Bitte Suchbegriffe eingeben:

BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

Language / Lingua / Sprache


Highlights

Höhepunkte der aktuellen Auktion » Kataloge zum Blättern

1 2 3 4 5 6 7 8 9   erste Seiteschneller Rücklaufeine Seite zurückeine Seite weiterschneller Vorlauf

Hauptbild Beschreibung Status
Montesquieu, Charles-Louis de Secondat
De l'esprit des loix. Genf, Barrillot, 1748

Los 1444

(Montesquieu, Charles-Louis de Secondat). De l'esprit des loix ou du rapport que les loix doivent avoir avec la constitution de chaque gouvernement, les moeurs, le climat, la religion, le commerce, &c. 2 Bände. 4 Bl., XXIV, 522 S.; 2 Bl. 564, XVI S. Mit gefalteter Kupferstichkarte. 25 x 18,5 cm. Marmorierte geglättete Kalbslederbände d. Z. (Gelenke brüchig und wie die Kanten und einige Fehlstellen sauber restauriert) mit 2 goldgeprägten RSchildern, RVergoldung (teils abgerieben), dreiseitigem Rotschnitt und türkischen Marmorpapiervorsätzen in moderner Maroquin-Kassette mit Holz- und grünem Rochenlederintarsien sowie goldgeprägtem Rückentitel. Genf, Barrillot & Fils, (1748).

PMM 197. Tchemerzine VIII, 459. Kress 4920. Goldsmith 8375. Le Petit 495. INED 3253. – Sehr seltener erster Druck der ersten Ausgabe von Montesquieus berühmtem Werk "Vom Geiste der Gesetze". Der erste Druck weicht in der Titeltypographie leicht von dem späteren Druck des Jahres 1749 ab, dem dann noch eine Karte beigegeben wurde. Merkmale sind u. a. die Schreibung des Verlegers "Barrillot" statt "Barillot".
"In vieler Hinsicht eines der bemerkenswertesten Bücher des 18. Jahrhunderts, widersetzt sich der Geist der Gesetze hauptsächlich wegen der hohen Abstraktheit, womit seine Erkenntnisse vorgetragen werden, der Einordnung und hat sich aus diesem Grund nie einer großen Popularität erfreut ... Als das Buch vollendet war, rieten ihm nahezu alle seine Freunde von der Veröffentlichung ab. Montesquieu schenkte dem keine Beachtung und ließ das Buch im Herbst 1748 in Genf drucken ... Der ausgeprägteste Zug dieses gewaltigen Kompendiums ist seine Mäßigung ... Es ist eine auf Schritt und Tritt originale, selbstständige Überschau, die weder doktrinär, visionär, exzentrisch noch übermäßig systematisch ist ... das hier entworfene Bild einer liberalen, wohlwollenden Monarchie, die durch Sicherungen der persönlichen Freiheit eingeschränkt ist, sollte sich als ungewöhnlich einflußreich erweisen" (Carter-Muir 197).
"Montesquieu is known for the destructive criticism of French legal and political institutions contained in the Lettres persanes (1721) and for the constructive critiscism of De l'esprit des lois, in which he compared the various kinds of constitution, with special reference to the defects of the French monarchical system. He put forward a liberal and benevolent form of monarchy subject to safeguards of individual liberty. His theories deeply influenced the political thinking which led to the French and the American Revolutions" (PMM 342). – Papier teils leicht wellig, nur vereinzelt gering gebräunt oder ganz leicht sprenkelfleckig, insgesamt sehr schönes Exemplar dieses Rarissimums der Staatsphilosophie.

English: Extremely rare first print of the first edition of Montesquieu's famous work "The Spirit of the Laws". Paper slightly undulated, here and there some browning and spotting. Mottled contemporary calf (joints brittle, edges and the few damages neatly restored) with gilt spine (minimal abrasion), gilt spine title, red edges all over. Flyleaves in Turkish marbled paper. Boxed in modern morocco cassette with wooden, ray leather intarsia and gilt label. Altogether very nice copy of this rarity in state philosophy.

Schätzpreis
€ 9.000   (US$ 10.260)


Zuschlag
€ 12.000 (US$ 13.679)



» Nationalökonomie
Owen, Robert
The book of the new moral world

Los 1493

Widmungsexemplar für die Königin von Portugal
Owen, Robert. The book of the new moral world, containing the rational system of society, found on demonstrable facts, developing the constitution and laws of human nature and of society (part I). .XXXII, 104 S. 22,5 x 14,5 cm. Grüner Leinenband d. Z. (Rücken schwach ausgeblichen) mit goldgeprägtem Rücken- und Deckeltitel. London, Effingham Wilson, 1836.

Williams 47. Kress C 4213. Goldsmiths 29743. Stammhammer I, 164 (irrig: 1820). – Erste Ausgabe. Teile II bis VII erschienen 1842 bis 1844. Manifest des utopischen Sozialismus. Fl. Vorsatz mit eigenhändiger Widmung Owens an Königin Maria II. von Portugal, mit deren gestochenem Wappenexlibris auf dem Innenspiegel. – Sehr schönes, unaufgeschnittenes Exemplar.

English: First edition. Fly leaf with autographic dedication from Owen to Queen Maria II of Portugal (doublure with engraving of her armorial book plate). Unopened. Contemporary green cloth (spine slightly faded) with gilt title on cover and spine.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 6.839)


Zuschlag
€ 4.000 (US$ 4.560)



» Nationalökonomie
Turgot, Anne-Robert-Jacques
Untersuchung über die Natur und den Ursprung de...

Los 1650

Turgot, Anne-Robert-Jacques. Untersuchung über die Natur und den Ursprung der Reichthümer und ihrer Vertheilung unter den verschiedenen Gliedern der bürgerlichen Geselschaft. Aus dem Französischen übersetzt. 136 S. 18 x 11 cm. Moderner Pergamentband (VUmschlag einer früheren Broschur eingebunden). Lemgo, Meyer, 1775.

