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Hesse, Hermann
Konvolut Briefe und Postkarten

Los 2379

"Das deutsche Volk hat mich ausradiert"
Hesse, Hermann, Dichter, Nobelpreisträger (1877-1962). Konvolut von 21 masch. Briefen und sign. Typoskripten, 4 masch. Postkarten, 1 eigh. Brief und 2 eigh. Postkarten m. U. "Hermann Hesse", "H. Hesse" oder "H. H.". Mit 8 signierten, teils integrierten Gedicht-Typoskripten. Zus. ca. 29 S. Mit 16 eigh. und 4 masch. Umschlägen. Meist gr. 8vo. (Montagnola) 1941-1955.

An die ihm befreundete Emilie Weisschedel in Baden-Baden. Freundschaftliche Briefe mit familiären Mitteilungen und den beim späten Hesse vorherrschenden Klagen über Krankheiten und Überlastung, aber auch mit bitteren Urteilen zur aktuellen politischen Entwicklung. Nach tröstenden Worten zum Tod ihres Mannes bemerkt Hesse am 31.Januar 1941: "... Wir haben hier auch Sorgen genug, von meinen drei Söhnen sind zwei fast immer beim Militär. Aber vorläufig und im Vergleich mit dem Schicksal Vieler, die mir nahestehen, sind wir noch geborgen ...". Angehängt an diesen Brief ist das signierte Gedicht "Heiland", datiert "Weihnacht 1940". - Auch in den folgenden Kriegsjahren gibt der Dichter immer wieder Auskunft zur eigenen Situation und zu der seiner Familie und Freunde: "... Hier schicke ich Ihnen ein Bild, das mein jüngster Sohn Martin im Sommer 43 aufgenommen hat. Und auf der Zeichnung [als halbseitiger Briefkopf] sehen Sie mich beim Gartenfeuer, gezeichnet von [Gunter] Böhmer, nur bin ich längst nicht mehr so rüstig, die Zeichnung ist schon diverse Jahre alt. - Schlimm ist es meiner ersten Frau Mia [d. i. Maria Bernoulli] ergangen, der Mutter meiner Söhne. Sie lebte seit mehr als 20 Jahren in Ascona, wo sie ein kleines Haus besaß, und dies Haus ist im November völlig abgebrannt, ohne daß das Kleinste gerettet werden konnte. Für den Winter ist sie, sehr mühselig und kümmerlich, beim jüngsten Sohn in Bern untergekommen, dann muß man weiter sehen ... Als Autor bin ich in Deutschland jetzt so gut wie ausradiert; meine alten Bücher, aus deren Erträgnissen ich ja leben sollte, sind seit Jahr und Tag vergriffen; und die neuen muß ich, da man sie in Berlin nicht wünscht, in der Schweiz drucken lassen, was aber wenigstens den Sinn hat, daß einige meiner Bücher weiter existieren und nicht ganz aus der Welt verschwinden. Nun, das gehört zu der großen Zeit, in der wir zu leben das Pech haben; wollte man sie so heilig ernst nehmen wie sie sich selber nimmt, so wäre man schon längst nicht mehr am Leben [12.I.1943] ... Gern gebe ich Ihnen über meine Söhne und Enkel etwas Auskunft. Mein ältester Sohn, Bruno, ist Maler und Rahmenschnitzer (sein Brot verdient er halb und halb mit beiden Berufen) er wohnt im Bernischen, ... ist mit einer dortigen Bauerntochter verheiratet und hat ein Töchterchen Christineli und einen Buben namens Simeli. Mein zweiter Sohn, Heiner, ist Dekorateur und Graphiker, lebt in Zürich und ist zum zweitenmal verheiratet. Aus der ersten, geschiedenen Ehe ist ein sehr schönes Kind namens Bimba da. Von der zweiten Frau hat er ein Söhnchen, noch nicht viel mehr als ein Jahr alt. Der dritte Sohn, Martin, lebt in Bern, ist Junggeselle, und bei ihm ist zur Zeit seine Mutter Mia Gast, seit sie abgebrannt ist ... Er war Architekt, und mit Leidenschaft bei seinem Beruf; aber als er dann in der Krisenzeit zwei und drei Jahre lang ohne Arbeit blieb, sattelte er zum Fotografen um, spezialisierte sich später auf das Aufnehmen von Kunstwerken, Plastiken, alten Teppichen, Möbeln etc., und ist als Spezialist für diese Sachen gefragt ... In Zürich beginnt nächstens der Satz und Druck meines Buches ["Das Glasperlenspiel"]; es gibt lästig viel Arbeit, lauter peinliche Augenarbeit, bei meinem alten Verleger wäre das beinahe ohne mich gegangen, während ich mich jetzt um alles kümmern muß [23.II.1943] ... Die politischen Dinge sehen Sie dort anders als ich, das