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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Hauptbild Beschreibung Status
Goethe, Johann Wolfgang von
Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand (EA)

Los 1692

(Goethe, Johann Wolfgang von). Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ein Schauspiel. 206 S. 18 x 11,5 cm. HLeder d. Z. mit Kiebitzpapierbezug (etwas berieben und bestoßen, Ecken und Kanten kaum sichtbar restauriert) mit floraler RVergoldung und goldgeprägtem rotem RSchild. (Darmstadt, Eylau für Merck) 1773.

Goedeke IV/3, 143, 2. Hagen 46. Hirzel A 33. Kippenberg I, 348. Speck 712. Brieger 682. – Erste Ausgabe, noch im Selbstverlag Goethes erschienen. Mit dem als "Schwäbischer Gruß" bekannten derben Götz-Zitat im dritten Aufzug (Seite 133): "Er aber, sag's ihm, er kann mich im Arsch lecken!" Die Uraufführung erfolgte am 12. April 1774 im Berliner Komödienhaus unter der Leitung von Heinrich Gottfried Koch. Ein erster Nachdruck erschien noch im selben Jahr. – Vorsätze modern erneuert. Letztes Blatt mit geschlossenem Riss im oberen Bug (minimaler Buchstabenverlust), Blatt M2 mit angestückter Fehlstelle im weißen Seitenrand (ca. 1 x 5 cm), Blatt N2 im weißen Seitenrand papierbedingt etwas dünn und mit sehr kleinem Loch. Insgesamt etwas finger- und braunfleckig, sonst wohlerhalten. Exemplar im zeitgenössischen, dekorativen Halblederband.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 14.160)


Zuschlag
€ 7.500 (US$ 8.850)



» Sammlung Thur
Goethe, Johann Wolfgang von
Zur Farbenlehre

Los 1717

Goethe, Johann Wolfgang von. Zur Farbenlehre. 2 Bände. XLVIII, 654 S.; XXVIII, 757 S. 20 x 12,5 cm. Etwas spätere HLederbände (stärker berieben, beschabt und bestoßen) mit modernem RSchild [und:] Erklärung der zu Goethe's Farbenlehre gehörigen Tafeln. 24, 12 S. Mit 17 zumeist kolorierten Kupfertafeln. 26 x 21 cm. Moderner marmorierter HLederband mit goldgeprägtem RSchild in modernem Papp-Schuber. Tübingen, Cotta, 1810 (-1820).

Goedeke IV/3, 583, 46. Hagen 347 und 347d. Hirzel A 288. Speck 2289/90. Brieger 733. Poggendorff I, 923. – Erste Ausgabe seines umfangreichsten naturwissenschaftlichen Werks. Der Tafelband hier in einem Exemplar mit den etwas später, um 1820 angefertigten Tafeln in einheitlichem Format und ohne die handschriftlichen Korrekturen auf den Tafeln VII, XIV und XV (vgl. Hagen). Alle Exemplare der Auflage wurden von denselben Kupferplatten hergestellt. "Goethe's first publications on optics (1791) culminated in his 'Zur Farbenlehre', his longest and, in his own view, best work, today known principally as a fierce and unsuccessful attack on Newton's demonstration that white light is composite" (Dictionary on Scientific Biography V, 445). – Vorsätze der Textbände etwas leimschattig, Band II anfangs und am Schluss etwas stockfleckig. Sonst sauber und wohlerhalten. Der Textteil im Tafelband etwas stockfleckig (Tafel I ebenfalls), die übrigen Tafeln nur gering betroffen und insgesamt sauber. Das Kolorit akkurat aufgetragen. Der Textband I mit dem Schildchen der Berliner Buchhandlung Friedrich Maurer.

