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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Hauptbild Beschreibung Status
Tura, Cosmé, Umkreis
Steinigung des Heiligen Stephanus

Los 1003

Tura, Cosmé - Steinigung des Heiligen Stephanus. Initialminiatur einer Antiphonale-Handschrift. Miniaturmalerei in farbiger Gouache mit Blattgold auf Pergament. Initialgröße ca. 15 x 17 cm, Balken 33,5 cm. Bildgröße ca. 12 x 8 cm. Blattgröße ca. 57 x 40 cm. Wohl Ferrara 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Große Initialminiatur auf einem vollständig erhaltenen Pergamentblatt aus einer spätmittelalterlichen italienischen Antiphonale-Handschrift aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Merkmalen der Schule von Ferrara in der Nachfolge des Cosimo di Domenico di Bonaventura, genannt Cosmé Tura (1433-1495). Dargestellt ist das Martyrium des Heiligen Stephanus nach der Apostelgeschichte VII, 55-60: "Et lapidabant Stephanum invocantem et dicentem Domine Iesu suscipe spiritum meum". Inbrünstig im Gebet erhebt der Heilige mit Mönchstonsur, Mappa und goldenen Nimbus seine Hände, während auf ihm die Steine niederprasseln und ihm am Hinterkopf treffen, wo Blut austritt und den gelben Kragen des Heiligen beschmutzt. Hinter ihm zwei Schergen mit großen Steinblöcken in den zum Wurf erhobenen Händen.

Charakteristisch sind die überaus feinen, gratigen und besonders plastisch ausgeführten Gewandfalten, auch das vielschichtig abgestufte Inkarnat, die präzise formulierten Muskelpartien der Arme und Beine der Steinigenden. Deren Gesichter mit den in Falten geworfenen Stirnen, kräftigen, schwarz-graumelierten Bärten und leuchtend farbigen Gewändern in Orangegelb und Nachtblau sprechen eine auch in ihrem Detailreichtum charakteristische Sprache, die von dem orientalischen Einfluss der Emigranten aus Konstantinopel nach Norditalien zeugt. Vergleiche dazu auch etwa die turbanähnliche Kopfbedeckung des rechten Schergen aus weißem Tuch mit blauen Streifen sowie die extreme Feinheit, mit dem etwa die Knöpfe der Gewänder, die Struktur der aufgehobenen Felsbrocken, das Felsplatau, auf dem der Heilige kniet, dessen Schuhe, Gewänder, Rosenkranz, Kappa etc. ausgeführt wurden.

Auch die Landschaft des Hintergrundes spricht für einen Miniaturisten der Schule von Ferrara und den Einfluss der Kunst eines Cosmè Tura. Hochaufragende Eschen begleiten den sich S-förmig schlängelnden Fluss, auf dem ein winziger weißer Schwan schwimmt und an dessen Ufer eine Wassermühle steht. Hinter den Schergen öffnet sich eine weite Felderlandschaft mit Gehöftsgebäuden und Strohgarben, im verblauenden Berghintergrund die Silhouette der Stadt Jerusalem mit der über die Hügel laufenden Mauer und den zwei Türmen des Stadttors. Die minutiöse Ausführung, teils mit Haarpinseln, das saubere Auftupfen von Farblichtern, die bemerkenswerten Nuancen, etwa im großen Reichtum der verschiedenen Grüntöne, aber gleichzeitig auch die Profilierung der Konturen und die vielfach abgestuften Verschattungen lassen auf das Werk eines qualitativ hochstehenden Buchminiaturisten, wenn nicht eines bedeutenden zeitgenössischen Malers schließen.

Die blaue, mit weißen Federwerk-Ornamenten gefüllte Initiale "E" für den Anfang des Introitus zur Antiphona über das Martyrium des Heiligen Stephanus wird eingefasst von üppigen Akanthusranken in Grün, Blau, Rosé und Rot auf einem quadratischen Blattgoldgrund, flankiert von einem langen, den Spiegel begleitenden Balken, in dem sich der knorrige, feste Akanthus in leichtes Federwerk aus Linien und Punkten, Herzblättern und Blüten auflöst, durchsetzt von 26 schimmernden Blattgoldpollen. In der blauen Initiale ist ein weiterer schmaler Goldrahmen, diesmal nicht aus Blatt-, sondern aus Pinselgold um die Darstellung gelegt.