war schon seit 1914 so, und darum habe ich mich ja auch politisch losgelöst. Am Menschlichen ändert das nichts [geschrieben unter dem signierten Gedicht-Typoskript "Wache Nacht", datiert "Februar 1943"] ... Eine schlechte Nachricht kam letzte Woche: die Päckchen mit Kaffee und Schokolade, die ich vielen meiner Freunde schickte, werden von den deutschen Behörden nicht mehr zugelassen. Das ist sehr schade, ich hatte viele Freunde, die, ohne direkt in Not zu sein, doch Kaffee etc. sehr entbehrten und froh an den Sendungen waren [wohl Mai 1944] ... die 2 nächsten Verwandten meiner Frau, ihre einzige Schwester und ihr Mann, konnten zwar nach unendlichen Aufregungen mit unsrer Hilfe ihr Leben aus Rumänien retten, sonst aber nichts, sie sind nun heimatlos und brotlos und seit 3 Monaten bei uns, und bis heute sind unsere Bemühungen um ihre Zukunft um keinen Schritt weiter als am ersten Tag. Die Schweiz duldet, dass sie auf meine Kosten als Gäste noch eine Weile bleiben dürfen, weiter reicht das Entgegenkommen der Behörden nicht. Da der Schwager Jurist ist und aus Rumänien kommt, wird er schwer ein Land in der Welt finden, das ihn einlässt und ihm erlaubt zu arbeiten [wohl um 1945] ... Ich war wieder einmal 14 Tage Gast in Bremgarten, das in der 'Morgenlandfahrt' eine Rolle spielte, sah dort auch zwei meiner Söhne mit ihren Frauen, u. brachte die 2 Gedichte mit [handschriftlich um 1944/45 unter: "Zwei Gedichte, im August 1944 im Schloß Bremgarten geschrieben: Beim Wiederlesen von 'Heumond' und 'Schön ist die Jugend'. - Im Schloß Bremgarten"]. - Im Oktober 1947 hat Hesse endlich wieder Gelegenheit, sich frei über sein Verhältnis zu Deutschland nach den Gräueln des Nationalsozialismus zu äußern, und er nimmt eine ähnliche Haltung wie Thomas Mann ein: "... Es liegt mir vollkommen fern, in Deutschland für mich zu werben, oder gar den Behörden und Schulen nahezulegen, sie möchten mich in ihre Lesebücher aufnehmen. Vor 25 und 30 Jahren standen in fast jedem Lesebuch, wenigstens für die höhern Schulen, Sachen von mir. Das deutsche Volk hat mich dann ausradiert, und seine teutschen Modedichter an die Stelle gesetzt, und ich werde nie einen Finger rühren um das zu ändern. Man hat mich bespukt [sic] und beschimpft, die Verwandten meiner Frau gefoltert und vergast, mich um mein gesamtes Lebenswerk und um mein Brot gebracht, und nun erwartet man, dass ich freundlich lächelnd sage: 'Kinder, alles ist verziehen', und gar noch darum ersuche, man möge mich im Lesebuch nicht vergessen! Nein, da haben Sie sich mein Verhältnis zu Deutschland doch falsch vorgestellt. - Dass der norddeutsche Thomas Mann Ihnen ferner steht als ich Süddeutscher, ist ja ganz begreiflich. Ich bin sehr mit ihm befreundet und begreife die harten und dummen Urteile über ihn nicht, er hat sich vollkommen richtig und würdig gehalten und verdient Hochachtung dafür, nicht Vorwürfe. Ende Juli war ich in Luzern nach langen Jahren endlich wieder einen Tag mit ihm zusammen, das gehörte zum Besten, was dies Jahr mir gebracht hat ..." [5.X.1947]. Ferner über ein weiteres Treffen mit der Familie Mann, über bürokratische Hürden bei Hilfslieferungen und der Pass-Beschaffung in Deutschland, ein Begleitschreiben zu dem signierten Gedicht-Typoskript "Märzsonne" (datiert "März 1948), eine Abschrift seines Briefes an die "Neue Rundschau" zum 75. Geburtstag Thomas Manns und vieles andere. - Diverse Beilagen, darunter 1 weiteres, nicht signiertes Gedicht-Typoskript ("Klage und Trost"), 2 Ansichts-Postkarten mit eigh. Gruß von Hermann Hesse, 2 Orig.-Porträtfotos des Dichters (1 signiert), 1 Ansichts-Postkarte von Gaienhofen sowie 2 eigh. Briefe von Mia Hesse an Emilie Weisschedel. - Das eine Porträtfoto mit Lichtflecken; 2 Briefe mit blauer Wasserfarbe diagonal durchgestrichen - vermutlich von der Zensurbehörde. - Biographisch interessantes Konvolut aus sorgenvoller Kriegs- und Nachkriegszeit; mit 8 signierten Gedichten.