Schätzpreis
€ 3.600   (US$ 4.248)


Zuschlag
€ 3.800 (US$ 4.484)



» Sammlung Thur
Hölderlin, Friedrich
Gedichte

Los 1771

Hölderlin, Friedrich. Gedichte (Herausgegeben von Ludwig Uhland und Gustav Schwab). 2 Bl., 266 S., 1 Bl. (Errata). 19,5 x 13 cm. Moderner Kalblederband im Stil d. Z. (minimal berieben) mit ornamentaler RVergoldung, goldgeprägtem RSchild und Deckelfilete. Stuttgart und Tübingen, J. G. Cotta, 1826.

Goedeke V, 472, 3. Seebaß 13. – Erste Ausgabe der ersten Gedichtsammlung Friedrich Hölderlins (1770-1843). Sie enthält etwa 60 Gedichte, die zuvor nur zum Teil in Almanachen und Taschenbüchern erschienen waren, ohne größere Resonanz zu finden. Ungeachtet ihrer Unvollkommenheit hat erst diese Ausgabe bedeutendere Rezensionen gezeitigt und damit die bis heute überaus kontroverse Editions- und Wirkungsgeschichte eingeleitet. Nach einer bereits 1801 von Cotta geplanten, aber nicht zustande gekommenen Edition ging die Anregung zu dieser ersten Gedichtsammlung des seit vielen Jahren im Tübinger Turm lebenden und als geistig umnachtet geltenden Dichters von Berlin aus. Auf Veranlassung eines preußischen Offiziers von Diest wandte sich der Geheimrat J. Schulze an Justinus Kerner, der sich seinerseits an Uhland mit der Bitte um Sammlung der noch ungedruckten Gedichte wandte. "Es ist eine Schande, daß nun Ausländer sich unsres unglücklichen Mitbürgers annehmen" (April 1821).
Persönlichen Anteil am Zustandekommen der Ausgabe nahmen auch Prinzessin Auguste von Hessen-Homburg und ihre Schwester Marianne von Preußen durch Überlassung von sechs ungedruckten Oden Hölderlins. Gegenüber Cotta rechtfertigte Uhland die Auswahl: "Wenn wir Einiges im Hefte durchstreichen zu müssen glaubten, so wird dieses durch das in den Beilagen Hinzugekommene, worunter Mehreres, wie die schönen Fragmente des Empedokles, noch ganz unbekannt war, reichlich aufgewogen werden. Wir giengen davon aus, daß ... auch dasjenige wegbleiben müsse, worin die Klarheit des Geistes schon bedeutend getrübt erscheint... Wenn der Sinn für eine großartige Poesie in Deutschland nicht erstorben ist, so muß diese Sammlung Aufsehen machen; es dürfte darum auch räthlich seyn, mit der Verlagshandlung nur auf eine bestimmte Anzahl Exemplare abzuschließen" (13. Mai 1825).
Die Verzögerung der Edition begründete Uhland u. a. mit der schwierigen Entzifferung der Handschriften, ein Problem, das die Germanistik bis heute in Atem hält (siehe Frankfurter Ausgabe 1975ff.). Die strenge Auswahl stieß schon bei informierten Zeitgenossen (Achim von Arnim) auf Kritik. Andererseits gab es die Stimme des mit Hölderlin befreundeten Waiblinger, der die Herausgeber für ihre großzügigen Auswahlkriterien zieh: "Die zartfühlenden Herausgeber hielt wohl eine Rücksicht für den noch lebenden Dichter ab, der übrigens für die Erscheinung seiner Gedichte gar kein Interesse zeigte." (1828). Das Honorar für die Ausgabe wurde Hölderlins Mutter zugestellt. Das ihm von seinem Stiefbruder Karl übersandte Exemplar war Hölderlin später abhanden gekommen. Ein anderes wollte er nicht annehmen. Auf den letzten 29 Seiten findet sich das berühmte Fragment Der Tod des Empedokles, ebenfalls in erster Ausgabe. Für die Hölderlin-Forschung ist dieser Druck besonders wichtig, da durch die individuellen Entscheidungen der Herausgeber über die handschriftlichen Texte des Autors unterschiedliche, oft sehr disparate Versionen und Lesarten gedruckt worden waren. – Fünfzehn Gedichtüberschriften mit unauffälliger Markierung in Farbstift, ganz vereinzelte Textkorrekturen in Bleistift. Nur vereinzelte unbedeutende Stockflecken, Seite 116/117 mit Abklatsch einer Trockenblume. Sehr schönes und sauberes Exemplar, unbeschnitten und bemerkenswert breitrandig.

