Bitte Suchbegriffe eingeben:

BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

Language / Lingua / Sprache


Highlights

Höhepunkte der aktuellen Auktion » Kataloge zum Blättern

1 2 3 4 5 6 7 8   erste Seiteschneller Rücklaufeine Seite zurückeine Seite weiterschneller Vorlauf

Hauptbild Beschreibung Status
Galerie Bassenge
» Zoom

Schmidt-Rottluff, Karl
Ziegelei bei Varel

Los 8214

Ziegelei bei Varel
Holzschnitt auf faserigem Naturpapier. 1909.
29,7 x 39 cm (34,2 x 43,2 cm).
Signiert "Schmidt-Rottluff" und (eigenhändig?) bezeichnet "Werk mit Bach".
Schapire H 7.

Herausragend ausdrucksstarker, früher Holzschnitt des Künstlers. So konsequent wie in dieser Drucktechnik setzt Schmidt-Rottluff seine expressionistischen Ideen in keinem anderen Medium um: Reduktion, Klarheit und Aufrichtigkeit.
Einen Neubeginn im Holzschnittschaffen Schmidt-Rottluffs stellt das Jahr 1909 dar, nachdem er 1905/06 bereits 20 erste Holzschnitte angefertigt hatte (die er jedoch trotz ihrer Qualität nicht in Schapires Katalog aufgenommen sehen wollte). Es folgte eine Pause von zwei Jahren, in denen er vor allem Lithographien druckte, dazu wenige Radierungen.
Unweit von Dangast an der oldenburgischen Nordseeküste, Schmidt-Rottluffs regelmäßigem Sommeraufenthaltsort der Jahre 1907 bis 1912, befindet sich der Vareler Hafen, gelegen zwischen Wilhelmshaven und Bremerhaven. Gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden der "Brücke" zog er mit Malutensilien häufig zu den kleinen Fischerhäfen der Umgebung, Ellenserdamm und Varel. Ein ungewöhnlicher Schaffensrausch erfüllte ihn in dieser Dangaster Zeit. Das Motiv, eine Ziegelei in der Nähe des Dorfes Varel südlich von Dangast, greifen sowohl Schmidt-Rottluff als auch Heckel in den Jahren von 1907 bis 1909 häufig auf. Der lange, niedrige Gebäudekomplex mit Schuppen, der in einem Schornstein endet, erstreckt sich vom linken Bildrand bis in den Hintergrund. Vom linken Vordergrund bis zum Horizont verläuft rechts ein kleiner Bach, in dem die verzerrte Spiegelung des Schornsteins zu sehen ist. Die radikale Vereinfachung der Form und die Unterdrückung der Perspektive zugunsten des Rhythmus' der Oberfläche machen die Gruppe der Holzschnitte von 1909 zu den abstraktesten und interessantesten Drucken, die von einem Mitglied der "Brücke" produziert wurden. Linien und Flächen in dichtem Schwarz und einem von den Halbtönen der Stege gelegentlich durchbrochenen Weiß erzeugen eine schwingende Bewegung in der Komposition.
Ganz selbstverständlich liegen alle Produktionsschritte in Schmidt-Rottluffs eigener Hand, von der Idee bis zum Abzug. Hier ist es das weiche, kaum gemaserte Holz der amerikanischen Pappel, in das er sein radikal vereinfachtes Motiv schneidet. Schapire zufolge wurde der Holzschnitt, wie alle Arbeiten Schmidt-Rottluffs zwischen 1906 und 1912, vom Künstler selbst gedruckt; selten erreichten sie eine Auflagenhöhe von zehn Exemplaren. Die Struktur der pastosen Druckfarbe auf dem Naturpapier ist bis heute erkennbar. Brillanter, tiefschwarzer, im Vordergrund teils ganz leicht aufgehellter Druck des bedeutenden Blattes mit kleinem, wohl dem vollen Rand. Von äußerster Seltenheit.