VD18 10177566. – Erste deutsche Ausgabe von Turgots für die Geschichte der Nationalökonomie epochaler Schrift, der Erstdruck erschien 1769 bis 1770 unter dem Titel Réflexions sur la formation et la distribution des richesses in Duponts Zeitschrift Ephémérides du citoyen. Turgot teilt darin die Gesellschaft in drei Klassen: die produktive oder landwirtschaftliche, die Handwerkerklasse, und die Klasse der Landbesitzer. Nach seiner Theorie des "impôt unique" sollte nur der Nettogewinn aus dem Land versteuert werden, zudem verlangte er die völlige Freiheit von Handel und Industrie. – Minimale Flecken. Wohlerhaltenes und sauberes Exemplar, unbeschnitten.

English: First German edition of Turgot's "History of National Economy", the first print dates 1769. Minimal spotting, well preserved, clean copy, uncut. Modern vellum.

Schätzpreis
€ 10.000   (US$ 11.399)


Zuschlag
€ 8.000 (US$ 9.120)



» Nationalökonomie
Juan de Valtierra
Testamentaria ejecutiva. Cuzco 1569

Los 1901

Juan de Valtierra. Testamentaria ejecutiva. Spanische Handschrift in sauberer Kanzleischrift mit Sepiatinte auf Papier. 164 (von 166?)beidseitig beschriebene Bl. 34 Zeilen. Ca. 31,5 x 22,5 cm. Hanfschnurbindung, ohne Einband. Eingelegt in moderne mit grauem Grobleinen bezogene Kassette. Cuzco, Peru, 1569.

In kalligraphischer Kanzleischrift, "cursiva, típica procesal castellana del siglo XVI" mit braunschwarzer Sepiatinte auf Papier abgefasste Handschrift als Abschrift von 155 kleineren Dokumenten, die die Testamentsvollsteckung eines Don Juan de Valtierra betreffen. Er stammte aus Sevilla und starb dann in der Gegend um Cuzco in Peru, im Februar 1568, wo er die letzten Jahre seines Leben unter der Autorität des Generals Gerónimo Costilla, dem obersten Verwaltungsrichter arbeitete, dem "Corregidor y Justicia Mayor", den er bei dessen Abwesenzeit als Vize vertrat.
Die Handschrift, die wohl die einzige Quelle dieses Textes ist, ist insofern von großer historischer und kulturhistorischer Bedeutung, als sie einen höchst interessanten Querschnitt des Lebens, sowohl des "offiziellen" wie des "privaten" der ersten Generationen der Kolonisation Lateinamerikas gibt.
Dargestellt werden das wirtschaftliche Gegeneinander der Landwirtschaft und des Bergbaus. Einerseits schürften die Spanier nach Gold und Silber in den Mienen, mussten andererseits aber auch die Urbarmachung und die Bebauung der Felder forcieren, die ihnen einzig die Möglichkeit zum Aufenthalt und Unterhalt gaben.
So nehmen die Aktivitäten um den Anbau von Getreide, von Weinstöcken, aber auch die Viehwirtschaft mit der Zucht von Schafen und Hausschweinen einen großen Teil der Dokumente ein.
"Contiene los documentos (155) que conforman la testamentaría ejecutiva de Juan de Valtierra, natural de Sevilla, fallecido en el término de la ciudad de Cuzco (Perú) en el mes de Febrero de 1568 bajo la autoridad y actuaciones del General Gerónimo Costilla, Corregidor y Justicia Mayor de dicha ciudad, o en su ausencia, por é, el Teniente de Corregidor, licenciado Antonio Samaniego de la Torre ante el escribano público Antonio Sanchez.
El valor histórico se centra fundamentalmente en la ilustración de la vida social y económica de la, relativamente recién instalada, presencia española en América, a través de los diferentes aspectos, que van desde lo jurídico a lo cotidiano, y que giran alrededor de la figura oscura, pero muy representativa de uno de los colonizadores de primera época" (Text der beiliegenden Dokumentation).
Als Unterkommandant des großen Land- und Guts- sowie Produktionsstätten- und Minenbesitzers Diego Mexía war Juan de Valtierra juristischer Verwalter dessen Liegenschaften, was den großen Umfang der testamentarischen Anweisungen erklärt. Mehr als für sein persönliches Erbe ist die Schrift unter dem Gesichtpunkt der authentischen Rekonstruktion einer Wirtschaftseinheit und eines juristischen Zuständigkeitsbereichs im Norden des kolonialen Südamerikas von Bedeutung.
Auch die zahlreichen im Testament bedachten und genannten Personen sprechen eine eindrucksvolle Sprache der Ausdehnung und Komplexität der Wirtschaft: Juan de Valtierra era un subencomendero de Diego Maxía, poseedor de una importante encomienda de indios, consistente en tierras y minas la importancia de la cual justifica el volumen de documentos que complementan las últimas voluntades de Juan de Valtierra, más que por su fortuna personal por la complejidad de los bienes bajo su administración, que provocará incluso ciertas tensiones jurídicas entre el sustituto del difunto en la encomienda y el abacea del mismo.
Otros de los elementos de interés del documento son la cantidad de personajes que aparecen en los avatares testamentarios, con todas las ventajas e inconvenientes de este tipo de relaciones nominales, que son en todo caso muestra de la complejidad de las relaciones sociales en estas areas de frontera y la permeabilidad, relación entre los grupos sociales que provoca; asimismo, la relación nominal de enseres y pertenecias del difunto que permite imaginar perfectamente su nivel de vida" (ebenda). – Etwas gebräunt, durchgehend leicht feuchtfleckig und mit Braunfleckchen, aber nur wenigen Randläsuren mit Textverlust. Das erste Blatt mit größerem Eckverlust (aber kaum Textverlust), mit Randverstärkung, wenige hinterlegte Bugschäden, am Ende bricht der Text ab, es fehlen einige Blätter, sonst aber in sich komplett. Meist sehr gut lesbar durch die saubere Kanzleischrift. - Beiliegt: Ausführliche Dokumentation mit der Transkription der Indexeinträge von 1-154 sowie einer generellen Wertung etc. in spanischer Sprache.