Schätzpreis
€ 4.500   (US$ 5.310)


Zuschlag
€ 4.500 (US$ 5.310)



» Sammlung Thur
Schiller, Friedrich
Die Räuber (EA)

Los 1906

(Schiller, Friedrich). Die Räuber. Ein Schauspiel. 8 Bl., 222 S., (ohne das l. w. Bl.) Mit gestochener Titel- und Schlussvignette von J. E. Nilson. 18 x 11 cm. Neuerer marmorierter HLederband im Stil d. Z. mit RVergoldung und goldgeprägtem RSchild. Frankfurt und Leipzig (d. i. Stuttgart, Metzler), 1781.

Goedeke V, 162, 24. Marcuse 31. Katalog Deneke 749. Schuster, Nilson 408 und 408a. – Erste in den Handel gekommene Ausgabe, "eines der seltensten und gesuchtesten Bücher der klassischen Literatur-Periode. Es erschien anonym und enthält die interessante Vorrede mit der Unterschrift: Geschrieben in der Ostermesse 1781." (Katalog Kurt Wolff Nr. 1016). Mit den bei Deneke detailliert beschriebenen Kennzeichen: den Druckfehlern "lansch" und "grossrr" auf Seite 65 sowie den falsch paginierten Seiten 69, 163 und 204, ferner mit der nicht korrigierten Szeneneinteilung des 4. Aktes.
"Diese erste Ausgabe der Räuber galt schon zu Ende des 18. Jahrhunderts als eine Seltenheit, die z. B. Kosegarten vergebens gesucht hat. Schiller selbst mußte sich für die geplante Neubearbeitung der Räuber ein Exemplar der ersten Ausgabe von Cotta erbitten. Selbst Jugendfreunde Schillers, wie Scharffenstein, haben sie nicht besessen und sie mit der zweiten Ausgabe verwechselt. Von den 800 Exemplaren des zur Ostermesse 1781 erschienenen Werkes muß ein großer Teil zugrunde gegangen sein. Schüddekopf gab 1905 an, daß nur zwei bis drei Dutzend erhalten sein. Der Absatz des Werkes, das Schiller selbst drucken ließ und in Selbstverlag nahm, war anfangs sehr gering, so daß der Dichter den Rest der Auflage, deren Ballen seine bescheidene Wohnung beengten, an einen Antiquar verkauft haben soll. Da erst nach der Mannheimer Erstaufführung von 1782 die Nachfrage stieg, so liegt die Vermutung nahe, daß in der Zwischenzeit ein Teil der Auflage makuliert worden ist." (Kat. Otto Deneke Nr 749). Die Titelvignette in einem klaren frühen Abzug illustriert eine Textstelle aus dem vierten Akt und zeigt den alten Moor am Boden liegend, von Hermann gehalten, und Karl mit erhobenem Schwert. Die berühmte Löwenvignette auf dem Titel mit dem kämpferischen Motto "In Tirannos" findet sich erst in der zweiten Auflage von 1782. – Es fehlt das letzte weiße Blatt. Blatt K5 mit ovalem Ausschnitt im Bug (ca. 2 bis 2,5 cm), der Wortverlust dort durch ein Faksimile ergänzt. Die Blätter davor und danach an selber Stelle mit sehr kleinem transparent hinterlegtem Loch im weißen Rand. Papierbedingt durchgehend - wie wohl alle bekannten Exemplare - mal mehr, mal weniger braunfleckig oder gebräunt, im unteren Bug auch mit sehr kleinem, schwachem Feuchtigkeitsrand, sonst ohne Läsuren. Titel mit dem hs. Monogramm "F. S.".