Provenienz: Heddergott & Maaß, Berlin, Katalog 1, 1991, Nr. 126

Schätzpreis
€ 35.000   (US$ 39.900)



» Meistergraphik deutscher Klassiker
Galerie Bassenge
» Zoom

Nolde, Emil
Prophet

Los 8217

"Prophet"
Holzschnitt auf Velinkarton. 1912.
32 x 22,6 cm (40 x 30,7 cm).
Signiert "Emil Nolde" und betitelt. Auflage 20-30 Ex.
Schiefler/Mosel 110.

Das asketische, grüblerische Gesicht des "Propheten" konfrontiert uns mit einer unmittelbaren, tiefen Emotion, die keinen Zweifel an seiner Spiritualität lässt. Seine verschatteten, tiefliegenden Augen, die Stirnfalten, die eingefallenen Wangen und das ernste Gesicht drücken eine tiefe Versunkenheit aus. Drei Jahre zuvor hatte Nolde nach schwerer Krankheit eine religiöse Transformation erlebt. Im Anschluss daran begann er, sich in Gemälden und Druckgraphiken religiösen Themen zu widmen.
Nolde war 1906 der "Brücke" beigetreten und brachte seinen Kollegen die Radiertechnik bei, während sie ihn in die Holzschnittechnik einführten. In dem für Emil Nolde hinsichtlich seiner Holzschnitte besonders schaffensreichen Jahr 1912 entstanden insgesamt 21 Porträtköpfe. Mit seinem eindringlichen Ausdruck und den kraftvollen Kontrasten im hageren Gesicht hebt sich der "Prophet" unter den Blättern jenes Jahres besonders hervor und ist wohl Noldes bekanntestes druckgraphisches Werk. "Die Holzschnittreihe von 1912 verleiht dem gefundenen Zeichen nun eine tiefere Intensität. In der Reihe der Köpfe, dem ständigen Thema der Holzschnitte Noldes, kann nun, wie im 'Propheten', die dramatische Ikone entstehen." (Werner Haftmann, Holzschnitte von Emil Nolde, Bremen 1947). Grob ausgefräste Bereiche, geradezu unheimlich ausgefranst, gezackte Linien und die strukturierte Maserung des Holzes verbinden sich zu einer Inkunabel des deutschen Expressionismus und der überzeugenden Darstellung eines glühenden Gläubigen.
Schiefler/Mosel erwähnen mindestens 20-30 Exemplare. Brillanter und gegensatzreicher, ungewöhnlich reich und differenziert aufgelichteter Druck mit bemerkenswert deutlicher Reliefwirkung, mit breitem Rand, rechts mit dem Schöpfrand. Die in den Schwarzflächen wunderbar mitdruckende Langholzmaserung verleiht dem Druck ein zusätzliches expressives Moment. Partiell druckt in den Weißflächen der Stockgrund blind mit. Verso sind die Reibespuren deutlich sichtbar und ein kräftig durchgepresstes Relief.
Eines der Hauptblätter der Graphik des deutschen Expressionismus, in den letzten Jahren selten geworden.

Schätzpreis
€ 30.000   (US$ 34.200)



» Meistergraphik deutscher Klassiker
Galerie Bassenge
» Zoom

Beckmann, Max
Totenhaus

Los 8231

Totenhaus
Holzschnitt auf Bütten. 1922.
37,4 x 47,4 cm (53 x 61,4 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 35 num. Ex.
Hofmaier 252 II B.

