse oder alte (meist zeitgenössisch teils hinterlegte) Papierläsuren, die ersten Blätter leicht fleckig bzw. angestaubt, die letzten Blätter mit winzigem Feuchtfleck am Rand, sonst im Block nahezu fleckenfrei und von unwesentlichen Fingerflecken abgesehen fast keine Gebrauchsspuren. Die Illumination und der Goldauftrag durchgehend in der allerbesten Qualität und Erhaltung (d. h. auch keinerlei Kupfer-Oxidation oder Säureausbrüche), geschrieben und gemalt auf sehr schönem, gelatiniertem und geglättetem Büttenpapier mit senkrechter Siebstruktur und ohne Wasserzeichen.

Schätzpreis
€ 3.000   (US$ 3.300)


Zuschlag
€ 5.000 (US$ 5.500)


Mäshaf
Ge'ez Handschrift auf Pergament. Um 1840

Los 1041

Mäshaf. Äthiopischer Codex mit liturgischen Texten. Ge'ez-Handschrift auf Pergament. 140 (statt 142?) nn. Bl. 1 Spalte. 22 Zeilen. Text in Schwarz und Rot. Schriftraum ca. 15,5 x 15 cm. Format ca. 23 x 19 cm. Mit 1 figürlichen und 2 ornamentalen Kopfbordüren. Schwerer Holzdeckelband d. Z. (beide Deckel alt gesprungen und mit Hanfschnüren durch Löcher fixiert, die Bindung mit Hanfschnüren über Kalbslederbünden teils gelöst bzw. lose, Rückdeckel etwas abgegriffen) in zugehörigem zweiteiligen Lederfutteral-Schuber mit alt erneuertem Lederriemen). Äthiopien wohl Ende des 18. Jahrhunderts.

Sehr suggestives Exemplar eines Mäshaf (Branna), eines äthiopischen Ge'ez-Kodex' in seinem originalen zweiteiligen Futteralschuber, dessen beide Teile mittels eines durch Schlitze in dem über die Seiten gezogenen aufgenähten Bodenleder Ledergurts zusammengehalten werden. Das innere Futteral schmiegt sich der Handschrift perfekt an, kann oben mit drei breiten Klapplaschen geschlossen werden und an dem seitlichen Lederriemen in das äußere Futteral geschoben werden. Somit wurde das Buch vor allem Unbill der Steppe und den Fährnissen des Lebens der Wüstenbewohner geschützt, der (hier wohl am Ende des 19. Jahrhunderts alt erneuerte) Riemen diente gleichzeitig zur Befestigung am Sattelknauf oder an dem Gürtel des Beduinengewandes (der Riemen ist vollständig erhalten und oben mittig verknotet). Zu den Handschriften vgl. E. Hammerschmidt, Illuminierte Handschriften der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Graz 1977, S. 19.

Die Pergamentseiten sind durchgehend regliert: zunächst wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche am äußeren Rand vorgegeben, wobei man beim Durchstich gleich mehrere Bögen bearbeiten konnte. Sodann wurden die Linien mit einem Falzbeil gezogen. Bei den Texten handelt es sich wohl um Auszüge aus der christlichen Liturgie mit Bibelzitaten, aber auch Gebeten und ähnlichem. Die Incipits, Nomina sacra, Überschriften und wichtige Passagen wurden mit roter Tinte eingesetzt.
Sehr hübsch sind die sparsamen Bordüren in Rot und Schwarz, meist mit geometrischen Mustern. Die erste Seite recto mit einer etwas größeren Schmuckbordüre aus geometrischen Feldern mit Rauten bzw. Dreiecken sowie drei angedeuteten Tabernakel, in denen drei stilisierte Köpfe gemalt sind (teils abgerieben). – Vorhanden sind 14 Lagen, meist à 10 Blätter, die letzte Lage (O) mit 8 Blättern, lediglich einer Lage (D) fehlen möglicherweise zwei Blätter, es kann sich aber auch um eine Octavlage handeln. Einer Lage (M) ist ein zusätzliches Blatt beimontiert und am Anfang findet sich eine Art "Vorsatz", wohl mit Widmungseinträgen, Notizen und Bleistiftkritzeleien (diese auch am Schluss auf zwei Blättern). Die Lagenformel liest sich demnach 01 A-C10 D10-2 E-L10 M10+1 N10 O8.
Bindung gelockert, anfangs fingerfleckig, sonst nur teilweise leicht fleckig und wie üblich etwas gebräunt, Text bis auf wenige Stellen gut lesbar, kontrastreich und frisch. Wie üblich wurde ein Pergament aus Ziegenhaut benutzt, dass zahlreiche Knorpelausschnitte aufweist. Das Futteral ist stärker wellig und gebräunt, teils auch berieben, aber vollständig funktionsfähig und die Handschrift gut schützend. Ge'ez-Bücher in dieser Größe und vor allem mit dem originalen Futteral sind bemerkenswert selten und künden von einer großartigen Buchkultur der christlichen Gemeinden Nordafrikas.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.320)