Schätzpreis
€ 7.500   (US$ 8.850)


Zuschlag
€ 6.500 (US$ 7.670)



» Sammlung Thur
Goethe, Johann Wolfgang von
Illustr. Albumblatt 1826

Los 2043

Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter und Staatsmann (1749-1832). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "JW Goethe" und Datum. Geschrieben unter einem koloriertem Kupferstich. 19,5 x 13 cm. Weimar 30.III.1826.

Unter der kolorierten Abbildung eines schwebenden Genius, der zur Erdkugel unter sich und zum Himmel über sich zeigt, hat Goethe die 4 Anfangszeilen eines 1826 entstandenen Gedichtes geschrieben: "Zwischen oben, zwischen unten / Schweb ich hin zu muntrer Schau; / Ich ergötze mich am Bunten, / Ich erquicke mich am Blau." - Das Bildchen gehörte zu den Emblemen, die Goethe bei der Jubiläumsfeier Carl Augusts am 3. September 1825 an seinem Hause angebracht hatte. Im darauffolgenden Jahr schrieb er erläuternde Sprüche dazu und benutzte mit diesen Emblemen illustrierte, gestochene Blätter, mit Text versehen, als Albumblätter und zur Versendung an Freunde. Am Tag der Entstehung des vorliegenden Blattes empfing Goethe den Besuch des J. N. Hummel-Schülers Ferdinand Hiller.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 14.160)


Zuschlag
€ 23.000 (US$ 27.140)



» Autographen
Brenz, Johann
Brief 1566 mit Jakob Andreä

Los 2191

Der schwäbische Reformator
Brenz, Johannes, lutherischer Theologe, der große Reformator Württembergs, Mitarbeiter Melanchthons, verfaßte für das Konzil zu Trient die "Confessio Wirtembergica", Propst der Stuttgarter Stiftskirche und Rat des Herzogs Christian von Württemberg auf Lebenszeit (1499-1570). Eigh. Brief m. U. "Johan Brenz propst zu Studgard". Mitunterzeichnet von "Jacobus Andreae D. propst zu Tübing." 51/2 S. Folio. Hirsau 18.X.1566.

An einen Grafen Ludwig, der ein Gutachten gewünscht hatte, ob er die Witwe seines Bruders heiraten dürfe. Die beiden Gelehrten (Brenz und Jakob Andreä, 1528-1590, Reformator des Herzogtums Braunschweig) gehen sehr ausführlich auf das Problem ein, kommen aber zu einem negativen Bescheid. Sie zitieren aus dem Alten Testament und räumen ein, daß in dem Gesetz Moses die Ehe mit der Witwe eines verstorbenen Bruders nicht "wider die Natur streitet" und dort nicht ausdrücklich verboten sei, wohl aber in den weltlichen Gesetzen des Reiches: "... Dann, wie woll, ein solcher Contract, in dem semitischen gesetz Mosi, nicht allein nicht verbotten, sondern auch, da der abgestorbene bruder sein leibs erbe verlassen, gebotten, auch nicht starks wider die Natur streitet, yedoch, So ist mit allem ernst zubewägen, das der bemellte Contract in den gemeinen keyserlichen Rechten außdrücklich, mit angehengter ernstlicher beschwerlicher straff verpotten ... Und sollichs wurde also streng verpotten, das der Contract nicht gebillicht, ob schon des bruders weib noch ein Jungfraw ist. Es wurde auch ein solcher Contract genannt ... ein bosshafftige beywonung, ein schentliche vereinigung, und ein mutwillige blutschande. Das sein warlich Titel von Zunamen, darob sich billich ein schamhafftig christlich hertz entsagen soll ...". Es könne auch geschehen, daß die Kinder "nicht für erlich gehallten, die güter confiscirt, und der Obrikeit heimgefallen, und andre straffe mehr ...". Ein solcher Fall werde zwar bei den Aposteln nicht behandelt und verurteilt, "yedoch, so soll hierin mit grossem fleiß und ernst bedacht werden, das der heilig Apostel Paulus schreibt, die Obrikeit sey von Gott verordnet, welches ... fürnemlich von der Obrikeit satzung und ordentlichen Constitution verstanden werden soll. Man soll gehorsam sein nicht allein von wegen des Zorns oder Straffe sondern auch von wegen des gewissens ...". Sie schlagen schließlich vor, der Graf möge sich beim Kaiser um Dispens bemühen, können aber ansonsten das Vorhaben aus ihrer christlichen Sicht nicht gutheißen. Der Graf möge bedenken, in welche Gefahr er selbst und sein ganzes Geschlecht geraten könne, und er möge sein Handeln so einrichten, daß ihm an Leib und Seele kein Schaden entstehen könne. - Faltenrisse, einer auch mit Berührung der Unterschrift. - Als eigenhändiger, umfangreicher Brief des großen Reformators, zudem gemeinsam mit einem gleichfalls bedeutenden Mitstreiter verfaßt, stellt das Gutachten ein besonders wertvolles Dokument zu den ethischen Anschauungen des Reformationszeitalters dar - zudem von größter Seltenheit.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 14.160)