Schätzpreis
€ 3.500   (US$ 4.059)



» Autographen
Musil, Robert
18 Briefe an Toni Cassirer

Los 2425

"in Paranoia-Nähe"
Musil, Robert, österr. Schriftsteller (1880-1942) und Martha Musil, seine Ehefrau (1874-1949). Sammlung von insgesamt 16 Briefen, 2 Brief-Karten und 4 Brief-Zusätzen m. U. "Robert Musil" bzw. "Martha Musil". Großenteils gemeinsam auf einem Briefbogen geschrieben. Zus. 29 S. Gr. 4to und 8vo. 1933-1939.

An Antonielle (Toni) Cassirer (1883-1961), die Ehefrau des Philosophen Ernst Cassirer (1874-1945). Bedeutende und gehaltvolle Briefreihe, die das harmonische Zusammenwirken des Ehepaars Musil sowohl in ihrer geistigen Sphäre wie in ihrer Außenwirkung dokumentiert. Die einzelnen Briefe und Briefanhänge (7mal gemeinsam auf einem Briefbogen) verteilen sich wie folgt: Robert Musil: 4 eigenhändige und 4 maschinenschriftliche Briefe sowie 3 eigenhändige Zusätze auf Marthas Briefen. - Martha Musil: 8 eigenhändige und 1 maschinenschriftlicher Brief sowie 1 eigenhändiger Zusatz auf einem der Briefe Roberts. Das breite Spektrum der behandelten Themen reicht von familiären Nachrichten über Reiseberichte bis zu literarischen Kontakten und aktuellen Arbeiten, und immer wieder ist vom "M. o. E.", dem "Mann ohne Eigenschaften", die Rede. Der eröffnende Brief von Martha Musil enthält eine Feststellung, die für die vorliegende Korrespondenz eher nicht gilt: "... Ich denke immer daran, daß Sie gern schreiben und nicht gern Briefe empfangen, was für herzlich gesinnte schlechte Briefschreiber ungeheuer sympathisch ist, und die Hoffnung eröffnet bald wieder von Ihnen zu hören." Die letzte halbe Seite nutzt Robert Musil zu einem eigenen Brief: "... Wir sind uns nach Ihrem und Ihres Gatten Weggang in unserer Heimatstadt Wien höchst einsam vorgekommen. Eifrig bin ich in die Schule von 'Cambridge' gegangen. Es war Trost und Schmerz. Alles habe ich mit Genuß studiert, und wenn ich bloß von Humor spreche, so geschieht es, weil Ihr Gatte mich gerade danach gefragt hat und weil ich da ein wenig zum Fach gehöre: von allen mir bekannten Verfahren, die Bedeutung des Humors zu lokalisieren, kommt nur dieser meinem Empfinden nahe ..." [Wien 27.VIII.1933]. Am 5.XI.1933 berichtet Martha: "... Eine englische Agentur bemühte sich um eine neue Arbeit meines Mannes, über ein historisches Thema, die zuerst englisch erscheinen sollte. Mein Mann schlug dagegen ein Buch vor, in dem er in aphoristischer Form seine Meinung über das heutige Leben, Kunst, Kultur sagen wollte, was aus naheliegenden Gründen jetzt nicht für Deutschland geeignet wäre. Ein solches Buch hätte er gut neben dem Mann o. E. schreiben können und gern geschrieben, aber die Engländer wollen es nicht als Erstes, und nach manchem hin und her ist nun das Ganze auf einen toten Punkt gekommen ..." [Wien 5.XI.1933]. In einem längeren maschinenschriftlichen Brief geht Robert auf seine aktuelle Arbeitssituation ein: "... Es ist ... aus dem Buch über Oesterreich, das Sie so freundlich begrüssen, nichts geworden; ich weiss nicht, ob ich nicht den richtigen Agenten hatte und nicht an den richtigen Verlag kam, jedenfalls scheiterte aber ... das schliessliche Angebot völlig an der Frage des Vorschusses, und ich habe nur kostbare Zeit verloren. Sonst wäre ich garnicht so böse darüber, denn ich bin kein Historiker, und das Unterfangen war nach dieser Seite etwas abenteuerlich. Ich muss nun leider in allergrösster Eile einen Ersatz suchen, denn auch aus der 'Gesellschaft des Mannes o. E.' ist mittlerweile wider Erwarten die letzte Stütze schon jetzt ausgebrochen, und wenn ich das ganz unverblümt sagen darf, so geht es nur noch einige Wochen weiter mit dem Roman und seinen zwei Autoren ...". Er überlege, ob es ihm möglich sei, für englische oder amerikanische Zeitschriften zu schreiben. "... Denn ich kann das ja nicht als Journalist tun, sondern nur wie ein Dichter, etwa wie die Notizen [Paul] Valérys sind oder nach dem Vorbild der Nietzscheschen Aphorismen. Das täte ich sogar sehr gerne, denn heute wachsen einem die Beobachtungen und Bemerkungen aus den Fingern, und ich bin ohnehin so voll davon, dass es dem Roman nebenbei gar nicht schlecht zu bekommen brauchte, wenn ich mich davon entlastete ... Und nun trete ich ab. Ich habe soeben ein Clarisse Kapitel bis zu einer Stelle geführt: 'da sagte Clarisse: 'die Irren denken eben mehr als die Gesunden. Sie können auch mehr als wir! ... Bedenken Sie, dass man in früheren Zeiten doch überhaupt keine Irrenhäuser gekannt hat! Und der General schloss wieder den Mund, denn daran war etwas Wahres. Und Clarisse sagte: 'Das Irrenhaus ist eine Verfallserscheinung. Man muss die Irren wieder ins Volk lassen!' - Ich wäre gerne selbst noch dabei, wenn das weitergeht ..." [Wien 17.XI.1933].