Zuschlag
€ 600 (US$ 660)


Äthiopische Taschengebetbücher
2 Ge'ez Handschrift auf Pergament. Um 1860

Los 1042

Äthiopische Taschengebetbücher. 2 Ge'ez-Handschriften auf Pergament. Schwarze und rote Tinte. 10 x 30,6 bzw. 9,3 x 6 cm. Eichenholzdeckelbände d. Z. bzw. blutrotes blindgeprägtes Geißenleder d. Z. (gering berieben oder beschabt) über Holzdeckeln, dieser in dazugehörigem zweiteiligen Leder-Futteral mit Trageriemen an zwei aufgenähten Schlaufen. Äthiopien Mitte 19. Jahrhundert.

Zwei reizvolle, kleine Gebetbücher äthiopischer Christen in Ge'ez Schrift in schwarzer und roter Tinte auf Pergamentpapier geschrieben: 1) Ge'ez Gebetbuch. 44 Bl. (le. w.) mit Gebetsüberschriften in Rot (Text vereinzelt gering abgerieben, wenige originäre Pergamentlöchlein, teils fingerfleckig, Bindung gelockert, wohl vollständig). - 2) Ge'ez Gebetbuch. 58 Bl. Mit 2 hübschen Kopfleisten als geometrisch-florale Bordüren in Rot und Schwarz (Fingerfleckchen, Gebrauchsspuren), die erste Quart-Lage kleineren Formats, im VDeckel eine Vertiefung im Holz für das einstige Anbringen eines Heiligenbildes (Klebspuren vorhanden). Das Büchlein ist besonders dekorativ gebunden: Der Rücken ist mit dreifachen Blindfileten in Rautenformen gehalten, während die Deckel mit hübschen Riefelbordüren geprägt sind. Eine breite Bordüre umgibt auf beiden Seiten ein Kreuz, die Ecken mit kleinen Rundstempelchen geziert. Das Lederfutteral wie üblich etwas stärker geknautsch und wellig. Es besteht aus zwei ineinandermontierten Teilen, einem Innen- und Außenfutteral, genäht mit Litzen aus Pergamentstreifen und zusammengehalten von einem ca. 1 cm breiten Lederriemen.

So konnte das Buch am Sattelknauf oder an dem Gürtel des Beduinengewandes befestigt werden. Der Ge’ez-Duktus tradierte sich aus dem axumitisches Reich, das seine Blütezeit im 3. nachchristlichen Jahrhundert hatte. Bis ins späte 19. Jahrhundert blieb Ge'ez die Hauptschriftsprache in Eritrea und Äthiopien und wird auch heute noch als Liturgiesprache der äthiopisch-orthodoxen und der eritreisch-orthodoxen Kirche geschrieben (vgl. E. Hammerschmidt, Illuminierte Handschriften der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Graz 1977, S. 19). – Sehr suggestive, hübsch gebundene Gebetbücher im Taschenformat und vor allem mit dem originalen Futteral sind bemerkenswert selten.