Zuschlag
€ 8.000 (US$ 9.440)



» Autographen
Nolde, Emil
2 Briefe des "Kampfbundes" an Nolde

Los 2313

Emil Nolde "einstimmig abgelehnt"
Nolde, Emil, Maler und Graphiker (1867-1956). - "Kampfbund für Deutsche Kultur, Fachgruppe Bildende Kunst". 2 masch. Briefe, betr. Emil Nolde, unterzeichnet "Süssmann". Zus. 21/2 S. Gr. 4to. Berlin 18. und 20.V.1933.

Emil Nolde hatte sich bald nach der NS-Machtergreifung, als er seine Existenz akut gefährdet sah, wie viele andere Künstler an die "Fachgruppe Bildende Kunst" des "Kampfbundes für Deutsche Kultur" gewandt und um Aufnahme in den "Kampfbund" ersucht. Am 18. Mai erhielt er - hier in einem von Süssmann signierten Durchschlag vorliegend - folgende Antwort, in der es u. a. heißt, "... dass Ihr Aufnahmegesuch in den 'Kampfbund für Deutsche Kultur' einstimmig abgelehnt wurde. Die Ablehnung musste erfolgen, weil wir in Ihnen einen bezeichnenden Vertreter jener Kunst und Weltanschauung sehen, die wir von jeher bekämpft haben und weiter bekämpfen werden. Wir stehen nicht an, zu bekennen, dass die geistige Welt, in der Sie wurzeln, die eigentliche Veranlassung zur Gründung des 'Kampfbundes für Deutsche Kultur' war." - Diesen Durchschlag sandte Süssmann zwei Tage später an die Leitung des "Kampfbundes" und erklärte dazu in einem längeren Schreiben: "Nach mehreren Wochen genauester Prüfung des Aufnahmegesuches des Malers Hans Emil Nolde kamen am 17. Mai d. J. sowohl der Aufnahmeausschuss wie auch der Obmännerausschuss der Fachgruppe 'Bildende Kunst' einstimmig zu der Entscheidung der Ablehnung des Aufnahmegesuches von Herrn Nolde ... Es war beabsichtigt, Herrn Nolde bei einer Ablehnung seines Gesuches nahezulegen, ein solches Gesuch an den Kampfbund in etwa 1 Jahr erneut einzureichen. Wir haben jedoch auf diese ergänzende Mitteilung verzichtet, weil wir Herrn Nolde nicht nahelegen können und von ihm nicht erwarten dürfen, dass er seine Kunstauffassung ändern würde. Unsere Entscheidung wurde getroffen an Hand des Werkes von Max Sauerlandt über Emil Nolde ... Wir legen dieses Heft hier bei mit der Anheimgabe es eingehend zur Kenntnis nehmen zu wollen und massgebenden Persönlichkeiten weiterzuleiten, die sich für Nolde glauben einsetzen zu müssen ohne ihn genügend zu kennen ... Wir bitten, unsere Entscheidung ... an Herrn Staatskommissar Hinkel, Herrn Kultusminister Rust und gegebenenfalls auch Herrn Minister Dr. Goebbels und dem Propagandaministerium zuleiten zu wollen ...". - Bei allem erkennbaren ideologischen Fanatismus ist aus den Schreiben erkennbar, dass den Mitgliedern der "Ausschüsse" nicht ganz wohl war bei der Ablehnung des nicht jüdischen, bereits sehr renommierten Malers, denn sie hätten sonst wohl kurzen Prozess gemacht und nicht auf die "mehreren Wochen genauester Prüfung" besonders hingewiesen. - Bedeutsame und beschämende Dokumente zur Schicksalswende in der Laufbahn des großen Malers. - Kleine Randläsuren im dünnen Papier.