Der Text zur Antiphona mit dem der roten Überschrift "In sancti stephani protomartyris ... Introitus" begleitet die romanische Quadratnotation auf vierzeiligem roten Systen: "Etenim sederunt principes et adversum me loquebantur, et iniqui persecuti sunt me". Verso "Beati immaculati invia, qui ambulant in lege" mit einer kleinen Zierinitiale "B" in Rot auf hübschem blauen Federwerk-Grund. Das Blatt ist oben mit "XXXVIIII" in Rot nummeriert und stammt sicherlich aus einem umfangreicheren Antiphonale. – Unteres Sechstel mit horizontal-schrägem Knick, sonst nur ganz vereinzelt leicht knittrig und minimal fingerfleckig, ein alt geschlossenes Löchlein im oberen weißen Rand rechts, unten mit Bleistiftbezeichnungen und kleiner moderner Bleistiftnummer "83". Text mit gelegentlichem leichten Oberflächenabrieb, die Initiale aber nahezu tadellos frisch, lediglich winzige punktuelle Abplatzungen in den auf dem Boden liegenden Steinen, sonst in überaus nuancierter, leuchtender Farbigkeit einer höchst elaborierten Palette.

Schätzpreis
€ 10.000   (US$ 11.700)


Zuschlag
€ 11.000 (US$ 12.870)



» Alte Drucke
Shakespeare, William
Comedies, Histories, and Tragedies

Los 1696

"The Famous Second Folio"
(Shakespeare, William. Comedies, Histories, and Tragedies. Published according to the true Originall Copies. The second Impression). 9 (statt 10) S., 303; 232; 419 S. Mit zahlreichen Holzschnitt-Kopf- und Schlussstücken sowie Teilbordüren. 29,6 x 21,4 cm. Olivgrünes Kalbsleder um 1840 (Leder leicht brüchig an Gelenken, kaum bekratzt, kaum beschabt) mit golegeprägtem RTitel, Filetenvergoldung und zentralen Blumenstempeln zwischen den Bünden sowie winzigen Eckfleurons, Deckel mit kleinem goldgeprägten Supralibros eines heraldischen Löwen mit den Initialen "L.C.L.". Innenkantenvergoldung und Spiegel aus gelbem Seidenmoiré-Papier. (London, Thomas Cotes für Richard Hawkins, 1632).

STC 22274c. Pforzheimer 906. Bald 139ff. W. B. Todd, The Issues and States of the Second Folio and Milton's Epitaph, Studies in Bibliography 5 (1953): 81-108. Greg 1113-15. Jaggard III, 1113ff – Das berühmte "Second Folio" der dramatischen Werke William Shakespeares (1564-1616), "Printed at London by Thomas Cotes, for John Smethwick, William Aspley, Richard Hawkins, Richard Meighen, and Robert Allog, 1632" nach dem Kolophon auf Seite 419 unten (hier in Faksimile auf altem Papier). William Aspley und John Smethwick waren beide schon am Druck der ersten Folioausgabe von 1623 beteiligt gewesen, und William Aspley besaß die Rechte am den Texten der Drama "Much Ado About Nothing" sowie "Henry IV" (Teil II), wohingegen John Smethwick über "Love's Labour's Lost", "Romeo and Juliet", "Hamlet" und "The Taming of the Shrew" verfügten konnte. Hinzu kamen die Rechte von Richard Hawkins und Richard Meighen an "Othello" und "The Merry Wives of Windsor".