Schätzpreis
€ 500   (US$ 550)


Nachverkaufspreis
€ 250   (US$ 275)


Äthiopische Taschengebetbücher
Ge'ez Handschrift auf Pergament. Um 1880

Los 1043

Äthiopisches Gebetbuch. Ge'ez-Handschrift auf Pergament. Schwarze und rote Tinte. 188 nn. Bl. 1- und 2-spaltig. 13,4 x 11,3 cm. Blindgeprägtes braunes Leder d. Z. (VDeckel mit größerer Abriebstelle durch Feuchtigkeitseinwirkung) über Eichenholzdeckeln in dazugehörigem zweiteiligen Leder-Futteral mit Trageriemen an 4 aufgenähten Schlaufen (äußeres Futteral mit Abrissen, wellig, Gebrauchsspuren, kleinere Läsuren). Äthiopien Ende 19. Jahrhundert.

Nahezu quadratisches Gebetbuch mit sauberer Ge'ez Schrift in schwarzer und roter Tinte von mindestens drei Händen auf Pergamentpapier geschrieben. Enthalten sind der Psalter, Gebete, Auszüge aus dem Hohelied Salomonis und Marienoffizien, aber auch okkulte Texte - eine für den christlichen Glauben in Nordafrika typische Mischung aus Heiliger Schrift, Andachts- und Erbauungsversen sowie Zauberformeln, die vor bösen Geistern schützen und um Protektion der Heiligen bitten.
Wie üblich wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche vorgegeben und die Linien dann mit dem Griffel gezogen.

Besonders interessant ist das sorgfältig gearbeitete Lederfutteral, eine Seltenheit bei den Ge’ez Handschriften, waren die Futterale doch allem Unbill der Steppe und den Fährnissen im täglichen Gebrauche augesetzt. Das Futteral besteht aus zwei Hüllenteilen, die durch einen an Lederschlaufen angebrachten Lederriemen zusammengeschoben werden können und sich dann exakt an die Handschrift anschmiegen. Der breite Riemen diente gleichzeitig zur Befestigung am Sattelknauf oder an dem Gürtel des Beduinengewandes (vgl. E. Hammerschmidt, Illuminierte Handschriften der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Graz 1977, S. 19). – Die ersten Blätter mit Löchlein und Brandspuren oben in der rechten Ecke, das letzte (wohl zusätzlich, später eingeheftete Blatt) stärker knittrig und wellig. Gebrauchsspuren, kleine Fleckchen, Bräunungen und Fingerflecke, meist aber sehr gut erhalten.

Schätzpreis
€ 600   (US$ 660)


Zuschlag
€ 260 (US$ 286)


Königin von Saba
The Legend of Queen of Sheba

Los 1044

Königin von Saba. - "The Legend of Queen of Sheba". Illustrierte Ge'ez-Handschrift auf Pergament. 20 Bl. und typographisches Doppelblatt. Mit 20 originalen Federzeichnungen in Deckfarben koloriert und teils mit Gold gehöht sowie Titeltext im Rahmenfeld. 16 x 15,5 cm. Lederlitzbindung mit 2 geschnitzten Holzdeckeln und Lederschließe auf Metallzapfen. Äthiopien um 1973.

Die Lebensgeschichte der Königin von Saba in 20 Bildern mit leuchtenden Farben und ganz in der Tradition der äthiopischen Buchillustrationen des 18. und 19. Jahrhunderts ausgeführt. Das Buch war eine Gabe der CBE zu deren 30. Bestehen "Commercial Bank of Ethiopia 30th Anniversary". Das gedruckte Doppelblatt schildert die "The Legend of Queen of Sheba" in 20 Kapiteln in englischer und äthiopischer Sprache: "1. Offerings to the drago", "2. The dragon killed", "3. The king is crowned", "4. The king gave luncheon" ..., "9. Solomon receives gifts" ... "17. The child plkays 'ganna' (Ethiopian hockey)" und vieles mehr.
Bekannerweise gilt die legendäre Königin von Saba als Stammmutter des äthiopischen Volkes, das aus Aksum hervorgegangen war. Die Bank ließ wohl einige wenige dieser Exemplare von Künstler des Landes anfertigen und zu ihrem Gründungsjubiläum verteilen. Die Bank war 1943 als Äthiopische Staatsbank bzw Äthiopische Nationalbank. Den handgeschnitzte Deckel ziert das Signet der Bank. – Gutes Exemplar.