English: Script in calligraphic handwriting (black-brown sepia ink on paper). Copy of 155 smaller documents regarding the execution of a certain Don Juan de Valtierra's will. Some browning, throughout light damp stains and small brown stains, only few tears with loss of text. First leaf with torn off corner (hardly any loss of text), reinforced edges, few restored faults in the binding margin. Last few leaves missing, text suddenly ends, otherwise in itself complete. Mostly easy to read. Enclosed: Detailed documentation including transcript of index entries 1-154 and an overall evaluation in Spanish language. Hemp cord binding, no wrapper. Filed in modern cassette with grey cloth covering.

Schätzpreis
€ 5.000   (US$ 5.699)


Zuschlag
€ 3.000 (US$ 3.419)



» Nationalökonomie
Marx, Karl
El Capital. Traducción por Pablo Correa y Zafrilla

Los 1931

Die seltenste Karl-Marx-Ausgabe: "El Capital" von 1886
Marx, Karl. El Capital. Traducción por Pablo Correa y Zafrilla. 25 x 17 cm. Blutrot marmoriertes und geglättetes Kalbsleder um 1915 (kaum berieben) mit goldgeprägtem RTitel und feinen Goldfileten. Madrid, Dionisio de los Ríos, 1886.

Uroéva 245. Nicht bei Stammhammer. – Erste spanische Ausgabe von Karl Marx' (1818-1883) Hauptwerk "Das Kapital", seiner Analyse und Kritik der kapitalistischen Gesellschaft, dessen erster Teil 1867, annähernd 20 Jahre nach dem programmatischen und die Weltgeschichte bis in die Gegenwart maßgeblich beeinflussenden „Kommunistischen Manifest" erschienen war und diesem in seiner Bedeutung gleichkam: „The summation of his quarter of a century's economic studies" (Carter-Muir 359). Im Mittelpunkt steht der für die Kapitalismus-Analyse zentrale, heute noch in allen Bereichen unverzichtbare Begriff des „Mehrwerts". Lediglich der erste Teil wurde von Marx selbst zum Druck gegeben, die Herausgabe der späteren Bände (Band II: 1885 und Band III: 1894, in zwei Teilen) besorgte Friedrich Engels (1820-1895).

Die vorliegende spanische Ausgabe unter der Autorenschreibweise "Carl Marx" und mit dem Titel "El Capital" ist allerdings eine gekürzte, auszugsweise bearbeitete Ausgabe aus dem ersten Band. Sie wurde nur in wenigen Exemplaren gedruckt, nachdem sie der Zeitschriftenredakteur, Übersetzer, Schriftsteller und Anwalt des bedeutenden "Colegio de Madrid" und Herausgeber der Zeitung "La República" übersetzt hatte. Pablo Correa y Zafrilla hatte einige der wichtigsten Passagen aus der Schrift von Karl Marx zunächst zum Abdruck in "La República" aus dem Deutschen übertragen, die dann im Jahr 1886 sukkzessive erschienen. Dies geschah, so schreibt Manual Ortiz Heras (s.u.), eindeutig mit der Absicht, die vollständige Ausgabe der Übersetzung herauszubringen - und zwar nur für den ausgewählten, kleinen Kreis spanischer Sozialisten, die gerade ihr eigenes Presseorgan mit dem Periodikum "El Socialista" gegründet hatten.

Diese Voreiligkeit, so Ortiz Heras, erklärt so manche nicht unbedeutende, den Sinn teils verändernde, Ungenauigkeiten der Übersetzung "Esa premura explica las importantes inexactitudes en las que el traductor incurrió. En este sentido, su obra significa un intento de incorporar las doctrinas socialistas a la ideología republicana de izquierdas, para conservar sus apoyos sociales frente a la competencia de las emergentes fuerzas obreristas. Esa es la principal aportación de Democracia, federación y socialismo, en la que conjugaba la teoría federativa de Pi y Margall con un análisis de la propiedad con claros tintes marxistas" (Wikipedia, zit. nach: Manuel Ortiz Heras, Movimientos Sociales y Estado en la España Contemporánea. 2001, S. 93).

Die "offizielle" Erstausgabe sollte eigentlich erst 1887 herauskommen, so dass wohl nur auf wenigen Titelblättern das Datum "1886" erschien, während der Umschlag auf "1887" datiert wurde: "Precisamente, fue en La República donde comenzó a publicar en 1886 la primera traducción española de 'El Capital' de Karl Marx, editada en 1887.​ Era, claramente, un intento de anticiparse a la publicación de la obra de Marx por los socialistas que, en aquellos momentos, contaban ya con un órgano de prensa: El Socialista" (ebenda).

"En Espagne, c'est Paul Lafargue qui allait jouer à l'époque un rôle remarquable dans la diffusion du marxisme. A la fin de 1871, contraint de quitter la France aprés la chute de la Commune, Lafargue, arrivé à Madrid, n'y tarda pas à participer à la publication du journal 'Emancipación' qui développa dès lors, et non sans succès, une vaste campagne en faveur de L'Internationale contre les anarchistes espagnols. Répandant dans ses colonnes les idées d'un socialisme scientifique, ce journal publiait régulièrement des articles de Marx et d'Engels, des fragments de leurs ouvrages et, entre autres, du 'Capital'. Le 26 octobre 1872, 'Emancipación' publia en espagnol la préface de Marx à la première édition allemande et sa lettre à La Châtre, l'éditeur de la version française. Dans ce même numéro, on faisait savoir aux lecteurs que les livraisons de la version française étaient vendues au bureau d'expédition du journal.

