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Los 8049 Birkle, Albert
Schlächterwagen
Verkauft
8049)

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Schlächterwagen
Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. 1923.
47 x 71 cm.
Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin".

Nach rechts und nach links ziehen durch das Bild ausgemergelte, von der Not gezeichnete Gestalten, Menschen und Pferde, die versuchen, dem Elend und Hunger zu entkommen. Wenige Wagenlampen werfen ihren schwachen Schein in das Dunkel des Geschehens, und nur zurückhaltend setzt Birkle das Kolorit in seiner Komposition ein. Der alte Mann ganz links vorne blickt unter seiner Hutkrempe direkt zum Betrachter und ruft ihm zum Zeugen der erbärmlichen Zustände in diesem ereignisreichen Jahr der Weimarer Republik: Wegen verspäteter Reparationszahlungen besetzte Frankreich 1923 das Ruhrgebiet, die deutsche Regierung rief zu Sabotage und Streik auf, zahlte jedoch die Löhne an die Streikenden weiter und musste dafür mehr Banknoten in Umlauf bringen. So begann die dramatischste Inflation, die das Land je erleben sollte, mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung.
Birkle absolvierte nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Lehre als Dekorationsmaler im väterlichen Betrieb, studierte von 1920 bis 1925 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und war Meisterschüler bei Arthur von Kampf. Er entwickelte in diesen Studienjahren einen religiös geprägten, sozialkritischen Realismus in einer formalästhetisch-neusachlichen Formensprache, der vor allem in seinen Charakterköpfen karikierende Züge vermittelte. Das Angebot einer Professur an der Königsberger Akademie lehnte der Künstler 1927 ab, um Aufträge für kirchliche Wandmalereien u.a. in Gaislingen und Kattowitz auszuführen. Im Umbruch der Machtergreifung Hitlers übersiedelte Birkle nach Salzburg, wobei er sein Berliner Atelier behielt. 1936 stellte er in der Berliner Nationalgalerie aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig. Die dort gezeigten Bilder wurden 1937 im Haus der Deutschen Kunst in München entfernt, weitere Werke von ihm in öffentlichen Sammlungen als "entartet" beschlagnahmt und er selbst mit einem Malverbot belegt. Birkle meldete sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst, wodurch er vorübergehend dem Militärdienst entgehen konnte. Er arbeitete als Kriegsmaler, Kriegsberichterstatter und musste 1944 einrücken. 1946 erhielt Birkle die österreichische Staatsbürgerschaft und widmete sich vor allem sakralen Gestaltungswegen als Glasmaler. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden bedeutende Werke auf diesem Gebiet. In seinem malerischen und zeichnerischen Spätwerk griff er in einem expressiven Stil auf die sozialkritischen Tendenzen seiner frühen Motive zurück.
Bitte Zustandsbericht erfragen.

Errata: Die vollständigen Angaben zur Technik, Signatur und Datierung lauten: Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin"; im Printkatalog abweichend.

Schätzpreis
€ 35.000   (US$ 39.549)


Zuschlag
€ 30.000
(US$ 33.900)
(GBP 26.700)
(CHF 33.600)



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