Schätzpreis
€ 200   (US$ 220)


Zuschlag
€ 250 (US$ 275)


Nider, Johannes
De morali lepra

Los 1045

Nider, Johannes. De morali lepra. 95 Bl. (statt 104; d. l. w.). 1 Spalte. 27 Zeilen. Rom. Type. Schriftraum: 14,6 x 8,9 cm. Format: 18,5-19 x 13,5 cm. Mit 2 4 bzw. 2zeiligen Fleuronéinitialen in Rot und Blau, 14 dreizeiligen Initialen in Rot und Blau sowie zahlreichen Lombarden und Kapitalstrichelung in Rot. Flexibler Lederband des 19. Jahrhunderts unter Verwendung des zeitgenössischen blindgeprägten Bezugsmaterials (mit kleineren Fehlstellen). (Köln, Ulrich Zell, vor 10.X.1470).

Hain-Copinger 11814. GW M26870. Goff N-188. Proctor 845. Pellechet 8414. Madsen 2894. Oates 330-332. Ohly-Sack 2127. BMC I, 185 IA. 2826. BSB-Ink N-145. CIBN N-117. IDL 3375. Bod-inc N-085. ISTC in00188000. – Erster Druck seines moralischen Traktats "Der moralische Aussatz", einem Abriss über die menschlichen Laster, mit dem der Dominikanerpater Johannes Nider (1385-1438) vor allem Beichtväter und Prediger zu erreichen versuchte. Nider wurde 1427 zum Prior des Dominikanerklosters in Nürnberg berufen, wo er bis 1429 wirkte. Seinen späteren Reformen verdankt das Kloster der Dominikaner in Basel seinen Ruf als Musterkonvent, was den Ort zu einem der Verhandlungsorte des Basler Konzils auszeichnete. Nider gilt als eine der prägenden Persönlichkeiten dieses Konzils. Goff verzeichnet bis zum Jahr 1490 noch weitere sieben Ausgaben. – Es fehlen neun Blatt (Incipit und Explicit sind vorhanden). Erstes sowie ein weiteres Textblatt mit Bibliotheksstempel (ausgeschiedenes Exemplar), erstes Textblatt mit restauriertem Eckabriss. Insgesamt etwas fingerfleckig, ganz vereinzelte Unterstreichungen oder Marginalien. Beschnittenes Exemplar, bei dem die Lagensignaturen und Kustoden verloren gegangen sind. Der aufkaschierte zeitgenössische Lederbezug mit zahlreichen Einzelstempeln, darunter Motive wie Blüten, Lilie, Adler, Greif und Engel. Nur ein Nachweis im Jahrbuch der Auktionspreise 1950ff. - Von großer Seltenheit.

Schätzpreis
€ 3.000   (US$ 3.300)


Zuschlag
€ 4.200 (US$ 4.620)


Psalterium latinum
Mit Kommentaren von Gabriel Brebia

Los 1046

Psalterium latinum. Mit Kommentaren von Gabriel Brebia. 326 (statt 341) nn. Bl. 1 Spalte. 30 Zeilen. Got. Type. Schriftraum: 12,6 x 7,4 cm. Format: 19,3 x 13,7 cm. Mit 8zeiliger Initiale, zahlreichen kleineren Initialen sowie Kapitalstrichelung in Rot und Blau. Mit Initialspatien. Moderner Pergamentband. Mailand, Dominicus de Vespolate, 7.VII.1477.