In einem Schreiben vom Dezember 1933 kommt Martha noch einmal auf die Versuche ihres Mannes zu sprechen, mit Hilfe der Cassirers in England Fuß zu fassen: "... es wäre sehr vorteilhaft für ihn, in England Terrain zu erobern, wo er so wenig bekannt ist, daß man Broch den tiefen und großen österreichischen Dichter nennt (dies soll Huxley geschrieben haben). Robert ist Ihrem Mann außerordentlich dankbar, daß er sich mit Mr. Gullick in Verbindung setzen will. Ich habe große Bedenken wegen der Übersetzung, eben weil er so schlecht Deutsch kann, und weil die Sachen, die Robert schreibt, doch immer recht schwierig sind. Aber er ist natürlich stolz auf seine Übersetzung der 'Drei Frauen', und vielleicht mit Recht ... Wir haben ihn in Berlin durch seinen Freund, einen jungen Buchhändler vom 'Buchladen am Kurfürstendamm' (jetzt ist er schon lange in Paris), der immer viel Propaganda für den 'Mann o. E.' gemacht hat, kennengelernt ... Was macht Ihr Sohn Georg? Bleibt er in Berlin? Ich finde auch, daß man sich mit den Zurückgebliebenen nicht recht verständigen kann, weil ja doch nicht alles zu umschreiben und gleichzeitig verständlich zu schreiben ist [9.XII.1933] ... Ich möchte Ihnen nur in Eile mitteilen, dass sich hier ein angenehmes kleines Wunder begeben hat: eine Gruppe von unseren Bekannten, eigentlich flüchtig Bekannten, hat sich plötzlich hinter unserm Rücken zusammengetan, um eine R. M. Gesellschaft oder so ähnlich zu gründen, durch welche die Vollendung des M.o.E. bewirkt werden soll ..." [Wien 22.XII.1933].
In einem langen eigenhändigen Brief vom 1. Januar 1934 erläutert der Dichter die Entstehung und Zusammensetzung dieser "Robert-Musil-Gesellschaft", die ihn einerseits freue, aber zugelich auch in Verlegenheit bringe. "... So sehr ich mir wünschen muß, daß sich die Sache 'herumspreche', fühle ich mich dadurch doch schon in Paranoia-Nähe gebracht, insofern als ich schon überall meine 'Freunde' flüstern höre und niemand mehr unbefangen ansehen kann; also nur ins Freundliche verkehrter, immerhin auch drückender Beziehungswahn! Das ist ein Grund meines Wunsches, daß die Angelegenheit möglichst bald unpersönlich-öffentlich werde ...". - Nach längerer Pause meldet sich Robert am 12. April 1936 wieder mit einigen Entschuldigungen und einem Brief voll bedeutsamer Aussagen. "... Wissen Sie, was ich über den Sinn es Judentums denke? Ich antworte darauf, obwohl Ihre Frage bloss ein Seufzer war und obwohl ich zur Antwort nicht berufen bin und es gleich Ihnen lästig empfinde, dass man heute sogar nachdenken muss, ohne sich den Gegenstand aussuchen zu können. Aber zuvor müsste ich sagen, was ich über den Sinn des Volkstums denke: Bloss, dass er ein Unsinn ist! Wohl ist dieses als die natürlichste und nächste menschliche Leistungsgemeinschaft dargeboten, aber wie wenig leistet es wirklich im Verhältnis zu dem, was es schuldig bleibt und wie entwickelt sich alles, was vorwärts führt, über Volk und Nation weg! Der Sinn des Judentums wäre also gerade der, dass es sich nicht wirklich ganz konsolidiert, und wenn sich die heutige Rüpelromantik alias Staatsgesinnung überlebt, wird man das, denke ich, einsehen ... Sie werden, was ich gesagt habe, vielleicht zu belanglos finden -: wenn man heute einen Brief schreiben will, wäre er ja verpflichtet, sich gleich zu einer Abhandlung zu sammeln: das ist das Hinderliche, und aus Ehrgeiz oder Respekt schweigt man ...". - Martha Musil meldet im Juli 1937 - neben Nachrichten von ihrem Sohn Otto in Philadelphia - den Fortgang von Roberts Mammutwerk: "... Robert muß leider ununterbrochen arbeiten, weil sein neuer Verleger (Bermann-Fischer) wenigstens einen kleinen Teilband des 'Mann o. E.' vor Weihnachten herausbringen möchte; und das ist in mancher Hinsicht unvorteilhaft, besonders weil die Zeit zu kurz ist ..." [Reichenau, N.Ö., 3.VII.1937]. Daran schließt Robert einen eigenhändigen Brief, in dem er gesteht: "... die letzten Monate sind so ermüdend gewesen, daß wir gerade mit den letzten Kräften aufs Land gelangt sind. Ich habe mit Bermann-Fischer wegen der Übernahme meiner Bücher aus dem Rowohlt Verlag abgeschlossen, unter leider zeitgemäßen Bedingungen, und jetzt behandle ich meinen Kopf wie einen Fußball, weil ich mich habe verpflichten müssen, im Herbst eine Fortsetzung des Mannes o. E. herauszubringen und durchaus nichts auch nur Halbganzes werde fertigmachen können ... Für die Freundlichkeiten, mit denen Sie nach dem Erscheinen der 'Dummheit' meinen Pessimismus erhellt haben, noch nachträglich vielen Dank! ...". - Zwei weitere Briefe spiegeln den Konflikt mit dem Verleger "B." (Bermann-Fischer?), von dem sich Musil schlecht behandelt sieht. "... Erst heute hat B. auf R's Brief geantwortet, ausführlicher als sonst, aber unbefriedigend und ablehnend; er will mit dem Autor - trotz aller Schätzung - nichts mehr zu tun haben und begreift gar nicht, was R. auf sich genommen hatte, indem er monatelang, von aller Hilfe verlassen, auf ihn gewartet hat, ohne mit anderen auswärtigen Verlegern in Fühlung zu treten oder auf die Sirenentöne deutscher Verleger zu hören ..." [Martha Musil, 18.IX.1938].
Der schöne Briefwechsel von drei Intellektuellen auf Augenhöhe beleuchtet die Situation eines Schriftstellers, der als Meister der Schilderung feinster seelischer Nuancen und wechselnder Bewußtseinsebenen und Dimensionen von Geschehensabläufen unverhofft mit äußeren Zwängen in einer langsam immer enger und bedrohlicher werdenden Umwelt und Bedingung des Schaffens zu kämpfen hat - ein höchst wertvoller Beitrag zur Biographie sowie zur Weltanschauung und Denkweise des Dichters.