Schätzpreis
€ 9.000   (US$ 10.620)


Zuschlag
€ 22.000 (US$ 25.960)



» Autographen
Bruckner, Anton
Brief 1860 an Rudolf Weinwurm

Los 2339

Bruckner, Anton, österr. Komponist (1824-1896). Eigh. Brief m. U. "Anton Bruckner". 4 S. Gr. 8vo. Linz 9.XII.1860.

Dringlicher Brief des 26jährigen an seinen Freund, den Komponisten und Chordirigenten Rudolf Weinwurm (1835-1911), dem er ausführlich seine finanzielle Lage schildert. "... vor einem Monate habe ich Kaan aufrichtig meine unerwarteten großen Auslagen geschrieben, die sich auf 150 fl. belaufen, und ihn gebeten, er möchte mir doch die ihm geliehenen 45 fl. zu diesem Behufe senden zumal, da er mir mit Hand und Mund versprach, selbe 4 Tage nach seiner Abreise von Linz zu senden, u. einem späteren Schreiben zufolge nur um eine Frist von 8 oder höchstens 14 Tagen ersuchte ... bin in einer Lage, die ich mir nie mehr wünsche ... Du hast keinem Begriff, lieber Rudolf, wie derlei Leute sind. Hätte ich Geld, längst hätte seine Wohnung bezalt, um nur los zu werden. Geld aufnehmen kann ich jetzt nicht; denn was würde man mir sagen wenn ich nach Wien reise, wo ich's dann thun muß. Sei so gut, edler Freund und hilf mir aus der fatalen Lage, sage Kaan ich lasse ihn grüßen u. dringendst ersuchen, gleich das Geld zu schicken. Ich soll zalen u. erwartete jeden Tag schon das Geld. Sei nicht böse, ich vertraue auf Deine Güte ...". - Der erwähnte Kaan schuldete nicht nur Bruckner Geld, sondern auch seinem Vermieter Scharringer, der im Brief gleichfalls erwähnt wird. - Seit 1855 war Bruckner in Linz als Domorganist angestellt, und im November 1860 erhielt er auch die Stelle als 1. Chormeister des Sängerbundes "Frohsinn". - So frühe Briefe des großen Sinfonikers sind im Handel sehr selten. - "Gleich Wagners Opern stehen B.s Sinfonien wie ein riesiger Koloß in der Musik des 19. Jahrhunderts" (Seeger, Musiklexikon).

Schätzpreis
€ 7.500   (US$ 8.850)


Zuschlag
€ 8.000 (US$ 9.440)



» Autographen
Casals, Pablo
44 Autographen: 28 eigenh. Briefe m. U., 7 Brie...

Los 2340

Casals, Pablo, (Pau), katalanischer Cellist, Komponist und Dirigent (1876-1973). 44 Autographen: 28 eigenh. Briefe m. U., 7 Briefe m. U. , 4 Karten m. U. sowie 5 Visitenkarten mit einigen eigenhändigen Zeilen, vielfach mit den dazugehörigen Umschlägen. Zusammen 63 S. verschiedener Formate (12° bis 4°). Paris, Amsterdam, Wien, Zürich, Barcelona, Prades etc. 19.XI.1902 bis 14.XI.1955.