Hain-Copinger 3766. GW M36175. Goff P-1040. Proctor 5892. Pellechet 2833. Madsen 3409. BMC VI, 733 CIBN B-770. IDL 3819. IBE 4799. IGI 8129. ISTC ip01040000. – Psalmenkommentar des Mailänder Benediktiners Gabriel Brebbia mit dem lateinischen Text des Hohen Liedes und dem Athanasischen Glaubensbekenntnis. Kein Exemplar in den Sammlungen in Berlin und München. – Es fehlen 15 Blatt, darunter das erste Blatt nach dem Kolophon (a1; vgl. BMC) sowie das weiße Schlussblatt. Ein Textblatt gegen Schluss mit Tintenstrichelung. Anfangs mit kleinen Wurmlöchern, wenige Blatt etwas stärker fleckig, sonst nur vereinzelt. Durchgehend mit hs. Foliierung in Tinte und Bleistift.

Schätzpreis
€ 1.200   (US$ 1.320)


Zuschlag
€ 1.400 (US$ 1.540)


Homiliarius doctorum
de tempore et de sanctis. Pars aestivalis Köln,...

Los 1047

Homiliarius doctorum de tempore et de sanctis. Pars aestivalis de tempore et de sanctis. Teil II (von 2). 2 Spalten. 40 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 20 x 13,7 cm. Format: 29 x 21,6 cm. Mit 2 großen 9-zeiligen Zierinitialen in Rot mit braunem bzw. grün-braunem Feder- bzw. Akanthuswerk und Hunderten von roten Lombarden und Rubrizierung mit Kapitalstrichelung und römischer Paginierung in Rot. Blindgeprägter, geglätteter Kalbslederband d. Z. (stark lädiert, mit zahlreichen Bezugsfehlstellen, Bezug brüchig, beschabt und bestoßen mit Eckverlusten, Rücken erneuert, Vordergelenk gebrochen, Deckel lose) über schweren Holzdeckeln (teils kleiner Eckverlust) und mit 4 schweren geschmiedeten Messing-Schließbeschlägen an Nägeln (ohne die Schließen) sowie 5 (von 10) Bleibuckeln auf den Deckeln. Köln, Konrad Winters, um 1480.

Hain-Copinger 8789. GW 12927. Goff H-315. Proctor 1192,2. Pellechet 8892bis. Ernst, Hildesheim, I, 1, 330 und II,2 222. Finger 553. 554. Lenz 222. Oates 673. Schlechter-Ries 932. Schüling 650. Sheehan H-134. BMC I, 250. BSB-Ink H-323. CIBN H-181. ISTC ih00315000. – Zweite Ausgabe des Sommerteils mit dem „de tempore et de sanctis“, die erste bei dem Kölner Drucker Konrad Winters. Das "Homiliarius doctorum" ist eine „Sammlung von ursprünglich 244 Homilien und Sermones aus überwiegend patristischen Quellen, die Paulus Diakonus wohl 782-786 im Auftrag Karls des Großen zusammengestellt hat. Die Sammlung erfuhr durch das gesamte Mittelalter hindurch eine weite Verbreitung, wobei Zusammensetzung und Konzeption immer wieder verändert wurden. Das von Beginn an zweiteilig konzipierte Homiliar erstreckt sich über das gesamte Kirchenjahr, Pars hiemalis und Pars aestivalis. Der zweite Teil wurde durch 35 Texte des Commune sanctorum erweitert. Dieser Aufbau wird in den Drucken des 15. Jh. teilweise durch die Einteilung in De tempore und De sanctis erweitert bzw. ersetzt. Die ursprünglich zum Homiliarius gehörenden Textbeigaben fehlen meist“ (GW). – Es fehlen lediglich 5 Blätter, Fol. 2, 28, 32 und 131.
Der vorliegende zweite Teil des „Pars aestivalis de tempore et de sanctis“ gliedert sich wiederum in 2 Teile, jeweils mit eigenen Incipit „Omelie et postille venerabilius dotrorum gregorii augustini“ (Fol. 1-132) und „Omelie de sanctis“ (Blatt 133-288). Zwischen die beiden Teile ist ein Block mit 9 handschriftlichen Blättern eingebunden, die Kommentare und ein Register in dunkelbrauner Sepia und Rot enthalten.
Das erste Blatt um die Textkolumnen beschnitten und an allen Seiten angesetzt, mit überklebten Rissen, Teilverlust des Initialenstabs links im Bug, stärker fleckig und alt gestempelt mit dem Überstempel „Doublet“ am Rand. Durchgehend stärker finger- und schmutzfleckig, zahlreiche kleine Risse und Papierläsuren, meist älter restauriert und im Bug teils verstärkt, wenige Feuchtränder und oft nur unwesentliche Fleckchen, letztes Blatt mit Bugschäden, sonst ordentlich. Am Schluss sind 2 Blätter mit zeitgenössischer Handschrift mit Ergänzungen zum Text beigebunden (fragmentarisch, mit ergänzten Randläsuren). Vereinzelt zeitgenössische Beischriften, auch vom Rubrikator. Insgesamt im Block gut erhaltene, sehr seltene Inkunabel - ein Zeugnis der rheinischen Gelehrsamkeit im ausgehenden Mittelalter.