Schätzpreis
€ 18.000   (US$ 20.880)



» Autographen
Proust, Marcel
Brief an Albert Nahmias

Los 2431

Proust, Marcel, franz. Schriftsteller und Sozialkritiker (1871-1922). Eigh. Brief m. U. "Marcel". 4 S. 8vo. O. O. (1915 oder Anfang 1916).

Bisher nicht vollständig veröffentlichter Brief an Albert Nahmias, eines der Modelle seiner Schwester Albertine. Proust hatte Albert 1908 in Cabourg kennengelernt, wo der "petit Albert gentil" mit seinen beiden Schwestern am Strand eine "kleine Bande" bildete. Er wurde fortan Prousts Vertrauter, Sekretär und Verwalter seiner Finanzen. In geistreicher Form schildert der Dichter im vorliegenden Brief den aktuellen Stand seiner immerwährenden Gesundheitsprobleme: "... Je viens d'avoir de longues semaines de fièvre accablante où tracer une ligne m'était impossible. Je vais mieux mais mes maux d'yeux ont augmenté et pour cette autre raison je ne peux écrire tant que je n'aurai pas vu un oculiste et que je n'aurai pas de verres. Mais Pour aller voir l'oculiste il faudrait pouvoir se lever. Cercle vicieux ...". Es sei übrigens nicht leicht gewesen, auf Alberts Brief zu antworten. "... Mais méchant garçon jamais vous ne mettez votre adresse de sorte qu'il va falloir deux jours de fouilles dans des tombereaux de papiers pour trouver une ancienne lettre de vous où elle se trouve. C'est donc bien difficile de donner son adresse." Aber seine Gesundheit sei nicht der einzige Schwachpunkt; die Finanzen seien es gleichermaßen: "Ma ruine s'achève lentement mais sûrement ..." . - Etwas stockfleckig; 4 winzige Nadel-Löcher; sonst gut erhalten.


Schätzpreis
€ 6.500   (US$ 7.539)



» Autographen
Rilke, Rainer Maria
Gedichtmanuskript

Los 2436

Rilke, Rainer Maria, Dichter (1875-1926). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "R. M. R.". 11/2 S. auf 2 Bl. Briefpapier des "Hotels Marienbad, München" (rückseitiger Aufdruck). Gr. 4to. (München 1914).

"Hymne (zweiten und dritten August)". 28 Zeilen: "Zum ersten Mal seh ich dich aufstehn / hörengesagter fernster unglaublicher Kriegs-Gott! / Wie so dicht zwischen die friedliche Frucht / furchtbares Handeln gesät war, plötzlich erwachsenes ... Endlich ein Gott. Da wir den friedlichen oft / nicht mehr begriffen, ergreift uns plötzlich der Schlacht-Gott, / schleudert den Brand: und über dem Herzen voll Heimath / schreit, den er donnernd bewohnt, sein röthlicher Himmel." Der erste der bei Beginn des Weltkriegs entstandenen "Fünf Gesänge". Der wegen einer ärztlichen Behandlung in München weilende Dichter wurde vom Kriegsausbruch überrascht und schrieb die Verse in seinen Band mit Hölderlin-Gedichten, aber, wie das vorliegende Manuskript zeigt, auch auf Münchener Hotelpapier. Rilke hat sich schon 1915 davon distanziert, aber die nach Vorbildern Pindars und Hölderlins gestalteten Verse wurden Rilke von einer besserwisserischen Nachwelt genauso übelgenommen wie die Kriegsbeginn-Dichtungen vieler anderer Autoren. - 1 Bl. rückseitig leicht angeschmutzt; 1 kleiner Faltenriss. - So frühe und umfangreiche Gedichtmanuskripte Rilkes kommen nicht mehr oft vor.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 6.959)



» Autographen
Humboldt, Alexander von
5 Briefe an François Forster

Los 2505

- 5 eigh. Briefe m. U. "Al Humboldt". In franz. Sprache. Zus. 5 S. Gr. 8vo. Berlin und Potsdam 20.IX.1844 - 16.V.1857 bzw. o. J.