Die Vorstücke gliedern sich, wie folgt: "To the Reader" (A1 Faksimile), Titel mit gestochenem Porträt (A3 Kopie), "To the Most Noble and Incomparable Paire of Brethren, William Earle of Pembroke" (A2) von John Heminge und Henry Condell, "To the Great Variety of Readers" (A4), "Vpon the Effigies of my worthy Friend, the Author Master William Shakespeare, and his VVorkers" (A5), "To the Memory of the Deceased Author, Master VV. Shakespare" (A6) von L. Digges, "The Workes of William Shakespeare, containing all his Comedies, Histories, and Tragedies: Truely set forth, according to their first Originall" (*1), "To the memory of my beloved, The AVTHOR Mr. VVilliam Shakespeare And what he hath lef us" (*2) von Benjamin Johnson, "On Worthy Master Shakespeare and His Poems" (*3), monogrammiert "I. M. S.", "Vpon the Lines and Life of the Famous Scenicke Poet, Master VV. Shakespeare" von Hugh Holland (*4r), "A Catalogue of all the Comedies, Histories, and Tragedies contained in this Booke" (*4r).

Die drei Teile des Bandes enthalten die 1) Komödien: The Tempest, The Two Gentlemen of Verona, The Merry Wives of Windsor, Measure for Measure, The Comedy of Errors, Much Ado About Nothing, Love's Labor Lost, A Midsummer Night's Dream, The Merchant of Venice, As You Like It, The Taming of the Shrew, All's Well That Ends Well, Twelfth Night, or What You Will, The Winter's Tale. Es folgen die 2) Historien: The Life and Death of King John, The Life and Death of King Richard II, The First Part of Henry IV, The Second Part of Henry IV, The Life of King Henry V, The First Part of Henry VI, The Second Part of Henry VI, The Third Part of Henry VI, The Tragedy of Richard III, The Famous History of Henry VIII. Und schließlich die 3) Tragödien: The Tragedy of Troylus and Cressida, The Tragedy of Coriolanus, The Tragedy of Titus Andronicus, The Tragedy of Romeo and Juliet, The Life of Tymon of Athens, The Tragedy of Julius Caesar, The Tragedy of Macbeth, The Tragedy of Hamlet, The Tragedy of King Lear, The Tragedy of Othello, the Moore of Venice, The Tragedy of Anthony and Cleopatra, The Tragedy of Cymbeline.

Die Lagenformel lautet: A6 *4 A-Z Aa-BB6 Cc2 a-y6 aa-zz aaa-ccc6 ddd4. – Es fehlt der prominente Titel mit dem Porträt Shakespeares, hier durch eine Fotokopie ersetzt, ferner Blatt 1 (A1) "To the Reader" sowie das letzte Blatt (ddd4) mit dem Kolophon, beide sind durch sehr gut gemachte Faksimile auf altem Papier ersetzt. Die ersten Blätter etwas finger- und stockfleckig sowie A2-*1 im Falz verstärkt, die drei letzten Blätter (ddd1-3) mit Randausbrüchen (meist nur geringer Textverlust, angerändert), 1 Blatt (b3) mit geringem Eckabriss (winziger Textverlust), 1 weiteres (h1) in der Mitte gering brüchig, oben und unten etwas knapp beschnitten (teilweise über die Rahmenlinie bzw. ins Kopfstück oder die Lagensignatur, die Kolumnentitel aber meistens unberührt, gelegentlich minimal fleckig und nur unwesentlich leicht gebräunt, wenige vernachlässigbare alte Tintenkorrekturen, insgesamt im Block ein bemerkenswert gut erhaltenes, sehr schönes, klar und kraftvoll gedrucktes Exemplar einer der frühesten und seltensten Ausgaben der Werk des größten englischen Dichters und Dramatikers.

Schätzpreis
€ 25.000   (US$ 29.250)


Zuschlag
€ 16.000 (US$ 18.720)



» Literatur
Cerrito, Fanny
La Lituana. Kolorierte Lithographie von Jules B...

Los 2013

Cerrito, Fanny. La Lituana. Kolorierte Lithographie von Jules Bouvier. Ca. 48 x 34 cm. Mit Passepartout unter Glas in mehrfach profilierter, teilvergoldeter Holzprofilleiste gerahmt. 65 x 50 cm. London, Thomas McLean, 1844.