L'année suivante, 'Emancipación' publia en espagnol le quatrième chapitre du Ier volume du 'Capital'. A la traduction d'un livre in extenso travaillaient Paul Lafargue et Pablo Iglesias, dirigeant en vue du mouvement ouvrier espagnol et membre de la rédaction du journal mentionné. On ignore toutefois le destin de ce travail.
C'est en 1886 seulement que parut à Madrid la première version espagnole du 'Capital', inachevée, 245 pages à peine, et portant sur la couverture la mention 'Année 1887" (der Umschlag ist hier nicht vorhanden; zit.: Anna Uroéva, Une Oeuvre éternelle, Les pionniers de l'édition du 'Capital', 1969, s. 233-234). – Gedruckt auf brüchigem Papier mit entsprechenden kleinen Randläsuren und Einrissen im unbeschnittenen Block, papierbedingt gebräunt, stellenweise etwas stärker, Vortitel mit Wasserrändern, sonst nur ganz vereinzelte Feuchtfleckchen, einige Lagen am Anfang mit dem Lizenzstempel der Spanischen Krone "Timbre 3 Pe[se]tas 10 Kil[o]s Madrid" mit Wappen. Insgesamt ordentliches, gutes unbeschnittenes und unaufgeschnittenes Exemplar von größter Seltenheit. Auch wenn der Worldcat es verzeichnet, kann keine einzige Bibliothek nachgewiesen werden, die ein Exemplar der Ausgabe im Original besitzt. So konnten wir kein Exemplar in ganz Spanien, Nord- und Südamerika und in einer europäischen oder asiatischen Bibliothek finden. Wahrscheinlich wurden von dieser "Vorab-Publikation" nur ganz wenige Exemplare überhaupt gedruckt, von denen sich kaum eines bewahrte, da auch die Qualität des (Zeitungs-)Papiers meist keine lange Lebensdauer garantierte (vgl. Pedro Ribas, La primera traducción castellana de El capital, 1886-1887, in: Cuadernos Hispanoamericanos, Madrid (Juni 1985), S. 201-210. Ángelo Narváez León, Antecedentes históricos de la recepción de El Capital en España y Latinoamérica, 2013, S. 1-18). Manual Ortiz Heras, Movimientos Sociales y Estado en la España Contemporánea, 2001, S. 93).

English: First Spanish edition of Karl Marx major work "Das Kapital" (abridged version). Paper brittle, small tears to the untrimmed margins. Paper-related browning, partly stronger. Half title with water stains, otherwise only few scattered damp stains. Some of the first quires with license stamps of the Spanish crown. Altogether good copy, unopened, untrimmed. Of utmost rarity. Despite being listed in the WorldCat, no library known to possess a copy of the original - neither in Spain, nor in North- or South America or anywhere else. Crimson marbled and smoothed calf (around 1915, hardly rubbed) with gilt spine title and fine gilt fillets.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.679)


Zuschlag
€ 24.000 (US$ 27.359)



» Nationalökonomie
Twain, Mark
The adventures of Tom Sawyer

Los 2231

Twain, Mark (d. i. S. L. Clemens). The adventures of Tom Sawyer. 4 Bl., 341 S., 1 Bl. 20 x 15 cm. Roter OLeinenband (etwas fleckig, berieben und bestoßen, Buchblock verschoben) mit Schwarz- und Goldprägung. London, Chatto und Windus, 1876.

Erste Ausgabe seines berühmten ersten Romans, mit dem Tom Sawyer und Huck Finn das literarische Licht der Welt erblickten. Die vorliegende englische Ausgabe erschien auf Wunsch von Twain noch vor der ersten amerikanischen Ausgabe, die etwa sechs Monate später und dann mit leichten textlichen Abweichungen auf den Markt kam. – Schnitt etwas stärker stockfleckig, Innenspiegel mit kleinem Buchhändlerschildchen. Erste und letzte Blatt gering, sonst nur im äußeren Rand leicht stockfleckig. Buchblock verschoben und an einer Stelle leicht angeplatzt.

Schätzpreis
€ 7.500   (US$ 8.550)


Zuschlag
€ 5.000 (US$ 5.699)



» Literatur 17.-19. Jh.

Fontane, Theodor
Manuskript-Brief 1974

Los 2351

"eine Art Entdecker"
- Eigh. Manuskript in Briefform m. U. "Th. Fontane" . 2 S. Gr. 8vo. Berlin 29.IV.1874.

Frisch zurückgekehrt von einer einwöchigen Reise ins Ruppiner Land, die der Dichter für die Arbeit an der 3. Auflage des Bandes "Die Grafschaft Ruppin" aus den "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" unternommen hatte, beantwortet er die Anfrage eines nicht genannten Korrespondenten - vielleicht eines Journalisten - wie er sich den relativ großen Erfolg dieser Beschreibungen einer Landschaft, ihrer Geschichte und Eigenart erkläre, deren Hauptlinien bisher zwar von einigen professionellen Historikern nach Urkunden und älterer Literatur dargestellt, deren Wesen aber in ihrer kulturellen Entwicklung und vor allem in den Charakteren und den landschaftlichen Wurzeln der vielen bemerkenswerten Persönlichkeiten ihrer Geschichte noch kaum wahrgenommen worden war. Fontane antwortet, indem er in knapper Form gleichsam ein Programm der "Wanderungen" entwickelt, ihre Absicht, ihre Selbstständigkeit und Originalität betont, die in der Verbindung von Cicerone und "Heimat-Chronisten" mit dem sorgsam vor Ort ergründenden und beobachtenden Schriftsteller beruhe, der mit der Neuentdeckung vergessener Ereignisse und Personen zu unterhalten versteht. "... Der gute Erfolg, den diese 'Wanderungen' errungen haben, beruht lediglich darin, daß ich, innerhalb eines kleinsten und nächsten Kreises, als eine Art Entdecker auftrete. An Stellen, die kein Tourist betreten, die niemand vor mir der Beachtung werth gehalten hat, verweile ich mit Vorliebe und schreibe Landschaftliches, Sagen- und Genrehaftes über den Blumenthal-Wald und den Brieselang, über Dorf Kienbaum und seine Bienenzucht, ... über den Werbellin- und Schermützel-See. Daran reiht sich nun freilich Historisches, aber meist such ich auch hier verlorne, vergessene oder unbekannte Plätze auf, deren geschichtliche Bedeutung kaum die Einwohner kennen ... Von dieser Regel findet sich vielleicht nur eine Ausnahme: Ruppin; und auch diese ist mehr scheinbar als wirklich ...". Wollte er über Brandenburg schreiben, so käme ein dicker Band dabei heraus, der ihm letztlich wenig Ehre und Dank einbrächte: "Nur das Neue wirkt." - Der bedeutende Brief hätte als Vorwort zur 3. Auflage des Bandes "Die Grafschaft Ruppin" dienen können, die im Oktober desselben Jahres erschien, um 18 Kapitel erweitert. - Nicht bei Jolles/Müller-Seidel; bisher nicht veröffentlicht.