So sperrig und steif wie die toten Körper sind auch die kantigen Formen, so derb und zupackend wie die Leichenbeschauer und sein Gehilfe führt Beckmann sein Schnitzmesser. Der Künstler erreicht damit eine geradezu unheimliche Übereinstimmung von Technik und Motiv. In ihrer Tragik und Drastik ist die Darstellung des Leichensaales charakteristisch für Beckmanns Schaffen, die technische Sicherheit in der Umsetzung der glasklaren, scharfen Linien zeigt ihn auf der Höhe seiner Schaffenskraft.
Das bedeutende, monumentale Blatt wiederholt das Sujet seiner Kaltnadel, "Das Leichenhaus" von 1915. Dabei kopiert der Künstler das Motiv nicht präzise, sondern verwendet unterschiedliche Elemente der verschiedenen Druckzustände der Kaltnadel und fügt neue Elemente hinzu, wie beispielsweise die Fensterläden oder die Schale am Boden rechts. Nur sporadisch beschäftigte Beckmann sich mit der Technik des Holzschnitts. Lediglich 18 von den beinahe 400 Arbeiten seines druckgraphischen Werkes sind Holzschnitte. Herausgegeben von Paul Cassirer, Berlin 1924. Neben der Auflage von 35 Exemplaren in Hofmaiers Zustand B sind lediglich drei Probedrucke für Zustand A bekannt, von denen einer mit "2. Zustand" bezeichnet ist. Sehr schöner, klarer und differenzierter Druck des äußerst seltenen Blattes, mit dem vollen Rand.

Schätzpreis
€ 25.000   (US$ 28.499)



» Meistergraphik deutscher Klassiker
Barlach, Ernst
Lesender Klosterschüler

Los 8310

Lesender Klosterschüler
Bronze mit goldbrauner Patina. 1930/nach 1938.
31 x 20 x 12 cm.
Seitlich rechts am Sockel signiert "E. Barlach", verso mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin". Auflage 7 num. Ex.
Laur II 462.

Laur erwähnt sieben unnumerierte Abgüsse der Bronze, entstanden nach 1938; dieses Exemplar, anders als bei Laur angegeben, mit Numerierung. Im Staatlichen Museum Schwerin befindet sich ein weiterer Abguss. Vorbild für diese bedeutende und äußerst seltene Bronze war Barlachs knapp unterlebensgroße Holzplastik von 1930, entstanden für den Güstrower Fabrikanten Richard van Tongel, ursprünglich gedacht als figürlicher Aufsatz für einen Graphikschrank, heute in der Gertrudenkapelle, Güstrow, sowie ein Gipsmodell dieser Plastik (Schult 366, Laur II 459).
Die gotische Holzfigur des Apostel Johannes im Güstrower Dom, entstanden um 1430, die Barlach sicher bekannt war, zeigt kompositorisch einen engen ikonographischen Bezug zum "Klosterschüler".
Barlachs Skulpturenmotiv stellt ein zentrales Element in Alfred Anderschs 1957 erschienenem Roman "Sansibar oder der letzte Grund" dar. Die Existenz der in der Kirche ausgestellten Plastik ist durch die nationalsozialistischen Machthaber bedroht, ist sie doch in der Liste von Kunstwerken verzeichnet, die nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen. Der "Lesende Klosterschüler" fasziniert die fünf Protagonisten des Romans aus unterschiedlichen Gründen. Andersch beschreibt die fiktive Rettungsaktion der Skulptur, die sie von Rerik an der mecklenburgischen Ostseeküste mit einem Fischkutter nach Schweden führt. Die Plastik dient im Roman als Reflexionsfläche der Protagonisten und steht als Sinnbild für Wahrhaftigkeit und Freiheit des Geistes. Der Autor lässt Gregor, den KPD-Funktionär, im Angesicht der Figur sinnieren: "Was tat er eigentlich? Er las ganz einfach. Er las aufmerksam. Er las genau. Er las sogar in höchster Konzentration. Aber er las kritisch. Er sah aus, als wisse er in jedem Moment, was er da lese. Seine Arme hingen herab, aber sie schienen bereit, jeden Augenblick einen Finger auf den Text zu führen, der zeigen würde: das ist nicht wahr. Das glaube ich nicht." (Der Bildhauer Ernst Barlach. Skulpturen und Plastiken im Ernst Barlach Haus – Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg 2007, S. 164, zit. nach ernst-barlach-stiftung.de, 23.4.2019).
Ausgezeichneter Guss mit schön differenzierter, schimmernder Patina. Sehr selten.