Die Meisterpose der Primaballerina Fanny Cerrito (1817-1909), die es vor allem in London zu Weltruhm brachte. "La Lituana" war ein reiner Solotanz der Cerrito, den sie schon in ihrem Londoner Debut vom 2. Mai 1840 präsentieren konnte: "Her fur-trimmed jacket suggests Polish dress, so La Lituana may have been a mazurka, the Polish national dance based on the proud carriage of the body, stamping of the feet and clicking of the heels, danced in 3/4 time with the strong accent on the second beat of the bar.
National dances and settings were popular in the 1840s as audiences became increasingly aware of 'abroad' and exotic locations. Scotland, Spain, Hungary, Poland and the Balkans were all popular settings and some ballets were set as far afield as India, giving the opportunity for balleticized versions of national dances, like the Cachucha, mazurka, polka, polonaise, tarentella or Cracovienne" (Marie Rambert). – Unwesentlich gleichmäßig gebräunt, kaum fleckig, sehr schönes Blatt in höchst stilvollen Rahmen, in außergewöhnlich leuchtenden Farben sorgsam koloriert.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 936)


Zuschlag
€ 750 (US$ 877)



» Romantisches Ballett
Dumilatre, Adèle Alphonsine
As "La Diane Chasseresse". Kolorierte Lithograp...

Los 2017

Dumilatre, Adéle Alphonsine. As "La Diane Chasseresse". Kolorierte Lithographie von Jules Bouvier. Ca. 48 x 34 cm. Mit Passepartout unter Glas in mehrfach profilierter, teilvergoldeter Holzprofilleiste gerahmt. 65 x 50 cm. London, Thomas McLean, 1843.

Eine der beliebtesten Protagonisten des Romantischen Ballets war
Adèle Alphonsine Dumilâtre (1821-1909). An der Pariser Oper tanzte sie von 1840-1848. Sie war auch eine der ersten Tänzerinnen in der Rolle der "Myrtha", Königin der Wilas, in dem wohl berühmtesten Stück der romantischen Ballettliteratur "Giselle" nach dem Libretto von Théophile Gautier. Kein geringerer als Heinrich Heine hatte die Vorlage dafür mit seiner "Sage der Wilis" aus Staels Buch "De l’Allemagne" (1835) gegeben. Die Musik zum Ballett stammt von Adolphe Adam (1803-1856). – Unwesentlich gleichmäßig gebräunt, kaum fleckig, sehr schönes Blatt in höchst stilvollem Rahmen, in außergewöhnlich leuchtenden Farben sorgsam koloriert.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 936)


Zuschlag
€ 1.300 (US$ 1.521)



» Romantisches Ballett
Grisi, Carlotta
La Polka Danced by Mademoiselle Carlotta Grisi...

Los 2025

Grisi, Carlotta. La Polka Danced by Mademoiselle Carlotta Grisi & Monsieur Perrot at her Majesty's Theatre. Kolorierte Kreidelithographie von J. Bouvier. Ca. 46 x 31 cm. Mit Passepartout unter Glas in teilvergoldeter Holzprofilleiste gerahmt. 65,5 x 50,5 cm. London, McLean, 1844.