Fontane, Theodor siehe auch unter Robert-tornow

Schätzpreis
€ 3.500   (US$ 3.989)


Zuschlag
€ 6.000 (US$ 6.839)



» Autographen
Hesse, Hermann
Konvolut Briefe und Postkarten

Los 2379

"Das deutsche Volk hat mich ausradiert"
Hesse, Hermann, Dichter, Nobelpreisträger (1877-1962). Konvolut von 21 masch. Briefen und sign. Typoskripten, 4 masch. Postkarten, 1 eigh. Brief und 2 eigh. Postkarten m. U. "Hermann Hesse", "H. Hesse" oder "H. H.". Mit 8 signierten, teils integrierten Gedicht-Typoskripten. Zus. ca. 29 S. Mit 16 eigh. und 4 masch. Umschlägen. Meist gr. 8vo. (Montagnola) 1941-1955.

An die ihm befreundete Emilie Weisschedel in Baden-Baden. Freundschaftliche Briefe mit familiären Mitteilungen und den beim späten Hesse vorherrschenden Klagen über Krankheiten und Überlastung, aber auch mit bitteren Urteilen zur aktuellen politischen Entwicklung. Nach tröstenden Worten zum Tod ihres Mannes bemerkt Hesse am 31.Januar 1941: "... Wir haben hier auch Sorgen genug, von meinen drei Söhnen sind zwei fast immer beim Militär. Aber vorläufig und im Vergleich mit dem Schicksal Vieler, die mir nahestehen, sind wir noch geborgen ...". Angehängt an diesen Brief ist das signierte Gedicht "Heiland", datiert "Weihnacht 1940". - Auch in den folgenden Kriegsjahren gibt der Dichter immer wieder Auskunft zur eigenen Situation und zu der seiner Familie und Freunde: "... Hier schicke ich Ihnen ein Bild, das mein jüngster Sohn Martin im Sommer 43 aufgenommen hat. Und auf der Zeichnung [als halbseitiger Briefkopf] sehen Sie mich beim Gartenfeuer, gezeichnet von [Gunter] Böhmer, nur bin ich längst nicht mehr so rüstig, die Zeichnung ist schon diverse Jahre alt. - Schlimm ist es meiner ersten Frau Mia [d. i. Maria Bernoulli] ergangen, der Mutter meiner Söhne. Sie lebte seit mehr als 20 Jahren in Ascona, wo sie ein kleines Haus besaß, und dies Haus ist im November völlig abgebrannt, ohne daß das Kleinste gerettet werden konnte. Für den Winter ist sie, sehr mühselig und kümmerlich, beim jüngsten Sohn in Bern untergekommen, dann muß man weiter sehen ... Als Autor bin ich in Deutschland jetzt so gut wie ausradiert; meine alten Bücher, aus deren Erträgnissen ich ja leben sollte, sind seit Jahr und Tag vergriffen; und die neuen muß ich, da man sie in Berlin nicht wünscht, in der Schweiz drucken lassen, was aber wenigstens den Sinn hat, daß einige meiner Bücher weiter existieren und nicht ganz aus der Welt verschwinden. Nun, das gehört zu der großen Zeit, in der wir zu leben das Pech haben; wollte man sie so heilig ernst nehmen wie sie sich selber nimmt, so wäre man schon längst nicht mehr am Leben [12.I.1943] ... Gern gebe ich Ihnen über meine Söhne und Enkel etwas Auskunft. Mein ältester Sohn, Bruno, ist Maler und Rahmenschnitzer (sein Brot verdient er halb und halb mit beiden Berufen) er wohnt im Bernischen, ... ist mit einer dortigen Bauerntochter verheiratet und hat ein Töchterchen Christineli und einen Buben namens Simeli. Mein zweiter Sohn, Heiner, ist Dekorateur und Graphiker, lebt in Zürich und ist zum zweitenmal verheiratet. Aus der ersten, geschiedenen Ehe ist ein sehr schönes Kind namens Bimba da. Von der zweiten Frau hat er ein Söhnchen, noch nicht viel mehr als ein Jahr alt. Der dritte Sohn, Martin, lebt in Bern, ist Junggeselle, und bei ihm ist zur Zeit seine Mutter Mia Gast, seit sie abgebrannt ist ... Er war Architekt, und mit Leidenschaft bei seinem Beruf; aber als er dann in der Krisenzeit zwei und drei Jahre lang ohne Arbeit blieb, sattelte er zum Fotografen um, spezialisierte sich später auf das Aufnehmen von Kunstwerken, Plastiken, alten Teppichen, Möbeln etc., und ist als Spezialist für diese Sachen gefragt ... In Zürich beginnt nächstens der Satz und Druck meines Buches ["Das Glasperlenspiel"]; es gibt lästig viel Arbeit, lauter peinliche Augenarbeit, bei meinem alten Verleger wäre das beinahe ohne mich gegangen, während ich mich jetzt um alles kümmern muß [23.II.1943] ... Die politischen Dinge sehen Sie dort anders als ich, das war schon seit 1914 so, und darum habe ich mich ja auch politisch losgelöst. Am Menschlichen ändert das nichts [geschrieben unter dem signierten Gedicht-Typoskript "Wache Nacht", datiert "Februar 1943"] ... Eine schlechte Nachricht kam letzte Woche: die Päckchen mit Kaffee und Schokolade, die ich vielen meiner Freunde schickte, werden von den deutschen Behörden nicht mehr zugelassen. Das ist sehr schade, ich hatte viele Freunde, die, ohne direkt in Not zu sein, doch Kaffee etc. sehr entbehrten und froh an den Sendungen waren [wohl Mai 1944] ... die 2 nächsten Verwandten meiner Frau, ihre einzige Schwester und ihr Mann, konnten zwar nach unendlichen Aufregungen mit unsrer Hilfe ihr Leben aus Rumänien retten, sonst aber nichts, sie sind nun heimatlos und brotlos und seit 3 Monaten bei uns, und bis heute sind unsere Bemühungen um ihre Zukunft um keinen Schritt weiter als am ersten Tag. Die Schweiz duldet, dass sie auf meine Kosten als Gäste noch eine Weile bleiben dürfen, weiter reicht das Entgegenkommen der Behörden nicht. Da der Schwager Jurist ist und aus Rumänien kommt, wird er schwer ein Land in der Welt finden, das ihn einlässt und ihm erlaubt zu arbeiten [wohl um 1945] ... Ich war wieder einmal 14 Tage Gast in Bremgarten, das in der 'Morgenlandfahrt' eine Rolle spielte, sah dort auch zwei meiner Söhne mit ihren Frauen, u. brachte die 2 Gedichte mit [handschriftlich um 1944/45 unter: "Zwei Gedichte, im August 1944 im Schloß Bremgarten geschrieben: Beim Wiederlesen von 'Heumond' und 'Schön ist die Jugend'. - Im Schloß Bremgarten"]. - Im Oktober 1947 hat Hesse endlich wieder Gelegenheit, sich frei über sein Verhältnis zu Deutschland nach den Gräueln des Nationalsozialismus zu äußern, und er nimmt eine ähnliche Haltung wie Thomas Mann ein: "... Es liegt mir vollkommen fern, in Deutschland für mich zu werben, oder gar den Behörden und Schulen nahezulegen, sie möchten mich in ihre Lesebücher aufnehmen. Vor 25 und 30 Jahren standen in fast jedem Lesebuch, wenigstens für die höhern Schulen, Sachen von mir. Das deutsche Volk hat mich dann ausradiert, und seine teutschen Modedichter an die Stelle gesetzt, und ich werde nie einen Finger rühren um das zu ändern. Man hat mich bespukt [sic] und beschimpft, die Verwandten meiner Frau gefoltert und vergast, mich um mein gesamtes Lebenswerk und um mein Brot gebracht, und nun erwartet man, dass ich freundlich lächelnd sage: 'Kinder, alles ist verziehen', und gar noch darum ersuche, man möge mich im Lesebuch nicht vergessen! Nein, da haben Sie sich mein Verhältnis zu Deutschland doch falsch vorgestellt. - Dass der norddeutsche Thomas Mann Ihnen ferner steht als ich Süddeutscher, ist ja ganz begreiflich. Ich bin sehr mit ihm befreundet und begreife die harten und dummen Urteile über ihn nicht, er hat sich vollkommen richtig und würdig gehalten und verdient Hochachtung dafür, nicht Vorwürfe. Ende Juli war ich in Luzern nach langen Jahren endlich wieder einen Tag mit ihm zusammen, das gehörte zum Besten, was dies Jahr mir gebracht hat ..." [5.X.1947]. Ferner über ein weiteres Treffen mit der Familie Mann, über bürokratische Hürden bei Hilfslieferungen und der Pass-Beschaffung in Deutschland, ein Begleitschreiben zu dem signierten Gedicht-Typoskript "Märzsonne" (datiert "März 1948), eine Abschrift seines Briefes an die "Neue Rundschau" zum 75. Geburtstag Thomas Manns und vieles andere. - Diverse Beilagen, darunter 1 weiteres, nicht signiertes Gedicht-Typoskript ("Klage und Trost"), 2 Ansichts-Postkarten mit eigh. Gruß von Hermann Hesse, 2 Orig.-Porträtfotos des Dichters (1 signiert), 1 Ansichts-Postkarte von Gaienhofen sowie 2 eigh. Briefe von Mia Hesse an Emilie Weisschedel. - Das eine Porträtfoto mit Lichtflecken; 2 Briefe mit blauer Wasserfarbe diagonal durchgestrichen - vermutlich von der Zensurbehörde. - Biographisch interessantes Konvolut aus sorgenvoller Kriegs- und Nachkriegszeit; mit 8 signierten Gedichten.