Schätzpreis
€ 15.000   (US$ 17.100)



» Moderne Kunst Teil I
Galerie Bassenge
» Zoom

Hofer, Karl
Mädchen en face

Los 8387

Mädchen en face
Öl auf Leinwand. 1954.
57 x 42 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Weiß monogrammiert "CH" und datiert, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet "Birnen im Korb" und auf Klebeetikett "250".
Wohlert 2698 B.

Hofers ganz eigenartig entrückte Mädchenbildnisse gehören zu seinen eindringlichsten Werken. Die Beseeltheit des Menschen ist der immer wiederkehrende Ausdruck, den Hofer in seinen Bildnissen einzufangen versucht. Seine Figuren sind keine Individuen; über seine Modelle gibt der Künstler kaum verbindliche Auskunft. Durch den melancholisch-entrückten Ausdruck gelingt es Hofer, Distanz zu schaffen und doch den Blick ins Innere zu öffnen. 1931 schrieb der Dichter Alfred Mombert in einem Brief an Hans Reinhart: "Er ist selbstverständlich kein 'Portrait'-Maler. Es kommt ihm ja nicht darauf an, ein Stück Welt (in diesem Falle einen bestimmten homo) festzulegen, sondern Alles ist ihm Ausdrucksmittel zur Erkenntnis seiner Psyche. Es ist ein dämonischer Ringkampf; für mich höchst verehrungswürdig." (zit. nach: Jürgen Schilling, Karl Hofer, Unna 1991, S. 23). Etwas summarisch behandelt Hofer die Figur, aus den abstrahierten Formen und Farbflächen artikuliert sich ein überzeugend plastisch-räumlich erscheinendes Bildnis, und zugleich konzentriert sich der Blick auf das Wesentliche der Darstellung. Unser "Mädchen en face" besticht mit dem feinsinnig abgestimmten, in delikaten Kontrasten gestalteten Kolorit von Antlitz, Kleidung und Hintergrund. Es ist in seiner flächenhaften Gestaltung und der verhaltenen Präsenz der Dargestellten, diesem beinahe meditativen Innehalten, charakteristisch für Hofers Werkgruppe zartfühlend gemalter, ins Allgemeingültige gehobener Mädchenbildnisse.

Provenienz: Nachlass des Künstlers
Galerie Schüler Berlin 1957/58 (mit deren Fotodokumentation)
Privatbesitz Berlin

Schätzpreis
€ 30.000   (US$ 34.200)



» Moderne Kunst Teil I
Galerie Bassenge
» Zoom

Kollwitz, Käthe
Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit...

Los 8424

Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit herabhängender Hand
Feder in Schwarz, teils laviert, auf festem Velin. 1890.
26,5 x 23,6 cm.
Unten links mit Bleistift datiert.

Es war das zeichnerische Talent, das Käthe Kollwitz' Vater dazu bewog, seiner Tochter 1881 eine Ausbildung bei dem Kupferstecher Rudolf Mauer zu ermöglichen. Indem sich Kollwitz um 1890 immer mehr der Radierung zuwandte, nahm die Zeichnung zwangsläufig eine zentrale Stelle in ihrem Schaffen ein. In den frühen Studien, wie auch in unserer, wählte die Künstlerin oftmals sich selbst zum Modell. Ganz der akademischen Tradition gegen Ende des 19. Jahrhunderts verpflichtet, zeichnet sie - wie ihre Künstlerkollegen Menzel, Leibl, Feuerbach und Klinger - sorgfältig jedes einzelne Detail, jede einzelne Bewegung und Gebärde durch. Dass Kollwitz sich um 1890/91 mit der Figur einer Sitzenden intensiv auseinandersetzt, zeigen zwei weitere Zeichnungen (Nagel/Timm 35 und 36). Die Detailstudien zur Haltung der Hand heben die Eleganz und Anmut, mit der unsere Hand gezeigt wird, hervor. In vorliegender Arbeit erkennt man deutlich Käthe Kollwitz' Blick als Radiererin: delikat und dicht werden einzelne Flächen durch parallele Schraffuren voneinander abgesetzt, diagonale Liniengeflechte erzeugen Lebendigkeit, Schatten und Tiefe. Ein Meisterwerk der Zeichenkunst!