Carlotta Grisi (1819-1899) zusammen mit dem französischen Tänzer und Ballettchoreografen Jules-Joseph Perrot (1810-1892), einer der wichtigsten Protagonisten des Romantischen Balletts in russischen Kostümen in Rot und Weiß mit schwarzen Bändern und Schürzen bei einer Polka vor einer ausladenden Phantasie-Kulisse mit Zwiebeltürmen, Bogenbrücken und östlichen Palästen mit Kuppeln und hochaufragenden Türmen.
Deutlich sieht man die für das Romantische Ballett typische Beinarbeit, die den Polkaschritt vorführt, einen Wechselschritt, der den ersten Kurzschritt mit Emphase belegt. Eigentlich ein Böhmischer Volkstanz, war die Polka zunehmend auch in Westeuropa beliebt. Nach England brachten sie aber erst Jules Perrot und Carlotta Grisi, als sie ihn im April 1844 im königlichen Hoftheater tanzten und damit eine dermaßen starke Aufmerksamkeit erregten, die sich in Hunderten von Bildern, als Drucke, aber auch auf Tassen und Tellern, Fahnen und als Malereien auf Wänden der Stadt verbreiteten. Durch diese Sensation, die in der Lithographie nach Jules Bouvier (1827-1881) am ersten und authentischsten festgehalten wurde, verbreitete sich die Polka in allen privaten und öffentlichen Ballsälen und wurde einer der wichtigsten Volklstänze des Jahrhunderts.
"The print is part of the collection of dance prints amassed by Marie Rambert and her husband, Ashley Dukes in the first half of the 20th century. Eventually numbering 145 items, some of which had belonged to the ballerina Anna Pavlova, it was one of the first and most important specialist collections in private hands" (V&A 28.07.17). – Kaum gebräunt, kaum fleckig, wohl kleiner brauner Passepartoutrand, sehr schönes, seltenes Blatt.

Schätzpreis
€ 800   (US$ 936)


Zuschlag
€ 700 (US$ 819)



» Romantisches Ballett
Goethe, Johann Wolfgang von
Signiertes Gedichtmanuskript

Los 2155

Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter, Naturforscher und Staatsmann (1749-1832). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Goethe". 1 S. Auf Konzeptpapier. 17,5 x 20 cm. Weimar März 1826.

"Zum Beginnen, zum Vollenden / Zirkel, Bley und Winkelwage / Alles stockt und starrt in Händen / Leuchtet nicht der Stern dem Tage." - Zu der Jubiläumsfeier Carl Augusts am 3. September 1825 hatte Goethe eine Anzahl Zettel mit Emblemen an seinem Haus befestigt, darunter als Freimaurer-Emblem einen leuchtenden Stern über Winkelwaage, Blei und Zirkel. Nachdem er im folgenden Jahr erklärende Sprüche zu den Bildchen geschrieben hatte, benutzte er die Blätter zum Versand an Freunde. Unser Blatt, das eher wie ein Konzept wirkt, enthält nicht die Zeichnung, auf die es sich bezieht. - Leicht angestaubt und gering stockfleckig; kleiner Einriss am unteren Rand; links Heftungsspuren und Knitterfalten.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 14.040)


Zuschlag
€ 12.000 (US$ 14.040)



» Autographen
Trakl, Georg
Gedichtmanuskript

Los 2295

Trakl, Georg, frühvollendeter Dichter aus der Epoche des Expressionismus, einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts (1887-1914). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "G. T." 3/4 S. Folio. O. O. u. J.

"Kleines Konzert". Fünf Strophen zu je vier Zeilen: "Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert - / Durch deine Hände scheint die Sonne. / Du fühlst dein Herz, verrückt vor Wonne / Sich still zu einer Tat bereiten. - In Mittag strömen gelbe Felder; / Kaum hört man noch der Grillen Singen, / Der Mäher hartes Sensenschwingen. / Einfältig schweigen goldne Wälder ...". - In der zweiten Strophe zwei Abweichungen von der Druckfassung: "Kaum hört man" statt "Kaum hörst du" und "goldne" statt "goldene". - Gedruckt in "Gedichte" ("Der jüngste Tag", Bd 7/8, Leipzig, Kurt Wolff, 1913). Von dem 1911/12 in Salzburg entstandenen Gedicht befand sich eine andere Niederschrift - auf Schreibpapier eines Cafés - in Stefan Zweigs berühmter Autographensammlung. - "Im Sinne kleinbürgerlicher Reputierlichkeit gescheitert, hat sich T. in der kurzen ihm beschiedenen Lebenszeit in einem an Umfang bescheidenen, an Tiefe kaum auslotbaren Werke vollendet, das in seiner Zeit an Musikalität der Sprache und Sinnfülle der Bilderwelt seinesgleichen sucht" (Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, 1987). - Winzige Einrisse im sehr breiten Rand. - Von größter Seltenheit.