Schätzpreis
€ 3.500   (US$ 3.989)


Zuschlag
€ 4.400 (US$ 5.016)



» Autographen
Musil, Robert
18 Briefe an Toni Cassirer

Los 2425

"in Paranoia-Nähe"
Musil, Robert, österr. Schriftsteller (1880-1942) und Martha Musil, seine Ehefrau (1874-1949). Sammlung von insgesamt 16 Briefen, 2 Brief-Karten und 4 Brief-Zusätzen m. U. "Robert Musil" bzw. "Martha Musil". Großenteils gemeinsam auf einem Briefbogen geschrieben. Zus. 29 S. Gr. 4to und 8vo. 1933-1939.

An Antonielle (Toni) Cassirer (1883-1961), die Ehefrau des Philosophen Ernst Cassirer (1874-1945). Bedeutende und gehaltvolle Briefreihe, die das harmonische Zusammenwirken des Ehepaars Musil sowohl in ihrer geistigen Sphäre wie in ihrer Außenwirkung dokumentiert. Die einzelnen Briefe und Briefanhänge (7mal gemeinsam auf einem Briefbogen) verteilen sich wie folgt: Robert Musil: 4 eigenhändige und 4 maschinenschriftliche Briefe sowie 3 eigenhändige Zusätze auf Marthas Briefen. - Martha Musil: 8 eigenhändige und 1 maschinenschriftlicher Brief sowie 1 eigenhändiger Zusatz auf einem der Briefe Roberts. Das breite Spektrum der behandelten Themen reicht von familiären Nachrichten über Reiseberichte bis zu literarischen Kontakten und aktuellen Arbeiten, und immer wieder ist vom "M. o. E.", dem "Mann ohne Eigenschaften", die Rede. Der eröffnende Brief von Martha Musil enthält eine Feststellung, die für die vorliegende Korrespondenz eher nicht gilt: "... Ich denke immer daran, daß Sie gern schreiben und nicht gern Briefe empfangen, was für herzlich gesinnte schlechte Briefschreiber ungeheuer sympathisch ist, und die Hoffnung eröffnet bald wieder von Ihnen zu hören." Die letzte halbe Seite nutzt Robert Musil zu einem eigenen Brief: "... Wir sind uns nach Ihrem und Ihres Gatten Weggang in unserer Heimatstadt Wien höchst einsam vorgekommen. Eifrig bin ich in die Schule von 'Cambridge' gegangen. Es war Trost und Schmerz. Alles habe ich mit Genuß studiert, und wenn ich bloß von Humor spreche, so geschieht es, weil Ihr Gatte mich gerade danach gefragt hat und weil ich da ein wenig zum Fach gehöre: von allen mir bekannten Verfahren, die Bedeutung des Humors zu lokalisieren, kommt nur dieser meinem Empfinden nahe ..." [Wien 27.VIII.1933]. Am 5.XI.1933 berichtet Martha: "... Eine englische Agentur bemühte sich um eine neue Arbeit meines Mannes, über ein historisches Thema, die zuerst englisch erscheinen sollte. Mein Mann schlug dagegen ein Buch vor, in dem er in aphoristischer Form seine Meinung über das heutige Leben, Kunst, Kultur sagen wollte, was aus naheliegenden Gründen jetzt nicht für Deutschland geeignet wäre. Ein solches Buch hätte er gut neben dem Mann o. E. schreiben können und gern geschrieben, aber die Engländer wollen es nicht als Erstes, und nach manchem hin und her ist nun das Ganze auf einen toten Punkt gekommen ..." [Wien 5.XI.1933]. In einem längeren maschinenschriftlichen Brief geht Robert auf seine aktuelle Arbeitssituation ein: "... Es ist ... aus dem Buch über Oesterreich, das Sie so freundlich begrüssen, nichts geworden; ich weiss nicht, ob ich nicht den richtigen Agenten hatte und nicht an den richtigen Verlag kam, jedenfalls scheiterte aber ... das schliessliche Angebot völlig an der Frage des Vorschusses, und ich habe nur kostbare Zeit verloren. Sonst wäre ich garnicht so böse darüber, denn ich bin kein Historiker, und das Unterfangen war nach dieser Seite etwas abenteuerlich. Ich muss nun leider in allergrösster Eile einen Ersatz suchen, denn auch aus der 'Gesellschaft des Mannes o. E.' ist mittlerweile wider Erwarten die letzte Stütze schon jetzt ausgebrochen, und wenn ich das ganz unverblümt sagen darf, so geht es nur noch einige Wochen weiter mit dem Roman und seinen zwei Autoren ...". Er überlege, ob es ihm möglich sei, für englische oder amerikanische Zeitschriften zu schreiben. "... Denn ich kann das ja nicht als Journalist tun, sondern nur wie ein Dichter, etwa wie die Notizen [Paul] Valérys sind oder nach dem Vorbild der Nietzscheschen Aphorismen. Das täte ich sogar sehr gerne, denn heute wachsen einem die Beobachtungen und Bemerkungen aus den Fingern, und ich bin ohnehin so voll davon, dass es dem Roman nebenbei gar nicht schlecht zu bekommen brauchte, wenn ich mich davon entlastete ... Und nun trete ich ab. Ich habe soeben ein Clarisse Kapitel bis zu einer Stelle geführt: 'da sagte Clarisse: 'die Irren denken eben mehr als die Gesunden. Sie können auch mehr als wir! ... Bedenken Sie, dass man in früheren Zeiten doch überhaupt keine Irrenhäuser gekannt hat! Und der General schloss wieder den Mund, denn daran war etwas Wahres. Und Clarisse sagte: 'Das Irrenhaus ist eine Verfallserscheinung. Man muss die Irren wieder ins Volk lassen!' - Ich wäre gerne selbst noch dabei, wenn das weitergeht ..." [Wien 17.XI.1933].