Der besonders interessante, zeitgenössische - wiewohl stark lädierte, teils nur fragmentarisch erhaltene - Einband stammt wohl aus einer Werkstatt ganz im Westen Deutschlands oder aus Ostfrankreich, vielleicht aus Lothringen, der Champagne etwa. Die Deckel sind mit den üblichen Dreifachfileten in breite Rahmen und Mittelfeld geteilt, das wiederum mit Rautenmustern gestaltet wurde, an deren Knoten kleine Sonnenblumenstempelchen sichtbar werden. Größere Rundstempel mit einem Eichenblatt (?) sind in Bordüre und Rauten platziert. Der Vorderdeckel zeigt dann eine nach außen gerichtete, beide Register ganz umlaufende Bogenbordüre, in deren Bögen sich kleine Sonnenblumenblütenstempelchen finden und deren Zinnen in Sternblumenblüten enden. Eine genaue Einordnung sollte noch vorgenommen werden.

Schätzpreis
€ 3.600   (US$ 3.960)


Zuschlag
€ 3.200 (US$ 3.520)


Boethius, Anicius Manlius Severinus
De consolatione philosophiae

Los 1048

Der erste Koberger-Druck des "Trostes der Philosophie"
Boethius, Anicius Manlius Severinus. De consolatione philosophiae. Mit Kommentaren des Pseudo-Thomas de Aquino. 71 (statt 73; ohne die 3 w.) nn. Bl. Text von Kommentar umgeben. Got. Typ. Schriftraum: 12,1 x 14,4 cm. Format: 31,5 x 21,6 cm. Mit Initialspatien und 10-zeiliger großer Blattgold-Initiale "C" mit Federwerk in vielfachen Farben. Modernes Halbpergament mit goldgeprägtem RSchild und braunen Leinen-Deckelbezügen. Nürnberg, Anton Koberger, 2.V.1483.

Hain-Copinger 3376. GW 4533. Goff B-777. Proctor 2034. Pellechet 2519. Hubay 408. Kind 228. Madsen 756-758. Rhodes 395. Sack 712. Voulliéme 250. Walsh 696. BMC II, 425. BSB-Ink B-598. ÖNB-Ink B-497. CIH 706. IBE 1109. IBP 1099. ISTC ib00777000. – Erster in der berühmten Offizin von Anton Koberger in Nürnberg erschienener Druck des überaus populären Werkes "Der Trost der Philosophie", in dem der spätantike römische Denker Anicius Manlius Severinus Boethius (480-524) sein Konzept der Hoffnung, des Trostes und der daraus resultierenden Kraft in fünf Büchern niederlegt: "Boethius schrieb dieses Werk im Gefängnisturm zu Pavia, wo er, der in Ungnade gefallene Kanzler Theoderichs, sein Todesurteil erwartete. Dem zwischen Hoffnung und Verzweiflung Schwankenden, der eingangs in einem elegischen Gedicht sein Leid klagt, erscheint eine majestätitische Frau, die Philosophie, um ihm in seinem Unglück Mut zuzusprechen und ihm die Augen für das eigentliche Ziel des Menschen, die Erkenntnis der Wahrheit, zu öffnen ... Die Trostschrift gehört zum Schönsten, was am Ausgang des Altertums zu Pergament gebracht worden ist ... [sie] wurde eines der meistgelesenen und beliebtesten Bücher des Mittelalters" (KLL 2399-2400). – Es fehlen drei weiße Blätter (Blatt 1, 73-74), die erste Lage mit dem Index mit breiteren, alt angesetzten Randverlusten (fast ganz ohne Buchstabenverlust), wenige Bugläsuren, die erste Textlage im Rand brüchig und mit kleinen Ausbrüchen und Randläsuren, sonst nur vereinzelt minimal fleckig, leicht wellig und hin und wieder mit zeitgenössischen Anmerkungen in Sepiatinte. Im Block sonst schönes Exemplar in ausgezeichneter Typographie gedruckt auf festem, noch bemerkenswert breitrandigem Papier. Die entzückende große Federwerk-Initiale ist wohl in späterer Zeit farbig ausgestaltet sowie mit Blattgold belegt worden.