Inhaltsreiche Briefe an François Forster (1790-1872), Kupferstecher mit Professorentitel in Paris, dessen Kunst Humboldt sehr schätzte. "... Votre jeune Raphael de 15 ans a été admiré par tous nos artistes. C'est un ouvrage qui porte le cachet de Votre beau talent, plein de fraicheur, de grace, de noble simplicité dans le faire, d'une couleur de l'original ... Sans doute que le 'Roi de cette colline' [wohl Friedrich Wilhelm IV.] qui se plaint de ne pas vous voir ici (de grace ne venez cependant pas voir ce pays en hiver ...) aura un vif plaisir a recevoir, de Votre main, dans son Palais Vos admirables travaux ..." [20.IX.1844]. - Empfiehlt ihm im Sept. 1844 den Miniaturmaler Durocque und bittet, ihm mit seinem Rat behilflich zu sein. "... un artiste qui peut Vous montrer un portrait très ressemblant de ma figure préadonnite (copie en miniature d'un beau portrait de Begas que le Roi a fait faire) est bien reçu chez vous ...". Am 30.IV.1857 teilt er dem "cher et illustre ami" mit, daß dieser ohne Zweifel für den preußischen Roten Adler-Orden für die Wissenschaft und Künste vorgesehen sei und erläutert die Bedeutung dieser Ehrung. "... je le savais d'avance par Votre grand admirateur Mr. Rauch et par Mrs. Mandel et Eichens, 'que l'illustre maître, Mr. Forster, sera placé en première ligne parmi les trois graveurs proposés par moi à Sa Majesté' ...". Er sei beglückt, mit dieser Ernennung einen so lange von ihm gehegten Wunsch in Erfüllung gehen zu sehen. "... Non seulement à cause de la grandeur de Votre talent ..., mais aussi de la haute gloire due à la noble independence et a l'observation de Votre caractère moral ...". - Es kommt aber anders: Am 16.V.1857 teilt er Forster die Aufnahme in den Orden pour le Mérite, Klasse der Wissenschaften und der Schönen Künste mit und bestätigt ihm, daß er den ersten Platz auf einmütigen Vorschlag der ganzen Intendanz erhalten habe. "... Puisse la nouvelle que je Vous donne, Vous prouver combien il nous est doux de nous occuper de Vous, que le Roi ne cède pas avec la Principauté puisque Vous appartenez à une plus vaste sphere ...". - In dem folgenden, undatierten Schreiben läßt er Forster auf dessen Anfrage wissen, wie denn die Künste in dem Orden vertreten seien. Unter den Deutschen zählt Humboldt auf: Cornelius, Lessing, Julius Schnorr, Vater und Sohn Schadow, Rauch, Schwanthaler, die Komponisten Meyerbeer und Mendelssohn Bartholdy. An nicht deutschen Künstlern nennt er: Ingres, Horace Vernet, Toschi, Daguerre, Thorvaldsen, Fontaine sowie Rossini und Liszt als Komponisten. - Forster war Mitglied der École des Beaux Arts in Paris und wurde 1863 auch Offizier des Ehrenlegion. - Schöne, gehaltvolle (wenn auch gelegentlich schwer lesbare) Briefe in - abgesehen von belanglosen Büroklammer-Druckstellen - sehr gutem Zustand.

Schätzpreis
€ 6.000   (US$ 6.959)



» Autographen
Littrow, Joseph Johann von
Konvolut von Briefen

Los 2514

Littrow, Joseph Johann von, österr. Astronom, Initiator und Direktor der neuen Universitäts-Sternwarte in Wien, Universitätsprofessor (1781-1840). Konvolut von 57 eigh. Briefen m. U. "Littrow". Zus. ca. 146 S. Meist gr. 4to, einige in gr. 8vo oder 8vo. Wien 1822-1835.

An einen ihm befreundeten Astronomen. Große, umfang- und inhaltsreiche Briefreihe, in der es auschließlich um Fachfragen der Astronomie geht: neue Erkenntnisse und Berechnungen, Geräte, Fachliteratur, physikalische Beobachtungen und Messungen, Korrespondenz mit Kollegen und vieles andere. Mit seinem Buch "Die Wunder des Himmels", das zahlreiche Auflagen erlebte, erreichte Littrow eine Popularität wie wenige Astronomen. - 11 Briefe sind inkomplett, einige mit Randschäden; 1 Brief von 1832, betreffend die Versammlung der Naturforscher in Wien, ist an einen anderen Adressaten, einen "Director", gerichtet. - Die vorliegende Briefsammlung ist eine außerordentlich reichhaltige Quelle zur Entwicklung der Astronomie im Verlauf von 13 Jahren und zu Beginn der technischen Revolution im 19. Jahrhundert.

Schätzpreis
€ 4.500   (US$ 5.220)



» Autographen
Friedrich II., der Große
Sammlung von 34 Briefen an Joachim von Prittwitz

Los 2565

"den Feind auf die Finger zu klopfen"
Friedrich II., der Große, König von Preußen (1712-1786). Sammlung von 34 (darunter einem eigenhändigen) Briefen m. U. "Fch", "Frch" oder "Frdch". Geheftet in einen handgebundenen violetten Maroquinband um 1860 (Ecken etwas bestoßen) mit reicher Vergoldung und Blindprägung im Rokoko-Stil auf beiden Deckeln und dem Rücken sowie mit goldgeprägtem Titel auf dem Vorderdeckel. Meißen, Breslau und Potsdam 8.IV.1761 - 15.XI.1785.