Provenienz: Auktion Ketterer, Sammlung Tremmel, Nr. 282, 06. Mai 2003, Losnr. 503

Schätzpreis
€ 30.000   (US$ 34.200)



» Moderne Kunst Teil I
Galerie Bassenge
» Zoom

Mueller, Otto
Fünf gelbe Akte am Wasser

Los 8472

Fünf gelbe Akte am Wasser
Farblithographie auf leicht gehämmertem Bütten. 1921.
33 x 43 cm (41 x 52,8 cm).
Monogrammiert "O. M." Auflage ca. 100 Ex.
Karsch 156 c.

Badende in freier Natur: eines der großen Themen im Schaffen Otto Muellers, während und auch nach der "Brücke"-Zeit. In fröhlicher Lebendigkeit bewegen sich hier die Badenixen freizügig in der Natur. Mueller hatte sich zum Ziel gesetzt, seine Empfindungen mit größtmöglicher Einfachheit auszudrücken; dem entspricht die sich auf wenige Farben konzentrierende Kolorierung seiner Lithographien. Das Blatt "Fünf gelbe Akte am Wasser" entsteht, während Mueller seine Lehrtätigkeit an der Breslauer Akademie im Jahr 1921 mit Besuchen in Schleswig-Holstein unterbricht. Aus leuchtendem Gelb und tiefem Kobaltblau bildet sich der plakative und zugleich harmonische Komplementärkontrast, der die Lithographie bestimmt. Weil Mueller verhältnismäßig selten farbige Drucke schuf, überstrahlt ein so lebendiges Blatt wie "Fünf gelbe Akte am Wasser" große Teile seines graphischen Œuvres. Die drei Farbsteine sind herrlich klar zu erkennen und verdeutlichen den Arbeitsprozess des Künstlers: Der schwarze Zeichnungsstein konturiert zunächst die expressiven Mädchenfiguren, die im Wind bewegte Wasseroberfläche und das Dünengras an der Nordsee. Anschließend füllt ein Flächenstein die Akte mit einer einheitlichen, leuchtend gelben Körperfarbe, unabhängig von ihrer Position im Bild, und schließlich ergänzt der Hintergrundstein ein tiefes Kobaltblau für das dekorativ bewegte Meer.
Nach seiner Ausbildung zum Lithographen in Görlitz beginnt Mueller ein Kunststudium in Dresden und München. 1908 zieht er nach Berlin, wo er mit vielen Künstlern verkehrt, sich aktiv an der Gründung der Neuen Secession beteiligt und 1910 Mitglied der Künstlergruppe "Brücke" wird.
Karsch kennt 55 vollsignierte Abzüge. Die Auflage von etwa 100 unnumerierten Exemplaren entstand für den Hyperion-Verlag (Kurt Wolff). Der zu den Hauptblättern zählende Druck in einem prachtvollen, von drei Steinen in Schwarz, Gelb und Kobaltblau gedruckten, leuchtenden und kontrastreichen Abzug auf dem besonders attraktiven gehämmerten Bütten, mit dem vollen Rand, links und oben mit dem Schöpfrand.

Provenienz: Galerie Thomas München (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Privatbesitz Berlin

Schätzpreis
€ 24.000   (US$ 27.359)



» Moderne Kunst Teil I
Nolde, Emil
Mohnblüten, Iris und violette Astern

Los 8482

Mohnblüten, Iris und violette Astern
Aquarell auf dünnem Japan. 1925/30.
47,8 x 34,5 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert "Nolde".