Alle Briefe an seinen Freund, den aus Livland stammenden Pianisten Conrad Adelbert Egon Baron von Vietinghoff (1870-1957), und in französischer Sprache. Die Briefe umfassen eine Zeitspanne von über 50 Jahren, vom Zeitpunkt der ersten Begegnung in Paris bis kurz vor Vietinghoffs Tod. Es ist fraglich, ob die vor­liegende Folge sämtliche Briefe Casals enthält; auffällig ist, dass speziell aus den Anfangsjahren der Freund­schaft 1902-1905 die meisten Briefe vorliegen (12); aus den Jahren 1912/1913 liegen nur zwei Briefe vor; sieben Briefe stammen aus den Jahren 1927-1929, aus den Jahren des 2. Weltkriegs liegen zwei Schreiben vor, die restlichen Schreiben datieren zwischen 1945 und 1957.

Vietinghoff hatte an den verschiedensten Orten gelebt und überall rasch Anschluß an die musikalischen Kreise gefunden; seine Frau Jeanne Bricou-Storm de Grave, die er 1902 geehelicht hatte, war mit Marguerite Yourcenar befreundet. Casals Briefe an Vietinghoff geben lebhaften Einblick in das Reiseleben des Virtuosen, der bereits früh welt­weit gefragt war und ausgedehnte Tourneen unternahm, daneben erlauben die Briefe aber auch Einblick in Casals Engagement für das katalanische Volk und seine Verzweiflung über die frankistische Diktatur in Spa­nien.

Aus der Korrespondenz ablesbar ist auch eine zu künstlerischer Passivität führende Depression und deren Überwindung, beglückend sind die von Altersweisheit und Gelassenheit getragenen letzten Briefe.
7.III.1912: "...malheureusement je ne reste à Frankfort que quelques heures (juste le temps de faire une répétition avec mon partenaire et pour le concert) je joue la veille de Frankfort à Leipzig et le lendemain à Ulm et deux jours après à Manchester - vous voyez cher ami que je suis obligé de faire vite, mais je retiens votre offre pour une prochaine fois. Peux-je me permettre d'adresser mes respectueux compliments à l'auteur de la liberté intérieure? Ce sont de belles mélodies apaisantes douces et fortes en même temps - merci / aujourd'hui mon dernier concert cette saison à Wien - c'est bien mon public préfère - et vous vous trouveriez parmi de gens si compréhensifs et d'une culture si fine! - J'embrasse vos chers petits - leur image me revient souvent?!..."

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 14.160)


Zuschlag
€ 10.000 (US$ 11.800)



» Autographen
Wagner, Richard
Brief 1843 an seine Schwester

Los 2412

"meine Composition die Mendelssohn'sche völlig geschlagen"
Wagner, Richard, Komponist und Dirigent (1813-1883). Eigh. Brief m. U. "Euer Richard". 2 S., sehr eng beschrieben. Gr. 4to. Dresden 13.VII.1843.