Umfangreiche Sammlung von Briefen des Königs an den Major und späteren Generalleutnant Joachim Bernhard von Prittwitz (1726-1793), der ihm als Rittmeister in der Schlacht bei Kunersdorf (12.VIII.1759) das Leben rettete, so daß Friedrich ihm bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden blieb. In allen Briefen herrscht ein freundlicher, wohlwollender Ton, der nicht nur auf vergangenen Dienstleistungen, sondern auch auf anhaltender Zufriedenheit mit dem Offizier beruht. - Anfangs stammen die Briefe aus den letzten Jahren des Siebenjährigen Krieges, aus Meißen und Breslau; sie enthalten Instruktionen und Lob für gutes Verhalten in den Kämpfen gegen die Franzosen. - Die folgenden Briefe aus der Friedenszeit kommen aus Potsdam und befassen sich mit Beförderungen, Schenkungen, Festsetzung einer Pension, Aufträgen, Einladungen etc. - Nach dem Brief vom 18.VI.1772 ist ein eigenhändiges Schreiben (o. O. u. J.) eingebunden. - Die ersten Briefe halb- oder ganzseitig, die späteren viertelseitig oder nur einige Zeilen. Einige Zitate:
"... Erstlich, daß Ihr dort das Leib-Regiment zu Pferde deken, und durch Eure Patrouilles avertiren laßen sollet, wenn was starckes gegen selbiges kommen wolte, damit solchen fals das Regiment sich gleich zusammen ziehen könne, den[n] dorten Euch zu schlagen solches ist wegen Eurer aller mit einander meine intention nicht. Zweytens müßet Ihr, das Land und die Gegenden daherum überall so weit wie möglich von fourage und von Subsistance entledigen, damit die Frantzosen nichts von dorten zu ihrer Subsistance noch Magazinen ziehen können (Meissen 8.IV.1761) ... Der Vorschlag, ... die Auswechselung der bey denen Frantzosen befindlichen Krieges Gefangenen vom Leib Regiment und das allenfalls dazu erforderliche Geld, ... hat meine völlige Approbation (Meissen 15.IV.1761) ... Ihr habt übrigens Euere Mesures sehr gut gewonnen und thut alles so einem guten und brafen Officier zukommt. Ich habe befohlen, daß Ihr noch durch etwas Husahren aus einem Frey Bataillon renforciret werden sollet (Meissen 18.IV.1761) ... Ich habe den Vorfall, den Ihr unterm heutigen dato Mir gemeldet, mit Vergnügen ersehen. Die Action gegen den feind ist ungemein schön, und Ich verspreche mir weiter zu Euch, daß Ihr den Feind schon weiter in Respect zu halten wißen, und ihn in gleichen Fällen zurück zu weisen und auf die Finger zu klopfen nicht ermangeln werdet (Breslau 7.II.1762) ... Der Coup den Ihr gemacht habt, ist excellent. Ich habe Mühe zu glauben, daß alle feindliche Regimenter aus Sachsen, schon dort angekommen seynd ... " (18.IV.1762).
Nach Friedensschluß wendet sich der König dem Wiederaufbau der heimischen Wirtschaft und Infrastruktur zu, wozu auch der 1744-1746 erneuerte Finowkanal zwischen Havel und Oder gehörte. "... So habe ich resolviret Euch hierdurch zu committiren und aufzutragen daß Ihr nächstens selbsten nach gedachten Fino Canal gehen und daselbst alles wohl besehen und examiniren sollet, ob solcher Canal gäntzlich repariret ... werden kan (Potsdam 11.X.1765) ... Ich willfahre mit Vergnügen Eurem Gesuch ... um Allodification [Übergang vom Lehen in freies Eigentum] der Euch hiebevor geschenckten Ämter Quilitz und Rosenthal. Es macht solche, die Euch durch Schenckung dieser Aemter, erzeigte Gnade, noch vollständiger (Potsdam 2.XII.1769) ... Ihr habet nicht die allergeringste Ursach, Euch über die Ertheilung meines Moehringschen Husaren Regiments an meinen Obristen von Samoggi zu beunruhigen ... Vielmehr könnt Ihr Euch gantz fest versichert halten daß Euch niemahls einiger Tort, im Avancement, geschehen, oder Ihr, auf einige Weise, dabey vergeßen werden sollet. Wahre Verdienste weiß Ich zu schätzen (Potsdam 24.V.1773) ... Mir wird es angenehm seyn, Euch, auf einige Zeit, bey Mir zu sehen; und Ich werde Euch demnach, morgen oder übermorgen, allhier erwarten (Potsdam 13.VI.1774) ... Um Euch ein gesichertes Merckmahl meiner Gnädigen Zufriedenheit ... zu geben, habe Ich Euch eine jährliche Pension von Ein Tausend RTal. auf Meine General Krieges Casse ausgesezet (Potsdam 16.VI.1774) ... Die Gesuche zum Verkauf adelicher Güter an Personen bürgerlichen SDtandes sind häufiger, als Ihr Euch solches wohl vorstellet: und da, um solchem einmahl Einhalt zu thun, Ich, darinn weiter nicht zu willigen, Mir so zusagen zum Gesez gemacht; so werdet Ihr Euch daher nicht wundern, wenn Ich auch in Ansehung Eurer davon nicht abzugehen resolviren kann, und werde inzwischen Euch das Guth Saegewitz noch zu conserviren den gnädigsten Bedacht nehmen ..." (Potsdam 2.VIII.1774).
Im Alter gehören, wie immer, so auch hier Krankheiten zu den wachsenden Themen. 1775 schreibt der König. "... Es hat mir gewis recht viel plaisir gemacht zu erfahren, daß es sich mit Eurem Krankheitszustand in so weit gebeßert hat, daß Ihr Euch nunmehro außer Gefahr befindet. Da indeßen in dergeleichen schweren Krankheiten die Recidive ungemein gefährlich sind; so wollet Ihr nunmehro wohl auf Eurer Huth seyn und ja nicht eher ausgehen, als bis Eure Gesundheit und Kräfte Euch solches vollkommen und mit völliger Sicherheit erlauben werden (Potsdam 1.II.1775) ... Ich habe in gnädiger Rücksicht, auf Euren Mir bekannten rechtschaffenen Dienste Eifer, resolviret, Euch Mein Regiment Gens d'armes, zu conferiren, und vermelde Euch solches hierdurch, umb das Regiment und deßen Angelegenheiten, gehörig zu übernehmen und alles bey demselben in guter Ordnung zu erhalten (Potsdam 23.VI.1775) ... Wenn Ihr wollet so gut seyn, den 18ten dieses, ein bisgen zu Mir her zu kommen, so würde Ich das gerne sehen, werde aber nicht davon abusiren, sondern wenn das Carnaval angehet, werde Ich Euch nicht weiter hier aufhalten ..." (Potsdam 15.XI.1785).
Der würdige Einband täuscht darüber hinweg, daß die Sammlung irgendwann vorher einen erheblichen Wasserschaden erlitten hat: Die Blätter sind durchgehend wasser-, braun- oder sporfleckig, teilweise auch mit ausgebesserten Fehlstellen; die Tinte häufig verblasst. Allerdings sind alle Schadstellen, soweit möglich, mit großer Sorgfalt fachmännisch unterlegt und restauriert.