Schätzpreis
€ 900   (US$ 990)


Zuschlag
€ 3.400 (US$ 3.740)


Johannes de Garlandia
Modus confitendi et poenitendi. Editio princeps

Los 1049

Johannes de Garlandia. Modus confitendi et poenitendi. "Poeniteas cito". 9 (von 22 Bl.). 42 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 13,5 x 8,8 cm. Format: 21,5 x 14,2 cm. Mit großem Titelholzschnitt und ganzseitigem Wappenholzschnitt am Schluss. Mit Initialspatien. Broschur des 20. Jahrhunderts (Marmorpapierdeckel gebogen). Köln, Johann Koelhoff, 20.XII.1489.

Copinger 4303. GW 13795 . Goff P-841. Borm 2192. Ernst I,2 121. Finger 809. Oates 552. Zedler 509. Schreiber 4991. Schramm VIII, Abb. 300. 301. BSB-Ink P-638. IBP 4506. IDL 3278. ISTC ip00841000. – Fragment der Editio Princeps des berühmten Bet- und Beichtbüchleins "Poeniteas cito" (etwa: "Beichte unverzüglich, beichte schnell") aus der Feder des englischen Dichters und Gelehrten Johannes de Garlandia (1195-1272), der auch unter Johannes Anglicus, in Frankreich als Jean de Garlande und in England als John of Garland bekannt und überaus beliebt war.
Für diese Ausgabe ließ der Kölner Drucker Johann Koelhoff eigens zwei große Holzschnitte herstellen, die er hier erstmals verwendte: Der große Titelholzschnitt (10,8 x 8,2 cm) zeigt mehrere Beichtszenen, eine Mutter, die ihrem Kinde zuhört, ein Jüngling, der einer Klosterschwester beichtet, ein Pfarrer der eine hübsche junge Frau nach der Beichte segnet, indem er ihr die Hände auflegt etc (vgl. Schramm 300).
Der ganzseitige Holzschnitt auf dem letzten Blatt (14,2 x 10 cm) zeigt das Wappen und damit das Druckersignet des Johann Koelhoff mit den drei Kronen im Wappenschild, der von einem Greif und einem Löwen gehalten wird und im Helmschmuck wiederum drei, von einer Pfauenfederaureole umgebene Kronen aufweist. Es ist die erste Verwendung dieses Holzschnittes, das zur Druckermarke Koelhoffs wurde. – Es fehlen die Mittellagen (b6 und c6) sowie das erste Blatt der Lage d (d1), die erste und letzte Seite etwas stärker angestaubt, die erste mit dem Holzschnitt auch mit kleinem Wischfleck. Sonst kaum fleckig, leicht gewellt, unbeschnittenes Exemplar dieses seltenen Fragments mit den beiden - in den meisten anderen bekannten Fragmenten eben meist fehlenden - Holzschnitten. Nicht bei Hain, nicht bei Proctor, Pellechet, in der British Library, kein Exemplar in der Bibliothèque Nationale in Paris.

Schätzpreis
€ 1.000   (US$ 1.100)


Zuschlag
€ 500 (US$ 550)



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