In einem Schreiben vom Dezember 1933 kommt Martha noch einmal auf die Versuche ihres Mannes zu sprechen, mit Hilfe der Cassirers in England Fuß zu fassen: "... es wäre sehr vorteilhaft für ihn, in England Terrain zu erobern, wo er so wenig bekannt ist, daß man Broch den tiefen und großen österreichischen Dichter nennt (dies soll Huxley geschrieben haben). Robert ist Ihrem Mann außerordentlich dankbar, daß er sich mit Mr. Gullick in Verbindung setzen will. Ich habe große Bedenken wegen der Übersetzung, eben weil er so schlecht Deutsch kann, und weil die Sachen, die Robert schreibt, doch immer recht schwierig sind. Aber er ist natürlich stolz auf seine Übersetzung der 'Drei Frauen', und vielleicht mit Recht ... Wir haben ihn in Berlin durch seinen Freund, einen jungen Buchhändler vom 'Buchladen am Kurfürstendamm' (jetzt ist er schon lange in Paris), der immer viel Propaganda für den 'Mann o. E.' gemacht hat, kennengelernt ... Was macht Ihr Sohn Georg? Bleibt er in Berlin? Ich finde auch, daß man sich mit den Zurückgebliebenen nicht recht verständigen kann, weil ja doch nicht alles zu umschreiben und gleichzeitig verständlich zu schreiben ist [9.XII.1933] ... Ich möchte Ihnen nur in Eile mitteilen, dass sich hier ein angenehmes kleines Wunder begeben hat: eine Gruppe von unseren Bekannten, eigentlich flüchtig Bekannten, hat sich plötzlich hinter unserm Rücken zusammengetan, um eine R. M. Gesellschaft oder so ähnlich zu gründen, durch welche die Vollendung des M.o.E. bewirkt werden soll ..." [Wien 22.XII.1933].
In einem langen eigenhändigen Brief vom 1. Januar 1934 erläutert der Dichter die Entstehung und Zusammensetzung dieser "Robert-Musil-Gesellschaft", die ihn einerseits freue, aber zugelich auch in Verlegenheit bringe. "... So sehr ich mir wünschen muß, daß sich die Sache 'herumspreche', fühle ich mich dadurch doch schon in Paranoia-Nähe gebracht, insofern als ich schon überall meine 'Freunde' flüstern höre und niemand mehr unbefangen ansehen kann; also nur ins Freundliche verkehrter, immerhin auch drückender Beziehungswahn! Das ist ein Grund meines Wunsches, daß die Angelegenheit möglichst bald unpersönlich-öffentlich werde ...". - Nach längerer Pause meldet sich Robert am 12. April 1936 wieder mit einigen Entschuldigungen und einem Brief voll bedeutsamer Aussagen. "... Wissen Sie, was ich über den Sinn es Judentums denke? Ich antworte darauf, obwohl Ihre Frage bloss ein Seufzer war und obwohl ich zur Antwort nicht berufen bin und es gleich Ihnen lästig empfinde, dass man heute sogar nachdenken muss, ohne sich den Gegenstand aussuchen zu können. Aber zuvor müsste ich sagen, was ich über den Sinn des Volkstums denke: Bloss, dass er ein Unsinn ist! Wohl ist dieses als die natürlichste und nächste menschliche Leistungsgemeinschaft dargeboten, aber wie wenig leistet es wirklich im Verhältnis zu dem, was es schuldig bleibt und wie entwickelt sich alles, was vorwärts führt, über Volk und Nation weg! Der Sinn des Judentums wäre also gerade der, dass es sich nicht wirklich ganz konsolidiert, und wenn sich die heutige Rüpelromantik alias Staatsgesinnung überlebt, wird man das, denke ich, einsehen ... Sie werden, was ich gesagt habe, vielleicht zu belanglos finden -: wenn man heute einen Brief schreiben will, wäre er ja verpflichtet, sich gleich zu einer Abhandlung zu sammeln: das ist das Hinderliche, und aus Ehrgeiz oder Respekt schweigt man ...". - Martha Musil meldet im Juli 1937 - neben Nachrichten von ihrem Sohn Otto in Philadelphia - den Fortgang von Roberts Mammutwerk: "... Robert muß leider ununterbrochen arbeiten, weil sein neuer Verleger (Bermann-Fischer) wenigstens einen kleinen Teilband des 'Mann o. E.' vor Weihnachten herausbringen möchte; und das ist in mancher Hinsicht unvorteilhaft, besonders weil die Zeit zu kurz ist ..." [Reichenau, N.Ö., 3.VII.1937]. Daran schließt Robert einen eigenhändigen Brief, in dem er gesteht: "... die letzten Monate sind so ermüdend gewesen, daß wir gerade mit den letzten Kräften aufs Land gelangt sind. Ich habe mit Bermann-Fischer wegen der Übernahme meiner Bücher aus dem Rowohlt Verlag abgeschlossen, unter leider zeitgemäßen Bedingungen, und jetzt behandle ich meinen Kopf wie einen Fußball, weil ich mich habe verpflichten müssen, im Herbst eine Fortsetzung des Mannes o. E. herauszubringen und durchaus nichts auch nur Halbganzes werde fertigmachen können ... Für die Freundlichkeiten, mit denen Sie nach dem Erscheinen der 'Dummheit' meinen Pessimismus erhellt haben, noch nachträglich vielen Dank! ...". - Zwei weitere Briefe spiegeln den Konflikt mit dem Verleger "B." (Bermann-Fischer?), von dem sich Musil schlecht behandelt sieht. "... Erst heute hat B. auf R's Brief geantwortet, ausführlicher als sonst, aber unbefriedigend und ablehnend; er will mit dem Autor - trotz aller Schätzung - nichts mehr zu tun haben und begreift gar nicht, was R. auf sich genommen hatte, indem er monatelang, von aller Hilfe verlassen, auf ihn gewartet hat, ohne mit anderen auswärtigen Verlegern in Fühlung zu treten oder auf die Sirenentöne deutscher Verleger zu hören ..." [Martha Musil, 18.IX.1938].
Der schöne Briefwechsel von drei Intellektuellen auf Augenhöhe beleuchtet die Situation eines Schriftstellers, der als Meister der Schilderung feinster seelischer Nuancen und wechselnder Bewußtseinsebenen und Dimensionen von Geschehensabläufen unverhofft mit äußeren Zwängen in einer langsam immer enger und bedrohlicher werdenden Umwelt und Bedingung des Schaffens zu kämpfen hat - ein höchst wertvoller Beitrag zur Biographie sowie zur Weltanschauung und Denkweise des Dichters.

