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Los 6014 Niederländisch
Vanitasstillleben
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6014)

» Zoom

2. Viertel 17. Jh. Vanitas-Stillleben mit Totenschädel, Schleiereule und Fledermaus.
Öl auf Leinwand, doubliert. 55 x 79 cm.

Als dieses enigmatische Stillleben 1929 Hofstede de Groot, dem eminenten Kenner niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts, als Schwarzweißfotografie vorgelegt wurde, war er dazu geneigt, es dem Friesländer Petrus Schotanus zuzuschreiben. Auch wenn die Zuschreibung auf Grundlage motivischer und stilistischer Vergleiche heute nicht mehr haltbar ist und unser Meister vorerst unbekannt bleiben muss, spricht Fred Meijer von einem „most interesting painting of excellent quality that represents seventeenth-century ideas about life and death in an extraordinary manner.“ Dass auch hochqualitative Werke wie das vorliegende anonym bleiben, ist laut Mejier nicht unüblich. Stilistische Eigenheiten wie die Lichtbehandlung, Komposition und Farbskala sprächen für eine Entstehung im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts: Die reduzierte Palette in warmen Brauntönen verbindet der Kunsthistoriker mit Haarlemer Stillleben aus dieser Zeit und besonders mit den monochromen Landschaften der 1630er Jahre.
Für die hohe Qualität des Werks spricht auch die motivisch ungewöhnliche sowie inhaltlich herausfordernde Ikonographie. Grundsätzlich entspricht eine Vielzahl der dargestellten Gegenstände, prominent der Totenschädel und die umgefallene, erlöschende Kerze, der Vanitas-Bildtradition - einem im frühen 17. Jahrhundert in ganz Europa aufkommenden Genre, das die Vergänglichkeit des Lebens thematisch in den Mittelpunkt stellte. Doch wird das Repertoire an kodifizierten Bildgegenständen auf unkonventionelle Weise mit toten und lebendigen Tieren, wie der streng blickenden Schleiereule, der Frösche und der bedrohlich flatternden Fledermaus, bereichert. Ganz anders als in den prunkvollen Stillleben der zweiten Jahrhunderthälfte dominieren auf diesem Werk dem Thema entsprechend niedere Wesen und einfache Gegenstände aus Zinn und Messing.
Obwohl der technisch brillante Künstler nicht den scharfen, klaren Realismus vieler nordalpiner Stillleben suchte, verzichtete er nicht auf die sorgfältige und naturalistische Wiedergabe der Oberflächen. Bestimmend ist allerdings der atmosphärische Gesamteindruck, der von der reduzierten Palette in gedämpftem Graubraun sowie von der weichen, stellenweisen diffusen Malweise evoziert wird. Gesteigert wird dies durch den Verzicht auf die Ausformulierung des Interieurs zugunsten eines ambivalenten Bildraumes - Ambivalenz, die im Hintergrund ihren Höhepunkt findet. Dort, unter der Fledermaus, ragt ein Nagel, mit hauchfeinen Spinnweben behangen aus dem, was eine Wand sein muss. Unmittelbar darüber scheint jedoch eine zweite, schemenhaft angedeutete Fledermaus in nebulöser Ferne zu flattern, was wiederum einen offenen Raum suggeriert. Es ist eine Malerei, die durch Störelemente wie dem rätselhaften Bildraum und dem Sichtbarmachen des Pinselstrichs die „Gemachtheit“ des Gezeigten zu Bewusstsein bringt. Diese Selbstreflexivität spiegelt sich auch in der Wiedergabe der Malutensilien wider. Auf der Palette befinden sich genau jene Farbtöne, die realiter dazu verwendet wurden, um das Werk zu schaffen. Gerade in Verbindung mit der Vanitas-Thematik, kann das Hervorheben der Künstlichkeit des Werks auch affirmativ gedeutet werden: Das Leben vergeht, die Kunst bleibt. Ideen über Vergänglichkeit, Leben, Tod und dem illusorischen Wesen der Malerei verdichten sich hier zu einem malerisch herausragenden und motivisch unkonventionellen Meisterwerk. - Das Gutachten von Fred G. Meijer vom 26. September 2019 ist in Kopie vorhanden.

Provenienz: Sammlung Dr. Alfred Kadisch, Wien (1859-1930).
C. J. Wawra, Wien, Auktion 22.-24. September 1930: "Die Sammlungen Dr. Alfred Kadisch und Eduard Perger", Los 49 (als "Petrus Schotanus", ohne Abb.).
Privatsammlung, Österreich.

Literatur: Seit 1929 am RKD, Den Haag in einer schwarzweiß Photographie dokumentiert.
Auktionskatalog C. J. Wawra, Wien, 22.-24. September 1930: "Die Sammlungen Dr. Alfred Kadisch und Eduard Perger", Los 49.


Schätzpreis
€ 60.000  

(US$ 66.000)
(GBP 52.200)
(CHF 63.000)



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