Früher und außerordentlich umfangreicher Brief des Dresdener Hofkapellmeisters an seine Schwester Cäcilie Avenarius. Er habe diesmal sein Schreiben so lange hinausgeschoben, bis es ihm möglich sein würde, ihr "ausführlich u. nicht nur ein paar kurze Worte zu schreiben". Das macht Wagner dann auch wahr: In der Ausgabe "Sämtliche Briefe" nimmt dieser Brief 61/2 Druckseiten ein! Zunächst schildert Wagner seine überaus aufreibende Tätigkeit, aber auch seine Triumphe in den letzten Monaten: "... So viel Arbeit u. Beschäftigung ist in den letztvergangenen 2 Monaten über mich gekommen, daß ich meinen Urlaub jetzt als eine ärztliche Nothwendigkeit erhalten mußte, um mich von den körperlichen u. geistigen Anstrengungen zu erholen. Mitte des Mai ging Reissiger auf Urlaub, u. ich hatte nun den ganzen Dienst, Kirche u. Theater, fast allein zu verrichten, nebenbei aber bekam ich vom Könige die Bestellung, zur Enthüllung des Monumentes des König's Friedrich August einen Fest-Gesang zu komponiren; Mendelssohn erhielt den zweiten zur Composition: die ganze Aufführung im Zwinger wurde mir übergeben: ich stellte aus den hiesigen Gesangsvereinen einen Chor von 250 Sängern u. erwarb mir große Ehre, denn es herrschte nur eine Stimme darüber, daß meine Composition, die einfach u. erhebend war, die Mendelssohn'sche, die complicirt u. künstlich war, völlig geschlagen habe. Auch erhielt ich 'zum Andenken' vom König eine goldene Dose von circa 100 Thaler Werth. Kaum war ich damit fertig, so mußte ich aber an die Composition eines kleinen Oratorium's gehen, welches ich dem großen Männergesangs-Feste in Dresden zugesagt hatte: bei den stärksten Dienstüberschäftigungen [sic] hatte ich nun also in 14 Tagen eine große ernste Composition zu liefern, zu der ich mir noch selbst hatte den Text machen müssen: meine Nerven waren um diese Zeit so abgespannt, daß ich oft Viertel-Stunden lang dasaß u. weinte. Nun hatte ich aber meine anfänglich verschobene u. endlich fast zu spät fertig gewordene Composition noch einzustudiren, u. von den Folgen dieser Anstrengung können sich meine Glieder heute noch nicht erholen: außerdem hatte ich als Direktor der hiesigen Liedertafel noch nebenbei alle übrigen Proben zu leiten. Der Erfolg hat mich denn aber auch reichlich entschädigt: das Fest war im wahren Sinne des Wortes großartig, besonders die Aufführung in der Frauenkirche. Denke Dir einen Chor von 1200 Männern, alle vollkommen einstudirt, auf einem Orchester, welches fast das ganze Schiff der Kirche einnahm, dahinter ein Orchester von 100 Instrumenten, von welcher Wirkung dies sein mußte! ... Wo ich mich nachher nur blicken ließ unter der Masse von Sängern, die aus allen Theilen Sachsens herbeigeströmt waren, tönte mir vivat! u. Hurrah entgegen, u. der Jubel hatte kein Ende. - Ueberhaupt geht es jetzt rasch mit mir vorwärts: in Cassel u. in Riga wurde mein Holländer fast gleichzeitig u. mit dem glänzendsten Erfolge gegeben: besonders merkwürdig ist, wie Spohr für mich eingenommen worden ist. Jetzt bin ich eben noch darüber, den Rienzi so einzurichten, daß er gut an einem Abende gegeben werden kann, u. dann denke ich, wird wohl auch der an die Reihe kommen. An meiner neuen Oper [d. i. Tannhäuser] habe ich noch keine Zeile schreiben können ...".
Es folgen dann vielfältige familiäre Nachrichten, Anfragen, Wünsche und Empfehlungen: über Minna Wagners Kur in Teplitz, über Karl Eduard und Natalie Planer, Eduard und Max Avenarius, Heinrich Brockhaus und andere. Schließlich kommt auch Wagners lebenslanges wirtschaftliches "Leitmotiv" zur Sprache: die Geldnot. "... so muß ich doch einmal zu unsrer Einrichtung für kommenden Herbst Geld aufnehmen, da ich zu dem Entschluß gekommen bin, lieber ein oder zwei Jahre für ein Capital 4 Procent Zinsen zu bezahlen, als jetzt meine Opern an einen Musikhändler für einen Spottpreis zu verschleudern, während ich annehmen kann, daß - zumindest nach meinen neuesten Erfolgen - sie in dieser Zeit an den besten Theatern Glück gemacht haben werden u. mir die Musikhändler dann zahlen müssen, was ich fordere ...". - Prachtvoller, inhaltsreicher Brief, der Wagners Situation und Wirken in Dresden wie wenige beleuchtet. - WBV 344.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 14.160)


Zuschlag
€ 14.000 (US$ 16.520)



» Autographen

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