Schätzpreis
€ 18.000   (US$ 20.520)


Zuschlag
€ 14.000 (US$ 15.959)



» Autographen
Rilke, Rainer Maria
Gedichtmanuskript

Los 2436

Rilke, Rainer Maria, Dichter (1875-1926). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "R. M. R.". 11/2 S. auf 2 Bl. Briefpapier des "Hotels Marienbad, München" (rückseitiger Aufdruck). Gr. 4to. (München 1914).

"Hymne (zweiten und dritten August)". 28 Zeilen: "Zum ersten Mal seh ich dich aufstehn / hörengesagter fernster unglaublicher Kriegs-Gott! / Wie so dicht zwischen die friedliche Frucht / furchtbares Handeln gesät war, plötzlich erwachsenes ... Endlich ein Gott. Da wir den friedlichen oft / nicht mehr begriffen, ergreift uns plötzlich der Schlacht-Gott, / schleudert den Brand: und über dem Herzen voll Heimath / schreit, den er donnernd bewohnt, sein röthlicher Himmel." Der erste der bei Beginn des Weltkriegs entstandenen "Fünf Gesänge". Der wegen einer ärztlichen Behandlung in München weilende Dichter wurde vom Kriegsausbruch überrascht und schrieb die Verse in seinen Band mit Hölderlin-Gedichten, aber, wie das vorliegende Manuskript zeigt, auch auf Münchener Hotelpapier. Rilke hat sich schon 1915 davon distanziert, aber die nach Vorbildern Pindars und Hölderlins gestalteten Verse wurden Rilke von einer besserwisserischen Nachwelt genauso übelgenommen wie die Kriegsbeginn-Dichtungen vieler anderer Autoren. - 1 Bl. rückseitig leicht angeschmutzt; 1 kleiner Faltenriss. - So frühe und umfangreiche Gedichtmanuskripte Rilkes kommen nicht mehr oft vor.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 6.839)


Zuschlag
€ 3.500 (US$ 3.989)



» Autographen

1 2 3 4 5 6 7 8 9   erste Seiteschneller Rücklaufeine Seite zurückeine Seite weiterschneller Vorlauf