Schätzpreis
€ 25.000   (US$ 29.250)


Zuschlag
€ 56.000 (US$ 65.519)



» Autographen
Wieland, Christoph Martin
Brief 1803 an das Institut National in Paris

Los 2307

Wieland als Mitglied des "Institut de France"
Wieland, Christoph Martin, Schriftsteller und Publizist, einer der vier führenden Persönlichkeiten der Weimarer Klassik (1733-1813). Eigh. Brief m. U. "Wieland". In franz. Sprache. 1 S. 4to. Weimar 20.VII.1803.

An die Direktoren des Institut de France in Paris, die ihn am 25. Januar als auswärtiges Mitglied in die Sektion der Literatur und Schönen Künste aufgenommen hatten. "... Infiniment sensible à la gloire d'appartenir ... à la Société qui réunit en son sein tout ce qu'il y a de plus illustre parmi ceux, qui en France et au reste de l'Europe ont le plus contribué auf progr`s des Sciences et des beaux Arts, je ne regrette que de me voir reduit par un age trop avancé à l'impossibilié de prouver par des nouveaux efforts, combien je désirerois de me montrer digne d'un titre, que je regarde comme la plus glorieuse des recompenses, auxquelles les talens et le mérite peuvent aspirer ...". Seine Antwort habe sich so verzögert, weil die Paris-Reise eines seiner besten Freunde, die dieser in Begleitung "d'un vieux gentilhomme Anglois d'un mérite distingué, qui reside à Weimar depuis plusieurs années" (Charles Gore?) und unter Mitnahme des Briefes unternehmen wollte, wegen der politischen Lage immer wieder verschoben werden mußte, "jusqu'à l'époque, ou cette fatale guerre, qui vient de tromper encor les voeux de l'humanité affligée, a mis mes amis dans la necessité de remettre le voiage projetté à des tems plus heureux." - - Bei Seuffert/Seiffert nicht registriert. - Aus der Sammlung des Präsidenten Robert Schuman. - Kleine Randläsur; das zweite (leere) Blatt leicht stockfleckig; sonst gut erhalten.

Schätzpreis
€ 7.500   (US$ 8.775)


Zuschlag
€ 9.200 (US$ 10.764)



» Autographen
Grimm, Wilhelm
6 Briefe

Los 2337

"die Zwehrner Märchenfrau"
Grimm, Wilhelm, Bruder Jacob Grimms, Germanist, Sagenforscher, Märchensammler und Editor, Universitätsprofessor, einer der "Göttinger Sieben" (1786-1859). 6 eigh. Briefe m. U. "W. C. Grimm", davon 2 mit Adresse und Siegel. Zus. 21 S. 4to. Kassel 1815-1816.