Schätzpreis
€ 12.000   (US$ 13.919)



» Autographen
Schiele, Egon
Billet 1917

Los 2693

- Eigh. Billet m. U. "Egon Schiele". 1/2 S. Kl. 4to. (Wien) 10.XI. (1917).

An seinen Galeristen Guido Arnot. "... Bitte dem Überbringer dieses mein Figurenbild und 50 Zeichnung von Peschka kurzerhand ausfolgen zu wollen. Beste Grüsse Egon Schiele". - Darunter mit Kopierstift der Übergabe-Vermerk vom Galeristen und vom Boten. - Der österreichische Maler Anton Peschka (1885-1940), Freund und Schwager Schieles, ist auch von Schiele porträtiert worden. - Gelocht.

Schätzpreis
€ 3.000   (US$ 3.479)



» Autographen
Wagner, Richard
Brief Zürich 1858

Los 2772

"Geld kann ich leider immer gebrauchen!"
Wagner, Richard, Komponist und Dirigent (1813-1883). Eigh. Brief m. U. "Richard Wagner". 2 S. Gr. 8vo. Zürich 16.III.1858.

An Carl Haslinger in Wien. "... Ich sage Ihnen meinen herzlichen Dank für die fortgesetzte rücksichtsvolle Freundlichkeit, die Sie mir zuwenden. Ihr letzter Brief ist mir vor einigen Tagen von Paris, was ich nun schon länger verlassen, hierher nachgesandt worden, und da ich unter andren daraus ersehe, dass für mich wieder etwas Geld bei Ihnen deponirt ist, so bin ich unbescheiden genug, Sie zu bitten , mir diese Wenigkeit ebenfalls hierher zu schicken. Geld kann ich leider immer gebrauchen! ... ". Auch weiteres eintreffende Geld möge nach Zürich gesandt werden: "... ich bleibe für jetzt wieder ruhig in Zürich. - Da unser Freund Liszt jetzt bei Ihnen schon eingetroffen sein wird, so grüssen Sie ihn doch sehnsüchtigst von mir, und sagen Sie ihm, wie sehr ich Sie beneide, ihn bei sich zu haben. Mir geht es traurig genug, um nicht viel davon mitzutheilen! Desto mehr solle es mich aufrichten, wenn ich von ihm und seinem Wirken viel Erfreuliches höre ... Auf Ihn kann ich mich allein auch nur berufen, wenn ich wünsche, Ihnen einigermaassen meinen Dank für Ihre grossen Gefälligkeiten abzutragen. In Seinem Namen ging ich Sie darum an, und Er möge nun persönlich Sie dafür entschädigen, was leider ganz außer meiner Macht steht, Ihnen zu erwidern! ...". - WBV 2124.

Schätzpreis
€ 4.000   (US$ 4.640)



» Autographen
Dumas, Alexandre
Affaire Clémenceau

Los 3108

Dumas, Alexandre. Affaire Clémenceau. Mémoire de l'accusé. 4 Bl., 353 S., 1 Bl. Mit gestoch. Portrait, 3 Bl. Faksimiles, 1 sign. Ex libris mit sign. Zustandsdruck sowie 12 Orig.-Radierungen in 26 Bl. Zustandsdrucken von Albert Besnard. 28 x 18 cm. Bordeauxroter Maroquinband d. Z. auf 5 unechten Bünden (sign.: René Aussourd) mit vergold. 8-fachen Deckel- und Innenkantenfileten, RVergoldung und Goldschnitt sowie dunkelroten Seidenmoirévorsätzen; OUmschlag beigebunden. In gefüttertem HLederschuber. Paris, A. Durel, 1910.

Carteret IV S. 145. – Edition spéciale. Eines von 100 (Gesamtauflage 110) numer. Exemplaren auf Vélin d'Arches mit den Orig.-Radierungen von Besnard (Delteil 27-37) in den vorletzten und letzten Druckzuständen "vor Löschung der Randeinfälle" und mit den gelöschten Remarquen sowie dem radierten Frontispiz in allen (4) Druckzuständen. Unserem Exemplar außerdem beigebunden: Die Umschläge verschiedener Auflagen (1866 [gelb und weiß], 1909, 1905 [doppelt, auf festem Bütten]), Druckvermerk für das "Exemplaire No I, ein weiteres Brief-Faksimile (3 Bl. sowie eine weitere "Table des Gravures". – Wunderschönes, breitrandiges Exemplar im prächtigen Meistereinband; mit den Zusätzen als Unikat zu bewerten.

Schätzpreis
€ 5.000   (US$ 5.800)



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