Kunst fordert den Betrachter stets heraus, im Sehen, Denken und im Erinnern. Kunst hat eine Geschichte, die eine Auseinandersetzung sucht. So hat auch unser Aquarell „Mohnblüten, Iris und violette Astern“ von Emil Nolde eine Geschichte, die eng und in all ihren Schattierungen mit der deutschen verknüpft ist. Seit jeher in Privatbesitz, gehörte es über viele Jahre zu der Sammlung des erfolgreichen Dresdner Unternehmers Willy Bethke. Er gründete 1904 die Leo-Werke in Dresden, die später als Sächsisches Serumwerk die erste Antibiotika-Produktion in der Welt umsetzte. Bethke war ein großer Bewunderer Noldes. Er erwarb neben unserem Aquarell noch weitere Werke direkt vom Künstler. Anlässlich der III. Jubiläumsausstellung des Sächsischen Kunstvereins zu Dresden, die vom 11. April bis Mitte Mai 1929 stattfand, wurde das ebenfalls zum Besitz Bethkes zählende Ölgemälde „Mutter und Tochter“ (73 x 88 cm) von Nolde gezeigt („Dresdner Privatbesitz“, III. Jubiläumsausstellung Sächsischer Kunstverein, Dresden 1929, S. 13, siehe Abb. S. 187).
Bethke wird in dem Katalog namentlich neben weiteren renommierten Privatsammlern der Dresdner Gesellschaft aufgelistet. Der Ausstellungskatalog des Kunstvereins ist eine kostbare Quelle, um die damalige, hoch fruchtbare Förderung von Kunst und Künstlern durch die Privatsammler auf der Höhe der Zeit rekonstruieren zu können. Der Sächsische Kunstverein erwähnt Nolde, von dem gleich mehrere Werke gezeigt wurden, im kunsthistorischen Kontext: “Die kurz begrenzte Zeit leidenschaftlich subjektiver Antithese gegen die vorhergehende Generation umfaßt im Expressionismus Pechstein, Kokoschka, Nolde, Hofer (…)“ und reiht ihn in die bahnbrechende Malerei der Moderne ein.
In seinen farbintensiven und leuchtenden Aquarellen experimentierte Nolde auf einzigartige Weise mit der Farbe, die er früh als sein eigentliches Ausdrucksmittel erkannt hat und bricht damit mit der Tradition. Ab den 1920er Jahren setzt die neuartige Gestaltungsweise mit Blumenmotiven ein: „Seine eindringliche Nähe zur Natur suchte Nolde kongenial im Aquarell umzusetzen, mit dem er seine innersten Regungen und künstlerischen Intentionen im Malvorgang selbst zu gestalten vermochte. Mit voll getränktem, schwerem Pinsel und in raschen, fast organisch sicheren Abläufen werden die Bilder aus der Farbe geboren, die von den weichen, saugfähigen Japanpapieren begierig aufgenommen wird, sodass beide zu einer unauflöslichen, natürlichen Einheit zusammenfinden und manchmal auf der Rückseite ein eigenständiges, fast gleichwertiges Bild entsteht.“ (Manfred Reuther, in: Emil Nolde, Mein Garten voller Blumen. Nolde Stiftung Seebüll, Köln 2014, S. 33). In unserem blattfüllenden Aquarell baut sich die Komposition über satte, raumgreifende Mohnblüten auf, über die violette Astern nach oben sprießen. Tiefblaue Iris rahmen rechts und links zum Bildrand hin die Astern. Es handelt sich um kein besonderes Arrangement von Blumen, und auf eine Konturierung in der Gegenstandserfassung wird bewusst verzichtet, so dass das Aquarell wie eine spontane, unmittelbare Umsetzung von Sinneseindrücken erscheint. Die Farben der prächtigen Blüten dominieren die Darstellung, von ihnen geht eine enorme Strahlkraft aus. Bis heute faszinieren Noldes Blumenbilder den Betrachter.
Nolde lehnte Angebote, in die Schweiz zu gehen oder ins benachbarte Dänemark zu emigrieren, dessen Staatsbürgerschaft ihm 1920 zugefallen war, ab. Er zog sich nach einer bitteren Enttäuschung, sich nicht als Staatskünstler der Nationalsozialisten etablieren zu können und wegen des zusätzlichen Ausstellungsverbots nach Seebüll zurück.
Anlässlich der aktuellen Diskussionen um den Künstler Nolde sollten wir uns die Frage nach der Freiheit der Kunst stellen. Kann man nicht trennen zwischen der Schönheit der Kunst und der moralischen Verwerflichkeit des Künstlers? Wer denkt bei Richard Wagners Musik über den Charakter des Komponisten nach? Die Beantwortung der Frage bleibt jedem selbst überlassen. Doch die Auseinandersetzung mit der Kunst und ihrer Geschichte ist eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen, Verdrängung hilft da nicht und wie Florian Illies es treffend formuliert: „Es wäre schön, wenn es uns gelänge, die Widersprüchlichkeit der Geschichte und der Kulturgeschichte, die ja eigentlich nur von der Widersprüchlichkeit des Menschen erzählt, zum Teil unserer Deutschstunden zu machen.“ (Die Zeit, 11. April 2019).
Mit einer Fotoexpertise von Prof. Dr. Manfred Reuther, Klockries, vom 24. Februar 2017.
Das Aquarell ist unter "Nolde A-4/2017" im Archiv Reuther registriert und dokumentiert.