Sehr inhaltsreiche Briefe an seinen vertrauten Freund, den Philosophen David Suabedissen 1773-1835), der seit kurzem als Erzieher des hessischen Kurprinzen Friedrich Wilhelm in Leipzig lebte. Die Briefe zeichnen ein lebendiges Bild vom Wirken und Denken Wilhelm Grimms vor dem Hintergrund der geistesgeschichtlichen und politischen Entwicklung nach den Befreiungskriegen. "... Ihre Lage dort kann ich mir so ziemlich denken, zum Glück kommt das Unbequeme, wie an einem neuen Rock, gewöhnlich zuerst und allmählig legt sichs etwas nach dem Leib ... Mir geht es wie sonst, nur noch einsamer und ich habe niemanden mehr, zu dem ich vertraulich reden könnte oder wollte; der brave Gerling ist der einzige, zu dem ich zuweilen mit Vergnügen gehe. Jeden Tag werde ich an Ihre Abwesenheit erinnert ... es ist eine der schmerzlichsten Empfindungen von der Welt, die einem wie ein Meßer durch die Seele schneidet. Selbst an unserer alten Wohnung bin ich so vorbeigegangen, wo wir noch zusammen mit unserer lieben Mutter waren. Das Leben einer Wittwe mit ihren Kindern hat etwas sehr schönes und zutrauliches und ich weiß noch recht gut, wie bei dem Tode meines Vaters mich dieser Gedanke von einem festeren Zusammenleben getröstet hat ... Übrigens scheint mir unser Schicksal zu schwanken, da ich wohl sehe, daß mein Bruder, den ich in kurzem erwarte, sich gefaßt halten muß, seinen Abschied zu fordern ..." [15.XII.1815]. Im September war Jacob Grimm, seit 1813 hessischer Legationssekretär, in diplomatischer Mission nach Paris gereist.
"... Unsere Lage ist noch immer ungewiß. Mein Bruder ist nicht wieder angestellt, aber auch nicht entlaßen, da man ihm seine Besoldung noch zahlt. Er ist eben auf ein paar Tage nach Göttingen. Ich gebe nicht gern mein gegenwärtiges, ruhiges und von allem Druck freies, persönlich angenehmes Verhältniß auf, doch muß ich ja wohl thun, was Gott will. Wir arbeiten indeß fleißig und werden zu Ostern einen Band deutscher Sagen herausgeben ... Es freut mich recht, daß Sie mit der Edda zufrieden sind; für die folg[enden] Bände haben wir schon viel gethan und der größte Theil des nächsten ist augearbeitet, ich warte aber noch auf einiges aus Dänemark und das verzögert den Druck ... Von politischem Wesen will ich Ihnen nichts schreiben ... Die Constitution, die, wenn sie so ist, wie sie einige wollen gelesen haben, Gutes wirken könnte, soll, wie es heißt hier nur gegeben werden, wenn die Landstände einen Theil der Forderungen bewilligen, wozu sie sich nicht anschicken [23.III.1816] ... Mein lieber Freund Arnim ist krank geworden und hat mir schreiben laßen und dringend bitten zu ihm zu kommen. Er hat eine Brustentzündung gehabt mit heftigem Fieber und auf den Tod gelegen ... die Genesung wird langsam gehen u. da wünscht er, daß ich bei ihm wäre. Wollen Sie mich nun ein Tag oder zwei bei sich aufnehmen? ... Arnims Gut ist Wippersdorf [Wiepersdorf] im Ländchen Bernwalde bei Dahme ... Hätten Sie zufällig Gelegenheit Erkundigung über die Weise, wie man nach Wippersdorf am besten reist, einzuziehen, so wäre das gut für mich [10.V.1816]
... Ich schicke Ihnen hier, wie Sie es wünschten, ein Lied und die Melodie dabei. Brentano hat es, nach der wahren Begebenheit gedichtet und auch die recht paßende Weise dazu componirt. Es gefällt mir gar gut und ist, etwa den zweiten Vers ausgenommen, wo die epigrammatische Spitze und das obgleich biblische, doch zu künstliche Gleichniß nicht recht paßen, auch volksmäßig, allgemein verständlich und eindringlich. Ferner schicke ich Ihnen ein paar Blätter von meinem Bruder Ludwig, die Zwehrner Märchenfrau [d. i. Dorothea Viehmann aus Zwehren, 1755-1815], die sich die Kinder betrachten können und einen charakteristischen Juden, wovon Sie vielleicht die Zeichnung hier schon gesehen haben ... Wir arbeiten nun so fort, mit dem besten Willen und nach unsern Kräften. Gott gebe, daß es etwas Ganzes und Brauchbares zusammen ausmacht. So oft etwas allgemein menschliches darin vorkommt, werde ich mir die Freude machen, es Ihnen zu schicken, von den Vorarbeiten will ich Ihnen aber nicht reden. Göthe habe ich einen Plan zu einer Gesellschaft für altteutsche Literatur, Poesie und Alterthümer zugeschickt, da er mir die Ehre angethan, mir deshalb zu schreiben und sich freundlich und theilnehmend zu zeigen. Ein Hauptstück darin ist zu zeigen, wie gewiße Arbeiten nur gemeinschaftlich vollbracht werden können, im übrigen aber die größte Freiheit herrschen muß ... Der neue Band seines Lebens ist in den Beschreibungen wieder meisterhaft, man meint man könnte überall so herumspatziren gehen ... Könnte ich einen Abend bei Ihnen zubringen, so machte ich Ihnen ... einen Spaß, indem ich Ihnen ein handschriftl[iches] Lustspiel von Brentano auf den Schmalz vorläse. Es heißt der geheime Raht Schnaps u. ist eine Fortsetzung des Göthischen Bürgergenerals; es ist voll Witz und guter Einfälle, gedruckt kann es nicht wohl werden [10.XI.1816]
... Harniers Reise nach Italien war sehr zweifelhaft geworden, da die Han[n]ov[ersche] Gesandtschaft an den Papst durch den Vorschlag Östreichs, gemeinschaftlich mit diesem die kirchl[ichen] Angelegenheiten zu ordnen einen Aufschub erlitten. Es soll eine neue Diöcesan Eintheilung von Deutschl[and] statt finden. Das erzählte mir H. selbst vor zwei Tagen, nun höre ich eben, daß er noch nach Italien zu der Herzogin von Anhalt, die sich in Pisa befindet, u. zwar in ganz kurzem abreisen wird ...".
Am Schluß das Gedicht "Ein Neujahrswunsch": "Ich schau hinaus, vor meinem Fenster thut sichs auf, / die Wolken ziehen fort in stillem Lauf, / das Himmelsauge blicket wieder / blau, unvergänglich, mild auf uns hernieder; / Und neben mir hat sich die Blume aufgethan, / schneeweiß und duftend, schaut zur Sonnenbahn, / und durch die Wintersnächte und die kalten Stunden / hat sich das Leben froh und hell gefunden. / O Gott und Herr, bescheer all deinen Kindern / solch einen Blick in kalten Wintern / und die dich lieben, all den deinen / laß du dein Licht, da wo sie trauern, scheinen." [23.XII.1816]. - Etwas gebräunt; 1 stärker Brief gebräunt, mit erheblichen Randschäden, Tintenflecken und Textverlusten; 5 Briefe mit - von Blatt zu Blatt abnehmenden - Tintenflecken am Rand, mit meist nur geringem Textverlust. - Abgesehen von diesen - mit einer Ausnahme nicht allzu schwerwiegenden - Erhaltungsmängeln eminent gehalt- und geistvolle Briefe des großen Gelehrten.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 7.020)