Provenienz: Dr. Willy Bethke Dresden, in den 1920er Jahren direkt beim Künstler erworben
bis vor 1990 im Besitz von dessen Tochter Erika Belian, geb. Bethke, Dresden
seitdem Dresdner Privatbesitz

Schätzpreis
€ 100.000   (US$ 113.999)



» Moderne Kunst Teil I
Galerie Bassenge
» Zoom

Nolde, Emil
Venedig, Santa Maria della Salute

Los 8483

Venedig, Santa Maria della Salute
Aquarell auf Japanbütten. 1924.
34,6 x 45 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Nolde".

Die venezianische Szenerie im Abendlicht entstand wahrscheinlich 1924 auf Noldes Reise nach Venedig, Rapallo, Arezzo und Wien. Sie zeigt deutlich Noldes einmaliges aquarelltechnisches Können, sein virtuoses Gespür für Farben und Strukturen. Die Verläufe und Formen der nebeneinanderstehenden und sich miteinander vermischenden violetten, grünen, gelben und blauen Töne bestimmen die Bildkomposition mit der barocken Kirche an der Einfahrt zum Canal Grande. Emil Noldes expressive Bildsprache nährte sich wie bei kaum einem anderen Künstler seiner Zeit so direkt aus dem subjektiven Empfinden des Malers, seinen Erlebnissen und visuellen Erfahrungen, die er unvermittelt auf Leinwand und Papier zu übertragen vermochte. Das Aquarell bot ihm hierfür die perfekten technischen Möglichkeiten wie Manfred Reuther zusammenfasst: "Mit vollgetränktem, schwerem Pinsel und in raschen Bewegungen, aus Unregelmäßigkeiten, Flecken und Verläufen - dem kontrollierten Zufall - wachsen die Bilder eruptiv hervor. Die Eigenart der Wasserfarben, das bildnerische Verfahren des Naß-in-Naß-Malens kamen Noldes Streben nach Spontaneität, das den Verstand im Schaffensvorgang auszuschalten und wesentlich dem Instinkt zu folgen trachtete, und unmittelbarer Ausdrucksweise entgegen." (Manfred Reuther, Emil Nolde. Aquarelle und Graphik, Ausst.-Kat. Leipzig 1995, S. 17).
Ein Gutachten von Prof. Dr. Martin Urban, Nolde-Stiftung Seebüll, vom 9. Februar 1999 liegt vor.

Provenienz: Galerie Bassenge Berlin, Auktion 73, Mai 1999, Losnr. 6717
Privatbesitz Berlin

Schätzpreis
€ 40.000   (US$ 45.599)



» Moderne Kunst Teil I
Galerie Bassenge
» Zoom

Purrmann, Hans
Kamelienstilleben

Los 8509

Kamelienstilleben
Öl auf Leinwand. 1949.
32 x 24 cm.
Unten links mit Pinsel in Weinrot signiert "H. Purrmann".
Lenz/Billeter 1949/13.

Hans Purrmann begann bei seinem Vater eine Lehre als Stubenmaler. Er wechselte jedoch bald zur Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und studierte ab 1897 an der Akademie der Bildenden Künste München, zunächst in der Zeichenklasse Gabriel von Hackls, dann in der Malklasse Franz von Stucks. Dort lernte er Paul Klee, Wassily Kandinsky, Rudolf Levy und Albert Weisgerber kennen. Purrmann wurde 1905 durch Vermittlung Max Liebermanns in die Berliner Secession aufgenommen und seitdem von der Galerie Paul Cassirer vertreten. Er ging 1906 nach Paris, wo er in dem Künstlertreffpunkt des Café du Dôme seine alten Künstlerfreunde Weisgerber und Levy wiedertraf. Bei Gertrude Stein lernte er Pablo Picasso und Henri Matisse kennen, mit denen er in der Folge die "Académie Matisse" aufbaute. Von Matisse erhielt er seine abschließende Ausbildung und entwickelte seinen ganz eigenen Stil, beeinflusst durch die Werke von diesem und zudem von Cézanne und Renoir. 1912 heiratete er die Malerin Mathilde Vollmoeller. Das Paar, ansässig in Paris, musste durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Deutschland zurückkehren und lebte von 1914-1916 im Unteren Schloss von Robert Vollmoeller in Beilstein. Von 1916 bis 1935 wohnte Purrmann überwiegend in Berlin, ab 1921 verbrachte er die Sommermonate in Langenargen am Bodensee, von 1923 bis 1928 zeitweilig in Rom. Durch die NS-Kunstpolitik wurde das Werk Purrmanns 1937 als "entartet" deklariert und 36 Bilder aus deutschen Museen beschlagnahmt. Zudem wurde er mit Lehr- und Ausstellungsverbot belegt. Dies geschah während Purrmanns Abwesenheit in Florenz, wo er von 1935 bis 1943 als ehrenamtlicher Leiter der deutschen Stiftung "Villa Romana" eingesetzt war. 1943 wurde seine Berliner Wohnung zerstört. Nach dem Sturz Mussolinis floh Purrmann in die Schweiz und ließ sich im Tessiner Montagnola nieder. Dort entstand eine enge Freundschaft mit Hermann Hesse. Er starb 1966 in Basel und wurde in Langenargen am Bodensee beigesetzt.
"Seine Malerei ist der Ausdruck einer besonderen zeichnerischen und farblichen Geistigkeit. Wenn diese auch in fast jedem Bilde in Erscheinung tritt, die künstlerische Wirkung entscheidend mitbestimmt, so ist sie doch schwer mit Worten und Begriffen zu erfassen." (Gotthard Jedlicka, in: Der Maler Hans Purrmann. Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik von 1898-1960, Ausst.-Kat. Kunstverein Hannover, 1960, S.16).
Unser kleines Blumenstilleben entstand in Montagnola und strahlt die sonnendurchflutete Atmosphäre des Südens aus. Purrmann wählte für den blühenden Kamelienzweig in einer Glasvase eine ausgewogene warme Farbpalette aus verschiedenen Rosa- und Violetttönen, die sehr schön mit den Grüntönen der Blätter und des Hintergrundes kontrastieren.

Provenienz: Sammlung H. M.
Privatbesitz Norddeutschland

Schätzpreis
€ 25.000   (US$ 28.499)



» Moderne Kunst Teil I

1 2 3 4 5 6 7 8   erste Seiteschneller Rücklaufeine Seite zurückeine Seite weiterschneller Vorlauf