Zuschlag
€ 13.000 (US$ 15.209)



» Autographen

Hofer, Andreas
Militär. Ordre als Regent von Tirol

Los 2409

"alles was Waffen tragen kann"
Hofer, Andreas, Tiroler Freiheitskämpfer, legendärer Volksheld, auf Befehl Napoleons in Mantua erschossen (1767-1810). Schriftstück m. U. "Andrea Hofer" sowie mit Adresse und (zerteiltem) Siegel. 2/3 S. Folio. O. O. "Vom k. k. OberCommando Tyrols" 18.X.1809.

"Offene Ordre" an das Gericht von Imst, "durch Estaffette eiligst eiligst". Geschrieben vier Tage nach dem Wiener Frieden, in dem Österreich endgültig auf Tirol verzichtete. "Da der Feind in Unterinnthal mit grösserer Macht vorgetrungen unsere Landesvertheidiger geworfen und schon gestern bis St. Johan vorgerrükt ist, so hat alles was Waffen tragen kann ... also gleich eiligst eiligst, ohne Zaudern wem immer das Vatterland lieb ist, nach Innsb[ru]k abzumarschiren ...". - Seit seinem Sieg in der Schlacht beim Berg Isel am 13. August war Hofer Regent und Oberkommandant von ganz Tirol. - Aus der Sammlung Künzel.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 7.020)


Zuschlag
€ 4.500 (US$ 5.265)



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